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Geschichten von draussen

Sammelsurium von Jagderlebnissen (3 Einträge)

Nach erfolgreicher Nachsuche Auf Nachsuche
420 mal angesehen
10.10.2017, 12.09 Uhr

Ohne Schweiß kein Preis! - Oder doch?

Ein warmer Sommermorgen mitten im August. Ich als "jagdlicher Morgenmuffel" quäle mich aus dem Bett, will nach den Feisthirschen sehen, die täglich abends wegen der Wärme aber viel zu spät zu Felde ziehen. Heute will ich es mal in den Morgenstunden versuchen.

Eine Stunde vor Sonnenaufgang sitze ich mit dem Rücken zu einem etwa 100m breiten Erlenstreifen, vor mir etwa 60m Wiese, danach auf breiter Kante ein etwa 10 Hektar großer Rapsschlag.

Schon beim Aufbaumen vernehme ich im Raps die ersten Sauen. "Na, wenn es denen zu warm wird, ziehen sie vielleicht in den Streifen zu mir ins kühle Nass mit Dickungen, einem Bachlauf und unzähligen Suhlen. Aber wollte ich nicht eigentlich einen Hirsch?

Noch ist nichts von den "Roten" zu spüren. Doch ab dreiviertel fünf fängt es im Erlenbruch etwa 100m oberhalb von mir mächtig an zu knacken. Zehn Minuten später wechseln fünf Hirsche nur 60m oberhalb von mir auf die Wiese und dann in den Raps. Ein Ansprechen ist trotz weit aufgerissenen Pupillen unmöglich, also verbietet sich jeder Gedanke an einen Schuss.

Langsam dämmert es und ich kann nach und nach die geringen Hirsche im Raps als solche erkennen. Durchaus hätte ich schiessen können, unterlasse es aber tunlichst, habe ich doch erst ein paar Tage vorher erlebt, wie mein Mitpächter ewig lang mit dem Bergen eines alten Recken (180kg aufgebrochen) der in einen anderen Rapsschlag geflüchtet war zu kämpfen hatte. So nach und nach stehen immer mehr Hirsche auf - sie hatten wohl um der stechenden Plagegeister wegen ihr Nachtlager im Raps aufgeschlagen.

Meine Hoffnung auf irgendeinen Erfolg heute schwand immer mehr als ich die Rotte im Schlag noch einmal viel zu weit weg von mir vernahm - die Hirsche hatten sie wohl von mir weg gedrückt. Schon dachte ich an´s Abbaumen, als ich im rechten Augenwinkel plötzlich eine Bewegung am Waldrand eräugte. Ein Hirsch! Ein Kronenhirsch! Wohl zu jung aber das beschäftigte mich nur einen Augenblick lang, denn er bewegte sich eigenartig. Im Glas sah ich das Dillema: Der rechte Hinterlauf schlackerte nur noch - er zog langsam auf nur drei Läufen Richtung Raps. Sofort waren jegliche Überlegungen nach Altersklasse und Güte dahin, die Waffe im Anschlag und der Schuss hinaus. 150 bis 180m werden es gewesen sein, für einen Hirsch nicht zu weit, aber irgendwie hatte ich hastig geschossen, das war mir sofort klar. Auf den Schuß hin wendete er und ging trotz des kranken Laufes recht zügig zurück in den Bestand - Mist! Was nun?

Nach den obligatorischen zwei Zigarettenlängen ging ich mir das Disaster mal näher anschauen und fand: Nichts! Ich konnte im Gras recht gut ausmachen, wo der Hirsch durch dichte Brennesseln in den Bestand geflüchtet war. Kein Schweiß, kein Garnichts, nirgendwo. Nicht auf der Fluchtfährte auf der Wiese, nicht in den Brennensseln. Verdammt! Ich meinte, noch ein Knacken aus dem Erlenbruch vernommen zu haben, war mir aber nicht sicher.

Ab diesem Punkt an machte ich wohl alles richtig, was richtig zu machen war. Oft neigt man als Jägerlein mit eigenen Hund im Auto genau das Gegenteil von dem zu tun, was man seinen "Kunden" immer wieder klar machen muss: Warten, geduldig sein, sich die Fährte ausbilden lassen und dann suchen. Nicht hastig sofort, das bringt in aller Regel keinen Erfolg.

