Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche
734 mal angesehen
13.06.2017, 23.57 Uhr

Mit Freunden jagen - wenn die Strecke zweitrangig ist.

Endlich, langsam lehnte ich mich in meiner Kanzel zurück. Und langsam fiel die Anspannung ein wenig ab...

Nein, der "Stress", den ich jetzt ein wenig loswurde, war ein durchweg positiver Stress. Seit einigen Jahren laden wir nun schon im Mai oder Juni befreundete Jäger zu einem Gemeinschaftsansitz ein. Der Termin variiert immer ein wenig. In diesem Jahr hatten wir bewusst den Juni gewählt. Zwar werden gerade die älteren Böcke jetzt schon deutlich unscheinbarer im Revier, andererseits aber haben Rotschmaltiere und -spießer schon Jagdzeit. Und genau darauf spekulierten wir ein wenig. Immerhin war Rotwild reichlich gefährtet worden, mehrheitlich aber Hirsche und nur wenig Kahlwild. Das ist aber nicht ungewöhnlich...

Ja, so ganz langsam können wir bei unserem Gemeinschaftsansitz schon von einer kleinen Tradition sprechen. Und wenn sonst der Begriff der Tradition heute gern etwas großspurig belächelt wird - wir sind schon ein wenig stolz, auf diese sich entwickelnde Tradition. In den vergangenen Jahren waren mehrfach auch User aus dem LL anwesend. Nur in diesem Jahr, da schwächelte die Truppe ein wenig. Nur einer hielt die LL-Fahne hoch.... Und darüber habe ich mich besonders gefreut...!!!

Immerhin an die zwanzig Nimrode fanden sich ein. Mir wurde schon ein wenig schwummelig, weil ich mir nicht sicher war, dass das Revier dem Ansturm gerecht werden konnte. Aber sei´s drum! Es geht ja (zumindest für uns) ganz wesentlich auch darum, mal zusammenzustehen, zu klönen, was zu essen und schließlich einen erholsamen Abend und hoffentlich auch Morgen zun genießen, der mit einem deftigen Frühstück seinen Abschluss finden sollte.

Die Truppe war ein wirklich lustiger Haufen, das wurde beim frühabendlichen Grillen ganz deutlich. Immer wieder grübelte ich, wie wir den Haufen auf die Stände verteilen könnten, um möglichst allen einen interessanten Ansitz bieten zu können. Irgendwann war es geschafft und auch ich saß in meiner Kanzel. Entspannung aber fand ich nur für kurze Zeit. Ziemlich zügig konzentrierte ich mich darauf, nach abgegebenen Schüssen zu lauschen, hoffend, dass eine erquickliche Strecke zusammenkommen würde. Und so kam es, wie es kommen musste. Das erste Stück Rehwild, das mir in Anblick kam, konnte ich nicht eindeutig als Schmalreh ansprechen....
Kaum aber war es durchgezogen, erschien ein mir bekannter Jährlingsspießer. Meine Ansage zur Freigabe deckte diesen hier auf der Strecke. Und so fackelte ich nicht lange. Wenig später schon stellte ich meinen R8 wieder ab, atmete durch und beruhigte mich. Nicht zuletzt der eine und andere Schuss in meiner Nachbarschaft trug dazu bei, dass ich mich entspannte.

Mein Smartphone surrte kurz. T. fragte an, wie entscheidungsfreudig er bei Böcken sein sollte. Wenig später fiel bei ihm ein Schuss. Meine Entspannung wandelte sich zunehmend in Vorfreude. Für 22:00 Uhr hatten wir uns am Treffpunkt verabredet. Kurz vorher erschien bei mir noch einmal ein weibliches Stück. Aber dass es ein Schmalreh war, konnte ich zu spät erst festmachen...

