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Gut geRÜSTET..... Müde und abgejagd... Der Profi
1624 mal angesehen
22.02.2008, 19.32 Uhr

Pro und contra Schlagschutzweste

Auch wenn vielfach andere Auffassungen vertreten werden:

Schlagschutzwesten sind kein Patentrezept!

Sie sind in dem ein oder anderen Fall unstreitig zwingend erforderlich, bei anderen Hunden jedoch erhöhen sie das Risiko mehr als es zu reduzieren.

Ich will dazu 3 Beispiele allein aus der zurückliegenden Jagdsaison berichten:

1. Maisjagd - augenscheinlich keine Sauen drin. Nach 2maligem Durchgehen wird abgebrochen. Ein DJT fehlt. Wir warten. Nach 10 Minuten kommt er: Die Schlagschutzweste ist zurückgestreift und hängt z.T. recht stramm auf der Rutenwurzel und zwischen den Hinterläufen. Augenscheinlich hat die scharfe Kante des Material den Hodensack aufgerissen, so dass beide Hoden frei liegen. Der Hund hat große Schmerzen! Keiner weiß, was geschehen ist. Vielleicht hat doch ein Keilerchen gesteckt und den Hund vor noch schlimmerem bewahrt, doch der Umstand dass die auf Maß geschneiderte Weste so abgestreift werden konnte, mußte zu denken geben.
2. Waldjagd mit zahlreichen Hundeführern in einer geschlossenen Treiberwehr - ein PJRT fehlt nach dem Treiben beim Streckelegen. Auf Befragen erinnert sich ein Schütze, dass ein Hund zeitweilig nahe seines Drückjagdbockes gejault hat. Gemeinsame Suche ergibt: Hund hat sich mit der Weste in der Krone einer umgeworfenen Buche verhakt. Glücklicher Ausgang, denn ob er sich sedlbst hätte befreien können, war mehr als zweifelhaft.
3. Eine der letzten Jagden Mitte Januar - Im Laufe des ersten Treibens kommt ein DJT abhanden, der auch Mittags immer noch fehlt. Nachmittags schlägt er plötzlich wieder bei. Nase ist völlig kaputt und... die nagelneue Schlagschutzweste fehlt. Der Hund war am Dachs und die € 280,- teure Weste in den weiten des Reviers irgendwo unter der Erde futsch...

Eine weitere Begebenheit ereignete sich in der vorletzten Saison:
Treibjagd im Schilfgürtel eines größeren Sees. Hunde haben schnell gefunden, trennen sich mit den Sauen und jagen teils mit und teils entgegen dem Uhrzeigersinn. Plötzlich schreit ein Angler von der Mitte des Sees, hier schwimmt 'ne große Sau... An der Wasserkante des Schilfs bleibt mir fast das Herz stehen, ein Kopov und ein DJT, beide mit Weste, arbeiten sichtlaut auf der Schwimmspur. Interessanterweise, aber vielleicht auch gerade wegen der Westen - war der Keiler deutlich schneller, so dass die Hunde nach ca. 200 m umkehrten. Es ist gottseidank gut gegangen; nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn sie sich im Wasser irgendwo festgehängt hätten.

Zu guter letzt möchte ich auf den DJT eines Freundes verweisen, der vor 4 Wochen trotz Weste tötlich geschlagen wurde. Der Keiler hat ihm im Kieferbereich die Schlagader zerrissen.

Im Übrigen habe ich wiederholt beobachten können, dass die Hunde - insbesondere bei den z.T. ungewöhnlich warmen Wintertemperaturen viel schneller kaputt sind. Im Mais machen bei uns fast alle HF, deren Hunde mit Westen jagen, diese nass. leichter werden sie dadurch aber auch nicht.

Bevor mir aber die Westen-Befürworter das Fell über die Ohren ziehen: Auch ich finde, dass die Westen durchaus ihre Berechtigung haben, aber eben nicht pauschal und überall.

Es sollte, ja es muss individuell abgewogen werden:

Ist der Hund so scharf, dass er ständig geschlagen wird, ist die Weste das kleinere Übel, bevor ich ihn immer zu Hause lassen muß.

Gerade bei dunklen Hundefarben erfüllt die signalfarbene Weste eine u.U. lebensrettende Doppelfunktion.

Sind einerseits größere Hunde immer etwas mehr gefährdet, so ist die Gefahr des Festhängens oder des Einschlieffens bei ihnen nicht gegeben bzw. nicht so groß.

Habe ich jedoch helle kleine Terrier, die von Haus aus nicht zu scharf sind und zudem sinnvoll eingearbeitet worden sind, so halte ich eine Weste für kontaproduktiv.

Zwischen diem einen und anderen Extrem ist reichlich Spielraum, bei dem jeder HF selbst das Risiko abwägen muß.
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Ruedemann

Ruedemann

Alter: 56 Jahre,
aus Nordheide
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Kommentare

22.02.2008 19:56 Koelsch1982
Gebe ich dir voll und ganz recht. Bei Hunden die ständig geschlagen werden sicherlich sehr sinnvoll. Ich habe meinen Terrier zumindest nur mit einer Signalweste ausgestattet, die sich leicht abstreifen lässt, bei einer Schutzweste wäre mir die Gefahr des festhängens im Bau einfach zu gross. Gerade ein Terrier sollte ja auch schnell und beweglich genug sein um Schlägen auszuweichen. Eine Weste bittet sich eigentlich nur bei großen Hunden an die zum Packen und halten neigen, aber ob man die auch auf einer Saujagd einsetzen sollte muss jeder selber wissen.
22.02.2008 20:05 Ruedemann
Zur Ehrenrettung von Mikut, dem wohl führenden Hersteller, sei eingeräumt, dass der im Bau festhängende Hund wohl tatsächlich rückwärts aus der Weste schlüpfen kann. Das o.a. Beispiel mit dem DJT, der sich mit dem Dachs angelegt hatte, scheint das zu belegen. Aber garantieren wird Mikut das nicht und wer will schon - möglicherweise desöfteren - 280 € oder mehr in irgendwelchen Bauten versenken.

