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Gruppe Club der Jagdromantiker

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Club der Jagdromantiker
53 Themen, Moderator: Moderator
Forum: Club der Jagdromantiker

Ästhetik des Tötens?

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Ästhetik des Tötens?
Ich möchte hier eine Frage in den Raum stellen, die mich schon länger beschäftigt: Meint Ihr, in unserer deutschen, europäischen Gesellschaft besteht eine "Ästhetik des Tötens"?

Als Beispiele hierfür möchte ich den waidgerechten Kugelschuß auf das starke Hochwild, den ebenso waidgerechten perfekten Schrotschuß auf das streichende Flugwild oder aber auch den iberischen / südfranzösischen Stierkampf anführen. Man denke nur an die unzähligen Youtube-Videos, auf denen diese Dinge gezeigt werden, für Jagdvideos gibt es sogar einen eigenen kleinen Markt. In Südfrankreich sowie im spanisch- und portugiesischsprachigen Raum befaßt sich eine ganze Fankultur mit der "Tauromaquia", es gibt Blättchen wie in Deutschland den "Kicker", die alle Details und Feinheiten der laufenden Saison beleuchten.

Handelt es sich hier um ein altes Thema, das tief in unserer Gesellschaft, in jedem einzelnen mitläuft? Was denkt Ihr darüber? Und was haltet Ihr davon, wenn dabei Menschen zu Schaden kommen, wie z.B. jedes Jahr bei den Sanfermines in Pamplona?
Hier lag Argos der Hund, von Ungeziefer zerfressen.
Dieser, da er nun endlich den nahen Odysseus erkannte,
Wedelte zwar mit dem Schwanz, und senkte die Ohren herunter;
Aber er war zu schwach, sich seinem Herren zu nähern.
Und Odysseus sah es, und trocknete heimlich die Träne (...)

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@ kammerjaeger #
kammerjaeger schrieb:

Ich möchte hier eine Frage in den Raum stellen, die mich schon länger beschäftigt: Meint Ihr, in unserer deutschen, europäischen Gesellschaft besteht eine "Ästhetik des Tötens"?

Als Beispiele hierfür möchte ich den waidgerechten Kugelschuß auf das starke Hochwild, den ebenso waidgerechten perfekten Schrotschuß auf das streichende Flugwild oder aber auch den iberischen / südfranzösischen Stierkampf anführen. Man denke nur an die unzähligen Youtube-Videos, auf denen diese Dinge gezeigt werden, für Jagdvideos gibt es sogar einen eigenen kleinen Markt. In Südfrankreich sowie im spanisch- und portugiesischsprachigen Raum befaßt sich eine ganze Fankultur mit der "Tauromaquia", es gibt Blättchen wie in Deutschland den "Kicker", die alle Details und Feinheiten der laufenden Saison beleuchten.

Handelt es sich hier um ein altes Thema, das tief in unserer Gesellschaft, in jedem einzelnen mitläuft? Was denkt Ihr darüber? Und was haltet Ihr davon, wenn dabei Menschen zu Schaden kommen, wie z.B. jedes Jahr bei den Sanfermines in Pamplona?


Eine Ethik des Tötens kann ich nachvollziehen, aber eine Ästhetik?
Stierkämpfe und ähnliche Gebräuche entsprechen meiner ethischen Auffassung nicht, das Tier erleidet unnötige Qualen.
Menschen, die dabei zu Schaden kommen, bemitleide ich eigentlich nicht, sie müssen sich ja nicht in diese Gefahr begeben. Wenn sie dennoch den "Kick" suchen, müssen sie damit rechnen, zu Schaden zu kommen.
Das heißt natürlich nicht, dass diesen Leuten, sollten sie verletzt sein, nicht geholfen werden muss.

Gruß
Jens
Mancher tut sich als Jäger kund,
als Weidmann unverdrossen,
doch gleicht der Gute ohne Hund
der Leiter ohne Sprossen!

--------------------------------------------------------------------------------------------


Ein Maulwurf sitzt in seinem Loch
und hört ein Lerchenlied erklingen
Er spricht: "Wie sinnlos ist es doch,
zu fliegen und zu singen!"

