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Experten geben Auskunft
12 Themen, Moderator: Sunyi, Susanne1, Redaktion_landlive, Moderator
Forum: Experten geben Auskunft
Hier bieten wir mehrmals im Jahr unseren Mitgliedern die Möglichkeit, bei Fachleuten nachzufragen.

Expertenaktion: Frühjahrssauen - Startschuss

@ pudlich #
pudlich schrieb:

Sehr geehrter Herr Duderstädt,
ich bitte um Stellungnahme zu nachstehenden Punkten:


1. Neben mir liegt der "Rheinisch-Westfälische Jäger" 2/2009.

Im Artikel "Gemeinsam handeln" werden wieder einmal die bekannten Abschußrichtlinien veröffentlicht, als da wären:
75 % Frischlinge
15 % Überläufer
5 % mehrjährige Bachen
5 % Keiler 5 Jahre.

DAS hatten wir schon. Diese Vorgaben sind sicherlich richtig, wenn die Population in Bezug auf Alter und Zahl stimmt. In Zeiten massiver Reduktion ist sie m.E. falsch.

Es kann doch nicht zielführend sein, aus einer kopfstarken Rotte, die sich aus Leitbache, Beibachen, Überläufern und Frischlingen zusammensetzt, an der Kirrung einen Frischling heraus zu schießen. Damit ist über kurz oder lang doch nur gewährleistet, daß die Leitbache mit zunehmender Erfahrung Kirrungen meidet oder nur dann aufsucht, wenn sie nicht besetzt sind.
Nach meinen Erfahrungen ist es wesentlich besser, durch Abschuß der Leitbache, wenn sie entweder nicht führt oder die Frischlinge alt genug sind, die Rotte zu teilen, um so mehrere Rotten entstehen zu lassen, die bejagt werden können. Nach dem Motto: Die Schlauen zuerst, ist so eine deutliche Erhöhung der Abschußzahl möglich.
Dies natürlich nur dann, wenn unter den Mitjägern soviel Engagment besteht, daß tatsächlich auch bejagt wird.

Sehen die Experten das genau so?
Grundsätzlich ist der oben vorgeschlagene Abschuss richtig und anzustreben. Es bedarf jedoch mehrere Jahre des Durchhaltens und der Lösung des Jägerproblems bezogen auf den gesamten jagdlichen Umgang mit den Sauen. Wir haben es versäumt und zwar seit Jahren, gezielt und sozial korrekt in die Reproduktionträger ein zu greifen. D.h. in den Monaten Oktober bis Januar wäre es notwendig, gerade an Kirrungen mit bester Selektionmöglichkeit, stets die schwächste in der Rotte anwesende Bache, statt einem Frischling zu erlegen. Der gezielte Bachenabschuss, selbst vom schwächsten Glied aus, ist so meine Erfahrung aus hunderten von Vorträgen nicht in die Köpfe der Jäger zu bringen. Damit wäre die Reproduktion wirksam gedrosselt und die Organisationbasis der Rotten nicht gestört. Ich bin grundsätzlich gegen den Abschuss von Leitbachen. Zur Zeit stellt sich dieses Thema ohnehin nicht, weil wir keine, oder viel zu wenig Leitbachentypen haben. Wo sollen diese Leitbachentypen auch herkommen bzw. sich entwickeln können. Der normale weibliche Frischling frischt heutzutage mit dem 11 Lebensmonat seinen ersten Wurf. Das dieses Bachelchen sich normal entwickeln kann muss bestritten werden. Gefördert wird eher eine Verzwergung statt dringend in den Populationen gebrauchte Leitbachentypen, die in der Lage sind soziale Strukturen herzustellen. Gegenwärtig ist unser Schwarzwildbestand als asoziales Pack zu bezeichnen und zwar bundesweit. Leider ein Produkt unserer Jäger und weiter kritisch betrachtet einer künstlichen Futter-Kirrgabe die in der Summe mit Populationen erzeugt hat, die so nicht für möglich gehalten wurden.
2. Zur Reduktion des Schwarzwildes werden zunehmend revierübergreifende Drückjagden veranstaltet. Diese Drückjagden sind vorbereitungsintensiv, teuer und bergen ein nicht unbeträchtliches Risiko.
Leider überwiegen auf den dabei erzielten Strecken häufig die "Beifänge", also Rehwild, Damwild, Rotwild, während die SW - Strecke bescheiden bleibt. Sie sind also häufig nicht zielführend.
Hier sind m.E. besonders die Forstverwaltungen im Fokus.
Ich konnte mehrfach beobachten, daß sich die eingesetzten Hunde lieber mit anderem Wild als mit Sauen auseinandersetzen und die Rotten daher teilweise unbelästigt bleiben. Zu allem Überfluß lernen die Stöberhunde dabei sehr schnell, daß es leichtere Beute als Sauen gibt und verlagern deshalb ihr "Beuteschema". Bewerte ich das über?
Ist es nicht deutlich zielführender, revierübergreifende DJ ohne zahlende und somit Ansprüche auf Strecke habende Gäste durchzuführen und sich dabei in der Freigabe nur auf Schwarzwild zu beschränken?

