Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche
Experten geben Auskunft
12 Themen, Moderator: Sunyi, Susanne1, Redaktion_landlive, Moderator
Forum: Experten geben Auskunft
Hier bieten wir mehrmals im Jahr unseren Mitgliedern die Möglichkeit, bei Fachleuten nachzufragen.

Experten-Aktion zum Thema "Ausbildung von Jagdhunden zur Schweißarbeit und Nachsuche"

@ michik007 #
michik007 schrieb:

Moin Herr Richter,

ich sehe mittlerweile viele HS und BGS aus "nicht ISHV" Zuchten, die entsprechenden Führer machen mir auch nicht den Eindruck als wären sie in der Lage den Hund entsprechend zu fordern. Wenn ich im Internet Zwingerseiten mit sagen wir ca. 7-? Hunden sehe die im ständigen Nachsucheeinsatz stehen sollen frage ich mich wie sowas gehen soll???
Ich kenne ja diverse Schweißhundführer und keiner ist in der Lage diese Menge an Hunden auch nur ansatzweise auszulasten!
Was ist von solchen Zuchten zu halten??? (z.B. M. Meute????)

WH Michael




Hallo Michael,

Welpen, die aus einer gelenkten, geplanten und überwachten Zucht eines Zuchtvereins kommen, sind immer solchen Verlegenheitszuchten oder den finanziellen Interessen des Hündinnenhalters untergeordneten Zuchten vorzuziehen.
Das Problem war und ist, dass sich einige etablierte Vereine auf den Standpunkt stellen, nur „sie“ sind in der Lage, Schweißhunde zu führen und zu züchten und nur sie entscheiden, wer einen Schweißhund bekommen darf. Das ist ein fataler Irrtum, der uns in die jetzige Lage gebracht hat, die den Bedarf an Schweißhunden nicht deckt und damit diese nicht nach einer Zuchtordnung eines Vereins gezüchteten Hundevermehrern Tür und Tor geöffnet hat.
Nur wenn die etablierten Vereine willens sind, die Anzahl der Welpen zu erhöhen und den Kreis der späteren Führer nicht willkürlich einzuengen, werden genügend rote Hunde geführt werden. Wir sollten froh über jeden Interessenten sein, der sich der roten Fährte zuwendet.
Ich betone nochmals: Wir sind dem Wild verpflichtet und nicht irgendeiner Vereinsmeierei und selbst geschaffenem Dünkel.
Ich gebe Ihnen recht: Mancher Führer ist noch nicht in der Lage, seinen Hund entsprechend zu fordern, aber können wir so vermessen sein, unseren Kenntnis- und Erfahrungsstand sofort von allen anderen zu fordern? Jeder hat einmal angefangen – das betrifft ebenfalls die Schweißarbeit. Und ob ein Gespann daraus wird, entscheidet sowieso der Nachsucheneinsatz; dazu braucht man keine große Hürden im vorab.
Nun zu Ihrer zweiten Frage:
Falls jemand eine Meinung oder einen Sachverhalt veröffentlicht, gehe ich davon aus, dass er das so meint. Trotzdem behalte ich mir das Recht vor zu hinterfragen. Aus all meinem Erlebten und der Kenntnis vieler anderen Schweißhundeführer kann ich mit höchstens 2 Schweißhunden arbeiten und auch dabei nimmt man in der Regel nur einen – den Besten oder dem man am meisten vertraut.
Andere Behauptungen sind praxisfern und sollen nur das „Geschäft“ beleben.

Mit freundlichen Grüßen und Weidmannsheil

Klaus Richter

0
 
@ Dura #
Dura schrieb:

Wie korrigiere ich einen Hund, der i.d.R. gut auf der Schweißfährte arbeitet, aber durch dabei im Einzelfall hochgemachtes und dann natürlich auch noch sichtiges Wild dann zunächst unkonzentriert von der Rolle ist. Ablegen und warten ist ja erstmal Standard, bringt aber in der Situation nicht immer unbedingt was. An derselben Stelle ist dann die ganze Zeit Anspannung pur. Abtragen? Ein Stück zurück? Umschlagen? (kann ja auch nur funktionieren, wenn ich weiß wohin es weiter geht)


Hallo Dura,

neben den Möglichkeiten, auf die Sie verweisen, ist Vorsuchen die beste Art, den Hund aus dem „Duftfeld“ herauszubringen. In den meisten Fällen wird sich dort, wo der Hund verleitet wurde, nicht gerade ein Haken oder Widergang befinden. Sie sollten einen Bogen schlagen und in gedachter Verlängerung der Wundfährte vorsuchen lassen. Der Abstand zwischen Duftfeld und Vorsuche sollte möglichst außer Wind sein und 20 – 30 m betragen. Findet man die Fährte nicht, dann weiter bögeln – bei Nichterfolg zurück zum Anschuss gehen und neu ansetzen.

