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27.01.2019, 20.48 Uhr

Das Barfuß-Keilerchen...

Beinahe drei Monate war ich jagdlich nicht aktiv – einem selten dämlichen Missgeschick sei Dank! Drei Monate, in denen ich mir von meinem Verpächter und den Mitjägern erzählen lassen musste, was auf den Äckern und Wiesen für eine Sauerei herrschte. Drei Monate, in denen ich zur jagdlichen Untätigkeit verdammt war. Drei Monate auch, in denen sich meine Mitjäger nun nicht so richtig doll mit Ruhm bekleckert hatten, wenn es um die Strecke geht. Und drei Monate, die auch von den Witterungsbedingungen her eigentlich nicht schlecht waren – was mich umso mehr ärgerte. Kaum dass ich wieder halbwegs einsatzfähig war, wollten wir unsere Revierdrückjagd nachholen. Dass der Termin nun auf das Vollmondwochenende fiel, ärgerte mich schon fast wieder. Vor allem weil die Strecke trotz unerwartet vielen Sauen im Treiben sehr hinter meinen Erwartungen stecken blieb.
Diana meinte es wohl gut und sprach mit Petrus. So bekamen wir ein wenig Schnee, der sogar eine weitgehend geschlossene Schneedecke bildete. Doch die Sauen hatten wohl die Drückjagd noch nicht so recht verdaut – sie glänzten mit Abwesenheit. Jeden Tag eine Kontrollrunde im Revier trieb mich bei fehlenden Hinweisen auf Sauen fast zur Verzweiflung. Und als Petrus dann beschloss: „Schluss mit Schnee!“ war es mir egal. Heute sollte es rausgehen, auch wenn ich noch nicht so recht wusste, wohin ich mich setzen sollte. Denn der Wetterbericht hatte für den nächsten Tag Regen und Plusgrade angesagt. Und wie es halt so ist, musste ich zum späten Nachmittag noch kurzfristig was Anderes erledigen, was meinen Zeitplan schon schüttelte. Auf meiner Tour in die Stadt setzte Regen ein, die Temperaturen stiegen. Schon spielte ich mit dem Gedanken, mein Vorhaben für heute Abend in die Tonne zu stampfen. Und der Gedanke gewann immer mehr die Oberhand, nachdem auch die Schneedecke schon sehr spürbar in sich zusammenfiel und wegtaute. Auf dem Rückweg war von Schnee schon nicht mehr viel zu sehen. Erst als ich den zentralen Teil der Insel erreichte besserte sich die Situation. Es regnete nicht und der Schnee lag noch geschlossen auf den Feldern und Wiesen. Eine Kontrolle des Windes brachte den nächsten Nackenschlag: Südwind…
Es blieb nur eine Möglichkeit: Die Kanzel in der Grenzwiese. Dort hatten die Sauen während meiner langen Abwesenheit ordentlich Ärger gemacht. Das hatte ich bei meiner ersten ausgiebigen Revierrunde schon gesehen. Meine argen Befürchtungen, der Landwirt würde mächtig sauer sein, hatte sich als unbegründet erwiesen. Ein ordentliches, faires und ehrliches Verhältnis zueinander ist halt einfach unschlagbar. Umso wichtiger war mir, jetzt wieder für Entspannung auf den Feldern und Wiesen zu sorgen.
Und so stellte ich wegen der fortgeschrittenen Zeit mein Auto im Dorf ab und machte mich zu Fuß auf den Weg zur knapp 2 km entfernten Wiese. Ich weiß nicht, was mich geritten hatte, den Zielstock nicht mitzunehmen. Das sollte sich noch bitter rächen…
Aller paar Schritte glaste ich meine Umgebung ab. Nicht, dass ich jetzt schon mit Wild rechnen würde. Aber der Schnee unter meinen Füßen knarrte wegen der etwas über 0°C liegenden Temperaturen fürchterlich laut. Sollte jetzt bereits irgendwo Wild stehen, rechnete ich mir keine Chancen auf ein Anpirschen aus. Entsprechend groß war der Frust bereits jetzt. So langsam und so leise es irgendwie nur ging zog ich langsam über Feldwege und Äcker zur Wiese. Bislang war lediglich Reinecke zu sehen. Und der schien so im Ranztaumel zu sein, dass er mich entweder nicht bemerkte oder schlichtweg ignorierte. Mein kurzer Gedanke daran, mich ihm zu widmen war schnell zu den Akten gelegt. Kein Kugelfang und das Dorf im Hintergrund verboten auch nur den Gedanken an die Kugel. Also langsam weiter.
Schließlich konnte ich langsam die Wiese einsehen und suchte die Fläche ab. Wild war aber nicht zu entdecken. Es folgte der Blick zur Kanzel an der Feld-Wiesen-Kante – Ach nööö…. Das musste doch nun wirklich nicht sein! Ein Stück Rehwild stand unmittelbar vor der Kanzel. Kurz überlegte ich. Dann entschied ich mich, weiter zu gehen. Ich wollte nicht noch mehr Zeit verlieren. Nicht, dass noch mehr Wild austrat, bevor ich Kanzel erreichen würde. Also erst mal ganz vorsichtig ein Stück weiter und wieder halt! Das Stück stand noch immer äsend dort. Ratlosigkeit. Ich wollte keinesfalls, dass das Reh mich erkannte und laut schreckend abspringen würde. Also warf ich aus lauter Verlegenheit noch einen Blick in die Wiese. Dort konnte ich nur einen Teil ungehindert einsehen. Ein mit Erlen gesäumter Stichgraben erschwerte die Sicht in den hinteren Teil, in dem die Sauen arg gewirtschaftet hatten. Ich versuchte, zwischen den Stämmen und Zweigen etwas zu erkennen. Aber nein, da war nichts. Also langsam weiter! Schon nach zehn Schritten stoppte ich wieder. Das Reh ließ sich nicht stören! Zwischen den Erlen meinte ich aber einen dunklen Fleck zu erahnen. Okay, dann doch erst mal ein paar Schritte nach rechts, um besser durch eine Baumlücke sehen zu können. Tatsächlich! Drei dunkle Flecke, die mir für Rehwild zu stark schienen und außerdem recht unruhig waren konnte ich erkennen. Sollten das die drei Überläufer sein, von denen mir ein älterer, mir sehr lieber Mitjäger berichtet hatte? Vorsichtig machte ich in der Deckung der Erlen noch ein paar Schritte in Richtung Sauen. Aber der bei aller erdenklicher Vorsicht immer noch extrem knarrende Schnee unter meinen Füßen…- das konnte so nicht gutgehen. Das half nun alles nichts: Stiefel aus! Wenig später stand ich barfuß im Schnee, immer noch über 200 Meter von den Sauen entfernt!
