Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Ein ganz normales Heiderevier....

Geschichten und Erlebnisse (21 Einträge)

Ranzfüchse Reife Winterfüchse Letzte Ruhe....
1431 mal angesehen
23.01.2008, 14.20 Uhr

Fuchsranz

Vollmond im Januar - wen reizt das nicht? Durch einen Jagdunfall gehandicapt, habe ich lange Wochen auf einen nächtlichen Ansitz verzichten müssen, doch inzwischen hielt es mich nicht mehr zuhaus'. Zu verlockend schien der Mond vom Himmel. Ich mußte mal wieder raus.

Der nördliche Wind vom Tage ließ einen Ansitz in unserer Rot- und Schwarzwildecke erfolgreich erscheinen, doch als ich mich dort gegen 21 Uhr einschieben wollte, hatte der Wind um 180° gedreht, so dass dort garnichts ging. Schade, denn hier war jede Nacht Bewegung gewesen...

Mein Freund F. der andernorts an einem Maisstoppel saß, riet mir per SMS es auf dem "Widdersitz" zu versuchen, wo die Sauen erheblich gebrochen hatten und er beim Angehen schon Muffelwild stehen sah. Das sollte vom Wind her wohl passen!

Gesagt, getan - wenige Minuten später parkte ich in der Nähe meinen Wagen. Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass die Muffel schon wieder zu Holze gezogen waren, pirschte ich über völlig aufgeweichte Felder zum besagten Widdersitz. Glücklicherweise waren heute im Laufe des Tages keine neuen Regenschauer mehr gefallen. Der Boden konnte rein garnichts mehr aufnehmen, so dass sich bereits riesige Wasserflächen im Mondlicht spiegelten. Auf der Fahrt hierher hatte ich bereits feststellen müssen, dass unser sonst ca. 4m breiter Heidefluß etwa 150 m über die Ufer getreten war. Das hatte es in diesem Ausmaß m.W. noch nicht gegeben. Nun, der trockene Tag in Verbindung mit sternenklarer Nacht versprach glücklicherweise Entspannung.

Am Sitz angekommen baumte ich schwerfällig auf, schließlich konnte ich meine linke Hand noch nicht wieder benutzen. Ich richtete mich ein und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Das Licht war so hell, dass man hätte Zeitung lesen können und nachdem der Autoverkehr endlich abebbte, kehrte auch endlich nächtliche Ruhe ein.

Eine tolle Nacht!
Schräg hinter mir - 400 Meter - standen 3 Stück Rehwild auf dem Raps. Begleitet von ihren hellen Rufen, zogen immer wieder Gänse über mich hinweg. Sehen konnte ich sie leider nicht. In der Ferne ließen Füchse ihr heisere Bellen vernehmen. Ansonsten war Ruhe.

Immer wieder leuchtete ich mit dem Feldstecher die Umgebung ab. Jeder Buckel in sonst ebener Fläche, jeder Schatten ließ mich innehalten und es stellte sich wie so oft die Frage: "War der eben auch schon da? Bewegt der sich?" Zumeist mußte man irgendwann mit tränenden Aufen eingestehen, dass er sich nicht bewegt und demzufolge wohl schon lange da war - leider!

Ein dunkler Fleck allerdings, gab mir Rätsel auf. 80 Meter schräg hinter mir schien er sich tatsächlich ein wenig zu bewegen, aber was konnte es sein? Flach hingestreckt schien sich dort etwas auf der Brache zu räkeln, aber was? Vermeintlich lange Ohren, und gelegentlich aufblitzende Bauwolle, ließ einen Hasen vermuten. Konnte das sein? Ich ließ dieses "Etwas" nicht mehr aus den Augen. Es mußte sich schon dort befunden haben, als ich aufbaumte, denn sonst hätte ich es anwechseln sehen. Konnte es nicht doch ein Fuchs sein? Nein, die Silhouette, jetzt einem Kegel gleich, schien die Annahme "Hase" zu bestätigen. Wenn er sich doch nur mal bewegen würde....

Nach schier endloser Warterei, in der ich sicherheitshalber immer wieder die Umgebung ableuchtete, schien sich was zu tun:

Der Fleck wurde größer... und zu meiner großen Freude: länger! Also doch Fuchs!