Der Einsatz von Packern gehört hoffentlich der Vergangenheit an! Selbst große, starke Hunde sollten nur packen, wenn es sich um extrem schwache oder kranke Stücke handelt. Ich denke , alle Hundeführer sollten darauf hinwirken, dass notorische Packer jagdlich geächtet werden!
23.02.2008 19:46 Kampfkeiler
Stimmt alles so, wie es da steht.
26.02.2008 12:29 wilddieb81
Hallo!!

Also ein Patentrezept sind die Westen nicht!!
Ich besitze für meine Bracke und meinen PJRT eine Weste von HuProTex und bin sehr zufrieden damit. Probleme sind Überhitzung bei Maisjagden. Ich mache die Westen davor nass. Nächstes Problem ist das Verhacken. Dem setze ich wieder Telemetrie entgegen. Wobei ich dadurch wieder Probleme bekomme weil die Hunde so "beladen" sind, dass sie sich kaum noch bewegen. Alles eine Gradwanderung. Zum Glück sind die HuProTex Westen nicht ganz so schwer wie die von Mikut. Dafür auch nicht ganz so robust, aber bei leichten Hunden gehts.
Ich denke Packer die jede Sau halten sind Tierschutzrechtlich kaum zu verantworten. Allerdings ist es wichtig Hunde zu haben die zielsicher die kranken Sauen stellen und halten. Und das ist dem Hund eben schwer zu vermitteln. Da kommt es dann eben ab und an zu "Fehlfängen". Dafür kann der Hund und auch der Führer nichts.
27.02.2008 07:10 zickigeRicke
Danke für den informativen und objektiven Beitrag. Ich hatte zunächst daran gedacht, meiner Wachtel auch eine Weste von Mikut zu kaufen. Da sie aber nicht unbedingt der Draufgäbgertyp ist, sich am Schwarzwild eher vorsichtig bewegt, werde ich nun, nach diesem Blog davon absehen.
Waidmannsheil
zR
27.02.2008 19:49 Seppel
Hallo,

ich sehe es wie z.R.´, dann kommen wir aber wieder zu Sauengatter.

Ist vielleicht wirklich nicht so schlecht.

Gruß
Seppel, ich bekomme alle Schweine.
28.02.2008 06:20 Hundefuehrer
Hallo

habe alle meine Hunde mit Weste ausgestattet und ursprünglich nur wegen der Signalwirkung und Untebringung der GPS Geräte .
Ich hoffte auf zusätzlichen Schutz bei Kontakt mit Sauen.

Ich kann bestätigen das die Hunde mit Weste mehr leisten müssen(Kondition) und meine Hunde haben immer die Vorderläufe wund. Sie müssen bei Dornen so viel Kraft aufwenden, dass sie nur noch mit "Vollgas durch" weiter kommen und dadurch sich die Vorderläufe an den Dornen verletzen.

Meine Hunde sind in den Jahren noch nie irgendwo stecken geblieben oder haben eine Weste verloren.

Meine Hunde hatten mit Weste Verletzungen oft an Keule oder Lauf, ich vermute das manchmal die Keiler einfach an der glatten Weste abrutschen und dann in den Keulen oder am Lauf landen.

2 meiner Hunde hat die Weste allerdings das Leben gerettet. Die Weste wurde jeweils im Brust Bauch und Hals Bereich durchstoßen (der Hund hatte also trotz Weste Verletzungen), die aber leicht geschlossen werden konnten. Ohne Weste bin ich der Meinung wären die Hunde heute tot!
Eine Weste davon ist fast völlig schrott und es sind alle Hunde eigentlich nicht die draufgänger!!!

Mein Fazit von den Westen:
Es ist kein non plus ultra,
(es gibt meiner Meinung nach nichts was nur Vorteile hat)
aber ich glaube egal welche Hunde ich irgendwann dazu bekomme, bei mir läuft wahrscheinlich nie einer ohne Weste.
(wenn man alleine die Zahl der erschossenen Hunde zugrunde legt finde ich eine Weste wichtig - andere billig Westen und sonstige überzieher halten in den Dornen nun mal nicht und sind nach wenigen minuten weg)
Mein Freund hat bruchteile von sekunden vor einem Fangschuß seinen Hund hinter der Sau gesehen. Er sagte egentlich war der Schuß schon raus und er hätte selber seine deutsche Bracke erschossen. Er weiß selber nicht mehr wie das noch klappte nicht geschossen zu haben.

Eine interessante Alternative (gerade für vorsichtige Hunde) wäre eventuell eine genau so robust verarbeitete Weste ohne Stichschutz mit außen so glatten Stoff der nirgendwo hängen bleibt. Die Weste wäre dann günstiger, leichter, könnte enger anliegen und wäre dadurch mit weniger Nachteilen behaftet.

Gruß Björn
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