Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Alex

Am langen Riemen (2 Einträge)

. . .
666 mal angesehen
09.06.2017, 11.13 Uhr

Anfänge der Nachsuchenarbeit

Mit einem Brackerich hat man's gelegentlich nicht leicht. Ich mit meinem jedenfalls nicht. Seine Passion (und sein Hauptberuf) ist die laute Jagd, ergo war das Interesse an Kunstfährten außer in allerjüngster Jugend ziemlich gleich null. Ein Fresser ist er bis heute nicht, und sowieso unbestechlich. Für Futter macht er sicher nichts, was er im tiefsten Herzen für Schwachsinn hält. Na ja, und so ein Brackerich ist halt auch langsam, ich meine: in der Entwicklung. Sehr langsam ...

Mit gut zwei Jahren haben wir beide die GP abgelegt, und theoretisch ist er seit letzten Oktober brauchbar auf Schweiß und zum Stöbern. Mit Betonung auf "theoretisch". Vor der GP bot ich ihm absichtlich keine Echtsuchen an. Nach der GP lief er die komplette DJ-Saison auf rund 25 Einsätzen. Ergo ist in dem Dreivierteljahr seit der GP an Echtsuchen auch nicht so furchtbar viel passiert.

Nun bin ich ja weit davon entfernt, irgendwelche Ambitionen zu hegen. Ich will den Spezialisten durchaus keine Konkurrenz machen. Andererseits habe ich natürlich das Interesse, dass wir beide, Hund und Führerin, auch im Bereich Nachsuche Praxis bekommen und Erfolg haben. Er braucht Erfahrung, um das Alltagsgeschäft vernünftig meistern zu können. Hier stehen wir halt noch ganz am Anfang.

Ein paar Bergehilfen, also kurze Totsuchen auf Reh- und Rotwild nicht lange nach dem Schuss, haben wir inzwischen erfolgreich gemeistert. Hier zeigte sich jedoch in den meisten Fällen, dass mein Rüde vor lauter Überschwang zunächst am langen Riemen herumflippte, als gäbe es kein Morgen. Fast immer musste ich mit ihm einmal zurück zum Start, ihn nochmal versammeln. Dann war es stets, als hätte er einen Schalter umgelegt, als hätte er mit einem Mal begriffen, was jetzt zu tun ist.

Ich weiß nicht, ob sich das jeder vorstellen kann, diese Situation. Man ist kein Spezialist, man will auch keiner werden, man will aber trotzdem nachsuchen, in gewissem Rahmen. Der Hund soll anfangs vor allem Erfolg haben. Aufgrund der Nichtspezialisierung sind die Gelegenheiten dünn gesät, so dass zumindest ich hin und wieder der Versuchung erlegen bin, mit dem Hund was zu probieren, was ihn überfordert.

Hinzukommt, dass so eine Bracke halt mitunter schon lange braucht, um sich an wehrhaftem Wild was zuzutrauen. Womit ich zum Schwarzwild komme ...

Die erste Schwarzwildnachsuche, auf einer DJ, auf der er nicht gelaufen war wegen Verkehr. Da hatte ich den Nachsuchenkoordinator um eine passende Arbeit gebeten. Was ich bekam war eine Suche auf einen stärkeren Keiler, an einem Kaiserstand, an dem ohne Ende Wild gewechselt war, vier Sauen und ein Stück Rotwild wurden erlegt, die fünfte Sau war zu suchen. Der Fluchtweg war gut bekannt, nachschießen mangels Kugelfang aber unmöglich. So konnten wir die Vorsuche an einer Stelle abseits des maximalen Fährtenchaos beginnen. Mein Rüde zog an, arbeitete bis in einen kleineren Brombeer-Birken-Verhau bedächtig, aber zielstrebig. Ich dachte noch so bei mir, ei, der Brack geht freiwillig in die Dornen, das muss was zu bedeuten haben. Da drin aber fing er bald zu faseln an. Da ich nach wie vor null Bestätigung hatte, brach ich ab.

Ich begleitete danach die Arbeit einer jungen Hündin auf der gleichen Fährte, und es stellte sich heraus: mein Brack war vollkommen richtig gewesen. Ihn hatte maximal 20 m vorm Ziel die Courage verlassen ... Ich hätte mir in den Hintern beißen können, dass ich das nicht erkannt habe. Ich hätte ihn "bei der Pfote" genommen und jeden Quadratmeter umgedreht, damit wir nicht ohne die Sau da rausgehen ...