Unverkennbar die dicke Lunte des Winterbalgs! Noch bevor Reinicke - als Strich in der Landschaft -seinen nächtlichen Beutezug fortsetzen konnte, hallte mein Schuß in die Nacht und bei uns gab es einen Räuber weniger! Das fing ja gut an....

Das Rehwild hat sich vom Schuß nicht stören lassen - im Gegenteil! Fast neugierig kam die Ricke mit ihren 2 Kitzen näher gezogen. Was würde passieren, wenn sie mir jetzt in den Wind zog? Abwechseln hoben sie sichernd den Windfang, bis sich endlich die Ricke entschied, die Bühne zu verlassen. Wieder war ich mit mir und meinen Gedanken allein. An den aufgeblendeten Scheinwerfern erkannte ich, dass F. bereits heimwärts fuhr. Sein Dienst begann morgen ganze 3 Stunden vor dem Meinen. Sauen hat offenbar auch er nicht vor gehabt.

Während ich jenseits der Reviergrenze Muffel auszumachen glaubte, narrten mich an meinem Sitz immer wieder 2 rammelnde Hasen, deren plötzlich Sprints mich immer wieder elektrisiert zusammenzucken ließen. Doch mit einem Blick durch's Glas beruhigte sich der beschleunigte Puls auch schnell wieder. Ich genoß es einfach, in dieser phantastischen und garnicht mal kalten Nacht draußen zu sein. Wer so etwas noch nicht erlebt hat, weiß nicht was ihm entgeht...

Wieder zog ein Schatten meine Aufmerksamkeit auf sich. Dieser Fleck, an der Spitze der gegenüberliegenden Waldzunge, war garantiert eben noch nicht da. Das vorsichtige und lang anhaltende Sichern verriet mir bereits den nächsten Fuchs - und als er nach bangen Minuten des Wartens losschnürte, hatte ich mich bereits fertig gemacht. Wegen der nahen Reviergrenze sollte er noch ein wenig näher kommen. Der Zielstachel saß bereits im Leben, als ich behutsam den Sicherungsflügel herumlegte un d lautlos einstach. Der Bruchteil eines Verhoffens reichte aus, ihn in sich zusammensacken zu lassen. Befriedigt legte ich die Büchse zurück auf die Brüstung. Wenngleich mich der Anblick immer wieder erfreut, ich halte das Kurzhalten der Beutegreiffer für eine zentrale Aufgabe bei der Hege mit der Büchse.

Während ich noch darauf hoffte, dass die Muffel näher zogen, erwog ich einen nochmaligen Stellungswechsel. Dort, wo bis vor kurzem F. angesessen hatte, waren die Chancen noch eine Sau zu strecken ungleich größer. Immer wieder leuchtete ich zu den Schafen rüber, die mit mir heute offenbar nichts zu tun haben wollten. Endlich waren die Würfel gefallen, ich baumte ab und sammelte die beiden Roten ein. Da ich keine Wildwanne mitgenommen hatte, würde ich sie morgen früh abholen.

Noch während ich dem anvisierten Maisstoppel zustrebte, wunderte ich mich: Obwohl die Uhr 0.30 zeigte, war ich kein bischen müde. Vielmehr hätte ich die Nacht durchmachen können, aber ich wußte aus Erfahrung, dass man am nächsten Tag zumeist anders darüber denkt....

Im Schirm an der Böschung der ehemaligen Kieskuhle hielt ich dann noch eine gute Stunde aus. Abschließend hatte ich auch hier - neben einigen Hasen - noch einige Stücke Rehwild gesehen, doch die erhofften Sauen ließen sich nicht blicken. Vielleicht war es ihnen nach den zurückliegenden, regneriswchen Nächten doch zu hell....

Nachdem ich meinem Hund noch gelegenheit gegeben hatte, sich zu lösen, fand ich mich wenig später im Bett wieder. Während meine Frau lange den Schlaf der Gerechten schlief, empfand auch ich endlich so etwas wie "Müdigkeit". Dennoch - solche Nächte muß man einfach nutzen. Vielleicht würde ich ja schon beim nächsten Mal ein Schweinchen mit nach Hause bringen....
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

Ruedemann

Ruedemann

Alter: 56 Jahre,
aus Nordheide
Anzeige

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

23.01.2008 18:40 Lakai
Na dass hoff ich doch dass das fortgesetzt wird!
Super erzählt, wie alle anderen Geschichten auch von dir!

