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Damwild-WE

Kurztrip nach Brandenburg (1 Eintrag)

. ,
674 mal angesehen
22.09.2018, 00.16 Uhr

mal was ganz anderes

Ich find's immer schön, in anderen Ecken jagen zu gehen als in den gewohnten Gefilden. Das macht einem immer wieder schön klar: Wald ist nicht gleich Wald, Feld ist nicht gleich Feld. Eine eigentlich banale Erkenntnis, trotzdem für manche wohl nicht selbstverständlich.

Es riecht anders, es hört sich anders an, es sieht anders aus. Ein völlig anderes Jagen wie in den unterfränkischen Laubwaldgebieten, in denen ich mich sonst meist herumtreibe. Kiefer, Kiefer, Kiefer. Okay, etwas Birke, und manchmal auch Faulbaum Man kann meist ziemlich weit sehen, aber zwischen diesen Kiefernspargeln zu sitzen und 360° zu verteidigen, kann auch ganz schön anstrengend sein. Zumal wenn man trotz besten Wetters und absoluter Trockenheit praktisch nichts hört ... Die Forstwege sind auch gewöhnungsbedürftig. Wir kennen hier weder Sandwege noch Plattenwege, und man hat ein bisschen Mitleid mit seinem Auto ...

Jedenfalls hatte ich eine Einladung in den Landkreis Dahme/Spree, konnte einen lange nicht gesehenen Freund wiedertreffen und auf eine Wildart waidwerken, mit der ich nun wirklich so gut wie gar keine Erfahrungen habe. Geplant waren sechs Sammelansitze, davon zwei morgens mit Hundeunterstützung. Freigegeben waren Knieper, Damspießer, Kälber, Alttiere ggf. zum vorher erlegten Kalb, ansonsten Reh- und Schwarzwild.

Freitagabend: Passierte lange nichts. Ich saß im Altbestand, blickte vor mir auf ein Stangenholz in vielleicht 60 m Entfernung. Im letzten Licht eine Bewegung. Fernglas hoch: Reh. Ich war mir sofort sicher: Geiß. Super vorsichtig. Die äugte praktisch direkt in meinen Sitz, und blöderweise war genau die Seite nicht verblendet. Mein Tarnschal war im Rucksack, da lag er gut ... Ich bemühte mich, die Umgebung vorsichtig abzuscannen, in der Hoffnung, ein Kitz zu finden. Tatsächlich, da war ein Stück daneben noch ein Reh, aber das war kein Kitz. Mit Mühe und Not konnte ich es als Bock ansprechen. Hmmm. Die Geiß schien mich nach wie vor permanent zu beobachten. Ich musste irgendwie in Anschlag kommen, konnte dabei aber nicht beide Rehe gleichzeitig im Auge behalten. Zeit hatte ich auch keine mehr, das Licht schwand zusehends. Als ich auf den Bock in Anschlag ging, hat das dann ziemlich sicher die Geiß mitbekommen, und beide sprangen ab. Das war also schon mal ein Satz mit X.

Samstagmorgen sah ich nichts außer ganz kurz Altfuchs mit Jungfuchs an einem Bau ca. 60 m vor mir. Immerhin durften die Hunde 75 mins arbeiten. Viel wurde allerdings nicht daraus. Meiner fand nicht und jagte mit deutlich angezogener Handbremse, schaute deutlich öfter vorbei als sonst, beschränkte sich die meiste Zeit auf einen 500-m-Radius. Ein Indiz dafür, dass der Wolf vor nicht allzu langer Zeit noch dort gewesen sein musste.

Samstagabend: nix.

Sonntagmorgen: Sitz an der Forststraße. Mir war gesagt worden: wenn du nach rechts schaust, ist da ein Apfelbäumchen. Da ist auch der Hauptwechsel. Schön. Das Apfelbäumchen sah ich ... in schätzungsweise 120-130 m Entfernung. Gegen 7 Uhr bekam ich eine SMS von meinem Kumpel: Damtier mit Kalb unterwegs in Deine Richtung. Bei ihm waren sie zu weit gewesen. Tatsächlich kamen beide genau auf dem Wechsel über die Forststraße. Das Damtier wechselte flott rüber. Das Kalb etwas langsamer, aber es zog ein Stück auf dem Forstweg spitz und sprang dann seiner Mutter hinterher. Verweilen am Apfelbaum: Fehlanzeige. Keine Chance.