Sehen die Experten das genau so?
Fraglos werden wir ohne Bewegungsjagden das Problem nicht lösen. Es ist sicher zu vernachlässigen, wer daran teilnimmt. Wichtig ist eine klare Aussage der Jagdleitung, die Situation angepasst sein muss. Die Vorgabe der Jagdleitung muss von der ganzen Anlage der BJ erfüllbar sein. Zu wenig Professionalität und strategische Konzeption ist durchweg erkennbar. Wer jeden Mond im Revier nutzt und das Flächen deckend, muss sich über geringe Strecken bei den BJ nicht wundern. In meinem allerdings Waldrevier findet keine Kirrjagd statt, aber zwei BJ bei denen Strecke gemacht werden muss. Die Jagden sind gezielt angelegt, bei den Sauen vorrangig Strecke zu machen. Das gelingt natürlich in der Regel, weil die Sauen durch den geringen Jagddruck da sind, wo sie sein sollen. Sicherlich ist Revier nicht gleich Revier und Liebhabereien spielen natürlich auch eine Rolle. Bringen sie einem Jäger bei, er solle alle 4Wochen doch mal auf den üblichen Abschuss eines Überläuferkeilers an der Kirrung verzichten und stattdessen eher einen Frischling oder besser zur richtigen Zeit eine schwache Bache erlegen. Das ist unglaublich schwer zu vermitteln. Und messen lassen müssen wir uns letztlich ob unserer Bestand intakt ist an der Anzahl vorhandener Altbachen und reifer Keiler in Populationen die landwirtschaftlich ertäglich sind. Dramatisch ist bei all dem, dass wir eine sehr hohe Krankheitanfälligkeit bei den Sauen durch unseren jagdlichen Umgang und zwar in extremer Form zunehmend verschulden. Ich bin sicher, dieses Thema wird sich in naher Zukunft intensivieren!
3. Noch immer geistert durch viele Köpfe das Märchen von der synchronisierten Rausche, als würden Leitbachen die Rauschen der Beibachen aktiv unterdrücken. Dabei wäre es richtiger, von initiierter Rausche zu sprechen, da die Beibachen durch den Geruch der Leitbache zur Rausche angeregt werden.
Nach welchen Kriterien richtet sich der Zeitabstand zwischen zwei Rauschen der Leitbachen, wie hoch ist er und wie hat er sich in den letzten Jahren verändert?
Fakt ist, dass intakte Rotten mit Leitbachentypen geregelte Zyklen haben. D.H., das kurze Zeit nachdem die Leitbache rauschig wurde, alle geschlechtsreifen weiblichen Stücke des Verbandes ebenfalls rauschen. Damit war ein annähernd gleichzeitiges Frischen und zwar ins zeitige Frühjahr hinein die Regel. Würde der jagdliche Eingriff die Sozialstrukturen bei begrenzter Population fördern, hätten wir das Problem des Frischen rund ums Jahr nicht oder nur in der Ausnahme.


4. Die Tierärztliche Hochschule Hannover beobachtet seit Jahren die Rauschzeiten und hat herausgefunden, daß die Hauptrauschzeit nicht mehr wie bisher angenommen im Dezember/Januar stattfindet, sondern im September/Oktober. Dies bedeutet, daß genau dann, wenn die Drückjagden stattfinden, nämlich im Dezember/Januar, Bachen mit soeben geborenen/sehr jungen Frischlingen vorkommen. Ist hier nicht ein Umdenken unsererseits erforderlich hinsichtlich der Bejagungszeitpunkte?

Was sagen die Experten?

