Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

der künstliche Kuhstall für mehr Insekten

Beitrag vom Autor bearbeitet am 01.05.19 um 11:44 Uhr.
#
Ackerbau_Viehzucht1 Ackerbau_Viehzucht2 reiner_Ackerbau
der künstliche Kuhstall für mehr Insekten
Das folgende Thema richtet sich an Niederwildjäger und an Freunde von insektenfressenden Vogelarten des Offenlandes.


Noch bis in die 1970er bis 1980er Jahre wurde die landwirtschaftliche Kulturlandschaft von gemischten Bauernhöfen geformt. Die Bauernhöfe betrieben sowohl Ackerbau als auch Viehzucht. Es gab Rinder, Arbeitspferde , Schweine und teils auch Ziegen und Schafe auf den Höfen.

Heute ist dies in typischen Ackerbauregionen nicht mehr so. Landwirtschaftliche Betriebe sind spezialisiert. Sie betreiben dort reinen Ackerbau. Die Viehhaltung hat sich an Grünlandstandorte verlagert.

Auf den beiden ersten Fotos sieht man noch Regionen, wo Ackerbau und Viehzucht zusammen betrieben werden.

Auf dem dritten Foto sieht man ein reines Ackerbaugebiet.

Schlagwörter dieses Themas: hinzufügen »

0
 
#
Rind Einstreu offener_Mist
Die Viehhaltung auf den früheren Bauernhöfen lieferte zusätzlich Massen von Insekten für die Vogelwelt im Offenland. Viele Vogelarten sind nicht darauf angewiesen. Es gibt bspw. auch Rebhühner, Fasane und andere Feldvögel in reinen Ackerbauregionen. Dennoch waren die früheren gemischten Betriebe ein zusätzlicher Baustein für mehr Insektenleben.

Fliegen wärmen sich am Vieh , und nähren sich auch von deren Körpesekreten.


Das Vieh wurde auf Einstreu gehalten. Im Frühjahr und Sommer bot die mistgetränkte Einstreu eine gute Brutstätte für Fliegenmaden. Dies umso besser, wenn die Rinder keine Rückstände von Entwurmungsmitteln aufweisen und in den Mist abgeben.

Auf jedem Bauernhof lag ein Misthaufen , der vielerorts auch eine feuchte Jauchezone an den Rändern aufwies. Im Festmist und im feuchten Jauchebereich entwickelten sich unterschiedliche Fliegenarten.



2
 
#
offener Mist 2
weiteres Bild eines offenen Misthaufen
0
 
#
Kuhfladen Mistkäfer
Auch Kuhfladen ohne Rückstände von Entwurmungsmitteln werden von zahlreichen Insekten besiedelt. Darin entwickeln sich unter anderem verschiedene Mistkäfer - und Fliegenarten.


Bild 1 : von Insekten durchlöcherter Kuhfladen

Bild 2: eine Mistkäferart im Kuhfladen
1
 
#
Neuntöter1 Neuntöter2
Von den zahlreichen Insekten können sich auch zahlreiche Vögel ernähren.

Auf den Fotos sieht man einen Neuntöter mit einem erbeuteten Mistkäfer neben einer Viehweide, unweit der oben fotografierten Kuhfladen.
1
 
#
Schwalbennest
In geeigneten Viehställen sind die Schwalbennester noch voller Jungvögel.




Aufgrund der Spezialisierung mancher Regionen auf reinen Ackberbau, hat nicht mehr jede
offene Kulturlandschaft diese gemischten Bedingungen. Auch Vogelfreunde und Niederwildheger kommen nicht mehr so leicht an Mist von Rindern, Pferden, Schweinen oder Schafen heran. Erst Recht kommen sie kaum noch an Mist von Tieren heran, welcher keine Rückstände von Entwurmungsmitteln mehr enthält bzw. nicht mehr mit solchem Mist durchmischt ist.

1
 
#
Tonnen1 Tonnen2 Tonnen3
Der Naturfreund kann allerdings „ Ersatzmist“ herstellen , in welchem sich ebenfalls zahlreiche Insekten der Mistfauna entwickeln können.

Bild 1: Man nehme frischen Rasenschnitt, welcher beim Mähen in Hausgärten und in Parks anfällt. Diesen gibt man in verschließbare Tonnen. Dann füllt man die Tonnen mit Wasser auf. Das Gras sollte völlig von Wasser durchtränkt werden.
Die Tonnen sind quasi das Verdauungssystem der Pflanzenfresser.


