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Behinderungen durch Schutzweste

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Behinderungen durch Schutzweste
Werte Gemeinde,

ich möchte hier aus verschiedenen Gründen meine Erfahrungen schildern. Das ganze steht im Zusammenhang mit dem Faden zur Westenpflicht, aber ich will das ausgliedern, da dort zu sehr OT.

Vorweg: Ich möchte in keinster Weise irgendwas gegen den Einsatz von Schlagschutzwesten sagen. Es gibt Hunde, für die die Westen eine Lebensversicherung sind. Es gibt Hunde, die nicht behindert werden dadurch. Oder Modelle, die den Hund nicht behindern. Oder es gibt Fälle, wo die Behinderungen nicht ins Gewicht fallen gegenüber den Vorteilen, die der Hund durch die Weste hat.

Es gibt aber auch Fälle, da ist das anders. Und so ein Fall ist meiner.

Ich hatte mich im Vorfeld umfassend informiert. Ich habe so ziemlich jeden Forumsbeitrag, der in den letzten zehn Jahren über Hundewesten geschrieben worden ist, gelesen. Habe mit Leuten gesprochen, habe mir Westen vorführen lassen, habe Tests gelesen usw. usf. Ich gewann den Eindruck, dass die ganz überwiegende Mehrzahl der Hundeführer mit den Westen gute Erfahrungen gemacht hat. Von großartigen Behinderungen der Hunde hab' ich wenig bis gar nichts gelesen.

Ich wollte meinem Hund was Gutes tun. Wenn schon, denn schon. Er ist am Schwarzwild noch zurückhaltend, wir haben zwar bereits eine Hetze an einer schwächeren Sau erfolgreich zuende gebracht, aber seine Schwarzwildschärfe ist steigerungsfähig. Ich dachte mir, egal, die Sichtbarkeit, der Schutz gegen Dornen und Totholz, bevor er doch mal Kloppe kriegt usw. Wir machen's gleich richtig, also kommt eine Weste, maßgeschneidert, von einem namhaften Anbieter ins Haus.

Ich ließ ihn testweise damit vor der Saison zweimal stöbern. Er jagte nicht wie sonst, er schien die Weste nicht zu mögen, aber er lief nicht unrund und jagte damit. Zusammen knapp 18 km. Ich kontrollierte gewissenhaft auf Scheuerstellen und fand keine.

Dann kam der Ernstfall, erste Drückjagd im Frankenwald. Wie erhofft, löste sich dieses "ich mag das Ding eigentlich nicht" völlig in Wohlgefallen auf. Er jagte wie immer. Fast.

Dazu muss man wissen: Ich habe eine sehr zierliche, sehr sportliche Bracke. Deutlich schmaler und leichter als der Rassendurchschnitt. Ganz klasssisch der feinzellige Laufhundtyp im Gegensatz zum grobzelligen Schweißhundtyp. Der Hund lief in seinem zweiten Jahr (= erste Saison) und lief und lief und lief. Niemals platt.

Bei der ersten Jagd der Saison war nach knapp 2,5 h Sabbat. Der Hund bewegte sich nicht mehr. Ich musste ihn abholen (zumal ich ja nicht wusste, was los war). Zum Zeitpunkt der Abholung hatte er 45 mins am Fleck gelegen und sich keinen Zentimeter mehr gerührt. Ich machte mir schwerste Vorwürfe. Hätte ich ihn besser auf die Saison vorbereiten müssen? So jedenfalls hatte ich den Hund noch nie gesehen. Die Weste konnte es ja nicht sein, wenn man der überwiegenden Mehrzahl der Hundeführer Glauben schenkt. Reichte die Kondition wohl nicht ...

Am nächsten Tag war nach 1,5 Stunde Ende. Mein Hund setzte sich an einen fremden Stand und blieb da bis Jagdende. Er konnte nicht mehr. Scheuerstellen konnte ich nach wie vor keine feststellen.

Dritte Jagd, erstes Treiben, nach 1,5 Stunden Hund erneut völlig platt, abholungsbedürftig. Oh je, oh je. Im zweiten Treiben lief er nochmal 1 h 40 mins und kam zum Stand zurück.

Ums kurz zu machen: Es war nichts wie vorher. Laufleistung geringer, Ausdauer geringer, Hund völlig ausgepumpt wie noch nie.