Mit freundlichen Grüßen und Weidmannsheil

Klaus Richter
1
 
Dieser Beitrag wurde am 29.07.09 um 09:41 von Klaus_Richter gelöscht.
#
Abschließend sage ich allen Fragestellern vielen Dank für die interessanten Fragen.
Die Antworten eines Teils Ihrer Fragen finden Sie auch in meinem Buch „Schweißarbeit“ (Jagd- und Kulturverlag Sulzberg / Allgäu).
Die DVD „Auf der Rotfährte gemeinsam zum Stück“ über den Ablauf eines Schweißhundeführerlehrganges können Sie gerne bei mir bestellen (bele-richter@gmx.de).
Wer Interesse an Schweißhundeführerlehrgängen und Jungjägerkursen hat, kann sich informieren unter: www.jagdresidenz.de.


Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Weidmannsheil und Suchenglück.
Klaus Richter
0
 
Beitrag bearbeitet von Malepartus am 29.07.09 um 09:46 Uhr.
@ Cerberus #
Cerberus schrieb:

Wo liegen die Grenzen des Einsatzes mit dem Teckel?

Gruß Cerberus

Tiefschnee = zu kurze Beine (Hund steht im Schnee und ruft Herrchen)
Apportieren = zu kurze Beine (Beute kann nur gezogen werden)
Wasserarbeit = zu kurze Beine (Hund kommt nicht vorwärts)
Stöbern = zu kurze Beine (Hund wird von jeder Kreatur im Busch überrundet)
Schutzhund = zu kurze Beine (Hund kommt nicht an die empfindlichen Zonen)

Das Beste für einen Teckel ist dann wohl die Scheißarbeit. Da er so kurze Beine hat braucht er sich auch nicht so tief zu bücken um die Fährte aufzunehmen

PS: Bitte nicht böse sein, ist ja nur ein Späßchen. Kenne sehr gute Jagdteckel
Wer den Koch kennt braucht vor dem Essen nicht zu beten................
0
 
@ Klaus_Richter #
Klaus_Richter schrieb:

Hallo Ohm,

Dem kann ich so nicht zustimmen. Den Hund auf der getretenen Fährte einzuarbeiten macht Sinn, da die getretene Fährte der natürlichen Wundfährte am nächsten kommt. Bei der Nachsuche auf Schalenwild finden Sie immer die Bodenverwundung durch die Schalen, Abriebe der Schalen, Sekrete und eventuell Schweiß, Gescheideninhalt etc.
Bei der getretenen Fährte entsteht die Duftspur ebenfalls durch die Bodenverwundung.
Pflanzenteile werden gequetscht oder abgetreten, Kleinlebewesen verletzt, der Boden verdichtet – dadurch entsteht der Fährtengeruch und wenn die Schalen frisch sind und ihnen noch die Krankwitterung anhaftet, haben Sie eine weitere Geruchskomponente, die die Fährte für den Hund interessant macht. Für die Arbeit des Hundes reicht aber die reine Bodenverwundung, um eine Fährte voranzubringen.
Dies wurde bereits in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts von Most nachgewiesen. Der Fährtenleitgeruch ist also die Bodenverwundung – alle anderen sichtbaren und unsichtbaren Pirschzeichen können, müssen aber nicht vorhanden sein. Von 350 ausgewerteten Nachsuchen war bei 48 % kein Schweiß zu finden.
Wie entsteht die getropfte oder getupfte Fährte – egal welches Blut / Schweiß verwendet wird? Neben dem Blut / Schweiß ist auch hier die Bodenverwundung durch den Fährtenleger vorhanden, aber nicht durch Wildschalen, sondern sein Schuhwerk – der Effekt ist der gleiche. Lassen Sie bei der nächsten Arbeit das Blut / Schweiß weg – Ihr Hund wird auch arbeiten, jeder Fährtenhund der Polizei macht uns das vor.

Mit freundlichen Grüßen und Weidmannsheil

Klaus Richter


Ich glaube das ich mich nicht gut genug oder zu kurz ausgedrückt habe.

Sie schreiben für mich völlig richtig, der Hund wird auch ohne Schweis, ohne Fährtenschuh arbeiten.

Ich gebe zu, nur dreimal mit Fähretenschuh ohne Schweis gearbeitet zu haben.
Die Übungen waren aber leichter für den Hund als eine getupfte oder getropfte Fährte mit Rinderblut.
Am einfachsten war Wildschweis.

Wenn ich also übe, sollte ich doch versuchen, es nicht zu einfach zu machen.

MFG und Waidmannsheil Ohm
0
 
@ Ohm #
Fährtenarbeit Fährtenarbeit
Ohm schrieb:

Ich glaube das ich mich nicht gut genug oder zu kurz ausgedrückt habe.

Sie schreiben für mich völlig richtig, der Hund wird auch ohne Schweis, ohne Fährtenschuh arbeiten.

Ich gebe zu, nur dreimal mit Fähretenschuh ohne Schweis gearbeitet zu haben.
Die Übungen waren aber leichter für den Hund als eine getupfte oder getropfte Fährte mit Rinderblut.
Am einfachsten war Wildschweis.

Wenn ich also übe, sollte ich doch versuchen, es nicht zu einfach zu machen.

