Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Alex

zweiter Geburtstag (2 Einträge)

1341 mal angesehen
27.01.2019, 00.49 Uhr

Schutzengel II

Oder auch: wie die letzte Ansitz-DJ der Saison 2018/19 für mich fast im Krankenhaus geendet hätte.

Am gestrigen Samstag stand sie an, die letzte Bewegungjagd. Der mir gut bekannte Pächter war zu Saisonbeginn verunfallt, hatte sich erst jetzt wieder einigermaßen erholt, was zu der zu diesem späten Termin nachgeholten Jagd führte. Bejagt wurden Schwarz- und Rehwild sowie Raubwild. Eine kleine Corona, 15 Schützen, zwei Durchgeher, etwa 10 Hunde. Leider wurden drei Hunde eines Durchgehers geschlagen, aber wohl nicht schwer.

2 Grad plus, Restschnee, Regen. Wir bekamen 7 Sauen (drei große, vier kleine, davon zwei räudig), 4+1 Rehe, 4 Füchse. Eine gute Strecke!

Um 09:30 Uhr ging's los. Ich hatte viel Rundumsicht, dank Restschnee umso mehr gute Sicht, nur tat sich da nicht viel. 10:15 Uhr ein Fuchs (verhoffte nicht), 10:50 Uhr ein Frili: klein, schnell, weit, Kugelfang grenzwertig. Die Kugel blieb im Lauf. Ab 10:25 Uhr war mir am Garmin aufgefallen, dass die WDBr des Gastgebers Standlaut gab (hören konnte ich das nicht). Nach einigem telefonischen Hin und Her hatte ich irgendwann den Auftrag, mich darum zu kümmern, somit verließ ich um 10:55 Uhr den Stand.

Bis ich dort war (ich musste weitläufig übers Feld angehen, der direkte Weg ging nicht), hatte sich das mit dem Stellen erledigt, Rübi war auf dem Weg Richtung Straße, ich musste erstmal den Hund kriegen. Das klappte auch, Rübi hörte mein Rufen auf 400 m (und der hört sonst null). Der Standlaut bzw. die Kampfszenen hatten sich in einem sehr schmalen Waldstreifen abgespielt, in der Mitte eine Rückegasse im Talgrund, rechts und links ziemlich übersichtliches Altholz, lediglich etwas Reisig hier und da. Nun: ich wollte wissen, was da los war, und dachte gleich: hier steckt sich doch keine Sau ... Nachdem ich eine Weile im Talgrund südwärts geschlendert war, fand ich Pirschzeichen: jede Menge Wolle vom Reh und Schweiß, aber weit und breit kein Reh. So lange, wie er sich da aufgehalten hatte, musste das tot sein, nur: wo war das bitte?

Nun gut: Rübi hatte sich bereits wieder abgesetzt, ich schaute, dass ich zum Auto und auf meinen Stand zurückkam. Dort traf ich 15 mins vor Jagdende um 11:45 Uhr ein, zeitgleich kam mein Hund an. Den schickte ich nochmal. Kaum war ich oben auf der Kanzel angekommen, gab Alex Standlaut in unmittelbarer Nähe meines Standes, und dann kam er mich holen ... So eine Situation hatten wir noch nie. Ich habe nicht lange gefackelt, bin sofort wieder runter, um zu guggen, was da los ist.

Es war ein Miniferkel von vielleicht 15 kg aufgebrochen, schwer krank, das steckte in einem Reisighaufen. Alex gab aus sicherer Entfernung (*räusper*) wieder Standlaut, und ich musste erstmal sehen, wie ich da unfallfrei hinkomme, denn das war im Hang, und der war glatt. Irgendwann sah ich den Frili, und ich sah auch, dass der sich noch bewegte (ich sah eigentlich nur, dass der pumpte). So konnte ich aber nicht schießen, ich war zwar nahe genug, aber ich hätte so hangparallel schießen müssen, geht natürlich nicht. Somit bin ich etwas im Hang nach unten, so dass ich halbwegs risikofrei da hinschießen konnte. Daraufhin war die Sau zwar schwer getroffen, klagte aber. Mein Hund ist dann hin, ich hab mich bemüht, auch hinzukommen (wie gesagt: alles im rutschigen Hang). Alex hat die Sau malträtiert, die aber noch lebte. Da die Sau abzustürzen drohte, hab ich sie mit einer Hand gepackt, sie zu mir hochgewuchtet und mit dem Messer den Rest besorgt. Was die für einen Schuss hatte: keine Ahnung, ich hab die einmal durch die Keule mit weichem Ausschuss geschossen und geschlitzt, sie war räudig, auf weitere Untersuchungen haben wir verzichtet. Die Sau nach oben zu bergen: völlig zwecklos, deswegen habe ich die Stelle im Garmin markiert und bin ohne Sau wieder hoch (war kompliziert genug).