In diesem Bereich, sechs Kilometer entfernt von der Jagd am Vortag, schien es keine Anzeichen für Wölfe zu geben. Jedenfalls war mein Hund im Normalmodus unterwegs. 1 3/4 Stunden war der Hundeeinsatz geplant. Ich sah ihn beim Schnallen und dann erst wieder zum Jagdende. Mir wurde berichtet, dass er eine einzelne, stärkere Sau verfolgt hatte. Die wurde zweimal beschossen, aber nicht getroffen , wie die später durchgeführte Kontrolle ergab. Shit happens.

Sonntagabend, sehr früh, gegen 17:35 Uhr, da war ich noch dabei, mich einzurichten: die einzige Chance des Abends. Ein Damspießer. Ich bekam den aber zu spät mit, und als ich sah, dass es einer war, gab der unvermittelt Gas. Ich brachte nicht mal die Waffe hoch, so schnell ging alles.

Montagmorgen schließlich nix. Sehr schöner Platz in einem Feuchtgebiet, aber leider kein Bild, kein Ton.

Trotzdem: Hat's mir viel Freude gemacht. Nette Gastgeber, hervorragendes Rührei zum Frühstück nach dem Ansitz, abends lecker Wurst und Steaks (auch Wild natürlich) nach der Jagd. Nette Korona.

Das ganze hatte nur einen unangenehmen Beigeschmack. Ich habe mich ernsthaft gelegentlich gefühlt wie im Forum. Ich habe immer gedacht, Forum ist Forum, Realität ist Realität. Stimmt aber nicht ganz. Man kann bei so einer Aktion tatsächlich vereinzelt (!) Leute treffen, die bereits morgens um 5 Uhr, beim Treffen vorm Sammelansitz, vollkommen anlasslos über Politik philosophieren, über Migration, über die einzig wahre Partei, darüber dass 90% der Bundesbürger unzufrieden wären und der kleine Rest "komplett verblendet". Und so weiter und so fort.

Ich verstehe das so wenig wie hier. Wenn ich jagen gehe, gehe ich jagen.
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Heide_Unterfranken

Heide_Unterfranken

Alter: 47 Jahre,
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Kommentare

24.09.2018 17:49 sau_hund
Warum denkst du das der Wolf Ursache für das Verhalten deines Hundes war? Haben die Leute vor Ort davon berichtet?

Was lag denn am Schluss auf der Strecke?
24.09.2018 18:52 Heide_Unterfranken
sau_hund schrieb:
Warum denkst du das der Wolf Ursache für das Verhalten deines Hundes war? Haben die Leute vor Ort davon berichtet?

Was lag denn am Schluss auf der Strecke?


Mein Hund hat letztes Jahr bei einer DJ in Sachsen-Anhalt (Colbitz-Letzlinger Heide) genauso reagiert, und das dürfte sein erster Einsatz in einem Wolfsgebiet gewesen sein damals. Dort ist ein Rudel nachgewiesen seit locker zehn Jahren.

In diesem Revier gibt es regelmäßig Wolfsbestätigung, aber nur Durchzügler, kein stationäres Rudel vor Ort. Sonst wäre das Damwild auch mehr dezimiert.

Mein Hund zeigt nicht sichtbar Angst, aber wenn er mit 500 m ringsrum für seine Verhältnisse kurz angebunden ist, alle 20-25 mins in Sichtweite beim Stand vorbeikommt, dann fällt mir ein anderer Grund nicht ein. Falls er doch was findet, ist es ihm aber egal, dann jagt er wie gewohnt. Eher bleibt er noch länger dran, je nachdem, wie lange er suchen musste, um überhaupt was zu finden, und wieviel Frust sich dadurch aufgestaut hat.

Die Corona bestand von Freitagabend bis Sonntag früh aus ca. 25 Leuten. Sonntagabend waren es deutlich weniger, Montagmorgen nur noch ein paar ganz harte Gestamtstrecke waren 17 Stück Damwild, 2 Sauen und 6 Rehe. Revierleiter war zufrieden, denke ich
25.09.2018 22:14 ZH-7x57
Das ist bei der Jagd so ,einmal genug Anblick , andermal eben wenig bis nicht freigegebenes Wild . Wäre das nicht so , wäre die Jagd auch nicht spannend !
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