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Kleine Rechtsanmerkungen für die Praxis

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Kleine Rechtsanmerkungen für die Praxis
Guten Morgen,
aus mehrfach aktuellem Anlass mal ein kurzer anwaltlicher Rundumschlag für Jäger, vielleicht interessiert es den einen oder anderen. Ich muss berufsbedingt immer den „worst case“ sehen – warum? Weil er nun mal vorkommt, und zwar häufiger, als man denkt. Und da ich in letzter Zeit gleich mehrere Entzugsverfahren reinbekommen habe hier ein paar, selbstverständlich nicht allumfassende Tipps:

- Verlängert Euren Jagdschein unbedingt Monate vor dem eigentlichen Ablaufdatum. Auch ich bin früher erst Ende März bei der Behörde aufgeschlagen – unklug. WENN es irgendwelche Verlängerungshindernisse gibt, z.B. ein bisher unbekanntes Ermittlungsverfahren, dann sollten vor allem Jagdpächter rechtzeitig davon wissen und sich kümmern können, sonst kann es schnell echt unangenehm werden.

- Nehmt Waffen und Alkohol nicht auf die leichte Schulter, vor allem bei Gesellschaftsjagden und vergesst dabei ausdrücklich nicht den Abend VOR der Jagd. So manche Zufallskontrolle am Morgen endete in einem ganzen Sack von Entzugsverfahren, schlimmer noch: wenn wirklich mal was passiert. Dann kann es nicht nur sein, dass Eure Jagdhaftpflicht Regress für den angerichteten Schaden fordert -man überlege mal kurz, was das kosten kann und dass deliktische Ansprüche nicht durch eine Privatinsolvenz erledigt werden!- sondern dass der Jagdleiter, der Euch aus alter Freundschaft nicht aus dem Rennen genommen hat, ein echtes eigenes Problem hat -obwohl er selbst gar nicht gesoffen hat. Das klingt sehr spießig, ist aber ein sehr realer Fall.

- Ein Zufallsfund heißt Zufallsfund, weil er aus einem wenn auch blöden Zufall resultiert. Wer also Dinge in Besitz hat, die waffenrechtlich ein Problem darstellen, der KANN gar nicht ausreichend vorsichtig sein. Nehmen wir ein reines NachtZIELgerät: „Ich dachte, das findet eh nie einer“ habe ich schon zig Mal gehört. Und dann hatte der Mandant einen unverschuldeten Autounfall oder einen neidischen Jagd“freund“. Oder die eifersüchtige Freundin zeigt „zufällig“ ein Bild eines solchen Gerätes der Polizei – „Guten Morgen, liebes Hausdurchsuchungsteam, fühlen Sie sich wie zuhause, gerne auch in den Geschäftsräumen.“..
So etwas sollte unbedingt vermieden werden, insbesondere, wenn einfach vollkommen unnötig – die Qualität der heutigen Vorsätze, deren BESITZ problemlos erlaubt ist, sollte jeden dazu bringen, sein NZG unbedingt endgültig loszuwerden. Denn wird das „zufällig“ gefunden, kann man das Chaos der Hausdurchsuchung nutzen, um schon mal seine Angeln zu entstauben.
Ich kenne auch einen Scheidungsfall, in dem ein NZG eine sehr deutlich ins Spiel gebrachte „Entscheidungshilfe“ in Sachen Vermögensaufteilung war…
- Auch das klingt spießig und blöd, hat aber seinen hochaktuellen Grund: Vorsicht bei Beziehungen, insbesondere frischen, brüchigen oder „eher labilen“ Partnern. Ein streitbedingter Anruf beim Sportverein Grün-Weiß und schwupp, schon entdecken dessen Abgesandte, dass man die Flinte nach dem Entenstrich bei der neuen, nichtjagenden Freundin mal eben in die Ecke gestellt hat -sie ist ja nichtjagend, hat also keinen Schrank- und Zigaretten holen ist. Dann mal Petri Heil!