Meine Sporteinlagen hatte ich für den Tag damit eigentlich abgearbeitet, aber ich bin dann herumgefahren, um zwei Mitjägern beim Finden dieser Sau zu helfen. Ich musste den Forstweg komplett nach unten, um dann eben auf der anderen Talseite wieder zurückzufahren. War noch ein langer Fußweg, um von der Talseite da hinzukommen. Ich kraxelte in den Hang (wieder: steil, glatt, hin und wieder nette Buntsandstein-Felsblöcke), fand die Sau, kam da aber von unten nicht ran (Felsblock). Also weiter hoch und von oben hin.

Es kam, wie's kommen musste: da oben bin ich abgeschmiert. Unten standen die zwei Mitjäger plus eine Mitjägerin, die ich im Auto mitgenommen hatte, somit sahen das drei Leute. Ich bin nicht einfach nur unkontrolliert abgerutscht, ich bin wirklich gefallen und zweimal aufgeschlagen ... Höhe weiß ich nicht, aber ich denk mal, der eine Felsblock, über den ich hinweggepurzelt bin, war sicher anderthalb Meter hoch.

Ich dachte direkt an den verunfallten Pächter: hoffentlich keine Rippen gebrochen, denn ich hatte etwas Atemnot und der Brustkorb fühlte sich an wie eingeschnürt. Natürlich kümmerten sie sich gleich um mich, ich blieb da erstmal liegen in Schnee und Dreck und holte mir einen schön nassen Arsch dabei.

Ich habe ziemlich viel Glück gehabt, denn ich hätte mir die Birne auch an irgendeinem Felsen anschlagen können oder an irgendeinem Baum. Und ärztliche Versorgung und/oder Bergung wäre von da ein Albtraum geworden ... Anscheinend habe ich mir den Brustkorb geprellt und den rechten Oberschenkel. Sonst nichts verstaucht oder verrenkt, nicht mal Schürfwunden. Sogar die Brille blieb heil. Mit der Prellung habe ich vmtl. noch länger Spaß. Tut nicht wirklich weh, eher so wie Muskelkater, aber ich kann mich kaum bücken, Schuhe anziehen & zubinden, ins Auto ein- und aussteigen. Sehr passend macht seit heute anscheinend der letzte noch verbliebene Weisheitszahn auch noch Probleme, echt herrlich. Aber wie gesagt: hätte schlimmer enden können. Ich konnte die Strecke verblasen, alles gut.

Nach einer Pause und Erbsensuppe machte ich mich mit Alex auf den Weg zu den markierten Pirschzeichen von dem Reh. Andere Nachsuchen standen nicht an, und ich war leider die einzige, die dafür in Frage kam. Ich zeigte Alex die Stelle mit der ganzen Wolle und dem Schweiß, und das interessierte ihn nullkommanull. Am Riemen hatte das alles gar keinen Zweck, er war nur fahrig und lustlos, und ich war etwas kurzatmig, also versuchte ich, ihn frei suchen zu lassen. Es dauerte ewig, bis er überhaupt mal ging. Er schaute mich an wie ein Auto. Alte, was willst Du von mir? Wenig später wurde er laut. Und dann sah ich einen Hasen auf mich zurennen, mein Hund hinterher. Na, bravo! Alex hinterm Hasen abgefangen und die ganze Sache abgebrochen. Mich machte das aber fuchsig. Da musste irgendwo ein totes Reh herumliegen ... Also schlenderte ich mit Alex diesen schmalen Waldstreifen entlang Richtung Straße, und dabei fand Alex auch das Reh ...

