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Gelbe Sau auf gelbem Grund oder die rätselhafte Frage, warum Schwarzkittel SCHWARZ-Kittel heißen...

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Beitrag bearbeitet von ssquat am 30.11.09 um 06:56 Uhr.
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Schecke findet Schecken Gelbe Sau auf gelbem Grund
Gelbe Sau auf gelbem Grund oder die rätselhafte Frage, warum Schwarzkittel SCHWARZ-Kittel heißen...
Schilf und Altgras, beides fahlgelb - darin sind SCHWARZkittel zwar schwer anzupirschen, aber dafür besonders gut zu sehen. Sollte man meinen. Der eine oder andere schwarze Fleck durch Maulwurfshügel oder von Sauen angeschobenen Erdklumpen und Grasbüscheln stört das helle Gesamtbild kaum.

Es hat ein paar Tage gut geregnet und das Grundwasser steht hoch. Tiefe Pfützen machen aus der Wiese eine delta-ähnliche Landschaft. Das Altgras ist aufgeweicht und knistert kaum noch unter den Sohlen. Die Sauen dagegen machen Krach. Es platscht wie in einem Freibad. Ich kann sie nach Gehör angehen. In einer Wiesenbucht im Schilf habe ich plötzlich die Rotte im Anblick - zwei Bachen nebst Frischlingsschar. Durchs Glas mustere ich die Rotte Stück für Stück. Frischling - Frischling - Bache - Frischling. Das übliche Bild.
Auf der Suche nach einem geeigneten Stück aus der vertraut im Gebrech stehenden Rotte schwenke ich über ein weiteres Stück - noch ein Frischling.

Frischling? Irgendwas stimmt nicht. Instinktiv schwenke ich auf meinem Dreibein-Pirschstock zurück: Der ist ja kaum zu sehen! Beschlägt mein Glas??? Was ist DAS für ein Stück? Im Glas sieht es aus wie eine Geister-Erscheinung. Bei bestimmten Körperwendungen verschwindet es komplett im Glas, ist nicht mehr zu sehen. Dann aber ist es im wolkenverhangenen Mondlicht wieder da, wirkt aber irgendwie schwach und unscharf abgebildet, wie durch Milchglas. Kaum zu glauben, was ich da sehe bzw. nicht sehe. Ich wische übers Objektiv, aber das ist okay. Nicht beschlagen. So müssen Geister-Märchen entstanden sein.

Ich entschließe mich, dieses Stück zu strecken. Dieses - und kein anderes! Ich will wissen, was da los ist. Ein schwieriger Schuss. Nachts bei wolkenverhangenem Mondlicht, stehend freihändig übers Pirsch-Dreibein bei einem Stück, das im Glas mit einer einfachen Körperdrehung unsichtbar wird, sind 70-80 Meter verdammt weit. Dichter ran komme ich nicht, die Bachen werden schon unruhig und verschwinden im Schilf. Es gilt - jetzt oder nie!

Der Schuss ist raus, die Bühne leer. Finde mal einer nachts mit der Taschenlampe auf einer teils umgebrochenen, nicht gemähten Altgraswiese den Anschuss! Ich kann nichts finden. Habe ich überhaupt getroffen? Ein teuflisches Stück! Warum habe ich keinen von den scheibenbreit stehenden, gut erkennbaren schwarzen Schwarz-Kitteln genommen? Während ich nach Hause fahre und den Hund hole, mache ich mir deswegen Vorwürfe.

Der Wachtel steht schwanzwedelnd da, während ich den Schweißriemen aufdocke, und lacht sich insgeheim kaputt: "Erst schießen und danach zu blöde, das Stück zu finden." Ich nehme es äußerlich gelassen, aber innerlich koche ich und hadere mit mir selbst.

Ich nehme den Hund am langen Riemen für das Suchen des Anschusses immer ganz kurz, damit mir kein Verweisen entgeht. Zunächst untersucht er die frischen Abgänge der Rotte. Ich ermahme meinen Wachtel, denn ich spüre, dass in ihm das Sauenjager-Blut anfängt zu kochen: "NUUUR verwuuuundt!"

Sein Wedeln mit der Rute quittiert, dass er verstanden hat, dass wir ein krankes oder totes Stück suchen, und keine quietsch-fidelen Maggikugeln. Die Nase verschwindet noch tiefer im Gras, das charakteristische Schnüffeln ertönt, das sich wie ein schnell getretender Blasebalg anhört. Schließlich tippt er mit dem Fang auf den Boden.

Gottseidank - er verweist! "Lass sehen, Hünne!", mahne ich den Hund und nehme ihn zur Seite. Ich kontrolliere, was er gefunden hat: Einen fünfmarkstückgroßen Fleck Lebergries! Sch...ße! Zwei Meter weiter findet sich ein Stück Leber, so groß wie eine Streichholzschachtel, das war's. Kein weiterer Schweiß.