Die Hauptrauschzeit so meine Beobachtungen als Leiter großer Schwarzwildreviere über Jahrzehnte beginnt im November und endet zum Jahresende. Die Masse der Frischlinge fällt also danach in der Zeit von Februar bis Ende April. Voraussetzung ist auch hier der wildbiologisch korrekte Umgang mit den Beständen.
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@ foerster #
foerster schrieb:

Eine Frage und eine Feststellung zugleich:

Ist das Jahr nicht viel zu kurz, um sich bei ausufernden Sauenbeständen darüber Gedanken zu machen, ob Bejagung im Frühjahr ja oder nein? Schließlich gibt es auch noch andere Wildarten, denen wir unsere Zeit widmen müßen.
Es ist natürlich gar nicht gut, wenn das ganze Jahr über im Revier Jagddruck herrscht. Das macht die Jagd im Herbst/Winter nicht leichter, insbesondere da doch der Schwerpunkt der Abschüsse bei der Einzeljagd getätigt wird. Aber ich bin der Meinung, man muß jede Gelegenheit nutzen, egal welche Jahreszeit, sonst werden wir mit wachsenden Populationen nicht fertig.
Gilt eigentlich nicht nur für Sauen .....
Gruß
foerster

Wir kranken in sicherlich den meisten Revieren daran, dass sich nur wenige tatsächlich so organisieren, dass man von einer jagdstrategischen Konzeption reden kann. Fraglos spielt das Vorkommen mehrerer Schalenwildarten nebeneinander hierbei eine Rolle. Intervall- oder Schwerpunktjagd mit wichtigen auch Jagddruck freien Phasen zu praktizieren, unter der Berücksichtigung auch von Wildruhezonen wären dabei von Bedeutung. Alles Schalenwild genießt eine Schonzeit, ausser das Schwarzwild. Sicherlich ist es gegenwärtig der falsche Moment, beim Schwarzwild über eine solche zu diskutieren. Übermächtig sind leider die Probleme um diese Wildart. Befleißigen könnten wir Jäger uns allerdings, bei allem Jagddruck mit dieser Wildart fair umzugehen. Unter fair verstehe ich, sauberes Ansprechen, so viele Frischlinge als möglich erlegen, schwache Bachen im Herbst und Winter vorrangig strecken und darüber nachdenken, ob wir nicht mit unserer künstlichen Maismast Hauptverursacher zu hoher Sauenbestände sind. Nicht die Sauen sind die Problemursache, sondern wir Jäger!

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Beitrag bearbeitet von Duderstaedt am 02.03.09 um 13:52 Uhr.
@ Kampfkeiler_Udo #
Kampfkeiler_Udo schrieb:

Sehr geehrter Herr Duderstaedt,

ich tu mir immer ein bisschen schwer, wenn ich das Wort " Experte " lese. Viele " Schwarzwildexperten " behaupteten in den letzten Jahren, das Beibachen gestreckt werden müssen, um die Reproduktionsrate zu vermindern.
Leider lagen anstatt bei vielen Jagden und Ansitzen nicht die Beibachen, sondern die Leitbachen. Einige junge Jäger orientieren sich bei den Fachzeitschriften über die Aussagen der " Experten " und manchmal kann man in der Tat nur die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Die Ergebnisse dessen als aktiver Schwarzwildjäger sieht man im August, wenn Gestreifte hinter einer Frischlings - oder Überläuferbache hermaschieren.

Ich persönlich stehe zum Lüneburger Modell, welches sich in meinen Augen bewährt hat.

Meine Fragen dazu:

Wie soll in Zukunft die Aufgabe der Jäger zur Bejagung der Sauen aussehen ??


Sie muss so aussehen, dass die Bestände wieder sozialbiologisch intakt werden, den landeskulturellen Vorgaben angepaßt sind und der Bestand in die Lage versetzt werden muss, ausreichend alte Bachen und Keiler zu produzieren.

Welche Modelle der "Experten " halten Sie für tragbar ?


Das Lüneburger Modell hat nach wie vor im jagdlichen Umgang mit Sauen eine hohe Bedeutung. Es muss nur ohne wenn und aber von der Jägerschaft insgesamt umgesetzt werden. Wir erbringen leider als Jägerschaft gegenüber dieser Wildart nicht die Hegeschuld die ihr angemessen wäre!

Was halten Sie von Zwangsdrückjagden ?


Von Zwangsdrückjagden halte ich nichts. Was ich für sinnvoll und zeitgemäß halte, sind Revier übergreifende Bewegungsjagden. Es gibt inzwischen nicht wenige Bereiche, wo die Teilnahme an solchen Jagden zur Pflichtübung im Pachtvertrag übrigens verankert, geworden sind.

Brauchen wir noch Schwarzwildhegegemeinschaften ?


