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Geschichten von draussen

Sammelsurium von Jagderlebnissen (3 Einträge)

Nach dem Fangschuss
674 mal angesehen
11.10.2017, 12.01 Uhr

Wie man es NICHT machen sollte!

In meinem letzten Blog erwähnte ich beiläufig Folgendes:

"Oft neigt man als Jägerlein mit eigenen Hund im Auto genau das Gegenteil von dem zu tun, was man seinen 'Kunden' immer wieder klar machen muss: Warten, geduldig sein, sich die Fährte ausbilden lassen und dann suchen. Nicht hastig sofort, das bringt in aller Regel keinen Erfolg."

Heute möchte ich selbstkritische von einem solchen Erlebnis berichten, aber vorwegnehmen: SO NICHT NACHMACHEN!

Also gut: Ein Abend Anfang Juli diesen Jahres. Ich saß etwa 200m von einem Rapsschlag entfernt in einer Kanzel auf Sauen an. Hinter mir ein Triticaleschlag, vor mir ca. 100m Wiese, dahinter ein Sauenparadies - ein Waldstreifen mit Bachlauf, 15 Jahre alten Dickungen aus verschiedenstem Gehölz. Kurz nach Elf schickt sich eine Rotte an, aus eben diesem Saueneinstand in die Triticale zu wechseln. Das Licht war schlecht. Sehr schlecht. Für einen Frischling hätte es nicht mehr gerreicht, also entschied ich mich für einen Überläufer. Der Schuß sprengte die Rotte - ein Teil flüchtete sofort zurück in den Bestand, der andere Teil suchte sein Heil im Rapsschlag. Ich sah weder ein Zeichnen noch ein Stück liegen - bei den Lichtverhältnissen war das aber nicht verwunderlich.

Mein Vater, der nicht allzuweit sein Auto abgestellt hatte und beim Abbaumen meinen Schuß gehört hatte fand sich nach einigen Minuten ein und wollte beim Nachschauen dabei sein. Das Stück lag nicht wie erhofft am Anschuss, also suchten wir intensiv nach Pirschzeichen um eine Entscheidung über das weitere Vorgehen zu finden. Da ich den Einwechsel, ein Zwangswechsel, in den Bestand sicher wusste, suchten wir dort und auch im näheren Umkreis zum Anschuß, den ich auch recht genau definieren konnte - im 30cm hohen Gras konnte man die Fährten ziemlich genau erkennen. Auch hier: Nichts! Kein Schweiß, kein Schnitthaar, einfach nichts!

Also musste mein Hund ran. Ich wollte ihn vorsuchen lassen um bei entsprechendem Ergebnis eine Grundlage für die Nachsuche am nächsten Morgen zu haben. So weit, so gut. So kann man das machen, muss dann aber auch eine klare Grenze ziehen, wie weit man geht und was man besser lässt.

So kontrollierte mein Hund am langen Riemen intensiv den Einwechsel der Rotte in den Bestand. Alles interessierte ihn deutlich - klar, die Rotte war etwa vor einer halben Stunde hier aus- und ein Teil davon wieder eingewechselt. Wir folgten auch noch ca. 50m in den Bestand hinein, es fand sich aber auch hier nichts. Also zurück zum Anschuss auf die Wiese und erneut angesetzt. Diesmal bewindete mein Hund ziemlich genau am vermuteten Anschuss eine Stelle. Ich trug und legte ihn ab - das wollte ich mir in Ruhe ansehen. Mehrere Minuten versuchte ich, im Schein der Taschenlanpe irgend etwas zu erkennen. Auf allen Vieren untersuchte ich auf etwa einen Quadtratmeter jeden Grashalm intensiv. Aber auch hier: Nichts! Gar nichts!

