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Ein ganz normales Heiderevier....

Geschichten und Erlebnisse (21 Einträge)

Vollmondnacht Eine auf Sauen sehr erfolgreiche Leiter.... Keilerchen
1061 mal angesehen
24.02.2008, 13.29 Uhr

Mondschein-Nachsuche

Schon die dritte Nacht ließ ich mir nun den kalten Westwind entgegen blasen. Bislang hatte die Sauen immer das bessere Ende für sich. Jede Nacht war hier auf der auflaufenden Rapssaat reger Wechselverkehr, doch offenbar immer zu anderen Zeiten, als ich es vermutete. Vile Leser werden ds Gefühl kennen, wenn man nach 2-3 Stunden erfolglosen, nächtlichen Ansitzes am Folgetag feststellen muss, dass die Sauen doch wieder da waren – nur eben zu einer anderen Zeit....

Heute, auf einem Freitag, konnte mir – anders als in der Woche – auch erlauben, bis weit nach Mitternacht zu sitzen. Demzufolge ging ich erst um 22 Uhr raus. Wenngleich man zu hellen Nächten zuweilen skeptisch gegenüber steht – schließlich kommen die Sauen dann nur ungern aus der Deckung – so gehört eine frostklare Vollmondnacht - wie heute - doch immer zu den jagdlichen Highlight des Jahres. Tatsächlich hätte man draußen Zeitung lesen können. Während des Angehens stand schon Rehwild auf dem Raps, so dass es mir leider nicht gelang, unbemerkt die offene Leiter zu beziehen. Verärgert schreckend sprangen die Rehe ab – sie würden bald wieder kommen.

Ich richtete mich ein und harrte der Dinge, die da kommen würden. Gelegentliches Knacken im Unterholz ließ mich immer wieder zusammenfahren, doch es schienen keine Sauen zu sein. Der Wind blies mir relativ stetig ins Gesicht, so dass die Sauen, die ich von vorn erwartete, keinen Verdacht schöpfen konnte. Nur noch kamen sie nicht... Inzwischen stand das Rehwild wieder auf der Fläche und einmal meinte ich - schon jenseits der Grenze - den unruhigen Schatten eines Fuchses gewahr zu werden. Würde er mir kommen, würde ich die Chance nicht ungenützt verstreichen lassen - trotzdem der Ansitz vor allem den Schwarzkitteln galt. Aber auch er kam nicht...!

Gelegentlich fielen mir schon die Augen zu und ich versank, in meine Ecke gedrückt, wiederholt in ein kurzes Schläfchen. Ich wusste, ein Grunzer, und ich würde wieder hellwach sein. Aber kein Grunzer ließ sich vernehmen.

Plötzlich wieder ein huschender, lautloser Schatten – oder waren es zwei? Ein Blick durchs Glas ließ mich 2 Waldhasen erkennen, die einander - offenbar im Paarungseifer - über die Saat hetzten. So lustig das anzusehen war, so langsam war ich geneigt, den Ansitz abzubrechen. Offenbar schien es heute Nacht letztlich doch zu hell. Minute für Minute rang ich mir noch ab, bis ich mich endgültig zum Abbruch entschloss. Ein letzter Rundumblick sollte mir Gewissheit verschaffen, dass es die Sauen in der Deckung hielt. Links und rechts war nichts. Um die rückwärtige Wiese abzuglasen, musste ich mich auf mein Sitzbrett stellen, andernfalls konnte ich nicht über die Knickbepflanzung hinwegseatem!hen. Langsam ließ ich den Blick schweifen. Doch halt, noch einmal zurück: Mir stockte der Atem. Sollten die unförmigen Schatten dort unter den einzelnen Obstbäumen am Rande des Erlenbruchs etwa Sauen sein? Sie bewegten sich jedenfalls! Tatsächlich - Sauen...!!!!

Ich konnte es nicht glauben, denn die sonst so vorsichtigen Wutze standen fast in meinem Wind!