Es war ein Bock, lauscherhoch auf, bereits eine Vergabelung, starkes Stück. Mit einem fiesen Hinterlaufschuss (Knochen durch im oberen Bereich überm Gelenk, der untere Teil hing praktisch nur noch an der Decke). Rübi hatte den halben Arsch weggefressen ... Gut, dass das nicht mein Hund ist.

Es stellte sich dann heraus, dass diesen Bock bei uns keiner beschossen haben wollte. Bei den Nachbarn, wo ein paar Mann zum Abstauben draußen saßen, hat den angeblich auch keiner beschossen. Die Verletzung ist aber von heute. Na sowas ... Rübi hatte sich eine knappe Viertelstunde den Wanst vollgehauen, der Drecksack. Als ich mit ihm Kontakt aufgenommen hatte und von Norden her den gleichen Weg genommen hatte wie mit Alex in Gegenrichtung, ist der Sausack zehn Meter an dem toten Bock vorbeigelatscht, ohne den noch eines Blickes zu würdigen. Er hat mir den bewusst NICHT gezeigt

Alex' Desinteresse an diesem Reh hatte hundertprozentig nur einen Grund, und der heißt Rübi. Die beiden können sich nicht ab, jedenfalls kann Alex Rübi ganz und gar nicht leiden. Ich habe die Hunde diesmal auch außerhalb der Jagd überhaupt nicht zusammengelassen, gibt nur Bröckchen sonst. Bei der Analyse der Tracks beider Hunde stellte ich fest, dass Alex einmal auf den Standlaut zugelaufen war. Er hat dann auf ca. 45 m gesehen (und gerochen), wie Rübi das Reh da am Wickel hatte, und ist abgedreht. Die Stelle, wo er abgedreht ist, war vielleicht 15 m von der Stelle entfernt, wo ich ihn mit der Suche beginnen lassen wollte. Er hatte aber schon während der Jagd entschieden: dieses Reh ist nicht meine Baustelle, basta. Also alles ganz logisch aus Hundesicht.

Beim Schlendern Richtung Norden sah ich immer wieder mal büschelweise Haare und dachte mir: irgendwo muss das Stück sein, das gibt's ja nicht. Letzten Endes hätte ich den Bock ohne Alex nicht gefunden, da hätte ich schon jeden Reisighaufen selber umdrehen müssen.
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

Heide_Unterfranken

Heide_Unterfranken

Alter: 48 Jahre,
aus Gemünden a.M.

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

27.01.2019 16:09 Gento
Waidmannsheil und gute Besserung! Schnell ist´s passiert -- bin vorletzte Woche auch hingeflogen und dabei mit der Birne auf den Asphalt geknallt. War nicht schön.
27.01.2019 16:25 Heide_Unterfranken
Gento schrieb:
Waidmannsheil und gute Besserung! Schnell ist´s passiert -- bin vorletzte Woche auch hingeflogen und dabei mit der Birne auf den Asphalt geknallt. War nicht schön.

Danke, die Genesungswünsche gebe ich doch gleich zurück
27.01.2019 20:30 Kija
Gute Besserung!
27.01.2019 20:39 KeilerHeinrich
Gento schrieb:
Waidmannsheil und gute Besserung! Schnell ist´s passiert -- bin vorletzte Woche auch hingeflogen und dabei mit der Birne auf den Asphalt geknallt. War nicht schön.


Kerstin, war da etwa wieder Klötenköm im Spiel? Oder gar schärfere Sachen??
27.01.2019 20:42 Gento
KeilerHeinrich schrieb:
Kerstin, war da etwa wieder Klötenköm im Spiel? Oder gar schärfere Sachen??


Nein, nein. Es war vormittags und ich war stocknüchtern.
27.01.2019 20:42 KeilerHeinrich
Gute Besserung!
27.01.2019 20:44 KeilerHeinrich
Gento schrieb:

Nein, nein. Es war vormittags und ich war stocknüchtern.


OK, ich glaube dir
28.01.2019 06:59 WildeBiene
Mensch Heide , echt Glück gehabt. Gute Besserung
02.02.2019 18:01 galabau
Gute Besserung wünsche ich Dir, und das dies der erste und letzte Ausrutscher bleibt!

Alles Gute
04.02.2019 22:03 Sucher
Gute Besserung und Glück gehabt.
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Zum Seitenanfang