Blindfährte ohne Kontrollmöglichkeiten für mich, was der Hund macht! Tolle Wurst - einem vierbeinigen Verbrecher blind vertrauen müssen... Aber ohne Hund hätte ich den Anschuss nie gefunden, hätte deswegen vielleicht sogar geglaubt, gefehlt zu haben. Muss ich leider zugeben...

Also Vertrauen gegen Vertrauen - ich gebe dem Hund jetzt die volle Riemenlänge. Das Stück hat die Kugel, und der Schuss ist höchstwahrscheinlich tödlich. Mit dem fast 15 Gramm schweren Geschoss aus der .30-06 haben schon stärkere Stücke mit so einem Schuss nach kurzer Totflucht gelegen. Und seit dem Schuss sind fast drei Stunden vergangen!

Nachdem der Wachtel mehrere Fährten untersucht und selbstständig abgebrochen hat, bögelt er sich endlich ein und saugt sich richtig fest. Der Rest geht schnell: Nach nur 100 Meter stehen wir dann auch vor der Lösung des Rätsels: Gelbe Sau auf gelbem Grund, Ein- und Ausschuss pottendicht zugesetzt mit fädig gezogenem Weißem. Deswegen kein Schweiß!
Der zugesetzte Schusskanal ist aber um diese Jahreszeit normal, denn die Sauen sind fett! Aber ich wusste gar nicht, dass es auch Sauen in Camouflage gibt. Gelbe Sau auf gelbem Grund...

Während ich nach Hause fahre, döst der Hund auf dem Beifahrersitz. Ich tätschel ihn beim Fahren. Was würde ich ohne meinen DW machen? Diese Camouflage-Sau hätte ich allein NIE gefunden - und am nächsten Morgen wäre sie nur noch Kolkrabenfutter gewesen. Warum heißen Schwarzkittel eigentlich SCHWARZkittel, wenn der 30-kg-Frischling hinten im Kofferraum doch blond ist? Bei dieser Frage muss ich in mich hineingrinsen...
Es ist zutiefst menschlich, dass immer dann, wenn eine neue Methode aufkommt, deren Vertreter sich erst einmal überlegen fühlen mögen und meinen, nur das Ihrige gehöre gefördert und anerkannt, allein weil es modern ist.
Prof. B. Klausnitzer

Schlagwörter dieses Themas: scheckensau, hinzufügen »

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@ ssquat #
Ssquat schrieb
............. Warum heißen Schwarzkittel eigentlich SCHWARZkittel, wenn der 30-kg-Frischling hinten im Kofferraum doch blond ist? Bei dieser Frage muss ich in mich hineingrinsen...

Erste einmal ein ganz großes Waidmannsheil zum Schecken
Hab irgendwie geahnt, daß Du dieses Wochenende nicht so leicht aufgiebst

Nun zu Deiner Frage. Tante Wiki sagt : "Der Begriff Kittel beschreibt einen Arbeitsmantel, einen Teil der Oberbekleidung, der über anderer Kleidung getragen wird. "
Kann das sein, daß Du das Schweinchen in seiner Freizeitbeschäftigung gestört hast, die da lautet, "Jäger foppen".

Warum stellst Du solche gut, nachvollziehbare, schöne Jagdbeschreibung nicht als Blog ein? Nun verschwindet sie bald im Nirwana
Aus Fehlern zu lernen, bedeutet reif genug zu sein um zu verzeihen,
jedoch nicht so dumm um danach nochmal zu vertrauen
Rette einen Fremden aus dem Meer und er wird dein Feind werden.
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Beitrag bearbeitet von ssquat am 30.11.09 um 07:02 Uhr.
@ Musang #
Musang schrieb:

Erste einmal ein ganz großes Waidmannsheil zum Schecken
Hab irgendwie geahnt, daß Du dieses Wochenende nicht so leicht aufgiebst

Nun zu Deiner Frage. Tante Wiki sagt : "Der Begriff Kittel beschreibt einen Arbeitsmantel, einen Teil der Oberbekleidung, der über anderer Kleidung getragen wird. "
Kann das sein, daß Du das Schweinchen in seiner Freizeitbeschäftigung gestört hast, die da lautet, "Jäger foppen".

Warum stellst Du solche gut, nachvollziehbare, schöne Jagdbeschreibung nicht als Blog ein? Nun verschwindet sie bald im Nirwana

Moin, Grande Dame, und großes Waidmannsdank.

Zumindest ist mir jetzt klar, wieso es solche "Blond-Kittel" immer wieder schaffen, sich durchzumogeln. In vertrockneten Planzenbeständen ist das eine echte Tarnfarbe. Vielleicht sollte man Schecken beim Wildschwein FLECKTARN nennen?
Es ist zutiefst menschlich, dass immer dann, wenn eine neue Methode aufkommt, deren Vertreter sich erst einmal überlegen fühlen mögen und meinen, nur das Ihrige gehöre gefördert und anerkannt, allein weil es modern ist.
Prof. B. Klausnitzer
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Beitrag bearbeitet von ssquat am 30.11.09 um 07:05 Uhr.
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PS. Das mit den Blog wäre vielleicht wirklich sinnvoller.