Schritt für Schritt tastete ich mich näher an die Sauen heran. Schritt für Schritt froren meine Füße mehr- besonders, wenn ich etwa aller 10 Schritte die Situation mit dem Fernglas auskundschaftend längere Zeit stillstand. Die Sauen standen in der Wiese im Gebräch. Ich konnte zwei stärkere Stücke ausmachen, daneben wohl noch 10 etwa gleich starke Frischlinge in der 30+ kg-Klasse. Aber die Rotte war unruhig. Besonders die Frischlinge standen oft im Pulk um im nächsten Moment an eine andere Stelle der Wiese zu wuseln und dort ihr zerstörerisches Werk fortzusetzen. Aber auch die Bachen waren unruhig. Blieben nur kurz im Gebräch stehen, zogen ein paar Meter weiter um wieder nach Fressbarem zu brechen.
Ich war wohl noch etwa 150 Meter entfernt, wollte natürlich noch näher heran. Dazu musste ich erst mal meine Möglichkeiten abwägen. Und die waren nicht sehr berauschend. Bis zum Graben würde sicher noch irgendwie gehen. Doch da würde ich nicht durchkommen, ohne die Sauen zu vergrämen. Und vom Graben bis zu den Sauen waren es sicher noch mal etwa 100 m. Die erlen standen hinter dem Graben, der Zielstock lag im Auto – toll gemacht! Je länger ich nachdachte, desto mehr schmerzten die kalten und nackten Füße. Abwechselnd hob ich einen Fuß und stellte ihn gegen das andere Bein um wenigstens die Sohle ein wenig aufzuwärmen. Doch schon musste ich wieder wechseln. Alles Überlegen dauerte mir jetzt zu lange. Es musste was geschehen. Also tastete ich mich zum Graben vor, mich wundernd, dass die Sauen nicht längst was vernommen hatten.
Irgendwann hatte ich an der Böschung eine Stelle gefunden, an der ich kniend freie Sicht auf die Rotte hatte. Jetzt musste ich was hinbekommen! Aber irgendwie wollte sich kein Frischling freistellen. So oft ich auch einen Frischling in´s Visier nahm, gesellten sich weitere hinzu, bevor ich die Kugel loswerden konnte. Und selbst wenn ich dann mal etwas mehr Zeit hatte, wirklich komfortabel war meine Situation für einen Schuss nicht. Meine Füße spürte ich längst nicht mehr, weil Schmerz jedes Gefühl erschlug. Noch einmal nahm ich die Repetierbüchse in den Anschlag. Ich hatte mir noch einen Versuch gestattet, ehe ich etwas Anderes ausprobieren müsste. Schon hatte ich einen einzelnen Frischling im Zielfernrohr. Noch stand er schräg. Der Leuchtpunkt tanzte noch etwas wirr vor dem Wildkörper. Als sich der Frischling dann endlich breit stellte und der Leuchtpunkt knapp hinter dem Blatt stand, ließ ich fliegen….
Ich sah das Stück nicht zeichnen. Ich hörte keinen Kugelschlag. Auch das typische schwere Brechen von Ästen und Baumkronenresten eines tödlich getroffenen Stückes konnte ich nicht hören… Mit dem Schuss ergriff die Kälte mit all den Schmerzen, die ich bis eben noch halbwegs im Griff hatte in brutalster Weise Besitz von meinem Körper. Das Entspannen der Waffe war plötzlich eine echte Herausforderung. Ich quälte mich beim Aufstehen aus der Schussposition und zwang mich im Laufschritt zu den Stiefeln zu gelangen. Diese anzuziehen war beinahe unmöglich. Und als ich es geschafft hatte, ging es im Laufschritt zum Auto! Irgendwie mussten meine Beine, mein Körper doch wieder warm werden! Ich kann mich an den Weg zum Auto eigentlich kaum noch erinnern. Irgendwann war ich aber da, verstaute die Waffe im Auto und genehmigte mir endlich erst einmal einen heißen Tee, den ich im Winter immer dabeihabe. Langsam, ganz langsam normalisierte sich mein Körper wieder. Und jetzt erst dachte ich darüber nach, was ich da fabriziert hatte. Ich war mir sicher, gefehlt zu haben, da ich ja keinen Wildkörper auf der Wiese hatte liegen sehen. Also startete ich das Auto und fuhr langsam zu der Stelle, an der ich geschossen hatte. Ich orientierte mich, suchte noch einmal die Wiese ab – ohne Erfolg. Dann ging ich zu Anschuss. Ich hoffte, den Schuss komplett versemmelt zu haben. Lieber komplett daneben als eventuell angebleit!
Völlig gedankenversunken stand ich unerwartet plötzlich vor dem längst verendeten Frischlingskeiler. Der hatte keinen einzigen Schritt mehr gemacht, war in die von ihm selbst ausgehobene Bodenvertiefung gefallen und von weitem absolut nicht zu sehen gewesen. Die Kugel saß nur einen Tick höher, als ich es eigentlich gewollt hätte. Doch das war mir jetzt völlig egal…
Man glaubt gar nicht, wie schwer 35 kg nach einer solchen Aktion sein können – und wie hoch so eine verfluchte Klappe eines Amarok ist, wenn man so einen schwarzen Teufel nach so einer Aktion da hoch wuchten soll…
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Rapsjaeger