Zweite Nachsuche auf Schwarzwild: Da hatte er zuvor gestöbert. Es war aber kein anderer Hund greifbar. Der, der diese Jobs normalerweise macht, hatte sich am Vortag verletzt und humpelte. Wieder eine stärkere Sau. Auf relativ kurze Distanz von einer hohen Leiter beschossen. Auf den Schuss war die Sau in die Eisen gegangen: mit den Vorderhämmern hatte sie eine entsprechende Bodenverwundung hinterlassen. Sonst keine Pirschzeichen. Mein Brack tat, als wäre da überhaupt nichts. Während ich noch immer vorsuchte, fand der Schütze den Beginn einer Schweißfährte. Dort angesetzt, arbeitete mein Hund, aber wenig konzentriert und ohne den echten Willen, ans Stück zu kommen. Wir mussten abbrechen, ein Profigespann hat die Sau am nächsten Tag ebenfalls nicht bekommen. Verdacht auf reinen Wildbrettreffer durch den Nacken. Mein Rüde wird sich - in dem Moment - gedacht haben: ich bin doch nicht bekloppt! Die Sau ist voll mobil und mies drauf ... Diese Haltung entsprach einfach seinem damaligen Entwicklungsstand.

Dritte Nachsuche auf Schwarzwild, gestern: Einzelne Sau abends bei gutem Licht auf gute 100 m beschossen (nicht von mir). Wir begannen 1,5 Stunden nach dem Schuss. Anschuss relativ genau bekannt, keine Pirschzeichen. Wie üblich machte mein Hund auf der ersten Runde erstmal nur Chaos ... Viel Rotwild dort, was offenbar jede Menge interessanter Ablenkung ergab. Also wie üblich: zurück auf Los, Hund versammelt, Zigarette geraucht, auf ein Neues. Wieder das bekannte Phänomen: Hund wie ausgewechselt, bewindet mit tiefer Nase bedächtig und gründlich den Anschussbereich und zieht in die (bekannte) Fluchtrichtung. Es dauerte nicht lang, da bekomme ich gerade noch so mit, dass die Sau direkt vorm Hund aus dem Wundbett hoch wird.

Okay. Das war natürlich nicht geplant, aber wir waren gerade mal 60 m vom Anschuss entfernt, und ich hätte weiter als 100 m sowieso nicht weggesucht, wenn ich weiter keine Bestätigung gefunden hätte. Das Wundbett zeigte wenig, war frisch schon kaum zu sehen, am nächsten Morgen fast gar nicht mehr zu erkennen (siehe Foto). Wässerig-schleimig, etwas dunkelroter Schweiß. Ich tippte auf waidwund und vertagte die Angelegenheit auf den nächsten Morgen. Das war mir für eine Nachtsuche eindeutig zu heiß.

Heute früh um 06:30 Uhr wieder vor Ort. Das markierte Wundbett angesteuert, Hund angesetzt. Es wurde eine kurze Suche. Die Sau war ca. 25 m entfernt von dem Punkt verendet, wo wir sie gute anderthalb Stunden nach dem Schuss hochgemacht hatten. Ein properer Frischlingskeiler, ca. 35 kg aufgebrochen. Einschuss MOP (midden op de Pans), Ausschuss kurz vor der Keule, tief.

Das hört sich jetzt alles gar nicht so großartig an, aber für uns war's eben die erste erfolgreich nachgesuchte Sau. Und damit ein echtes Highlight und eine gewisse Zäsur. Ich merke einfach, wie mein annähernd dreijähriger Rüde sich immer noch weiterentwickelt. Und bin guter Dinge, dass wir halbwegs auf dem rechten Pfad sind.

offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

Heide_Unterfranken

Heide_Unterfranken

Alter: 46 Jahre,
aus Gemünden a.M.
Anzeige

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

10.06.2017 00:24 sau_hund
Selten das jemand so ehrlich, auch über Misserfolge, berichtet. RESPEKT
Ein Knackpunkt ist natürlich noch ob der Brackerich eine vor ihm hochwerdende Sau stellt bzw. niederzieht (Frischlinge), ansonsten wird bei stärkeren Stücken oder noch schlechteren Schüssen das Aufmüden ohne sofortige Hetze zu kilometerlangen Nachsuchen oft ohne Erfolg führen.
Ist der Hund denn bei den vielen Drückjagden nie an eine angeschweißte Sau gekommen?
Bei meinem Brackerich bot sich sehr früh mehrfach die Möglichkeit das er einen angebleiten Frischling (30 kg - Klasse) hält und ich ihn mit der blanken Waffe abfange. Das war prägend!
Bei diesen Jagden hat er auch gelernt das man die großen Schweine zwar bedrängen muss um sie zu stellen, doch auch Vorsicht angebracht ist.
Heute im Alter von über 8 Jahren d.h. 6 Jahre voll im Einsatz ist er auf dem Höhepunkt seiner Karriere, da kann passieren das er auch mal einen gesunden 35 kg - Frischling fängt. Interessanterweise greift er bei Schwarzwild immer von oben zu........
Ich denke ihr seid als Gespann auf dem richtigen Weg, weiterhin viel Freude und Brackenheil!
18.06.2017 13:36 sbsax
Gut geschrieben. Schätze, nichts geschönt. Ich konnte mitfühlen
07.07.2017 13:46 Carcano
Hervorragend geschriebener Beitrag; differenziert, introspektiv, kritisch und mit Humor.
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Anzeige
Zum Seitenanfang