Bild 2: Je nach Außentemperatur sollte man den Rasenschnitt mindestens 4-5 Wochen bei verschlossenem Deckel gären lassen. Hin und wieder kann man den Inhalt auch mal umrühren. Der Gärvorgang läuft so lange, bis der Rasenschnitt braun ist und der Inhalt der Tonne beim Rühren nach Jauche riecht.
Um schon zeitig Frühjahr , ca. ab Ende März/Anfang April, den ersten Ersatzmist für die Entwicklung der Insekten im Offenland ausbringen zu können, kann man auch einen der letzten Sommerschnitte des Vorjahres in die Tonnen geben , und über den Winter bis zum folgenden Frühjahr in den Tonnen vergären lassen. Man kann also im Herbst schon Rasenschnitt für das folgende Frühjahr vergären. Trotz der langen Lagerung über den Winter erhält man einen guten Ersatzmist, der zeitig im folgenden Frühjahr zur Verfügung steht.


0
 
#
Sandkastenschale Dungfliegen auf Kunstmist
Den Mist bringt man aber nicht einfach aus. Jauche würde ungewollt in den Boden versickern. Zudem würde Regen von oben weitere Jauche ausspülen. Dies hätte auch umweltrechtliche Probleme zur Folge. Je nach Örtlichkeit könnten auch angrenzende Magerbiotope, wie Magerwiesen, überdüngt werden.

Es werden daher kleine Hütten für den Ersatzmist gebaut.

Bild 1: Als Unterlage für den Mist kann man günstige Sandkastenschalen für Kinder aus Hartplastik verwenden. In den Becken hält sich die flüssige Jauche und die Becken können nicht so leicht von Tieren durchlöchert werden. Die Jauche kann so nicht durchsickern, und in die Umwelt gelangen.


In bunte Sandkastenschalen kann man zur Tarnung schwarze Plane legen.

Den Ersatzmist gibt man so in die Sandkastenschale, dass ein aufgetürmter feuchter Festmistbereich entsteht und eine feuchte Jauchezone; letztere bestehend aus einer Jauchepfütze. Der Mist sollte in manchen Bereichen den Rand der Sandkastenschale so berühren, dass hinein geflogene Insekten notfalls auch wieder aus der Wanne herausklettern können, bspw Ameisen und Mistkäfer.

Bild 2 : hier ein Beispiel von der Schichtung des "Ersatzmistes" : Gelbe Dungfliegen sitzen schon drauf.
1
 
#
Mistdach1 Mistdach2
Über den Mist kommt ein Dach gegen den Regen. Der Regen würde ansonsten die Wanne zum Überlaufen bringen.
Die Jauche soll ja nicht im Boden versickern.
Die Frontöffnungen hatte ich in einem der letzten Jahre mit Kaninchendraht verschlossen, damit Insekten rein und raus fliegen können. Durch den Draht können dann aber keine größeren Tiere in die Häuschen gelangen und im Mist und in der Jauche rumwühlen.
0
 
#
Fliegenmade_Ersatzmist Fliegenpuppen gelbe Dungfliegenmade
In der höheren Festmistzone in der Hütte entwickeln sich bspw. Stallfliegen, gelbe Dungfliegen, Schwingfliegen und Schmetterlingsmücken. Sollte die Festmistzone nach einiger Zeit an der Oberfläche etwas trocken erscheinen, kann man etwas Jauche aus der Jauchezone abschöpfen und über der Festmistzone verteilen. So wird sie feucht gehalten. Durch den entstehenden Duft beim Überschütten der Festmistzone werden auch wieder verstärkt Fliegen aus der Umgebung angezogen, die dann ebenfalls Eier im Mist legen können.
Der Festmistbereich sollte aber aus dem Grund nicht zu sehr austrocknen, weil die Fliegenmaden sich von den Bakterien der Mistsäfte ernähren.

Bild 1: Stallfliegenmade im Ersatzmist


Bild 2: Stallfliegenpuppen im Ersatzmist


Bild 3: gelbe Dungfliegenmade im Ersatzmist (lebt räuberisch von anderen Maden )
1
 
Werde Mitglied der Community Jagd, um an dieser Diskussion teilzunehmen!
Zum Seitenanfang