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@ Wachtelhund #
Wachtelhund schrieb:

Eine Ethik des Tötens kann ich nachvollziehen, aber eine Ästhetik?
Stierkämpfe und ähnliche Gebräuche entsprechen meiner ethischen Auffassung nicht, das Tier erleidet unnötige Qualen.
Menschen, die dabei zu Schaden kommen, bemitleide ich eigentlich nicht, sie müssen sich ja nicht in diese Gefahr begeben. Wenn sie dennoch den "Kick" suchen, müssen sie damit rechnen, zu Schaden zu kommen.
Das heißt natürlich nicht, dass diesen Leuten, sollten sie verletzt sein, nicht geholfen werden muss.

Gruß
Jens


101% Deiner Meinung!!!!!
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@ kammerjaeger #
kammerjaeger schrieb:

Ich möchte hier eine Frage in den Raum stellen, die mich schon länger beschäftigt: Meint Ihr, in unserer deutschen, europäischen Gesellschaft besteht eine "Ästhetik des Tötens"?

Als Beispiele hierfür möchte ich den waidgerechten Kugelschuß auf das starke Hochwild, den ebenso waidgerechten perfekten Schrotschuß auf das streichende Flugwild oder aber auch den iberischen / südfranzösischen Stierkampf anführen. Man denke nur an die unzähligen Youtube-Videos, auf denen diese Dinge gezeigt werden, für Jagdvideos gibt es sogar einen eigenen kleinen Markt. In Südfrankreich sowie im spanisch- und portugiesischsprachigen Raum befaßt sich eine ganze Fankultur mit der "Tauromaquia", es gibt Blättchen wie in Deutschland den "Kicker", die alle Details und Feinheiten der laufenden Saison beleuchten.

Handelt es sich hier um ein altes Thema, das tief in unserer Gesellschaft, in jedem einzelnen mitläuft? Was denkt Ihr darüber? Und was haltet Ihr davon, wenn dabei Menschen zu Schaden kommen, wie z.B. jedes Jahr bei den Sanfermines in Pamplona?


Ehrlich gesagt, ich verstehe die Frage nicht.

Der waidgerechte Kugelschuß auf das starke Hochwild soll ästhetisch sein ?
Der Fangschuß auf das im Straßenverkehr angefahrene Schmalreh etwa nicht ?

Wiki:
Ästhetik (griechisch aísthesis, „Wahrnehmung“) war bis zum 19. Jahrhundert vor allem die Lehre von der wahrnehmbaren Schönheit, von Gesetzmäßigkeiten und Harmonie in der Natur und Kunst.

Alltagssprachlich wird der Ausdruck ästhetisch heute meist als Synonym für schön, geschmackvoll oder ansprechend verwendet. In der Wissenschaft bezeichnet der Begriff die gesamte Palette von Eigenschaften, die darüber entscheiden, wie Menschen Gegenstände wahrnehmen.


Beim Töten (Schießen) gehts mir nur nur um schnell und möglichst schmerzfrei.
Alt ist, wer mehr Spaß an der Vergangenheit hat als an der Zukunft

... Facebook .. nein Danke
... wer einem Gutmenschen mit Zahlen, Daten, Fakten kommt, konfrontiert ihn mit dem Bösen
... eine Antwort resultiert im wesentlichen aus der ihr zu Grunde liegenden Frage
... Wer ein Problem erkennt und nichts zu seiner Lösung beträgt ist Teil des Problems
... In manchen Berufen zählt nicht was man erreicht, es reicht wenn man etwas erzählt.
... nicht jeder den ich mag macht alles richtig und nicht alle die ich nicht mag machen alles immer falsch
6
 
Beitrag vom Autor bearbeitet am 18.10.11 um 10:08 Uhr.
@ kammerjaeger #
Heute Morgen in Dianas Füllhorn gegriffen...
kammerjaeger schrieb:
Ich möchte hier eine Frage in den Raum stellen, die mich schon länger beschäftigt: Meint Ihr, in unserer deutschen, europäischen Gesellschaft besteht eine "Ästhetik des Tötens"?

Eine "Ästhetik des Tötens" gibt es sicherlich nicht. Das Töten im Falle der Jagd sollte handwerklich sauber, schnell und für das Wild möglichst schmerz- und streßfrei geschehen. Und eine "Ästhetik des Todes" gibt es leider auch nicht (mehr). Letzteres hatten wir aber schon einmal - sogar in in der hohen Kunst der Malerei. Hier ist ein Beispiel von vielen. Profan gesagt: Das kunstvolle Darstellen von Beute und Nahrung, auch "Stilleben" genannt. Dieser fast liebevolle Umgang mit Beute und das kunstvolle Verewigen derselben stammt noch aus einer Zeit des Mangels, als Wild begehrtes, wertvolles Lebensmittel war – und kein "seelenloses Management-Produkt" so wie heute für manche.

