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(1 Eintrag)

Hegeabschuss 1 Hegeabschuss 2 Hegeabschuss 3
536 mal angesehen
17.05.2017, 13.16 Uhr

Ein emotionaler Ansitz ...

Ich kann mich noch sehr gut an den Herbst 2015 erinnern. Der Mais war schon lange abgeerntet und die Sauen kamen nur noch selten aus dem Forst auf die Felder, um diese nach Maisresten abzusuchen. Doch durch die fehlenden Feldfrüchte hatte man eine wunderbare Fernsicht, wenn auch das Wild sich wie so oft fast immer weit außer Schussweite zeigte.
So kam es, dass ich bei gutem Mond im Oktober auf rund 400-500 m einen kranken Keiler auf einer abgeernteten Fläche ausmachen konnte, der vorne rechts scheinbar eine Verletzung am Lauf hatte, als ich mitten in den Feldern ansaß. Er kam nur mühsam vorwärts und knickte auch des Öfteren ein. Ein Anprischen war nicht möglich, zumal er nicht vollends die Fläche betrat und sich immer in der Nähe der Waldkante aufhielt, der Mond desweiteren in voller Pacht am Himmel und der Wind genau in Richtung des Stückes stand. Und so kam es auch, dass trotz aller Überlegungen wie ich dem Stück auf die Schwarte rücken könnte, dieses wieder verschwunden war.
Ich möchte mich wirklich nicht als sentimental bezeichnen, aber dieser Anblick ging mir schon durch Mark und Bein. Erschwerend kam hinzu, dass ich in den Folgenächten nicht Ansitzen konnte, da die Jagdgelegenheit weiter entfernt lag und ich für Hin- und Rückfahrt immer zwischen 5-6 Stunden einplanen musste. Doch der Anblick ließ mich nicht los, ich hatte zwar das Stück umgehend gemeldet, aber ich wollte auch helfen es zu erlösen. Vom Körperbau sprach alles für einen Keiler der um die 60-70kg hatte und zudem allein umher zu ziehen schien. So blieb ich am Ball und wann immer ich es Einrichten konnte saß ich, immer auch in der Hoffnung das kranke Stück in Schussentfernung vor zu bekommen.

So kam das letzte Wochenende im November und der Mond war wieder dabei die Flächen von Nacht zu Nacht besser auszuleuchten. Ich fuhr schon freitags ins Revier und wollte das Wochenende für die Jagd nutzen. Am Abend saß ich schon relativ zeitig und der Mond sollte um Mitternacht noch mit 0,7 leuchten.
Ständig gingen mir die Bilder durch den Kopf, die ich den Monat zuvor gesehen hatte und auch in der Zwischenzeit waren sie präsent, wenn ich ans Revier denken musste. Ich glaste alle Flächen ab und hatte mich diesmal auf eine andere Kanzel gesetzt, die ebenfalls mittig zwischen den Feldern stand und eine gute Sicht auf die Waldkante des Forstes erlaubte. Ferner erlaubte mir diese Kanzel auch eine Pirsch, doch die ganze Bühne schien an diesem Abend leer zu sein. Die Temperaturen reichten schon deutlich an den Gefrierpunkt heran und trotz dass wir Mond hatten, verhüllten ab und an Wolken sein Licht.

Ich hatte mich gemütlich eingerichtet und plante so im Hinterkopf bis zu um zwei bis drei des Morgens zu sitzen. Alles war an Bord, Kaffee und was zu Essen und da ich ungerne friere lief auch meine kleine Kanzelheizung. Auch den Pirschstock hatte ich griffbereit stehen und Wochen zuvor hatte ich auf viele Kanzeln Dachlattenreste gelegt, die eine sichere Auflage erlaubten. Es war zwar nicht sehr hell, aber mit Mal fing es leicht zu Neuen an und das ganze Grau wurde langsam von einem Hauch Puderzucker gleich überzogen. Aber es tat sich einfach nichts, nicht mal ein Stück Rehwild oder einen Fuchs konnte ich ausmachen, die mir sonst immer sicher zu Anblick kamen. Ich saß schon ein paar Stunden und die Uhr näherte sich langsam aber beständig Mitternacht. Immer und immer wieder glaste ich die Flächen ab doch Hubertus wollte mir diese Nacht scheinbar nicht zur Seite stehen, doch was war das …

Fast im toten Winkel der Kanzel konnte ich plötzlich auf ca. 200m ganz links etwas Schwarzes ausmachen, dass aber scheinbar still verhoffte und dem Aussehen nach eher einem verwittertem Strohbund nahe kam, als irgend einer Kreatur. Etwas unsicher hinterfragte ich mich, hast du da schon mal vorher hingeschaut oder spielt der wandernde Mond oder die leichte Neu dir mal wieder einen Streich …
Ist jetzt mal wieder der Punkt erreicht, wo die Maulwurfshaufen vor lauter Abglasen das Laufen anfangen? Ich tat einen einen zweiten Blick und öffnete dazu auch das Fenster ein wenig, aber ich konnte keine Bewegung ausmachen. Etwas fragwürdig lehnte ich mich zurück, zündete mir eine Zigarette an und tätigte einen Schluck Kaffee, der wie ich feststellen durfte mal wieder in der Tasse kalt geworden war.
Was ist das, was du da gesehen hast, nein das war doch vorhin noch nicht da und du hast zuvor doch durch die Tür desöfteren auch den toten Winkel kontrolliert. Ich ließ die Zigarette in den Aschenbecher fallen, öffnete die Kanzeltür und glaste auf das Etwas, das immer noch am selben Fleck war. Dann plötzlich eine kleine Bewegung - was bist du ???