Am übernächsten Tag gab's ein kleinen Stamperer, nur eine Stunde Jagdzeit. Und danach sah mein Hund aus wie auf den Bildern zu sehen ist. Das Wundscheuern passierte also nicht sofort, sondern erst nach einigen Einsätzen, wo es den Anschein hatte, dass alles passt. Ich denke auch immer noch, dass die Weste passt. Die Weste ist leicht (nur eine Lage Schnittschutz plus Oberstoff). Aber die Beinausschnitte sind zu hart. Wenn ich meinen nackigen Hund beim Laufen ansehe, was sich da bei der Schulter alles bewegt, dann ist kein Wunder, dass das scheuert.

Vom Scheuern mal ganz abgesehen ist es offensichtlich so, dass die Jacke den Hund fix und fertig macht. Denn Do/Fr lief er auf drei Treiben mit Signalweste. Ich glaube ernsthaft nicht, dass die dreieinhalb Jagden in den zwei Wochen davor den Konditionszustand um 100% verbessert haben. Ohne die Schutzweste hatte ich, simsalabim, meinen alten Hund zurück. Drei Treiben in zwei aufeinanderfolgenden Tagen, knapp 7 h Arbeitszeit, knapp 70 km, über 6000 Höhenmeter (Auf- plus Abstieg). Schweres Gelände. Nadelwald. Relativ hohe Temperaturen (morgens 8°, gegen Mittag deutlich zweistellig). Müdigkeit: Fehlanzeige. Im ersten Treiben aus voller Fahrt hinterm Reh abgepfiffen, bei den beiden übrigen Treiben kam der Hund wie gewohnt zum Stand zurück (mit etwas Verspätung). Mit Schutzweste undenkbar.

WastelDW schrieb:
Schutzwesten haben sowohl bei Wachtel als auch bei DJT die Arbeitsweise beeinflusst.
Meine Hunde haben zwar auch gejagt mit Schutzwesten aber nicht so un"beschwert" und mit weniger Power hinten raus. Die DJT Hündin zeigt mir immer mit ihren Blicken dass sie die Weste nicht so richtig mag : "Lass mich hier raus und ich mach den ganzen Busch leer !"


Ich bin ehrlich froh, dass er das über Wachtel und Terrier gesagt hat, es somit offenbar nicht nur für "weiche" Bracken gilt. frankietester hat sich übrigens ganz ähnlich geäußert.

Lange Rede, hätte ich auch nur ansatzweise geahnt, wie sehr die Weste die Arbeitsweise meines Hundes beeinträchtigt, hätte ich von vornherein davon abgesehen, ihm eine zu besorgen. Und vielleicht geht es andern Hundeführern ähnlich.

Aussagen wie: Wenn der Hund platt ist, liegt's sicher an allem möglichen, aber an der Weste bestimmt nicht: kann ich nach meinen jetzigen Erfahrungen so nicht stehenlassen. Man möge also bitte zumindest in Erwägung ziehen, dass so eine Weste doch eine größere Behinderung darstellen kann.

Ich werde meine Weste überarbeiten lassen (Beinausschnitte entschärfen), aber dann wird sie mein Hund außer zur Nachsuche nicht mehr tragen. Ich kann natürlich nun noch diverse Westen ausprobieren, die an anderen Hunden wunderbar funktionieren, um dann festzustellen, dass sie an meinem trotzdem nicht gehen. Sowas wie zu Beginn der Saison werde ich meinem Hund jedenfalls nicht mehr antun.

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@ Heide_Unterfranken #
Meinem Rüden hatte ich damals eine Mikut Weste machen lassen.
Immer wenn er die anhatte, dann stand er da wie jemand der eingeschixxen hat.
Ich konnte machen was ich wollte, er jagte damit kaum bis nicht.
Höchstens widerwillig Standrunden.
Zog ich ihm die Rüstung aus, ab ging die Post.
Ich hab die Weste dann verkauft.
Ehrlichkeit währt am längsten!
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@ Heide_Unterfranken #
Ich hab bei meinem Rüden etwas weniger Einfluss als bei der Hündin festgestellt, dennoch unverkennbar.
Wie gesagt, wir haben jetzt ein leichteres Modell unten mit größerem Beinauschnitt.
Die ersten Tests waren besser als mit der schweren Weste.
Ich achte jetzt beim Sitz darauf , dass die Weste an der Brust nicht zu eng anliegt, weil :
wenn der Hund richtig pumpt ist der Brustumfang viel weiter als beim Messen.
Wenn bei dieses extremen Ausdehnen des Brustkorbes beim Atmen durch eine eng anliegende Weste begrenzt wird leidet die Kondition extrem. Lasse 1 Finger breit Luft und hab den Eindruck das reicht noch nicht.
Am Hals mach ich auch nicht zu enge. Finde die Anpassbarkeit mit breiten Klettbändern jetzt fast besser als eine Maßweste.
Und dennoch wer seinen Hund kennt erkennt auch die leichte Einschränkung.
Ich kann mit Leben weil der Hund mit Weste jetzt kürzer jagt. Die kilometerlangen Ausflüge wie früher sind jetzt deutlich kürzer. Da der Hund braun ist mach ich es auch wegen der besseren Erkennbarkeit.
Verkaufe:
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Nicht jeder Hund braucht wirklich eine Schutzweste...bei vielen "Westenträgern" ist bei Herrchen/Frauchen wohl eher der Wunsch der Vater des Gedanken...
Denn wir ziehen unsere Freude bei dieser Arbeit nicht aus Schüsseltreiben und Gläserklingeln, sondern aus Hundegeläut und dem Wegbrechen der gesprengten Rotte.