Nun ist es nicht ugewöhnlich, dass sich (auch bei guten Treffern) auf den ersten 50 - 80 Metern nichts finden lässt. Fängt das Stück dann an zu schweissen, ist das in der Regel ein gutes Zeichen. Insbesondere im Sommer, wenn die Sauen so richtig viel Weißes aufgelegt haben. So entschied ich mich, meinen Hund noch einmal anzusetzen, vielleicht zog er jetzt Richtung Raps und es findet sich auf dem Weg dahin irgend etwas aussagekräftiges. Nun muss man auch hier sagen: Ist es tagsüber schon oft nicht leicht, kleine Pirschzeichen zu finden, gerade wenn der Hund vorn am "Strick Gas gibt", so ist das nachts mit Taschenlampe noch viel schwerer. Aber gut, solange wir auf der Wiese bleiben sollten, konnte nicht mehr passieren als dass wir nichts finden und dann müssten wir das morgens noch einmal kontrollieren.

Sofort fiel mein Hund die Fährte an und suchte in bekanntem Suchmodus konzentriert Richtung Raps. Das sah schon einmal gut aus. Aber auch hier wieder eine einschränkende Bemerkung: Der seinen Hund richtig lesen könnende Hundeführer hat dies im Hellen deutlich einfacher. Im Taschenlampenlicht das Verhalten seines Hundes 15m vor sich immer richtig deuten zu können ist nicht immer gut möglich.

Ich nahm mir fest vor, meinen Hund lediglich bis zur Rapskante suchen zu lassen, dort selbst den Einwechsel nach eventuell abgestriffenem Schweiß zu untersuchen und dann das Ganze auf den nächsten Morgen zu verlegen. Mein Vater rief mir noch hinterher: "Ich bleib mal am Auto, wenn Du Hilfe brauchst, weißt Du ja, wo Du mich findest." "Welche Hilfe? Ich geh da nicht rein...", dachte ich mir noch.

Soweit zum heeren Vorsatz, der alsbald eher versehentlich gebrochen wurde. An der Rapskante achtete ich einen Moment lang nicht so recht darauf, wie lang der am Boden schleifende Schweißriemen hinter meinem Hund doch war und "schwupps", war er im Raps verschwunden! Ich arbeitete mich langsam am Riemen vor, darauf achtend, dass mein Hund nicht weiter vorankam. Ich kontrollierte soweit ich konnte den Einwechsel in den dichten Raps nach Schweiß, fand nichts und entschied, nun abzubrechen. Da mein Hund recht straff im Riemen lag und daher ein Abrufen unmöglich schien (auch ein guter "Trick", um zumindest meinen Hund darauf zu testen, ober er richtig ist: Habe ich das Gefühl, er sei falsch, bleibe ich stehen, rufe ihn eher ruhig fragend als kommandierend heran - reagiert er darauf nicht, ist er zumeist richtig. Ob das bei jedem Hund funktioniert, weiß ich aber nicht.), musste ich mich über den verkrauteten Raps zum Hund vorkämpfen. Dabei musste ich irgendwie von obem nach unten den fast am Boden liegenden Riemen greifen. In diesen Momenten gelang es meinem nun immer straffer ziehenden Hunde, sich weiter vorzuarbeiten! Verdammt! Wir waren nun ca. 50m im Schlag, als ich endlich am Hund war.

Und dann ging es ganz schnel! Wenige Schritte neben uns brach böse tobend die Sau weg! Und nun packte mich der eigene Beutetrieb und schaltete für einen Augeblick meinen Verstand aus! Instinktiv schnallte ich meinen Hund, der die Sau nur etwa 50m weiter stellte! Das tat er so lange, bis ich mich zu dem Bail durchgekämpft hatte. Wer jemals schon mal in verkrautetem Raps war, den wird es nicht wundern, dass das fast eine viertel Stunde dauerte.

Diese Zeit reichte aus, dass die beiden sich ein eta 2 x 1m großes "Loch" in den Raps geschaffen hatten, sodass ich von oben hinein sehen konnte. Mein Hund machte seine Sache absolut perfekt. Er stand etwa 2m vor der Wutz und verbellte sie anhaltend ohne Pause. Endlich konnte ich den Fangschuss antragen und mir es nicht verkneifen, einen Jubelschrei in den Nachthimmel zu entsenden. Ein Treffer im vorderen Keulenbereich liess den ca. 40kg-Überläuferkeiler noch recht giftig sein...