Dass wir Jäger etwas mehr von dem Faible der Alten Meister für die "Ästhetik des Todes" entwickeln und unsere Beute dementsprechend ästhetisch schön und würdevoll fotografieren würden, wünsche ich mir eigentlich. Auch hier auf LL. Es gibt nichts Hässlicheres, als eine begehrte Beute, die in dem Moment, wo sie unser ist, "lieblos hingerotzt" abgeknipst wird. Anbei ein Beispiel von heute Morgen, wie es (vielleicht) besser aussehen könnte.
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Eine kurze Anmerkung zum Stierkampf:

«Die Essenz des Stierkampfs», heisst es bei Ernest Hemingway, «ist das Gefühl der Unsterblichkeit, das der Stierkämpfer mitten in einer grossen faena hat und das er den Zuschauern vermittelt. Er gestaltet ein Kunstwerk, und er spielt mit dem Tod . . . Der Stierkampf ist die einzige Kunst, in der sich der Künstler in Lebensgefahr befindet.» Die Exekution des Stiers: eine formvollendete Missachtung des Todes, ein Fest gegen die Versuchungen der Demut.
Zitat:
[www.amazon.de]

Das Buch ist lesenswert.
A bad days hunting is still better than a good day at the office

[neumann-neudamm.de]
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@ Micha_Unger #
Mueck schrieb:

Eine kurze Anmerkung zum Stierkampf:

«Die Essenz des Stierkampfs», heisst es bei Ernest Hemingway, «ist das Gefühl der Unsterblichkeit, das der Stierkämpfer mitten in einer grossen faena hat und das er den Zuschauern vermittelt. Er gestaltet ein Kunstwerk, und er spielt mit dem Tod . . . Der Stierkampf ist die einzige Kunst, in der sich der Künstler in Lebensgefahr befindet.» Die Exekution des Stiers: eine formvollendete Missachtung des Todes, ein Fest gegen die Versuchungen der Demut.
Zitat:
[www.amazon.de]

Das Buch ist lesenswert.


Ich habe schon Bücher von Hemingway gelesen....
außer einem gewissen Ekel zu seinen Alkoholgeschwängerten verkorksten Geschwafel ist mir wenig in Erinnerung geblieben...
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@ Schizoida #
Schizoida schrieb:

Eine "Ästhetik des Tötens" gibt es sicherlich nicht. Das Töten im Falle der Jagd sollte handwerklich sauber, schnell und für das Wild möglichst schmerz- und streßfrei geschehen. Und eine "Ästhetik des Todes" gibt es leider auch nicht (mehr). Letzteres hatten wir aber schon einmal - sogar in in der hohen Kunst der Malerei. Hier ist ein Beispiel von vielen. Profan gesagt: Das kunstvolle Darstellen von Beute und Nahrung, auch "Stilleben" genannt. Dieser fast liebevolle Umgang mit Beute und das kunstvolle Verewigen derselben stammt noch aus einer Zeit des Mangels, als Wild begehrtes, wertvolles Lebensmittel war – und kein "seelenloses Management-Produkt" so wie heute für manche.

Dass wir Jäger etwas mehr von dem Faible der Alten Meister für die "Ästhetik des Todes" entwickeln und unsere Beute dementsprechend ästhetisch schön und würdevoll fotografieren würden, wünsche ich mir eigentlich. Auch hier auf LL. Es gibt nichts Hässlicheres, als eine begehrte Beute, die in dem Moment, wo sie unser ist, "lieblos hingerotzt" abgeknipst wird. Anbei ein Beispiel von heute Morgen, wie es (vielleicht) besser aussehen könnte.


Vielen Dank, ein sehr guter Beitrag. Du triffst die Begrifflichkeiten vielleicht besser als ich.
Hier lag Argos der Hund, von Ungeziefer zerfressen.
Dieser, da er nun endlich den nahen Odysseus erkannte,
Wedelte zwar mit dem Schwanz, und senkte die Ohren herunter;
Aber er war zu schwach, sich seinem Herren zu nähern.
Und Odysseus sah es, und trocknete heimlich die Träne (...)
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@ kammerjaeger #
kammerjaeger schrieb:

Ich möchte hier eine Frage in den Raum stellen, die mich schon länger beschäftigt: Meint Ihr, in unserer deutschen, europäischen Gesellschaft besteht eine "Ästhetik des Tötens"?