Am Streckenplatz lagen schließlich ein Überläufer und zwei Jährlinge. Na gut, hätte wohl mehr sein können, wenn man den Schilderungen der Freunde so lauschte. War nun aber mal so und nicht mehr zu ändern. Jeder hatte was zu berichten. Nur ganz wenige Nimrode hatten so gut wie keinen Anblick. Ein achtköpfiges Hirschrudel war aber Gegenstand ausgibiger Schilderungen und Diskussionen. Auch die Beobachtung einer großen Schwarzwildrotte, bestehend aus einem sehr sehr starken Stück, 5 starken Bachen und einer Menge Streifenhörnchen durch T. ließ uns schon ein wenig unruhig werden. Der 45-ha-Maisschlag in unserem Revier würde sicher noch Magnet für die Sauen werden. Irgendwann gegen 23 Uhr verabschiedete sich der eine oder andere Gast aus der Runde, die jüngeren unter uns beschlossen aber, gar nicht erst nach Hause zu fahren, sondern am Streckenplatz im Auto zu schlafen um dann gegen 3:30 Uhr wieder die Stände zu beziehen.

Eigentlich hatte ich ja vor, nach Hause zu fahren. T. und ich verließen nahezu zeitgleich den Platz. Kurzentschlossen aber hielt ich noch einmal am Maisschlag. Das Licht war einfach zu gut, das Wetter wirklich topp. Ich wollte noch mal über den Maisschlag schauen. So ließ ich das Auto ausrollen. T. wünschte mir noch Weidmanns Heil und fuhr dann Richtung Bett.
Mein erstes Abglasen erbrachte kein Wild. So pirschte ich an der Kante zum sogenannten Mietenplatz Richtung eines Ansitzbockes, den wir erst ein paar Tage vorher dort aufgestellt hatte. Und was soll ich sagen? Kurz bevor ich dort ankam, brach aus hohem Kraut auf dem Mietenplatz plötzlich eine Rotte Sauen weg, quer über den Maisschlag zu einem Feldsoll. Dort angekommen, wurden sie ruhiger. Na hier muss doch noch was gehen...!
Ich erklomm den Ansitzbock und richtete mich ein. Von den Sauen war aber nichts mehr zu sehen. Egal! Ich blieb. Mehrmals glaste ich das Feld ab. Und als ich schon nicht mehr daran glaubte, stand an einem anderen Soll plötzlich ein Stück Schwarzwild - nicht sehr groß. Und schon erschienen weitere Stücke. Letztlich gingen zwölz gleich große Sauen in´s Gebräch. Ich beobachtete sie angestrengt und hoffte, sie würden sich mir nähern. Und tatsächlich. Nach einiger Zeit setzte sich das erste Stück in meine Richtung in Bewegung. Schließlich waren sie noch etwa 80 Meter entfernt. Mit dem Zielfernrohr suchte ich ein Ziel und fand es. Zwanzig Minuten später stand ich vor dem verendeten 30-Kilo- Überläufer...

Die mittlerweile schlafenden Mitjäger am nur etwa 100 Meter entfernten Streckenplatz waren mit meinem Schuss alle wieder wach und warteten....

Ich muss gestehen: Schlafen im Auto ist für mich alten Sack schon etwas beschwerlicher... Aber irgendwann war es doch halb drei Uhr. Wir kamen langsam wieder zu Bewusstsein und sortierten uns. Schon zogen die ersten Mitjäger zu den Ansitzplätzen. Ich hatte beschlossen, mich noch einmal am Mietenplatz anzusetzen. Das Auto blieb am Streckenplatz stehen. Ich pirschte langsam über die Dorfstraße zum Mietenplatz. Kurz vor dem Abzweig zum Mietenplatz irritierte mich ein größerer schwarzer Klumpen auf der Straße. Der Blick durchs Zielfernrohr der eilig in Anschlag gebrachten Waffe bestätigte den Überläuferkeiler. Doch an einen Schuss war nicht zu denken, obwohl das Stück nur etwa 20 Meter von mir entfernt auf der Straße breit stand. Im Hintergrund die Häuser und die Asphaltfahrbahn - neee, das Kügelchen bleibt schön im Lauf....!