Also fuhr ich erst einmal heim, machte meinen"drei Weibern" ein ordentliches Frühstück, welches wir ausgedehnt genossen und machte mich gegen elf wieder auf den Weg ins Revier. Vorsorglich hatte ich meinen Vater informiert, der eventuell als Vorstehschütze dienen könnte. Wusste ich doch um die ein oder andere Fichtendickung in dem Waldstreifen und die vielen im sich darin anschliessenden Nachbarwald. Der Eigentümer dort war natürlich auch informiert, selbstverständlich dürfen wir da immer hineinsuchen. Nur die direkt anliegende böhmische Grenze stellt uns sehr oft vor Probleme, die nicht so ohne weiteres zu lösen sind. So stellte ich meinen Vater in etwa 500m an einen löchrigen Pflanzzaun, der einen Zwangswechsel verursacht. Sollte der Hirsch im Gatter liegen und aufstehen, musste er da durch. Doch es kam alles anders.

Mein Hund suchte auf der Wiese kurz vor und fiel sofort die Fluchtfährte an. In dem Bruch folgend suchte er sehr konzentriert zweimal über den Bachlauf hinweg, dabei einen verendeten Frischling fast ignorierend (man muss dazu sagen, dass heuer bei uns im Landkreis sehr viele schwache Frischlinge aufgrund von Salmonellen verendet sind - den Grund dafür hat noch niemand wirklich herausgefunden). Wir suchten etwa 400m, gänzlich ohne Schweiß, mein Hund aber hochkonzentriert, ich war sicher, er war richtig. Doch plötzlich vernahm ich in einer kleinen Buchendickung im löchrigen Pflanzgatter Sauen und meine Sicherheit war dahin. Mein Hund stoppte und ich hatte das Gefühl, er interessiere sich nun doch mehr für die Sauen. Also trug ich ihn ab und wir begannen erneut. Was muss in seine Kopf vorgegangen sein?! Denn nach erneutem Ansetzen suchte er haargenau da, wo wir schon gegangen waren. Wieder mit der selben Konzentration, die er schon vorher zeigte. Im Nachgang muss ich sagen: Bloß gut, dass mir mein Hund das nicht "krumm" genommen hat. So oft sollte man den Fehler aber wohl nicht machen!

Da, wo vorhin die Sauen waren, hielt er wieder kurz inne, suchte aber sodann stetig weiter weiter. Wieder ging es durch einen Bachlauf, meinen Vater hatten wir schon längst passiert. Es ging einen kurzen Hang bergauf, wo sich das nächste undichte Pflanzgatter, diesmal mit 15 Jahre alten Fichten anschloss. Jetzt könnte es interessant werden. In dieser Dickung hatten wir in den vergangenen Jahren desöfteren Stücke finden können.

Also hinein ins Dicke! Nur noch den Schweißriehmen in der Hand als Richtungshilfe, mein Hund 15m vor mir im Nirgendwo und plötzlich ein derbes Krachen - der Hirsch stand vor uns auf! Als ich endlich am Hund war hörte ich den Hirsch noch am Gatterzaun - jetzt musste es schnell gehen! Ungeduldig wollte mein Gefährte geschnallt werden, dem ich natürlich auch sofort nachkam. Schnell hatte er den Hirsch gestellt - der tiefe Standlaut zeugte davon. Geschirr und Riehem blieben liegen, der 98iger war von der Schulter und nur 50m brauchte ich bis ich den Hirsch spitz von mir, schon hinter dem Zaun stehend sah, rechts davon mein stellender Hund. Spitz?! Egal! "Krawaumm!" und der Hirsch brach weg. Mein Hund mit Hetzlaut hinterher, jetzt ging der Hirsch trotz des kranken Hinterlaufes beachtlich schnell. Aus den Augen verloren orientierte ich mich nur noch am Laut, das Garmin brauchte ich heute nicht.

Welch Musik in den Ohren eines jeden Schweißhundeführers ist dann doch dieser tiefe Standlaut des eigenen Hundes, wenn man sich diesem Stück für Stück nähert. Jetzt wollte ich nicht überhastet rennen, noch ein Ausbrechen des Hirsches hätte die Hetze wohl ins böhmische verlagert. Also langsam und bedächtig, fast pirschend an den Bail. Und was bot sich mir für ein Bild! Auf einer kleinen Anhöhe stand der nach meinem Hund forkelnde Hirsch "bratzelbreit", ersterer etwa 2m vor ihm andauernd mit tiefem Laut verbellend, über uns der stahlblaue Himmel - wie gemahlt! Doch ein Innehalten verbot sich selbstredend. Die 8x57is traf den Hirsch voll Blatt. Noch im Fallen nach vorn, den kleinen Hang hinunter, forkelte der Hirsch nach meinem Hund, welcher danach wie immer noch ausreichend Gelegenheit bekamm SEINEN Hirsch zu beuteln.

