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gehört zum Blog "VETTERNWIRTSCHAFT"
1344 mal angesehen
19.12.2018, 11.33 Uhr

VETTERNWIRTSCHAFT

Vetternwirtschaft so nennt man bei uns die Kleinmafia in den Dörfern, doch davon will ich nicht berichten.

Als Vetter wird jemand bezeichnet von dem man nicht weiß wie weitschichtig oder ob überhaupt eine Verwandschaft besteht. Dazu kommt noch meistens der Vorname um zu gewährleisten das auch eindeutig ist um wen es geht.
Der Vetter um den es hier geht hieß mit Vornamen Hubert und teilte mit allen Huberts und Hubertusen das gleiche Schicksal: sie werden „Hube“ genannt, in diesem Fall also „Hubevetter“!

Den Hubevetter gab es schon seit meiner Kindheit, aufgrund einer starken Gehbehinderung war er immer mit dem Fahrrad unterwegs, jedoch schiebend als Stütze und Transportmöglichkeit, laufen war nur mühsam ein kurzes Stück möglich.

Schon seine Vorfahren waren jagdlich angehaucht und manchem, so auch meinem Hubevetter, wurde Wilderei nachgesagt.
Wenn es im Dorf darum ging Marder, Ratten, Maulwürfe, Schermäuse oder sonstiges Getier zu fangen, Kaninchen zu schlachten oder ähnliche Tätigkeiten auszuführen immer war der Hubevetter der richtige Ansprechpartner. Dabei konnte er seine Leidenschaft ausleben und es fiel fast immer eine Brotzeit oder wenigstens ein Bier oder Schnäpschen für ihn ab. Zuhause wollte er sich nicht aufhalten, die Haare auf den Zähnen seiner Frau glichen schon einem Schnurrbart und als die Tochter erwachsen wurde war ein gefürchtetes Duo perfekt.

So machte er sich täglich bereits am frühen Morgen mit seinem Fahrrad, das eigentlich ein Schiebrad war, auf den Weg um in den umliegenden Wäldern die Natur und vor allem die Tierwelt zu beobachten, die Maulwurffallen auf den Feldern zu kontrollieren und schließlich um die Mittagszeit nicht ganz uneigennützig bei den Menschen zu landen die ihm einen Platz am Mittagstisch anboten, - zuhause blieb nämlich die Küche für ihn kalt.

Als ich in jungen Jahren dann den Jagdschein in der Tasche hatte und auch noch im heimatlichen Revier waidwerken durfte wich er nicht mehr von meiner Seite.
Oft saß er schon in der Küche meines Elternhauses und konnte es kaum erwarten bis ich von der Arbeit kam und er mir die neuesten Geschehnisse vom Revier berichten konnte. Meine Mutter war eine „gute Seele“ und hat ihm die Wartezeit meistens mit einem Bier oder gar einer Brotzeit verkürzt.

Damals waren die Fuchs- und Marderbälge noch etwas wert und so spionierte mein Hubevetter die Raubwildpässe und befahrenen Baue im Winter genauso aus wie die ersten Fegestellen im Frühjahr bzw. die Einstände der guten Böcke rechtzeitig zur Bockjagd.
Kam es dann zum Erfolg grinste er über`s ganze Gesicht und sein typisches Lachen erklang das ich noch heute in den Ohren habe, es war dann unser gemeinsames Waidmannsheil!

Das Abbalgen der gefangenen Dorfmarder und geschlachteten Kaninchen war seine Leidenschaft und deren Verwertung ein kleines Zubrot. Es hat niemand interessiert ob der Marder dem Jagdrecht unterliegt oder nicht, wenn er am Federvieh Schaden anrichtete musste er weg.

So lag es nahe das bereits nach der Erlegung meines ersten Winterfuchses und Begutachtung durch den Hubevetter klar war: der wird abgebalgt und so blieb es auch die nächsten Jahre……….
Schnell wurden Spannbretter gefertigt um die Bälge trocknen zu können so das die Verwertung gesichert war.
Da meine Leidenschaft für die Fuchsjagd jetzt endgültig geweckt war hatte der Hubevetter reichlich zu tun und erhielt pro Balg eine Prämie. Davon wollte er anfangs nichts wissen, doch insgeheim war er froh darüber.