Jetzt musste es schnell gehen.... Zunächst mal runter von der Leiter und ein wenig aus dem Wind. Meine Gedanken überschlugen sich. Hatte es Zweck zu warten, bis sie in Richtung auf meine Leiter zögen? Wohl kaum. Es war einfach nicht damit zu rechnen, dass sie bei der gleißenden Helligkeit den Halbschatten der Bäume verlassen würden. Ich musste sie angehen... - doch von welcher Seite? Mit dem Uhrzeigersinn anzugehen hieße, einen großen Umweg in Kauf nehmen zu müssen. Da war fast zu erwarten, dass sie längst weg wären, wenn ich den angrenzenden Fischzuchtbetrieb umschlagen hätte... – also entgegen dem Uhrzeigersinn! Letzteres hieß aber, ich musste durch das Quellgebiet in einem unaufgeräumten Buchen-/Erlenaltholz pirschen. Schon die ersten vorsichtigen Schritte ließen mir das Blut in den Adern erstarren. Das konnten Sauen - die ich jetzt nicht mehr zu sehen vermochte - eigentlich nicht aushalten. Aber ich hatte keine andere Wahl. Voran ist voran.... Das Licht war nicht schlecht und doch konnte ich, die Augen am Boden, den ein oder anderen „Knacks“ nicht verhindern. Zu allem Überfluß steckte ich plötzlich bis zu den Knien im aufgeweichten Morast. Das konnte einfach nicht gut gehen... !

Mühsam erklomm ich wieder feste Grund und suchte nach einem Ausweg. Schemenhaft meinte ich jetzt die Schwarzkittel zwischen den Baumstämmen hindurch ausmachen zu können. Ich musste weiter rüber zum Waldrand und damit gefährlich nahe an denWind. Doch hier durch den Morast gab es kein Weiterkommen. Buchstäblich auf Zehenspitzen schob ich mich vorwärts. Die letzten Bäume vor mir, konnte ich ihre Bewegungen jetzt recht gut ausmachen. Eine Rotte von 5-6 Sauen brach dort im morastigen Traufbereich der randständigen Erlen. Endlich war ich an einem Stamm angelangt, von wo aus ich die Szenerie gut einsehen und die Sauen ansprechen konnte. War da eine Bache dabei? Eigentlich sahen fast alle gleich groß aus.

Vielleicht..., ja bestimmt, war das einzelne etwas abseits stehende Stück die Bache. Sie kam aus dem Schatten überhaupt nicht raus.

Während die anderen Stücke immer mal wieder geschäftig durcheinander liefen, suchte ich mir ein zeitweilig abseits stehendes Stück aus, ging mit dem Absehen mittig ins Ziel und ließ fliegen. Ein gewaltiger Knall zerriss die friedliche Stille der Nacht. Während ich repetierte, konnte ich mit bloßem Auge ausmachen, wie sich die Schatten zusammen schoben und, noch bevor ich an einen weiteren Schuss denken konnte, flüchteten sie zurück ins Holz. Wenn mich nicht alles täuschte, war „meine“ Stück mittendrin...

Der Zauber der Nacht war verflogen. Sollte ich gefehlt haben? Auf der Wiese jedenfalls, lag keine Sau. So ein Schwein von mind. 40 kg hätte ich bei dem immer noch exzellenten Licht zweifellos nicht übersehen.

An den Stamm gelehnt blieb ich zunächst stehen, unfähig mich zu bewegen. Was nun? Beim Verlassen meiner Leiter hatte ich noch nicht einmal eine Taschenlampe mitgenommen... Den Hund hatte ich dieses Mal sogar ganz zuhause gelassen....

Allmählich ruhiger werdend, ließ ich das Geschehene noch einmal Revue passieren. Nein, ich war bestens abgekommen und die Entfernung war mit vielleicht 70/80 Schritt auch nicht zu groß. Das Stück musste eigentlich liegen, aber ohne Lampe, und vermutlich ohne Hund, ging da nix!

Letzterer wartete vermutlich schon ungeduldig auf mich, denn eigentlich war er es nicht gewohnt, daheim zu bleiben. Schon gar nicht wenn ich zur Jagd ging. Ausgerechnet heute hatte ich ihn angesichts der frostigen Temperaturen – trotz seines bittenden Augenaufschlags - zuhause gelassen.