5 Punkte!
23.01.2008 19:59 Ruedemann
Danke, das ist meine Art, alles noch einmal zu erleben...- und wenn gefällt, umso besser!

Weidmannsheil
Ruedemann
23.01.2008 20:50 Renevolution81
Mir gefällt es auch weiter so!
Gruss rené
23.01.2008 23:29 Isegrim
Super Geschichte - das mit den Füchsen

Da schlägt das Herz eines Niederwildjägers, wie ich es bin, höher


Weiterhin Waidmannsheil im Heiderevier - mach weiter so

Gruss

Wilfried

24.01.2008 12:23 Ruedemann
Isegrim schrieb:
Super Geschichte - das mit den Füchsen
Da schlägt das Herz eines Niederwildjägers, wie ich es bin, höher
Weiterhin Waidmannsheil im Heiderevier - mach weiter so

Gruss Wilfried


Schön wäre, wenn man damit auch den ein oder anderen Hochwildjäger motivieren könnte. Unser Niederwildrevier ist von Wald mit Hochwildeinständen umgeben. Wir können garnicht so viele Füchse schießen, wie da immer wieder rauskommen! Im Blog habe ich von der Erlegung von 5 Füchsen im August berichtet - das war 100 m weg. Ich erwähnte einen gesprengten Fuchs bei der Stökerjagd vor 3 Wochen - das war 300 m weg. Und ich habe das Gefühl ich könnte allein in diesem Revierteil stetig weitere Füchse strecken. Jedenfall bin ich dort in dieser Ranz mit Sicherheit noch nicht das letzte Mal gesessen...

Weidmannsheil Ruedemann
24.01.2008 12:23 Tassilo
Toller Bericht, war zu dem Zeitpunkt auch draußen, jedoch ohne Anblick.

Schade, daß der Schnee ausblieb. Schnee, Mond und Fuchsranz..........was will man mehr,..........herrliche Erlebnisse die ich für nichts missen möchte.
Ansitz auf Fuchs bei Mond muß man erlebt haben, sonst kann man nicht mitreden, dem passionierten Niederwildjäger hält es da nicht mehr zu Hause!

Weihei Tassilo
24.01.2008 12:24 Ruedemann
Tassilo schrieb:

Toller Bericht, war zu dem Zeitpunkt auch draußen, jedoch ohne Anblick.

Schade, daß der Schnee ausblieb. Schnee, Mond und Fuchsranz..........was will man mehr,..........herrlichen Erlebnisse die ich für nichts missen möchte.
Ansitz auf Fuchs bei Mond muß man erlebt haben, sonst kann man nicht mitreden, dem passionierten Niederwildjäger hält es da nicht mehr zu Hause!

Weihei Tassilo


Dem habe ich nichts hinzuzufügen... Gruß und Wmh R.
24.01.2008 14:07 Pirki
Tooles Erlebnis
Besten Dank für deinen Bericht!

WH Michi
24.01.2008 18:44 Isegrim
Ruedemann schrieb:

Schön wäre, wenn man damit auch den ein oder anderen Hochwildjäger motivieren könnte. Unser Niederwildrevier ist von Wald mit Hochwildeinständen umgeben. Wir können garnicht so viele Füchse schießen, wie da immer wieder rauskommen! Im Blog habe ich von der Erlegung von 5 Füchsen im August berichtet - das war 100 m weg. Ich erwähnte einen gesprengten Fuchs bei der Stökerjagd vor 3 Wochen - das war 300 m weg. Und ich habe das Gefühl ich könnte allein in diesem Revierteil stetig weitere Füchse strecken. Jedenfall bin ich dort in dieser Ranz mit Sicherheit noch nicht das letzte Mal gesessen...

