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landlive.de

Forum: (Jagd)Recht

ein Waldbesitzer (angeblich) zu Thema Rewild...
Hulzfux17.04.19 @ Carcano #
Carcano schrieb:

Für Wildlinge kann die Erwägung PudlichIIs durchaus ein gewisses Gewicht haben. Und auch die [Epi-]Genetik der Samenbäume (von denen die Baumschulen-Kulturpflanzen gewonnen werden), kann relevant sein. Aber Wildlinge werden forstlich wohl nicht massenhaft umgesetzt, erst recht nicht betriebsübergreifend - oder?

Carcano


Es gibt ein Forstvermehrungsgutgesetz, das besagt, dass man Wildlinge betriebsübergreifend nur in Verkehr bringen darf, wenn der Altbestand ein zugelassener Erntebestand ist (plus zusätzlicher Vorgaben). Das heißt dass ein Waldbesitzer innerhalb seiner Waldbestände Wildlinge versetzen kann, ohne sich an irgendwelche Regeln zu halten.

Grundsätzlich ist es so, dass Wildlinge nicht so stark verbissen werden, weil sie eben nicht gedüngt sind. Aber man sollte dabei schon auch beachten, dass man keine halbverhungerten, ausgedunkelten Bäumchen dazu verwendet. Und das im Privatwald übliche "ziehen" von Wildlingen ist wegen abgerissener (Fein-)Wurzeln auch kontraproduktiv...

Bei der Genetik kommt wieder das Forstvermehrungsgutgesetz sowie die Einteilung der Landesfläche in verschiedene "Herkunftsgebiete" zum Tragen. Zumindest für Bayern werden und wurden die Erntebestände auch auf ihre genetische "Breite" untersucht, weswegen grad bei der Tanne viele Erntebestände ihre Zulassung wieder verloren haben. Man möchte genetisch möglichst breit aufgestellte und somit wahrscheinlich anpassungsfähigere Populationen von Waldbäumen begründen. Die Herkunftsgebiete stellen sicher, dass sich regional angepasste Bäume verwenden lassen. Als Beispiel hier Hochlagen- und Tieflagenherkünfte, welche sich zum Beispiel im genetisch fixierten Austriebsbeginn unterscheiden, ... oder in der Kronenform (Schneebruch), ...

Dass die Genetik einen Unterschied im Verbissdruck machen würde, hab ich noch nie gehört. Hat aber wahrscheinlich noch keiner untersucht.

pudlichII18.04.19 @ Hulzfux #
Hulzfux schrieb:

Meinst du wirklich, dass es Baumschulen gibt, welche ihre Pflanzen ungedüngt im Schatten anziehen?

In der Baumschule geht´s darum, die Pflanzen möglichst wenig rumziehen zu müssen, schöne, gestufte, gut genährte Pflanzen zu erziehen, die man nach möglichst kurzer Zeit verkaufen kann. Die sollen ja auch gut anwachsen und brauchen dazu demensprechend Reservestoffe in Sproß und Wurzel. So halb verhungerte kannst auch gleich kompostieren.


Mein ehemaliger Dienstbezirk (ca. 5000 ha) war standörtlich etwas besonderes:
Auf ca. 55 % sind die Standorte auf Grund mächtiger eiszeitlich entstandenen Lehme im Unterboden besser als mäßig frisch und besser als mäßig nährstoffversorgt.
Die übrigen 45 % bestehen fast vollständig aus mehr oder weniger mächtigen Zweischichtsanden, die naturgmäß im Bereich trocken/mäßig trocken und schlecht / mäßig schlecht nährstoffversorgt einzustufen sind.

Eine der Baumschulen, die mich belieferte, war im Bereich der Lehme ansässig, eine zweite auf deutlich ärmeren Standorten.
Nach ein paar Jahren fiel mir auf, daß die Pflanzen, die sich standörtlich "verschlechtert" hatten, deutlich stärker verbissen wurden als die von dem ärmeren Standort. Ich habe das mit Einwilligung der jeweiligen Waldbesitzer verifiziert und auf mehreren Flächen die "Herkünfte" (Herkünfte nicht im forstlichen Sinne) gemischt. sodaß teilweise unmittelbar nebeneinander liegende Verjüngungsflächen mit Pflanzen aus beiden Baumschulen verjüngt wurden.
Dabei fand ich meine Vermutung bestätigt:
Wenn ich Pflanzen aus der "Lehm" - Baumschule auf den Sand bringe, wachsen die zunächst besser an, werden aber stärker bis massiv verbissen.
Bringe ich Pflanzen aus der "Sand" - Baumschule auf den Lehrm, ist der Verbiss völlig zu vernachlässigen, allerdings ist die Anzahl der vorwüchsigen Bäumchen (mit allen negativen Begleiterscheinungen, besonders bei Traubeneichen) deutlich höher.

pudlichII18.04.19 @ Hulzfux #
Hulzfux schrieb:

...
Grundsätzlich ist es so, dass Wildlinge nicht so stark verbissen werden, weil sie eben nicht gedüngt sind. Aber man sollte dabei schon auch beachten, dass man keine halbverhungerten, ausgedunkelten Bäumchen dazu verwendet. Und das im Privatwald übliche "ziehen" von Wildlingen ist wegen abgerissener (Fein-)Wurzeln auch kontraproduktiv...