Rapsjaeger

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Kommentare

28.01.2019 01:29 Gesch
Waidmannsheil!

und große Bewunderung für Deinen Einsatz - barfuß im Schnee hätte ich mir für keine Sau der Welt angetan...
28.01.2019 06:52 Rapsjaeger
Gesch schrieb:
Waidmannsheil!

und große Bewunderung für Deinen Einsatz - barfuß im Schnee hätte ich mir für keine Sau der Welt angetan...

Weidmanns Dank! Ja, früher hätte mich solche Aktion lange nicht so mitgenommen. Bei der Gelegenheit wird einem das Geburtsjahr dann schon mal wieder ganz bewusst...
28.01.2019 06:52 WildeBiene
Waidmannsheil
28.01.2019 07:03 Rapsjaeger
WildeBiene schrieb:
Waidmannsheil


Weidmanns Dank!
28.01.2019 08:56 swinging_elvis
Waidmannsheil zum Frischling und Respekt vor nackten Füßen im Schnee. Hatte letztes We die Ehre, einen Fuchs einen halben Km durch die Kälte zu tragen mit Gummihandschuhen... am Auto hatte ich fünf seltsame Fremdkörper... meine Finger! Schönes Gefühl wenn das Blut einschießt und die wieder auftauen!!!😬😬😬 Jäger sind schon Spezialisten!
29.01.2019 15:51 Rapsjaeger
swinging_elvis schrieb:
Waidmannsheil zum Frischling und Respekt vor nackten Füßen im Schnee. Hatte letztes We die Ehre, einen Fuchs einen halben Km durch die Kälte zu tragen mit Gummihandschuhen... am Auto hatte ich fünf seltsame Fremdkörper... meine Finger! Schönes Gefühl wenn das Blut einschießt und die wieder auftauen!!!😬😬😬 Jäger sind schon Spezialisten!

Weidmanns Dank! Meine Frau hat da einen recht zutreffenden Spruch: "Die spinnen, die Jäger"...
30.01.2019 08:36 2309udo
Krägtiges Waidmannsheil
Barfuß im Schnee ist hervorangend für die Durchblutung
30.01.2019 23:03 fuchsjaegerin
Rapsjaeger schrieb:
Weidmanns Dank! Meine Frau hat da einen recht zutreffenden Spruch: "Die spinnen, die Jäger"...

sowas hab ich von meinem Mann auch schon zu hören gekriegt, wenn ich nach einem eiskalten Nachtansitz drei Füchse an den Haken hänge. Auch mal ne Sau. Und auch mal gar nix .
07.02.2019 16:55 IGOR82
WMH
07.02.2019 20:00 Rapsjaeger
IGOR82 schrieb:
WMH


Weidmanns Dank!
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