Eine Sau konnte es nicht sein, geschweige denn der laufkranke Keiler redete ich mir ein, denn das was sich da bewegte ließ nicht ein Merkmal eines Stück Wild erkennen, aber das Etwas bewegte sich ganz eindeutig, wenn auch sehr langsam mitten auf dem Feld. Ist das vielleicht ein Besoffener, der sich im Rausch verlaufen hat und ein Nickerchen gemacht hatte? Möglich wäre es, aber ich war weit weg vom Dorf das im Tal lag und so harkte ich diese Option auch als kaum vorstellbar ab.
Das Etwas hatte sich mittlerweile weiter aufs Feld geschoben und ich konnte die Tür schließen, da ich es nun spitz links im Fenster gut in Anblick bekam. Meine schmale Dachlatte tat mir guten Dienst, denn ich konnte sie so legen, dass ich völlig entspannt meinem Ellenbogen abstützen konnte, als ich mit dem Glas auf dem Etwas drauf blieb. Nicht im Entferntesten dachte ich daran meine Waffe hochzu- nehmen, ich konnte ja nicht einmal sagen was ich da vor hatte.

Ich war mittlerweile fast 10 min. auf dem Etwas drauf, das immer noch langsam aber beständig sich auf dem Feld bewegte. Doch so sehr ich mich anstrengte, auch unter zu Hilfe meiner Lampe, ich konnte es nicht ansprechen. Kein Licht das reflektierte - einfach nichts war eindeutig zu zuordnen. Das Etwas schob sich einfach irgendwie übers Feld und ich blieb fest mit dem Glas drauf.

Dann plötzlich änderte sich das Aussehen, es wurde größer (höher) und plötzlich konnte ich die Kontur eines Stück Schwarzwilds ganz klar erkennen. Bis dahin war ich völlig ruhig, doch aus dem Nichts schoß mein Puls dermaßen nach oben, dass ich den Herzschlag in den Ohren hören konnte. Nun hatte ich keinen Zweifel mehr und die Waffe kam in Anschlag. Es sollte aber noch eine Zeit vergehen, bis ich zum Schuss kommen sollte, denn das Stück zeigte mir seinen Pürzel, einen sicheren Schuss konnte ich so nicht antragen.
Es stand zwar nun geringfügig näher (ca. 180m) aber auf die Distanz wollte alles genau überlegt sein. Trotz das mein Herz wie verrückt schlug, stand mein Leuchtpunkt ganz ruhig auf dem Stück und dann nach einer gefühlten Ewigkeit ging das Stück langsam breit. Dabei konnte ich auch erkennen, dass es sich um das laufkranke Stück handelte, es stand auf dem linken Vorderlauf und humpelte. Von den damals geschätzten 60-70 kg fehlte ein Teil, aber es war eindeutig das gleiche Stück, welches ich einen Monat zuvor vor hatte.

Ich korrigierte noch mal meine Auflage und ging sauber auf die ca.180m in Anschlag. Der Schuss musste sitzen, das war mir klar, denn ich wollte dem Stück kein weiteres Leid zufügen. Als es sauber rechts breit stand, schickte ich meine 30.06 mitte Kammer auf die Reise.
Ich lud flucks eine neue Patrone in meine BBF, die ich in der Hutkrempe stecken hatte und ging wieder in Anschlag. Noch etwas Blind durch den Mündungsblitz kam ein schwarzer Klumpen im ZF zum Vorschein, dort wo eben das Stück noch stand als ich fliegen ließ. Aber da bewegte sich nichts mehr und so machte ich mich nach einiger Zeit und vielen Kontrollblicken durch das Glas dann auf den Weg zum Stück. Auf den letzten 50m verhoffte ich noch einmal und näherte mich danach langsam mit schussbereiter Waffe - doch das Stück hatte seinen letzten Atmenzug bereits getan ...

Welch Last fiel da von meinem Schultern, da lag er – der laufkranke Keiler. Sechs Meter ist er noch vom Anschuss gegangen, bevor er endgültig zu liegen kam und von seinem Leid erlöst war. Die ganze Aktion hat etwas mehr als 20 min. gedauert, die zwischen dem Sehen des undefinierbaren Etwas und dem Schuss lagen. Als ich wieder runterkam rief ich einen Mitjäger aus dem Dorf an und bat um Hilfe bei der Bergung des Stückes, welches im weichen Acker lag. Kurze Zeit später kam er und als ich ihm das Stück zeigte, schüttelte er nur mit dem Kopf. Obwohl der Schuss sauber Kammer lag, würde er nie auf solch eine Entfernung ein Stück erlegen, das wäre ihm zu unsicher. Rund 100m mussten wir das Stück vom Acker bis an den Weg ziehen, den Rest erledigte dann sein Auto. Er zog es bis zu meinem Auto und dort versorgte ich es dann.