......


Sachma, wie bist du denn drauf?
Wildlinge werden nicht "gezogen" die werden ausgepflügt
im Privatwald?

[www.lwf.bayern.de]
Okay
dann eben so:

Wildlinge werden nicht "gezogen" die werden ausgepflügt

Außer in Bayer, die nehmen die Grabgabel.
pudlichII schrieb:

Okay
dann eben so:

Wildlinge werden nicht "gezogen" die werden ausgepflügt

Außer in Bayer, die nehmen die Grabgabel.




Ich kenne es tatsächlich so, also selbst in dem Fall, dass Forstwirte größere Mengen an Wildlingen werben und nicht der Privatwaldbesitzer nur ein paar Pflänzchen braucht.
pudlichII schrieb:
Okay
dann eben so:

Wildlinge werden nicht "gezogen" die werden ausgepflügt

Außer in Bayer, die nehmen die Grabgabel.


Heide_Unterfranken schrieb:



Ich kenne es tatsächlich so, also selbst in dem Fall, dass Forstwirte größere Mengen an Wildlingen werben und nicht der Privatwaldbesitzer nur ein paar Pflänzchen braucht.


Also zum letzten mal:

Wildlinge werden nicht "gezogen" die werden ausgepflügt

Außer in Franken, die nehmen die Grabgabel.

Und außer in Oberbayern, die reissen sie einfach raus.

Passt`s so?

)
Hulzfux18.04.19 @ pudlichII #
Also warst du irgendwo in den Moränenlandschaften Norddeutschlands unterwegs?

Ich frag mich nur noch, woran das dann gelegen haben mag, denn gedüngt werden doch beide Baumschulen haben? Waren die Pflanzen unterschiedlich im Wuchs?

pudlichII schrieb:

Mein ehemaliger Dienstbezirk (ca. 5000 ha) war standörtlich etwas besonderes:
Auf ca. 55 % sind die Standorte auf Grund mächtiger eiszeitlich entstandenen Lehme im Unterboden besser als mäßig frisch und besser als mäßig nährstoffversorgt.
Die übrigen 45 % bestehen fast vollständig aus mehr oder weniger mächtigen Zweischichtsanden, die naturgmäß im Bereich trocken/mäßig trocken und schlecht / mäßig schlecht nährstoffversorgt einzustufen sind.

Eine der Baumschulen, die mich belieferte, war im Bereich der Lehme ansässig, eine zweite auf deutlich ärmeren Standorten...

pudlichII18.04.19 @ Hulzfux #
Neee, ich bin in den Sandergebieten unterwegs....

Unterschiedlich im Wuchs?
Bei Lieferung natürlich nicht, sie kommen ja sortiert.

die "Lehm-Baumschule" hat mir zwei Jahre hinter einander mal Dgl geliefert, die in den Folgejahren verzwieselten wie blöd. Das wude problemlos nachgebessert und lag offensichtlich an der Herkunft.

Insgesamt wirken die Pflanzen von der ärmer ausgestatteten Baumschule irgendwie "filigraner", der Wurzelhals ist dünner, die Nadeln etwas weniger kräftig grün.
Wenn du mir heute aber je drei Laub- und je drei Nadelholzexemplare aus den beiden Baumschulen hinlegen würdest, könnte ich die vermutlich nicht zuverlässig entsprechend zuordnen, dazu sind die Unterschiede zu gering. Wenn du mir jeweils 25er Bunde hinlegen würdest, könnte ichs vermutlich erkennen.

Wie die Betriebe düngen, weiß ich nicht mehr, aber da waren die Unterschiede nicht groß genug, als dass man daran etwas hätte festmachen können.

Insgesamt bin ich mir sicher, es liegt an der Qualität der Verschulbeete/Quartiere.
Wobei das eigentlich auch logisch ist. Wir haben auf den Kiefern - Standorten pH-Werte von um die 3,0 bis 3,4, auf den Lehmböden kann man da locker 1,0 draufsatteln. Das bedeutet schlußendlich ja, dass die Pflanzen auf den ärmeren Standorten deutlich weniger an höherwertigen Mineralien einlagern können. Den Unterschied kennen wir selber ja auch, probier mal Spargel mit Kartoffeln vom mit Pferdemist gedüngten Sandboden und nimm danach ein paar Stangen von güllegedüngten Lehmböden. Die lässt du aber nach dem 2. Bissen garantiert liegen.
tschortwosmij20.04.19 @ Hulzfux #
Hulzfux schrieb:


das im Privatwald übliche "ziehen" von Wildlingen ist wegen abgerissener (Fein-)Wurzeln auch kontraproduktiv...
.

Kommt auf die Baumart und den Standort an. Auf mächtigen Rohhumusauflagen reißt da kaum was ab. Betrifft aber dann halt kaum Mineralbodenwurzler wie Buche und Eiche, eher Fichte und Tanne.