Kotflügel sind brutaler als Kugeln!

Ein Stock im Hintern ist noch lange kein Rückgrat...!
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@ kong #
Das ist ja ein anderes Thema.
Das gilt übrigens genauso für die Pfanner Anzüge
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Die Weste ist ja Maßgeschneidert, ich würde sie, mit den Bildern nochmal zum Hersteller Schicken. und drum bitten die Ausschnitte größer zu machen.

Durch die Bilder ist es ihm leichter seine Arbeit zu beurteilen.

Ob er denn in Zukunft überhaupt eine Weste tragen soll, oder ob es genügt deinen Hund "gut sichtbar" zu machen must du selber entscheiden.
Wenn er eh nicht in den Nahkampf geht, gehörig Abstand hält, genügt das vielleicht.

Bitte weiter berichten.
Warnung: Wie in einem Diskussionsforum üblich, gibt der Autor hier vor allem seine persönliche Meinung wieder, Ironie und Sarkasmus sind dabei gern genutzte, prägende Stilmittel!
Gerd,
27,00





aus Steinen die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas schönes bauen.
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ich hatte für meinen Dicken eine Schutzeste von Liebermann gehabt. Das Ding war an und für sich ganz gut gemacht, er war jedoch darin schon recht unglücklich.
Er hat zwar seine Arbeit als Durchgeher-Begleiter prima gemacht, aber nach einem halben Tag Jagd war er fix und alle!
Mit der leichten Signalweste lief er bis Abends tadellos.

Ganz ohne Signalweste auf gar keinen Fall, in den heutigen Tagen gibt es so was von viele Blindvögel mit Jagdschein bei Gesellschaftsjagden unterwegs, das verbietet sich von selbst.
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@ HH318 #
HH318 schrieb:

Die Weste ist ja Maßgeschneidert, ich würde sie, mit den Bildern nochmal zum Hersteller Schicken. und drum bitten die Ausschnitte größer zu machen.

Durch die Bilder ist es ihm leichter seine Arbeit zu beurteilen.



Schon passiert. Jetzt warte ich mal, wie lange der braucht, um sich zu rühren.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele auch der renommierten Westenhersteller leider Ein-Mann-Betriebe sind. Mit einer entsprechenden Service-Wüste, durch die man sich da durchkämpfen muss.
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Beitrag vom Autor bearbeitet am 22.10.17 um 11:35 Uhr.
@ Heide_Unterfranken #
Das was Du im Ausgangsthröt beschreibst ist altbekannt und eigentlich logisch. Der Hund hechelt zwar aus dem Maul,der Mensch schwitzt,aber trotzdem erfolgt ein gewaltiger Wärmeaustausch über den Körper .man könnte auch sagen,der "Fahrtwind " kühlt ab. Meiner Bracke hab ich sowas nie zugemutet. Eine Bracke braucht Schutzwesten überhaupt nicht. Jede Bracke kann gut einschätzen,wo`s gefährlich ist und wo nicht.Eine nette krelle,flexible Halsung tuts da wesentlich besser.
Signalwesten sind einigen Rassen zuzuordnen. Welche das sind,möchte ich hier offen lassen....
Frauen lügen nie.Sie erfinden höchstens die Wahrheit,die sie gerade brauchen (Yves Montant)
Das Geld ist am schnellsten beim Teufel,wenn man einen Engel kennenlernt !(Robert Lemke)
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Hallo Heide,
ich konnte solche Beobachtungen nicht machen. Allerdings musste die Weste auch mehrfach verändert werden.
Herr Mikut ist da sehr hilfsbereit und schnell!
Der Hund läuft mit und ohne Weste an guten Tagen ca. 20km im treiben. Wund läuft sie sich nun auch nicht mehr.
Allerdings finde ich das der Bewegungsablauf der vorderläufe leicht eingeschränkt ist. Fällt auf wenn Sie versucht aus dem Auto zu springen und die vorderläufe nicht weit genug nach vorne bekommt...
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