Alles hat seine Zeit sagt man und die Zeit mit meinem Hubevetter endete als er krank wurde und im Pflegeheim sein musste. Er der mit Gespür für Jagd und Natur geboren war endet, vergessen von allen Angehörigen, in einem kahlen Raum einsam und verlassen.
Einmal habe ich ihn besucht und den ganzen Nachmittag ging es nur um das gemeinsam erlebte, er blühte richtig auf und unentwegt war sein typisches Lachen zu hören.
Ein paar Tage später war es für immer verklungen…………
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sau_hund

sau_hund

Alter: 64 Jahre,
aus BAYERN

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Kommentare

19.12.2018 11:42 sau_hund
.....bei meiner täglichen Revierrunde komme ich am Friedhof vorbei, heute musste ich einen Bruch auf sein Grab legen.......
19.12.2018 15:18 IGOR82
Da werden einem nur vom lesen die Augen feucht...
20.12.2018 12:23 Dohle
... sehr schön geschrieben, ich bin echt berührt !
Meinem alten Jagdherrn lege ich immer einen frischen Eichenbruch auf's Grab; der Bruch stammt von seiner Lieblingsecke im Revier !

21.12.2018 22:57 ZH-7x57
Solche Menschen vergisst man halt nicht und erinnert sich gerne daran . Hat er doch in einfacher Art viel gutes getan, eine wohlverdiente Erinnerung .
22.12.2018 00:50 sau_hund
ZH-7x57 schrieb:
Solche Menschen vergisst man halt nicht und erinnert sich gerne daran . Hat er doch in einfacher Art viel gutes getan, eine wohlverdiente Erinnerung .

ja er ist immer noch in guter Erinnerung obwohl es jetzt schon mehr als 25 Jahre her ist das sein Lachen verstummt ist.............
22.12.2018 17:42 BD880
Das sind Personenbezogene Dinge die man nie mehr vergisst,
Danke für das einstellen "Frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr" mit viel Erfolg und Erinnerungen.
05.01.2019 16:48 sau_hund
BD880 schrieb:
Das sind Personenbezogene Dinge die man nie mehr vergisst,
Danke für das einstellen "Frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr" mit viel Erfolg und Erinnerungen.


Alles Gute für 2019 und viel Waidmannsheil!
07.01.2019 14:37 Manalore
Ich danke Dir - durch Deine Erzählung hat sich in meinem Hirnkastl eine Schublade geöffnet und die Erinnerung an eine Person aus meiner Jugendzeit ist herausgesprungen... Ein vielfach als "gspinnert" angesehener Metzgersohn hat mich viele Jahre begleitet und mir die tollsten Sachen in Feld und Natur gezeigt. Er ist einsam und allein gestorben ohne dass ich ihm die Hand hätte drücken können und mich für all die Dinge hätte irgendwie bedanken können.
Ich hatte ihn vergessen - was für eine Schmach!
07.01.2019 17:55 sau_hund
Manalore schrieb:
Ich danke Dir - durch Deine Erzählung hat sich in meinem Hirnkastl eine Schublade geöffnet und die Erinnerung an eine Person aus meiner Jugendzeit ist herausgesprungen... Ein vielfach als "gspinnert" angesehener Metzgersohn hat mich viele Jahre begleitet und mir die tollsten Sachen in Feld und Natur gezeigt. Er ist einsam und allein gestorben ohne dass ich ihm die Hand hätte drücken können und mich für all die Dinge hätte irgendwie bedanken können.
Ich hatte ihn vergessen - was für eine Schmach!


wenn der Tod im Spiel ist kann man nichts mehr rückgängig machen oder ändern!
05.02.2019 18:49 Epilobium
Ja, so ist das Leben. Sehr schöner Beitrag für Herzblut und Mitgefühl und Passion.
06.02.2019 17:37 sau_hund
Epilobium schrieb:
Ja, so ist das Leben. Sehr schöner Beitrag für Herzblut und Mitgefühl und Passion.

Danke, ich freu mich auch über ein "Gefällt mir"
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