Hierzu ein klares JA! Schwarzwild lebt relativ großräumig. Ein permanenter Dialog unter den Jägern ist ganz wichtig. Vielleicht ergibt sich ja doch in Deutschland irgendwann einmal eine Schwarzwildhegegemeinschaft die im Sinne des Schwarzwildes messbar funktioniert!

Weidmannsheil
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Beitrag bearbeitet von Duderstaedt am 02.03.09 um 13:50 Uhr.
@ jungjaegermeister #
jungjaegermeister schrieb:

Sehr geehrter Herr Duderstaedt,
es werden immer mehr und immer größere Drückjagden angehalten.

1. Wo liegen da Ihrer Meinung da die Grenzen im Bezug auf die Größe oder sollten anstelle von einer Großen mehrere kleine abgehalten werden?


Vorausgesetzt die Organisation und Feinabstimmung ist professionell zu leisten und die Freigabe bezüglich aller vorkommenenden Schalenwildarten ist gleich geregelt, können großflächige Bewegungsjagden durchaus Sinn machen. Zur Zeit hört man allenthalben von Versuchen bis zu Größenordnungen von 10000 ha und mehr. Es fällt jedoch durchweg dabei auf, das die Streckenerwartungen weit hinter den gedachten Vorgaben zurück bleibt.

2. Welches ist der richtige Zeitpunkt?


Wichtig ist, dass jede Fläche ein, höchstens zweimal pro Saison bejagt wird. Zwischen den Jagden sollen mindestens vier Wochen Jagddruck freie Phasen liegen! Vor und zwischen den Drückjagden ist zu empfehlen, auf Kirr und Nachtjagd im Walde zu verzichten.

3. Welche Hunde sollten zum Einsatz kommen? (Anzahl/ha, Rasse, Schnallen vom Stand, Durchgehschützen usw.)


Pro hundert ha bejagte Fläche um 10 Hunde bis maximal Wachtelgröße. Das Aufsplitten in mehrere Hundegruppen kann je nach Einstandcharakter mehr Sinn machen, als vom Stand aus zu schnallen. Ich persönlich jage bei meinen Bewegungsjagden mit ca. 17 kurzläufigen Hunden in drei Gruppen aufgeteilt, bei einer Treibengröße von ca. 300 ha.

4. Was sollte freigegeben werden?


Wichtig ist, wenn mehrere Reviere miteinander gleichzeitig jagen, das die Freigabe absolut gleichlautend ist und zwar bei allen vorkommenden Wildarten. Man soll auch dringend anstreben, gemeinsam Strecke zu legen, nicht zuletzt als Vertrauen bildende Maßnahme! Schwarzwild bezogen ein Beispiel:
Frei sind Sauen außer Leitbachen und Bachen mit abhängigen Frischlingen. Ich bitte nachdrücklich um faire Bejagung. Solange Frischlinge bei der Rotte sind, werden diese vorrangig beschossen. Ansonsten stets das schwächste Stück aus der Rotte. Einzelstücke bis 50 kg. Keiler sollten deutlich "Weiß" zeigen!
Das funktioniert bestens und schränkt keinesfalls eine hohe Strecke ein.
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@ greenlantern #
greenlantern schrieb:

dann möchte ich auch mal eine frage in den raum stellen: wenn sich das lüneburger modell angeblich so serh bewährt hat, warum haben wir dann die jetzige sauen-situation?

Leider haben es die Jäger nicht fertiggebracht, das LM umzusetzen. Zu wenig Frischlinge, zu viele Überläufer vor allem männliche wurden erlegt und zuviele Frischlinge haben ihre Mütter verloren zu einer Zeit wo sie diese noch dringend gebraucht hätten. Das LM sieht eine Qualitätshege vor. Eine Quantitätshege wird seit Jahrzehnten auch mit zuviel Futter betrieben. Das es dabei zuviele Jäger gibt die danach handeln - was ich nicht schieße, schießt der Nachbar - hat die Sauenbestände zu denen gemacht was sie heute Bundesweit sind. Ein asoziales Pack, verfolgt und bekämpft wie Ratten.
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Beitrag bearbeitet von Duderstaedt am 02.03.09 um 13:48 Uhr.
@ Weimaraner24 #
Weimaraner24 schrieb:

Sehr geehrter Herr Duderstaedt,

durch eine immer größer werdende Anzahl an Drückjagden erstreckt sich die Saison inzwischen von Anfang Oktober bis in den Februar hinein. Wann sollte ihrer Meinung nach frühestens mit Drückjagden begonnen, und wann spätestens aufgehört werden und welche Abschussfreigaben empfehlen sie?

