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Ein ganz normales Heiderevier....

Geschichten und Erlebnisse (21 Einträge)

Typische Marderhecke Zur Strecke gebracht... Marderburg
732 mal angesehen
13.01.2008, 17.50 Uhr

Der Holzmarder

Nach Tagen typisch norddeutschen Schmuddelwetters versprach der Sonntag ein richtig schöner Wintertag zu werden. Während ich noch vor dem Frühstück die Hunde im Revier laufen ließ, fragte ich per SMS bei meinem Freund R. nach, ob seine Flinte nicht mal wieder Auslauf bräuchte. Nur Sekunden später rief er begeistert zurück, er sei unterwegs. Nun, ich mußte - des lieben Friedens willen - ohnehin noch im Kreise der Familie frühstücken, bevor ich mich ins Revier empfehlen konnte. Derweil wollte R. schauen, ob sich nach frostiger Nacht nicht vielleicht ein paar Enten auf unserem Heideflüßchen finden ließen. Nach Absolvierung des häuslichen Pflichtprogramms trafen wir uns dann am Wasser. Wie R. berichtete, waren tatsächlich Enten da, doch wie so oft, hatten Sie den Jäger mitbekommen, lange bevor dieser auf Schrotschußentfernung heran war. Aber der Tag war ja noch nicht zuende. Auf Marder wollten wir uns zunächst versuchen.

Während F., ein weiterer Jagdfreund, mit einem jungen Hund im Revier Schleppen arbeitete, zog es R. und mich zunächst an eine idyllisch gelegene Köhlerhütte, im Herzen unseres Reviers. Die dort lagerten Brennholzvorräte ziehen Marder erfahrungsgemäß magisch an.
Doch heute: Fehlanzeige!
Voller Vorfreude eilten meine Foxterrier voraus, schließlich kannten sie diese spannende Örtlichkeit von früheren erfolgreichen Aktionen. Eifrig suchten sie alle Schuppen und Holzstapel ab, um jedoch letztlich mit traurigen Augen einräumen zu müssen: "Kein Marder zuhaus'!"

Na, wir hatten ja noch weitere Alternativen. Zunächst fuhren wir an eine eingezäunte Benjeshecke am Rande eine Viehweide. Atze, mein Rüde, beeilte sich, die Hecke unter Wind auf ganzer Linie "abzunehmen". Da er jedoch offensichtlich zu der YErkenntnis gekommen war, dass hier nichts zu holen sei, setzte er an, die Jagd andernorts auf eigene Faust fort zu setzen. Aber ich kannte das ja schon! Nur widerwillig folgte er dem "Komm"-Pfiff. Trotzdem ich es hätte besser wissen müssen, setzte ich ihn und die Hündin noch einmal direkt auf der Hecke ab. Fassungslos, ja geradezu enttäuscht, blickte er mich immer wieder an, während er lustlos über das trockene Geäst turnte. Aisha, die Hündin, gab sich wenigstens noch den Anschein interessiert zu suchen, doch wo nichts war, konnte auch sie nichts finden. Es hatte keinen Zweck - Hunde abnehmen und zurück zu den Autos.

Bevor wir nun desweiteren eine Betonröhre kontrollieren wollten, beabsichtigte ich, R. noch schnell die Wiesenschäden zeigen, die die Sauen hier unlängst angerichtet hatten. Dazu nahm ich jetzt aber nur noch den Rüden mit, denn wenn's nach Sauen riecht, kommt einer von beiden immer auf dumme Gedanken und dann gibt' in der Regel kein Halten mehr. Heute, und so nah' an der Grenze, konnte ich das nun gerade nichtgebrauchen.

Wie schon zuvor, eilte der Rüde im verhaltenen Galopp voraus, vorbei an der den Weg begrenzenden Hecke. Die Aufforderung, doch seinen Rüssel auch mal hinein zu stecken, quittierte er pflichtschuldig, aber demonstrativ lustlos. Als wir auf die Wiese kamen, war der Schaden erheblich größer als erwartet. Und es stand offenbar noch interessante Witterung. Immer wieder mußte ich Atz' zur Ordnung rufen. Gar zu gern wär' er mal ins Holz verschwunden. Ich aber ließ ihn nicht aus den Augen, so dass er schließlich klein beigab. Angesichts der Schäden wollten wir nun auch noch die Nachbarwiese kontrollieren, als mein Hund sich an der Rückseite eines alten Melkstandes interessiert einer großen Benjeshecke zuwandte. Brombeerdurchwachsen säumte sie auf etwa 200m den Fahrweg zum Melkstand.