@Mod's: Vielleicht kann man das irgendwie nachträglich arragieren?
Es ist zutiefst menschlich, dass immer dann, wenn eine neue Methode aufkommt, deren Vertreter sich erst einmal überlegen fühlen mögen und meinen, nur das Ihrige gehöre gefördert und anerkannt, allein weil es modern ist.
Prof. B. Klausnitzer
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Moin, und: Weidmanns Heil!!!

Aber mal ehrlich - ein bißchen zum Harakiri neigst du auch, oder...??? Erinnerte mich irgendwie an meine Scheckenbegegnung im letzten JJ am See, Schecke bei der Rotte - ich hatte mich auch an dem Schecken festgebissen - und schließlich das Nachsehen...

Hatte den später nicht wieder vor, obwohl ich meinte, die gleiche Rotte auch später am See angetroffen zu haben...

Gruß
anser
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Weidmannsheil! Tja, da hast Du wohl einen Schwarzkittel in Unterwäsche erwischt.
Klasse erlebnis und super erzählt!


Gruß
Jens
Mancher tut sich als Jäger kund,
als Weidmann unverdrossen,
doch gleicht der Gute ohne Hund
der Leiter ohne Sprossen!

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Ein Maulwurf sitzt in seinem Loch
und hört ein Lerchenlied erklingen
Er spricht: "Wie sinnlos ist es doch,
zu fliegen und zu singen!"

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@ ssquat #
Scheckerl
ssquat schrieb:
Zumindest ist mir jetzt klar, wieso es solche "Blond-Kittel" immer wieder schaffen, sich durchzumogeln. In vertrockneten Planzenbeständen ist das eine echte Tarnfarbe. Vielleicht sollte man Schecken beim Wildschwein FLECKTARN nennen?


Moin ssquat,
und ein Fetzen-Waidmannsheil zu deinem Flecktarn-Schweinderl. Klasse Geschichte!!
Allerdings funktioniert das mit dem Flecktarn eben nur, wenn der Untergrund passt! Die obige Sau war diejenige, die aus der ziehenden Rotte am leichtesten zu erlegen war, weil eben nicht schwarz.

Grüße und Waihei
Oichkatzl
Wenn du an Gott glaubst, wird er die Hälfte deines Werkes tun. -
Die zweite Hälfte.
(Cyrus Curtis)

Starke Frauen an der Seite guter Männer sind wie Sandsäcke an einem Heissluftballon. Sie erlauben zwar dass der Ballon aufsteigt und zum schweben kommt ,aber erst wenn sie abgeworfen sind beginnt der Höhenflug. :D :D :D
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Beitrag bearbeitet von ssquat am 30.11.09 um 10:31 Uhr.
@ Oichkatzl #
Oichkatzl schrieb:

Moin ssquat,
und ein Fetzen-Waidmannsheil zu deinem Flecktarn-Schweinderl. Klasse Geschichte!!
Allerdings funktioniert das mit dem Flecktarn eben nur, wenn der Untergrund passt! Die obige Sau war diejenige, die aus der ziehenden Rotte am leichtesten zu erlegen war, weil eben nicht schwarz.

Grüße und Waihei
Oichkatzl

Du hast Dein "Blondie" aber auch böse gelinkt! Auf der GRÜNEN Wiese hatte er doch keine Chance... Das finde ich sooo unsportlich...
Es ist zutiefst menschlich, dass immer dann, wenn eine neue Methode aufkommt, deren Vertreter sich erst einmal überlegen fühlen mögen und meinen, nur das Ihrige gehöre gefördert und anerkannt, allein weil es modern ist.
Prof. B. Klausnitzer
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@ Wachtelhund #

Schwarzkittel in Unterwäsche erwischt.

Dessous oder Nachthemd???
Es ist zutiefst menschlich, dass immer dann, wenn eine neue Methode aufkommt, deren Vertreter sich erst einmal überlegen fühlen mögen und meinen, nur das Ihrige gehöre gefördert und anerkannt, allein weil es modern ist.
Prof. B. Klausnitzer
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Beitrag bearbeitet von ssquat am 30.11.09 um 10:30 Uhr.
@ anser #
anser schrieb:
Aber mal ehrlich - ein bißchen zum Harakiri neigst du auch, oder...???

Wieeesooouuuuu?


ich hatte mich auch an dem Schecken festgebissen - und schließlich das Nachsehen...

Nicht festbeißen! Schießen musste, schießen... festbeißen kannste Kiro überlassen, der hat dafür die besseren Beißerchen.


Hatte den später nicht wieder vor...

Oder nur nicht GESEHEN? Weißt doch: Scheck im Schilf ist Camouflage pur! Quasi der Ghillie-Suit für Sauen. Der saß neben Dir und wollte Dir auf die Schulter klopfen, nachdem Du eingestochen hast.
Es ist zutiefst menschlich, dass immer dann, wenn eine neue Methode aufkommt, deren Vertreter sich erst einmal überlegen fühlen mögen und meinen, nur das Ihrige gehöre gefördert und anerkannt, allein weil es modern ist.
Prof. B. Klausnitzer
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