Bei aller Euphorie über den Erfolgt trafen die anschliessenden Worte meines Vaters die Situation zu 100%: "Du bist doch bekloppt!"

Das hätte machtig ins Auge gehen können! Diese Erfahrung zeigt aber deutlich, wie schnell eine eigentlich nur als Anschusskontrolle geplante Aktion zu einer heftig brenzligen Situation ausarten kann.

"Nachsuche" wird immer noch ohne "T" geschrieben! Es gibt nur wenige Pirschzeichen, die recht sicher auf eine Totsuche schliessen lassen (aber auch da bleibt immer ein Restrisiko) und ein Arbeiten nach entsprechender Wartezeit auch im Dunkeln zulassen. Wenn Anschusskontrolle bei Nacht, dann auch nur diese und nicht mehr!
offline

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Hasan

Hasan

Alter: 41 Jahre,
aus dem Wald
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Kommentare

11.10.2017 15:57 Kija
Schwein gehabt.
Der "Trick" funktioniert auch bei meinem Hund.
Gruß Kija
11.10.2017 17:43 Hasan
Kija schrieb:
Schwein gehabt.
Der "Trick" funktioniert auch bei meinem Hund.
Gruß Kija


Eben. Oft darf man das Schicksal so nicht herausfordern.

Noch so ein "Signal" bei meinem Sch(w)weisser, dass er richtig ist: Wenn er durch Dornen oder Brennessel geht. Sonst umschlägt "der Herr" diese bzw. möchte gern darüber getragen werden
12.10.2017 08:22 Heide_Unterfranken
Hasan schrieb:
Eben. Oft darf man das Schicksal so nicht herausfordern.

Noch so ein "Signal" bei meinem Sch(w)weisser, dass er richtig ist: Wenn er durch Dornen oder Brennessel geht. Sonst umschlägt "der Herr" diese bzw. möchte gern darüber getragen werden

Bracke halt
12.10.2017 11:32 Menthos
Du hast es in der Überschrift ja schon treffend zusammengefaßt...braucht man nix mehr zu sagen!

Glück gehabt

Trotzdem WMH!

PS:
Gleicher "Trick" bei uns...
12.10.2017 12:07 Hasan
Menthos schrieb:
Du hast es in der Überschrift ja schon treffend zusammengefaßt...braucht man nix mehr zu sagen!

Glück gehabt

Trotzdem WMH!

PS:
Gleicher "Trick" bei uns...



Weidmannsdank!

Ich habe bewusst diese selbst von mir verursachte Suche als Negativbeispiel (mit glücklicherweise gutem Ausgang) gebracht. Ich (wie sicher auch Du und viele andere) könnte Beispiele bringen, wie sowas durch "Kunden veranstaltet" wird, wo es dann nicht so ausgeht bzw. wo durch solche Fehler der Erfolg ruiniert wird. Ich mag es aber weniger, meine "Kunden in die Pfanne zu hauen".
12.10.2017 14:55 Menthos
Hasan schrieb:
Weidmannsdank!

Ich habe bewusst diese selbst von mir verursachte Suche als Negativbeispiel (mit glücklicherweise gutem Ausgang) gebracht. Ich (wie sicher auch Du und viele andere) könnte Beispiele bringen, wie sowas durch "Kunden veranstaltet" wird, wo es dann nicht so ausgeht bzw. wo durch solche Fehler der Erfolg ruiniert wird. Ich mag es aber weniger, meine "Kunden in die Pfanne zu hauen".


Natürlich....
und wer ohne Fehler ist...werfe den ersten Stein...ich werfe sicher NICHT!
17.10.2017 14:13 Wachtelhund
Du bist doch bekloppt!
Aber Weidmannsheil, ich war auch schon so bekloppt und mein Hund hat mir den Arsch gerettet.
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