Die gespannte Erwartung, mit der der Rüde die Hecke bedachte, ließ mich elektrisiert zusammen fahren: Das könnte was werden.

Während Atze unter den Dornen verschwand, postierten R. und ich uns auf jeder Seite der Hecke. Wenige Augenblicke später verkündete der erhoffte Laut, das der Hund gefunden hatte. Fuchs oder Marder, dass war die Frage. Mehrfach wechselte Atze die Stellung, wobei mich ohnehin wunderte, wie er es immer wieder schafft, sich in das verrottete, zusammengefallene Geäst zu zwängen.

Wütendes Geheul verkündete: "Hier ist er, aber ich komm' nicht ran!"

Ohne meine Seite der Hecke aus dem Auge zu lassen, tastete ich nach dem Handy und rief F. an, der inzwischen mit der Hundearbeit fertig war. Bei der Länge dieser unübersichtlichen Hecke konnten wir Unterstützung gebrauchen und F. versprach, gleich bei uns zu sein. Kaum hatte ich das Gespräch beendet, rief R.: "Dort hinter läuft er!" Ich hatte es geahnt...

Noch während der Hund lauthals um sein Fortkommen in der Hecke kämpfte, hatte der Marder mich offenbar im Schutz der Hecke passiert, hatte nach 200m die Deckung verlassen und war in einen Brennholzschober geflüchtet. Das sah nicht gut aus - jedenfalls für uns.

Resignierend beeilten wir uns, dorthin zu kommen. Noch bevor wir den Schober erreichten, überholte uns der Hund und bestätigte verärgert, wo der Marder R.'s Angaben zufolge im Brennholz verschwunden war. Um diesen Holzstapel abzutragen, hätten wir zu zweit stundenlang arbeiten müssen. Wütend versuchte Atze die umgebenden Baustahlmatten durchzubeissen. Er wußte genau, wo Weiskehlchen saß.

Doch für uns war da nichts zu machen. Während wir zum Melkstand zurück gingen, quittierte Atze in der Hecke immer wieder die Spur des Marders. Wie ärgerlich, ich hätte ihm den Erfolg gegönnt!
Es war meine Schuld, ich hatte den Graben unter der Hecke unterschätzt, der dem Verfolgten das unbemerktes Entkommen ermöglichte.

Als F. endlich mit dem Wagen eintraf, konnten wir mit dem nach unten gerichteten Daumen nur die Erfolglosigkeit unserer Aktion anzeigen. Nun ja, für einen Klönschnack sollten wir noch Zeit finden. Während F. seine junge Hündin aus dem Auto ließ, berichteten wir, wie uns der Marder ein Schnippchen geschlagen hatte.

Offensichtlich noch nicht überzeugt, machte sich derweil Atze noch einmal auf den Weg, zurück zum Brennholzstapel. Wenig später verkündete sein wütender Keif:
"Er ist noch da!"
Interessiert wollte nun auch die junge Weimaranerhündin beischlagen. Nun gut, wir könnten es ja noch einmal versuchen.

F. suchte eine Taschenlampe aus dem Wagen und wir beeilten uns, den Hunden zu folgen. Da die Batterie fast alle schien, hatte ich erhebliche Zweifel, dass die Lampe uns weiterbringen würde. Während das Brennholz bis unters Dach gestapelt war, zeigte Atze etwa 30 cm über der Erde die Stelle an, wo Weißkehlchen sich vermutlich eingeschoben hatte. Dort war er für uns nahezu unerreichbar. Trotz des schwachen Lichtscheins leuchteten wir in verschiedene Ritzen, bis uns plötzlich 2 helle Lichter entgegen strahlten. Da saß der Schlingel tatsächlich und wähnte sich in Sicherheit. Derweil wogen wir unsere Chancen ab. Springen würde er von hier wohl kaum. Auch der Terrier hatte in den engen Ritzen keine Chance. Das einzige, was gehen könnte, wäre die .22 lfr, meine Baujagdpistole. Während ich schon auf dem Weg um Auto war, um sie zu holen, stellte ich fest, dass ich sie tatsächlich noch in der Tasche hatte. Nun könnte sich das Blatt noch wenden.