So ein emotionales Gefühl hatte ich bis dahin noch nie bei einem Ansitz erlebt und auch im Nachgang möchte ich mir wünschen, nie wieder einem so leidenden Stück helfen zu müssen, wenn auch ich es als eine Pflicht ansehe ...
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Kommentare

17.05.2017 13:58 Gangloff
Weidmannsheil!
Gut geschrieben. Wie schwer oder wie alt war er denn nun wirklich?
Jäger aller Zeiten wurden nie nach der Größere oder
Länge ihrer Strecke beurteilt sondern immer danach
wie sie diese gemacht haben.
17.05.2017 14:08 Reven
Wir haben ihn damals auf 2 Jahre geschätzt und 47 kg zeigte die Waage noch als er am Haken hing ...
Bild ...
17.05.2017 16:22 CH66
Waidmannsheil auch wenn schon eine Zeit her
sehr schön erzählt
17.05.2017 16:50 Reven
CH66 schrieb:
Waidmannsheil auch wenn schon eine Zeit her
sehr schön erzählt

WMD und Danke.
Ich habe die Geschichte mal in Worte gefasst, da Gangloff einen solchen Thread aufgemacht hat, wo es um die Härte und das Erdulden von Schmerzen beim SW geht. Da ist mir mein damaliger Ansitz wieder durch den Kopf gegangen und weil ich die Geschichte nicht in den Thread schreiben wollte, habe ich sie hier eingestellt. Aber Auslöser ist eindeutig unser lieber Gangloff ...
17.05.2017 17:08 Tannschuetz
Nachträglich ein Dickes Waidmannsheil Reven!

des Nachts auf 180m ist machbar wenn alle Faktoren stimmen:

- Entfernungsmessung/Kenntnis der Entfernung
- trainierter und geübter Schütze ohne Jagdfieber
- gute 3-Punkt-Auflage, sicheres Abkommen
- ballistische Kenntnisse seiner Laborierung

Jeder bei dem einer der 4 Faktoren nicht zutrifft, sollte es besser nicht "versuchen"!

... wer viel auf Schwarzwild sitzt wird immer wieder mal ein verkrüppeltes Stück in Anblick bekommen. Habe selber schon einige davon erlegt. Meist sind sie sehr standorttreu. Gerade im Moment habe ich immer wieder eine 3-beinige, führende Bache in einer Rotte bestätigt. Sobald die Frischlinge der Rotte selbständig sind werde ich versuchen sie zu bekommen.
17.05.2017 17:10 Reven
Tannschuetz schrieb:
Nachträglich ein Dickes Waidmannsheil Reven!

des Nachts auf 180m ist machbar wenn alle Faktoren stimmen:

- Entfernungsmessung/Kenntnis der Entfernung
- trainierter und geübter Schütze ohne Jagdfieber
- gute 3-Punkt-Auflage, sicheres Abkommen
- ballistische Kenntnisse seiner Laborierung

Jeder bei dem einer der 4 Faktoren nicht zutrifft, sollte es besser nicht "versuchen"!

... wer viel auf Schwarzwild sitzt wird immer wieder mal ein verkrüppeltes Stück in Anblick bekommen. Habe selber schon einige davon erlegt. Meist sind sie sehr standorttreu. Gerade im Moment habe ich immer wieder eine 3-beinige, führende Bache in einer Rotte bestätigt. Sobald die Frischlinge der Rotte selbständig sind werde ich versuchen sie zu bekommen.

WMD, ich drücke Dir fest die Daumen ...
17.05.2017 17:33 Gangloff
Tannschuetz schrieb:
Nachträglich ein Dickes Waidmannsheil Reven!

des Nachts auf 180m ist machbar wenn alle Faktoren stimmen:

- Entfernungsmessung/Kenntnis der Entfernung
- trainierter und geübter Schütze ohne Jagdfieber
- gute 3-Punkt-Auflage, sicheres Abkommen
- ballistische Kenntnisse seiner Laborierung

Jeder bei dem einer der 4 Faktoren nicht zutrifft, sollte es besser nicht "versuchen"!

... wer viel auf Schwarzwild sitzt wird immer wieder mal ein verkrüppeltes Stück in Anblick bekommen. Habe selber schon einige davon erlegt. Meist sind sie sehr standorttreu. Gerade im Moment habe ich immer wieder eine 3-beinige, führende Bache in einer Rotte bestätigt. Sobald die Frischlinge der Rotte selbständig sind werde ich versuchen sie zu bekommen.


Gut so. Die Erlegung solcher Stücken hat immer den Vorrang vor allem Anderen. Ich habe selbst im jugendlichen Übermut einen Überläufer einen Gebrechschuss angetragen und wurde von meinem Vater auf alles andere Wild gesperrt bis ich das Stück an den Haken hängen konnte. Das war erzieherisch sehr wirksam.
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