MFG und Waidmannsheil Ohm




Herr Richter schreibt hier von K. Most, den auch ich schon hier des öfteren zitiert hatte. Nur zur Verdeutlichung habe ich hier einmal zwei Skizzen gezeigt, einmal über den Individualgeruch / Standzeit und zum Zweiten vom Schwebebahnversuch von Most.
Der Vollständigkeit sei hier noch das Fährtenrad erwähnt.

CC
An ihren Taten werdet ihr sie erkennen.
0
 
@ cavecanem #
cavecanem schrieb:

Herr Richter schreibt hier von K. Most, den auch ich schon hier des öfteren zitiert hatte. Nur zur Verdeutlichung habe ich hier einmal zwei Skizzen gezeigt, einmal über den Individualgeruch / Standzeit und zum Zweiten vom Schwebebahnversuch von Most.
Der Vollständigkeit sei hier noch das Fährtenrad erwähnt.

CC


Ich war vor 4 Wochen bei einer Vorführung des THWs. Natürlich weil ich die Arbeit der Hunde sehen wollte. Es werden ja immer mehr Stimmen laut auch Jagdhunde für diese Arbeiten einzusetzten.
Da war ein Mann der führte 2 Bloodhounds (hoffe richtig geschrieben), so was hab ich noch nicht erlebt.
Er sagte zu meiner Freundin sie solle irgendwo hingehen, nicht unter einen Kilometer. Sie ging dann Richtung Stadtmitte, ca. 1 km, nur auf gepflasterten und geteerten Wegen. Dann noch ca. 500 m über
Kopfsteinpflaster welche durch die Fußgängerzone führt und ging in ein Cafe. Das ganze Samstag Vormitag!
Nach ca. 45 Min. sagte der Typ nun wollen wir die Dame mal suchen. Er schnappte sich die junge Hündin,
2-jährig und maschierte los. Wir zu fünft hinterher. Lange Rede....... nach ca. 50 Min. stand der Hund Schwanzwedelnd vorm Cafe. Unglaublich. Am Rückweg habe ich ein wenig mit ihm geplaudert, unter anderem über die jagdliche Tauglichkeit der Hunde. Sein Kommentar: Er wüsste keinen einzigen Hund dieser Rasse, der auch nur eine Maus stellen würde. Schweißarbeit mit Sicherheit, aber hetzten und das Wild binden auf keinen Fall.
Wie CC schrieb, hat sich der Hund nur an den abgefallenen Hautschuppen orientiert.
WMH Udo
www.RS-Waffen.de
ÖJV - nein Danke

Manche Menschen sind der lebende Beweis dafür, dass Gehirnversagen nicht zwangsläufig zum Tod führt
0
 
#
Das waren klasse Antworten zum Thema Schweißarbeit. ABSOLUT TOP - und teilweise endlich auch mal aus dem geplaudert, was andere das Nähkästchen nennen und unter Verschluss halten.

Mit Abstand das Beste, was ich seit längerem zu diesem Thema gelesen habe. Vielen Dank an Klaus Richter. Vielleicht sehen wir ihn ja gelegentlich mal zum gleichen Thema wieder?
Es ist zutiefst menschlich, dass immer dann, wenn eine neue Methode aufkommt, deren Vertreter sich erst einmal überlegen fühlen mögen und meinen, nur das Ihrige gehöre gefördert und anerkannt, allein weil es modern ist.
Prof. B. Klausnitzer
0
 
@ 2309udo #
2309udo schrieb:



Ich war vor 4 Wochen bei einer Vorführung des THWs. Natürlich weil ich die Arbeit der Hunde sehen wollte. Es werden ja immer mehr Stimmen laut auch Jagdhunde für diese Arbeiten einzusetzten.
Da war ein Mann der führte 2 Bloodhounds (hoffe richtig geschrieben), so was hab ich noch nicht erlebt.
Er sagte zu meiner Freundin sie solle irgendwo hingehen, nicht unter einen Kilometer. Sie ging dann Richtung Stadtmitte, ca. 1 km, nur auf gepflasterten und geteerten Wegen. Dann noch ca. 500 m über
Kopfsteinpflaster welche durch die Fußgängerzone führt und ging in ein Cafe. Das ganze Samstag Vormitag!
Nach ca. 45 Min. sagte der Typ nun wollen wir die Dame mal suchen. Er schnappte sich die junge Hündin,
2-jährig und maschierte los. Wir zu fünft hinterher. Lange Rede....... nach ca. 50 Min. stand der Hund Schwanzwedelnd vorm Cafe. Unglaublich. Am Rückweg habe ich ein wenig mit ihm geplaudert, unter anderem über die jagdliche Tauglichkeit der Hunde. Sein Kommentar: Er wüsste keinen einzigen Hund dieser Rasse, der auch nur eine Maus stellen würde. Schweißarbeit mit Sicherheit, aber hetzten und das Wild binden auf keinen Fall.
Wie CC schrieb, hat sich der Hund nur an den abgefallenen Hautschuppen orientiert.
WMH Udo

und da diskutieren wir ob Kunstschweiß, Rinderblut, Rehschweiß, getupft, getüpfelt, gespritzt oder gesprüht.
0
 
Werde Mitglied der Community Jagd, um an dieser Diskussion teilzunehmen!
Zum Seitenanfang