Weidmannsheil Ruedemann


Wir haben ein reines Niederwildrevier (550 ha - Feld / Waldanteil 90:10) Füchse werden bei uns sehr scharf bejagt. Es sind aber immer dieselben,
die sich die Nächte um die Ohren schlagen.
In diesem Jahr wurden in unserem Hegering Füchse geschossen wie nie zuvor. Komischerweise war auch die Hasenstrecke so groß wie selten.
Das Füchse den ein oder anderen Hasen mitnehmen habe ich beim Ansitz selbst schon gesehen.

Jagst Du ausschließlich mit Terriern oder hast Du auch einen Vorsteh oder
Stöberhund?

Bei uns dominieren die Vorstehhundrassen wie DD, DK oder Kleiner Münsterländer

Weiteres Waidmannsheil mit passendem Mond (der nur noch selten durchkommt bei dem Schietwetter)

wünscht Dir Isegrim
24.01.2008 21:11 Ruedemann
Isegrim schrieb:

Wir haben ein reines Niederwildrevier (550 ha - Feld / Waldanteil 90:10) Füchse werden bei uns sehr scharf bejagt. Es sind aber immer dieselben,
die sich die Nächte um die Ohren schlagen.
In diesem Jahr wurden in unserem Hegering Füchse geschossen wie nie zuvor. Komischerweise war auch die Hasenstrecke so groß wie selten.
Das Füchse den ein oder anderen Hasen mitnehmen habe ich beim Ansitz selbst schon gesehen.

Jagst Du ausschließlich mit Terriern oder hast Du auch einen Vorsteh oder
Stöberhund?

Bei uns dominieren die Vorstehhundrassen wie DD, DK oder Kleiner Münsterländer

Weiteres Waidmannsheil mit passendem Mond (der nur noch selten durchkommt bei dem Schietwetter)

wünscht Dir Isegrim


Ich selbst jage ausschließlich mit Terriern, die bei mir allen Anforderungen gerecht werden müssen. Ergänzend stehen im Revier aber auch 3 Weimaraner zur Verfügung.

Auch ich drücke uns die Daumen, dass wir vielleicht nochmal etwas Frost und Schnee bekommen. Dann machen Winternächte doch gleich doppelt soviel Spaß....

Weidmannsheil
Ruedemann
25.01.2008 07:51 zickigeRicke
Ein packend erzähltes, grossartiges Jagderlebnis!
Wer noch nie die tränenden Augen beim Abglasen in der Nacht erlebt hat, hat in seinem Jägerleben viel verpasst und die Faszinaton der winterlichen klaren Mondnächte muß man erlebt haben, das ist Jagd pur!
Waidmannsheil
Annelie
25.01.2008 19:59 platzi
Hallo Ruedemann,
ich mag solche Erzählungen, weil ich es oft ähnlich erlebe. Nicht nur das bejagbare Wild verschönert uns den Ansitz, sondern tausend andere Dinge. Wenn man das dann auch noch interessant erzählen kann.... - dafür ein Weidmannsdank!

Diether.

P.S.: Schön, dass Du jetzt wieder zur Jagd gehen kannst!
25.01.2008 22:18 Ruedemann
platzi schrieb:

Hallo Ruedemann,
ich mag solche Erzählungen, weil ich es oft ähnlich erlebe. Nicht nur das bejagbare Wild verschönert uns den Ansitz, sondern tausend andere Dinge. Wenn man das dann auch noch interessant erzählen kann.... - dafür ein Weidmannsdank!

Diether.

P.S.: Schön, dass Du jetzt wieder zur Jagd gehen kannst!


Grüß Dich!
Geht noch nicht wieder so wie zuvor, aber es wird besser. Inzwischen schieße ich auch mit der Flinte ganz gut über den linken Unterarm....

Wmh für die letzten Tage dieser Jagdsaison!

Gruß Volker
26.01.2008 09:02 platzi
Jagdzeit ist schon seit 15.12 vorbei.
Fuchs ist zwar noch frei bis morgen, aber Nachtjagd ist verboten....
Kann aber wenn es mal zeitlich klappt mit einem Freund in Nordtirol den Fuchs bei Nacht bejagen. Aber dazu brauchts auch Schnee - DER wird kommen!

Also bis dann!

Weidmannsheil
Diether
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Anzeige
Zum Seitenanfang