Wie erwartet, kam er mir in der Tür sofort entgegen und bereits wenige Minuten später waren wir zurück am Ort des Geschehens. Kurz hatte ich wohl erwogen, meinen Freund F. aus dem Bett zu holen, aber ich wusste, er musste morgen früh raus - das wollte ich ihm nicht antun. Ich hatte mir die Suppe eingebrockt, nun musste ich sie auch auslöffeln.

Das Licht ließ eine nächtliche Nachsuche ohne weiteres zu und auf meinen Hund konnte ich mich verlassen, also los.

Etwas eine Stunde nach dem Schuss näherten wir uns, den Hund am Riemen, dem vermeintlichen Anschuss. Längst wusste er worum es geht. In den umgebrochenen Grassoden kontrollierte er hier und da eine interessante Witterung, eine Schweißfährte jedoch schien er noch nicht gefunden zu haben. Immer größer wurden die Kreise, bis er endlich, mit ruhiger Konzentration, eine Fährte anzufallen schien. Bestätigung jedoch hatte ich nicht.

Er zog mich, die Richtung mochte stimmen, zum Rand der Wiese. Unter dem dortigen Stacheldrahtzaun hindurch führte ein ausgetretener Sauenwechsel. Hier fand ich im Draht einige Borsten und – Gott sei Dank – ein wenig Schweiß, genau unter dem Draht, aber schwer anzusprechen. Der Hund arbeitete sicher und zielstrebig. Hinter dem Draht führte die Fährte über einen aufgelassenen Fahrweg und erneut unter einem Stacheldrahtzaun hindurch. Jetzt ging es wieder in die nassen Quellgründe. Immer heftiger drängte der Hund vorwärts. Wenngleich ich eine Totsuche erwartet hatte, vielleicht hätte ich doch noch länger warten sollen?!

Plötzlich verhoffte der Hund und äugte in die Nacht.... War was? Nein – weiter ging’s. Doch anders als zuvor arbeitete der Hund nicht mehr so konzentriert mit tiefer Nase, sondern warf verhoffend immer wieder auf. Als er grimmig anfing, in die Nacht hinein zu bellen, war ich mir sicher, dass die Sauen unmittelbar vor uns wegzogen. Immer wütender zerrte er am Riemen. Von einem kranken oder gar verendeten Stück war weit und breit keine Spur.

Sollte ich ihn schnallen? Ich wusste genau, dass das gegen zahlreiche ungeschriebene Regeln der Nachsuche verstoßen würde. Das Licht im lückigen Bestand war allerdings so gut, dass die Bedingungen denen einer Hetze bei Tageslicht vergleichbar wären...

Aber ich war allein! Und was war, wenn er der Verleitung flüchtiger, gesunder Sauen erliegen würde und mit ihnen über alle Berge ging, anstatt mich zu meiner Beute zu führen? Was wäre, wenn wir angesichts der frischen Witterung die Krankfährte längst überschossen hätten? Nein, daran wollte ich nicht glauben. Auf meinen erfahrenen Rüden konnte ich mich verlassen.

Wie zur Bestätigung dessen wendete er sich ab und bögelte zurück. Das sah gut aus. Jetzt war auch die Nase wieder unten! Es hätte ihm zwar unverkennbar Spaß gemacht, die Rotte durch mondhelle Nacht zu jagen, doch pflichtschuldig konzentrierte er sich jetzt wieder auf die Arbeit. Als der Riemen plötzlich schlaff wurde, war er mit hoher Nase erneut zum Denkmal erstarrt. Hoffentlich nicht noch mehr Sauen!

So wie er sich jetzt aber Wind holte, hatte er offenbar Witterung von „unserer“ Sau – hoffentlich!

Einer Fährte bedurfte es jetzt offenkundig nicht mehr. Wenig später standen wir am längst verendeten Stück. Vor uns lag ein Keilerchen von – wie sich später herausstellte – aufgebrochen 42 kg. Der Schuss saß fast mittig drauf! Mein Gefühl hat mich also nicht getrogen!

Dankbar ließ ich es zu, dass der Hund am Stück sein Mütchen kühlte, indem er den Wutz ordentlich beutelte. Während ich den kleinen Keiler zum Weg hochzog, zerrte er am toten Schwein – leider in die verkehrte Richtung! Dennoch war es irgendwann geschafft. Nun musste er sich ablegen lassen und ich machte mich – von Müdigkeit keine Spur - an die rote Arbeit.