So saßen wir zwei dann recht glücklich noch eine Weile wartend auf meinen den Anhänger holenden Vater und meinen mir beim Bergen helfen wollenden Jungjäger neben dem Hirsch und genossen das Wetter. Und ich war wieder mächtig stolz auf meinen "Sch(w)eisser"! Der gänzlich fehlende Schweiß auf der Fluchtfährte erklärte sich damit, dass lediglich die Sehne des rechten Hinterlaufe durchtrennt war und ich den Hirsch am Morgen gänzlich gefehlt hatte. Wer dem Hirsch wo diese Verletzung zugefügt hatte war nicht zu klären, letztlich aber auch egal. Leider hatte ich bei meinem ersteln Fangschuss-Versuch die linke hintere Keule getroffen - aber auch das: Egal! Der aufgebrochen 128kg wiegende Hirsch war erlöst.

Und nun zur Frage: Warum mache ich mir jetzt erst die Mühe, das alles so ausführlich hier aufzuschreiben? Ganz einfach: Weil ich die letzten Wochen zwei Mal das "Vergnügen" hatte, "Kunden" beweisen zu müssen, dass kein Schweiß nicht heißt, dass das Stück nicht zu bekommen sei. Darunter war übrigens ein nach 300m bereits verendeter Goldmedaillen-Widder, der erst auf den letzten zehn Metern anfing zu schweissen.

Also: Jeden Schuß kontrollieren, denn Nachsuche ist Ehrensache!
offline

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Hasan

Hasan

Alter: 41 Jahre,
aus dem Wald
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Kommentare

10.10.2017 12:51 Heide_Unterfranken
Waidmannsheil & Suchenheil
Wegen mir kannst Du sowas auch ganz ohne Grund aufschreiben. Einfach weil es schön zu lesen ist
10.10.2017 13:35 schaaal
TOP

danke

und echt "schön" zu lesen!! :)
10.10.2017 13:53 Ammerlaender
Einfach Klasse!! Waidmannsheil
10.10.2017 15:17 Hasan
Heide_Unterfranken schrieb:
Waidmannsheil & Suchenheil
Wegen mir kannst Du sowas auch ganz ohne Grund aufschreiben. Einfach weil es schön zu lesen ist


Suchendank!
10.10.2017 15:17 Hasan
Ammerlaender schrieb:
Einfach Klasse!! Waidmannsheil


Weidmannsdank!
10.10.2017 17:04 Kija
Suchenheil
Ergänzung: Schweiss bedeutet aber auch nicht immer, dass man getroffen hat...
Gruß Kija
10.10.2017 18:09 Hasan
Kija schrieb:
Suchenheil
Ergänzung: Schweiss bedeutet aber auch nicht immer, dass man getroffen hat...
Gruß Kija


Suchendank! Du hast natürlich Recht, nur die Konsequenz der Fehleinschätzung der Lage durch Fehlen bzw. Vorhandensein von Schweiss ist eine gänzlich andere. Weiterhin viel Suchenglück!
10.10.2017 20:56 Kija
Hasan schrieb:
Suchendank! Du hast natürlich Recht, nur die Konsequenz der Fehleinschätzung der Lage durch Fehlen bzw. Vorhandensein von Schweiss ist eine gänzlich andere. Weiterhin viel Suchenglück!

Ausbaden müssen es immer andere....
11.10.2017 10:18 vulpes54
Waidmannsheil und Suchenheil!
Danke für solche Beiträge. Hier kann man noch was lernen bzw. wird für die Praxis sensibilisiert! Wünschte mir mehr solche Beiträge aus der Praxis!! Bitte weiter so! Viel Wdh.
11.10.2017 10:26 Hasan
vulpes54 schrieb:
Waidmannsheil und Suchenheil!
Danke für solche Beiträge. Hier kann man noch was lernen bzw. wird für die Praxis sensibilisiert! Wünschte mir mehr solche Beiträge aus der Praxis!! Bitte weiter so! Viel Wdh.



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