Nach genauer Positionsbestimmung erlag Weiskehlchen schließlich meinen "durchschlagenden Argumenten", schien für uns jedoch trotzdem fast unerreichbar. Von zwei Seiten sahen wir im Licht der Taschenlampe seinen seidigen Balg schimmern. Aber wie sollten wir da rankommen?

Während wir unsere Arme freimachten, um zu testen, wessen schlanker Arm zwischen den Scheiten wohl am weitesten reichen würde, hatte F. schon eine Haselnußgerte geschnitten und an der Spitze gespleißt. Nachdem sich trotz aller Anstrengungen alle Arme als zu kurz erwiesen hatten, versuchte F,. die gespleißte Spitze der Gerte in den langen Grannen des Marders zu verdrallen. Wie schon so manches Mal zuvor, hatte er Erfolg und bekam Zug auf den Stock. So mußte es klappen, doch - Fehlanzeige, der Marder rührte sich nicht! Immer ungeduldiger zogen wir am Stecken, doch außer einigen Haarbüscheln, die wir ans Tageslicht zogen, rührte sich nichts. Schließlich gelang es wenigstens, mittels der Gerte, die Lunte so auszulegen, dass einer sie mit der Hand greiffen konnte. Doch es rührte sich immer noch nichts.

Fast war man versucht, anzunehmen, der kleine Räuber hätte im Todeskampf seine Krallen unlösbar ins Holz geschlagen, aber das konnte doch eigentlich nicht sein.

Endlich offenbarte ein Blick von der anderen Seite das Dilemma:
Im Verenden war der Bursche mit dem Hals so unglücklich zwischen zwei Holzscheite gerutscht, dass sich der Kopf beim Versuch, den Wildkörper rückwärts heraus zu ziehen, hoffnungslos festgekeilt hatte. Ein stabilerStock als Hebel mußte her.

Nach weiteren schier endlosen Minuten, in denen uns die aufgeregten Hunde nicht gerade eine Hilfe waren, gelang es uns endlich, den Kopf herauszuhebeln und den starken Rüden - nahezu unversehrt - zu bergen.

Eigentlich hatten wir ihn schon verloren gegeben, aber mit Hilfe der Hunde war es uns in einer gemeinsamen Anstrengung doch noch gelungen, Beute zu machen. Solche Erlebnisse gehören zu den Schönsten meines Jägerdaseins!
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Ruedemann

Ruedemann

Alter: 56 Jahre,
aus Nordheide
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Kommentare

13.01.2008 19:37 Kuhbett
Ruedemanns fortsetzungsgeschichten da hat man wenigstens was wobei man sich schon auf den nächsten tag freuen kann.
Waihei Tim
13.01.2008 21:19 Ruedemann
Kuhbett schrieb:

Ruedemanns fortsetzungsgeschichten da hat man wenigstens was wobei man sich schon auf den nächsten tag freuen kann.
Waihei Tim


Bin fettich! Viel Spaß!
Wmh Ruedemann
13.01.2008 21:38 raz
Super und Spannend geschrieben.Ein tolles Jagderlebnis .
Waidmannsheil
raz
13.01.2008 21:41 Ruedemann
raz schrieb:

Super und Spannend geschrieben.Ein tolles Jagderlebnis .
Waidmannsheil
raz


Ja, danke, war ein wirklich schöner Tag!
13.01.2008 22:26 Meffi
Tja, langsam sollest Du darüber nachdenken, ein Buch zu schreiben

Schön geschrieben!!!

Gruß und wmh, Meffi!
13.01.2008 23:50 Ruedemann
Meffi schrieb:

Tja, langsam sollest Du darüber nachdenken, ein Buch zu schreiben

Schön geschrieben!!!

Gruß und wmh, Meffi!


Danke! Freut mich, wenn' ankommt!
Wmh Ruedemann
14.01.2008 14:52 cavecanem_alter_Account
Toll und sehr nachvollziehbar wiedergegeben.
Danke.
Gruß
Heinz
16.01.2008 15:53 squatinAh
Edle Beute, nicht alltäglich erworben - das Jagdglück des Tüchtigen!Waidmannsheil!!!
16.01.2008 16:04 Ruedemann
@cavecanem und squatinAh:
Ich danke Euch! Hat Spaß gemacht!
Wmh Ruedemann
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