- Auf jeder zivilen Fahrt sollten Autos unbedingt frei von Munition und Waffen, auch Abfangmessern sein, trotz Bettschwere nach dem Nachtansitz sofort geleert werden. Auch das ein aktueller Fall: Zufallsfund, nach dem die EIGENE Alarmanlage Mützenträger auf den Plan gerufen hatte.
- Total unterschätzt werden die Folgen von anderweitigen Verstößen, die durchaus auch ohne direkten jagdlichen Bezug umgehend alle Berechtigungen kosten können. Insbesondere Alkoholfahrten oder „Nur n bißchen kiffen, Alda!“ münden ganz gerne mal in eine Information der Waffenbehörde und damit in einer waffenrechtlichen MPU – die macht keinen Spaß, der „M“-Teil weist die Dauer und Intensität von Alkohol- und Drogenkonsum deutlich nach.
Auch zwei jagd- oder waffenrechtliche Ordnungswidrigkeiten, zB eine Kirrungsverstoß und ein vergessener Begehungsschein innerhalb von FÜNF (!) Jahren, können ausreichen, um in Zukunft mehr Zeit für die Modelleisenbahn oder Karaoke zu haben.
- Anwaltliche Betreuung in solchen Fällen wird vermutlich kostspielig. Der gesetzlich festgelegte Wert, aus dem die Gebühren berechnet werden, liegt bei einem Jagdschein bei 8 und bei jeder WBK mit einem Eintrag bei 5 TEUR – für jeden weiteren Eintrag werden 750 EUR addiert. Aber: die meisten Fehler werden in Erstbefragungen oder dann gemacht, wenn versucht wurde, das Ganze kostengünstig selbst zu regeln. Und werden hier welche gemacht, ist das Kind meist bereits im Brunnen, in dem ihm ein Anwalt nur sehr erschwert das Schwimmen beibringen kann.

Vielleicht helfen diese spießigen Denkanstöße dem einen oder anderen irgendwann mal weiter.

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Vielen lieben Dank, man kann gar nicht oft genug an Fehler erinnert werden die man besser nicht macht!

Gruss
.
Sinnfin
1
 
Beitrag vom Autor bearbeitet am 10.01.19 um 14:16 Uhr.
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Merci
WMH Udo
www.RS-Waffen.de
ÖJV - nein Danke

Manche Menschen sind der lebende Beweis dafür, dass Gehirnversagen nicht zwangsläufig zum Tod führt
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DANKE Max; sehr wertvoll
Gruß Hans L. sen.
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Hallo Max,

danke für die Info...
Seid ihr letztes WE gut wieder aus Brandenburg nach Huas gekommen ?

Gruß Jungdachs
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Vielen Dank
Ehrlichkeit währt am längsten!
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Beitrag vom Autor bearbeitet am 11.01.19 um 14:07 Uhr.
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Danke, Max!
Dass man sich um Kopf und Kragen reden kann, habe ich selbst bei einem Verkehrsunfall schmerzlich erfahren müssen.
Von daher kann ich nur raten, egal, was die Polizei einen fragt, lediglich Angaben zur Person zu machen und den Rest lieber mit einem Anwalt zu besprechen.
Bei mir war es das Wörtchen "Sekundenschlaf"(weil ich mir nicht erklären konnte, wie es passiert war)das mich fast den Führerschein gekostet hätte, nur dieses eine Wort. Mein Anwalt war gut, zum Glück, und hat mich da doch noch rausboxen können.
Also, freundlich sein, aber Schnauze halten ohne Anwalt!
Mancher tut sich als Jäger kund,
als Weidmann unverdrossen,
doch gleicht der Gute ohne Hund
der Leiter ohne Sprossen!

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Ein Maulwurf sitzt in seinem Loch
und hört ein Lerchenlied erklingen
Er spricht: "Wie sinnlos ist es doch,
zu fliegen und zu singen!"

10
 
@ Maxgoetzfried #
Danke schön, und spießig sind Deine Denkanstöße auf gar keinen Fall.
1
 
@ Wachtelhund #
Wachtelhund schrieb:
Dass man sich um Kopf und Kragen reden kann...

... passiert bei Aufbewahrungskontrollen mit unschöner Regelmäßigkeit.

Carcano
"Was man in Foren liest, stammt leider zu oft von Leuten, die besser Fragen stellen sollten, als Antworten zu geben" '(Stoeberjaeger)
1
 
@ Carcano #
Carcano schrieb:

... passiert bei Aufbewahrungskontrollen mit unschöner Regelmäßigkeit.

Carcano


... oder in dem man im Internet zu sorglos öffentlich Fotos einstellt ...
"Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten."
"Ich bremse nicht für Wölfe!"
"Patronen müssen teuer sein - Zur Erinnerung daran, dass das Leben ein Reichtum ist, den man nicht allzu leichtfertig verschwenden sollte."
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