Als Beispiele hierfür möchte ich den waidgerechten Kugelschuß auf das starke Hochwild, den ebenso waidgerechten perfekten Schrotschuß auf das streichende Flugwild oder aber auch den iberischen / südfranzösischen Stierkampf anführen. Man denke nur an die unzähligen Youtube-Videos, auf denen diese Dinge gezeigt werden, für Jagdvideos gibt es sogar einen eigenen kleinen Markt. In Südfrankreich sowie im spanisch- und portugiesischsprachigen Raum befaßt sich eine ganze Fankultur mit der "Tauromaquia", es gibt Blättchen wie in Deutschland den "Kicker", die alle Details und Feinheiten der laufenden Saison beleuchten.

Handelt es sich hier um ein altes Thema, das tief in unserer Gesellschaft, in jedem einzelnen mitläuft? Was denkt Ihr darüber? Und was haltet Ihr davon, wenn dabei Menschen zu Schaden kommen, wie z.B. jedes Jahr bei den Sanfermines in Pamplona?


Hallo kammerjaeger,
ich lese aus deinen Worten so ein Kleinwenig Jose' Ortega y Gasser heraus, der das Buch"Meditation über die Jagd" geschrieben hat. Er war Professor für Methaphysik und einer der bedeutendsten spanischen Philosophen der Neuzeit. Er vertrat einen spirituellen Pluralismus und wollte ein individualistisches lebensgefühl vermitteln. Seine Kulturphilosophie war etwas Nietzsche - und Dilthey-verprämt.
Sein Interesse an der Jagd rührte von seinem Freund, dem Grafen Eduardo Yebes her, der auch das Vorwort zu seinem Buch schrieb. Ortega selbst bekennt, dass "ich doch so unblutig bin und selbst kaum jage". da sich Ortega ausdrücklich als Journalist bekennt, zogen die deutschen Jäger den Schluß:
"Also kann er nichts über die Jagd auszusagen haben".
Die Gedanken über die Jagd, die in seinem Buch manifest werden, mögen etwas für Intellektuelle sein, fürs deutsche Jägergemüt sind sie nichts.
Er spricht von der Jagd als eine Art Ablenkung und Zerstreuung, wobei er voraussetzt, " dass die Zerstreuung als solche keine ernsthafte Angelegenheit ist, man entkomme in andere Welten, wie er ganz richtig sagt, "die nicht die unseren sind".
Im deutschen Jägerherz sitzt das Wort, Passion müsse man haben, und davon ist bei Ortega aber nichts zu lesen.
An anderer Stelle ist bei ihm zu lesen: "man jagt nicht, um zu töten, sondern umgekehrt, man tötet, um gejagt zu haben".
Was für eine Verunglimpfung des Weidmannes?

Blos mal so - mit Ortega kommt man sehr leicht ins Schwanken.

Lieber Mueck,
ich stelle mich voll hinter Menthos. Hemingway braucht man wirklich nicht mehr ins Spiel bringen. Ein Mann, der in seinen letzten Werken sich rühmte in einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager 17 deutsche "Krauts" erschossen zu haben, ist bei mir als Literat und Mensch ganz unten durch.

Lieber Schzoida,
deinen Worten ist nichts mehr hinzuzufügen. Eine wunderbare Aufnahme.

Gangloff

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@ Micha_Unger #
Mueck schrieb:
Die Exekution des Stiers: eine formvollendete Missachtung des Todes, ein Fest gegen die Versuchungen der Demut.
Zitat:
[www.amazon.de]

Auch wenn es von einem berühmten Schriftsteller stammt, so ist es dennoch böser Unfug! Wieso soll der Stierkampf "eine Missachtung des Todes sein" ?? - Nein, der Tod des Stiers ist sein Ergebniss und der Mensch, der ihn langsam und qualvoll getötet hat ist stolz auf seine "Heldentat".
"...ein Fest gegen die Versuchung der Demut", auch dem kann ich nicht zustimmen. Eine Versuchung des Übermuts ist es schon eher. Den wertvollen Begriff der "Demut" so zu missbrauchen halte ich für schlimm.
Peter
Hesse
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