Die Drückjagdsaison sollte mit der Schonzeit auf Rehböcke (15. Oktober) beginnen und Mitte Januar beendet werden!
Die Freigabe muss sich nach der aktuellen Situation beim Schwarzwild richten und zwar wie Sie es für Ihr Revier beurteilen. Bei klarer Überpopulation muss man auch mal den Mut aufbringen, alles Schwarzwild freizugeben, jedoch immer mit der Einschränkung Leitbachen und Bachen mit abhängigen Frischlingen zu schonen. Auch bei dieser Freigabe darf erwartet werden und ich weise mit Nachdruck bei meinen Jagden darauf hin, dass fair gejagt wird. Ist der Bestand landeskulturell in Ordnung, kann ein Gewichtlimit z. B. 50 kg durchaus Sinn machen.

Zweite Frage:

Wie kann man einen überhöhten Schwarzwildbestand im Frühjahr am effektivsten Bejagen?

Ich würde im Hinblick auf Wildschadensverhütung am liebsten im Wald Jagdruhe auf SW halten und nur im Feld Jagen, allerdings lassen sich ja gerade im Frühjahr die allein umherziehenden Frischlinge des letzten Jahres sehr gut an der Kirrung bejagen da diese sehr unvorsichtig sind und oft noch im hellen die Kirrung besuchen. Was ist ihre Meinung?[/quote]
Mit dem Erlegen eines Frischlings an der Kirrung machen Sie sicher nichts falsch. Populationsdynamisch spielt jedoch das Erlegen von Frischlingen auf diese Weise eine untergeordnete Rolle. Dagegen ist das Erlegen der gleichen Stücke, dort wo sie zu Schaden gehen zwar jagdlich etwas aufwendiger, fraglos auf jeden Fall sinnvoller.
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Beitrag bearbeitet von Duderstaedt am 02.03.09 um 13:44 Uhr.
@ x450685 #
x450685 schrieb:


Sehr geehrter Hr. Duderstaedt,

ich habe jetzt schon die Erfahrung gemacht, dass wenn die Zeit des frischens der beschlagenen Bachen auch das kontinuierliche Besuchen der Sauen auf den Kirrungen ausbleibt! Mir ist klar das die Bache in dieser Zeit mehr zu tun hat als sonst jedoch beleiben auch die Frischlinge aus dem Vorjahr eher aus!

Jetzt zu meiner Frage:
bleiben die alten Frischlinge noch länger in der Nähe der Bache oder ist ab dem frischen der neuen Frischlinge ein Auflösen des Verbandes??

Ich stelle es mir eigentlich so vor, wenn die Bache die alten Frischlinge nicht mehr duldet sollten diese jedoch eher öfter auch alleine an der Kirrung anzutreffen sein und somit auch durch die fehlende Obhut der Bache leichter zu bejagen sein!

Welche Erfahrungen haben Sie im laufe Ihrers Jägerlebens dazu machen können??

Ich hoffe ein Thema gefunden zu haben, welches auch für andere von Interesse sein könnte und verbleibe

mit freundlichen Grüßen und einem kräftigen Weidmannsheil aus Österreich!!

Klaus H.


Nach dem Frischen verbleiben die Bachen mit ihren Neugeborenen zunächst 4-6 Wochen solo. Der vorjährige Wurf splittet sich im Normalfalle nach Geschlechtern auf. Die männlichen Stücke, die jetzt zu Überläufern geworden sind, werden zukünftig nicht mehr bei der ursprünglichen Mutter geduldet. Sie zigeunern alleine und in kleinen Trupps umher. Ihre biologische Aufgabe ist, durch weiteres Umherziehen für genetische Artenvielfalt zu sorgen. Die weiblichen Stücke des gleichen Jahrganges finden sich in der Regel wieder bei der Mutter ein und werden dort geduldet. Diese Zusammenführung entspricht der ersten Stufe zur Bildung eines Familienverbandes.
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Hallo,

kürzlich starteten wir die erste Expertenaktion in 2009.

Dieses Mal hat sich Wildmeister Hans-Joachim Duderstaedt (bekannt als Revierberater aus der PIRSCH) als Experte zur Verfügung gestellt, um eure Fragen rund um´s Thema "Frühjahrs-Sauen" zu beantworten.

Hier findet ihr sämtliche Fragen und Antworten wieder online.

Wir bedanken uns für eure Teilnahme und bei Herrn Duderstaedt für sein Engagement.

Gruß
(Gut) leben & (gut) leben lassen!
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