Das war ein glückvolles Erlebnis, ganz nach meinem Herzen. Ich und mein Hund, da passte kein Blatt dazwischen....
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Ruedemann

Ruedemann

Alter: 56 Jahre,
aus Nordheide
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Kommentare

24.02.2008 14:53 platzi
Wieder eine spannende Erzählung.
Gruß
Diether
24.02.2008 15:09 Ruedemann
...liegt allerdings schon mehr als 1 Jahr zurück! Gruß V.
24.02.2008 23:48 Perfan
Ein aufrichtiges Weidmannsheil !!!!!!!! Jagd pur und das Ganze ansprechend und packend erzählt.

Danke für die Kurzweil und weiterhin Weidmannsheil.

Grüsse
25.02.2008 00:01 Ruedemann
Perfan schrieb: Ein aufrichtiges Weidmannsheil !!!!!!!! Jagd pur und das Ganze ansprechend und packend erzählt. Danke für die Kurzweil und weiterhin Weidmannsheil. Grüsse


Das wünsche ich Dir auch! Gruß R.
25.02.2008 15:27 Meffi
Eine tolle und spannende Geschichte, mit einem guten Ende!!!
Mancher würde hier lamentieren wollen, was alles hätte falsch sein und schief gehen können: Nachsuche in der Nacht und dazu noch alleine, usw., usw.

Ich freue mich mit Dir, dass Du nach Deiner Erfahrung entschieden hast und dass Du mit allem richtig gelegen hast.

Ein herzliches Waidmannsheil und Dank für´s Schreiben,

Meffi!
28.02.2008 11:09 Mannlicher90
Erstmal auch von mir ein Waidmannsheil!!!
echt super erzählt!!!
bitte um weitere solcher spannende geschichten!!!
weiterhin viel Waidmannsheil!!!
mfg
28.02.2008 18:30 hanwur
Spannend bis zum Schluss...
Weiter so!

Waidmannsheil nachträglich!

Gruß
Hanwur
29.02.2008 18:16 Keilerbuechse
waidmannsheil, mehr solcher geschichten bitte :)
01.03.2008 19:15 Ruedemann
Wmd!
Klar schreibe ich noch was nieder, wenngleich die Bewertungen zeigen, dass offenbar einer, dem ich wohl zu oft auf die Füße getreten habe, anonym grundsätzlich nur 1 Punkt vergibt.
02.03.2008 12:37 Sauhut
Passt doch!
Super Geschichte und da Du Dein Schwein am Schluss aufgebrochen hast, gibt es dazu gar nichts zu befinden!!
Weidmannsheil!
Howdy Uwe
02.03.2008 13:07 Ruedemann
Hallo Uwe,
zunächst wmd,
aber was hätte ich denn sonst machen sollen? Gruß V.
02.03.2008 15:38 Sauhut
Ruedemann schrieb:

Hallo Uwe,
zunächst wmd,
aber was hätte ich denn sonst machen sollen? Gruß V.

Na ja, meine Nerven geben das nächtens allein durch den Wald laufen
nicht mehr her! Ich an Deiner Stelle hätte Dich geholt. Ehrlich!! Ich meine
das ohne Nachgedanken...
02.03.2008 16:34 Ruedemann
Sauhut schrieb:

Na ja, meine Nerven geben das nächtens allein durch den Wald laufen
nicht mehr her! Ich an Deiner Stelle hätte Dich geholt. Ehrlich!! Ich meine
das ohne Nachgedanken...


Ob Du es glaubst oder nicht, es war dort im lichten Wald so hell, dass da kein Unterschied zu einem vielleicht etwas verhangenen Tag gewesen ist. Da brauchte man sich keine Gedanken machen....
06.03.2008 23:55 cesar
Ein sehr schönes Erlebnis! Spannend geschrieben und macht mich natürlich neugierig auf weitere jagdliche Eindrücke. Doch die werde ich mir zu anderer Stunde gönnen

Waidmannsdank & Waidmannsheil
Cesar
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