Schnell wurde es heller. Hier und da erhob sich Rehwild und zog zur Äsung. Etwa 200 Meter von mir entfernt stand ein weibliches Stück Rehwild in der Wiese. Der Habitus sprach für ein Schmalreh. Und langsam setze es sich in meine Richtung in Bewegung. In der Ferne meinte ich einen Schuss vernommen zu habe. Sicher aber war ich mir nicht. Das Stück Rehwild näherte sich mir weiter spitz. Gern hätte ich ja mal eine andere Perspektive gehabt, um sicher zu gehen. Doch das Stück tat mir den Gefallen nicht. Ziwschenzeitlich war es auf 20 Meter heran, immer noch spitz von vorn. Erst, als es unmittelbar an meinem Hochsitz war, hatte ich die erlösende Sicherheit. Ich ließ das Stück noch ziehen, bis es wieder etwa 60 Meter weg war. Dann fand die Kugel ihr Ziel...

Schnell war das Stück versorgt. Und der Blick auf die Uhr bestätigte: Zeit, das Frühstück vorzubereiten.

Letztlich konnten wir an dem Wochenende 2 Überläufer, 5 Böcke und ein Schmalreh zur Strecke legen. Eine Riesenfreude bereitete sich ein Jagdgast mit einem Dreistangenbock! Den hat er aber erst nach Rücksprache erlegt, was sehr für ihn spricht. Wir haben uns über seinen Jagderfolg sicher genau so gefreut, wie der Erleger selbst. Der konnte die Freigabe kaum glauben und war überaus dankbar...
Leider hatten wir beim Rotwild kein Glück. Dennoch sind wir mit der Strecke nicht unzufrieden. Der eine oder andere Jäger hat wohl etwas zu lange überlegt... Aber, was für uns das Wichtigste ist: es war ein unterhaltsames und durchaus erfolgreiches Jagdwochenende.
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

Rapsjaeger

Rapsjaeger

Alter: 52 Jahre,
aus Rapsfeld

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

14.06.2017 09:45 Ammerlaender
Tolle Aktion. Allen Erlegern Waidmannsheil!! schön wenn man noch unter Freunden ohne Neid und Missgunst zusammen sein kann und sich über den Jagderfolg der Anderen freut. So soll es sein und bei uns im Revier ist es auch so. Da schielt keiner auf den anderen ala das war mein Bock etc.

So macht Jagen Spaß!!
14.06.2017 11:41 R93Hunter
WMH ...

auf solchen "gemütlichen" Jagden bin ich auch gerne ...
14.06.2017 19:18 Ansitzer
Genau so soll es sein ...

Waidmannsheil allen Erlegern
15.06.2017 07:27 WildeBiene
Waidmannsheil .... Solch Wochenenden sind immer wieder schön
15.06.2017 10:09 Gento
Waidmannsheil, sehr schön !
15.06.2017 20:39 esau
Auch wenn ich dieses Jahr leider fehlte.
Bei dir zu jagen ist mir immer eine Freude unter Freunden.
Und selten geht's so entspannt wie bei euch zur Sache.
Dickes fettes Weidmannsheil zur gelugenen Jagd.
15.06.2017 22:53 Rapsjaeger
Ammerlaender schrieb:
Tolle Aktion. Allen Erlegern Waidmannsheil!! schön wenn man noch unter Freunden ohne Neid und Missgunst zusammen sein kann und sich über den Jagderfolg der Anderen freut. So soll es sein und bei uns im Revier ist es auch so. Da schielt keiner auf den anderen ala das war mein Bock etc.

So macht Jagen Spaß!!



Weidmanns Dank! Wenn die Truppe stimmt, ist mit Jagdneid nichts... Und das ist es, was uns an unseren Jagdwochenenden so gefällt...
15.06.2017 22:54 Rapsjaeger
R93Hunter schrieb:
WMH ...

auf solchen "gemütlichen" Jagden bin ich auch gerne ...


WMD - was soll ich sagen...? Ach ja, so was wird es wieder geben. Wenn der Termin steht, melde ich mich...
15.06.2017 22:54 Rapsjaeger
Ansitzer schrieb:
Genau so soll es sein ...

Waidmannsheil allen Erlegern

WMD! Wir genießen diese Ansitze auch sehr...
15.06.2017 22:55 Rapsjaeger
WildeBiene schrieb:
Waidmannsheil .... Solch Wochenenden sind immer wieder schön

So sieht es aus - WMD!
15.06.2017 22:55 Rapsjaeger
Gento schrieb:
Waidmannsheil, sehr schön !

Weidmanns Dank!
15.06.2017 22:57 Rapsjaeger
esau schrieb:
Auch wenn ich dieses Jahr leider fehlte.
Bei dir zu jagen ist mir immer eine Freude unter Freunden.
Und selten geht's so entspannt wie bei euch zur Sache.
Dickes fettes Weidmannsheil zur gelugenen Jagd.



Weidmanns Dank! Und mach dir nichts draus. Die nächste Gelegenheit kommt bestimmt! Wir arbeiten schon dran....
16.06.2017 10:02 Keiler72
Super Aktion, toll geschrieben, macht Spaß beim lesen, weiter so
Und natürlich Waidmann`s Heil !
16.06.2017 15:53 Rapsjaeger
Keiler72 schrieb:
Super Aktion, toll geschrieben, macht Spaß beim lesen, weiter so
Und natürlich Waidmann`s Heil !


Weidmanns Dank!
19.06.2017 16:27 Tannschuetz
...feine Sache sowas! Erinnert mich sehr an meine Zeit als Jagdpächter. Da haben wir solche Aktionen 2-3x im Jahr gemacht. Das ist nun leider vorbei.

Euch ein ehrliches Waidmannsheil!

...und besser 10x etwas zu lange überlegt, als 1x zu schnell fliegen lassen!
19.06.2017 20:58 Rapsjaeger
Tannschuetz schrieb:
...feine Sache sowas! Erinnert mich sehr an meine Zeit als Jagdpächter. Da haben wir solche Aktionen 2-3x im Jahr gemacht. Das ist nun leider vorbei.

Euch ein ehrliches Waidmannsheil!

...und besser 10x etwas zu lange überlegt, als 1x zu schnell fliegen lassen!


Weidmanns Dank! Ich bin eigentlich immer recht vorsichtig und warte so manches Mal auch einen Tick zu lange. Dennoch kann es mal schief gehen. Wie gestern Nacht: Überläuferkeiler beschossen. Ewig vorher auf die richtige Situation gewartet. Dann stand er aus meiner Sicht perfekt. Nach dem Schuss ist der Keiler weg - Anschusskontrolle ohne Schusszeichen. Vorhinsuche mit dem Hund erbrachte den Fluchtwechsel. Schon wenige Meter weiter bricht das Stück aus dem Wundbett weg - Abbruch. Im Wechsel ganz leichter schmutziger Schweiß in guter Höhe. Morgens wieder gesucht. Stück lag keine 100 Meter weiter verendet. Keulenschuss schräg von hinten - und ich habe keine Erklärung...
26.06.2017 16:06 kong
Dankke
30.06.2017 15:31 Birkenschock
Waidmannsheil allen Erlegern!!

Ich liebe solche entspannten Ansitze, auch wenn du als Pächter den meisten Stress hast, aber auch da finde ich deine Schilderungen super, dass dir am meisten dran gelegen ist, dass du allen anderen einen guten Anblick und Erfolg wünschst!
30.06.2017 21:34 Rapsjaeger
Birkenschock schrieb:
Waidmannsheil allen Erlegern!!

Ich liebe solche entspannten Ansitze, auch wenn du als Pächter den meisten Stress hast, aber auch da finde ich deine Schilderungen super, dass dir am meisten dran gelegen ist, dass du allen anderen einen guten Anblick und Erfolg wünschst!


Ja, Stress... Mit diesem Stress kann und will ich leben, sonst würd ich mich auf so was nicht einlassen. Alles, was du dabei mit deinen Freunden erlebst, wiegt den Stress locker auf und lässt ihn schließlich auch vergessen...
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Zum Seitenanfang