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Fangschutz-Tierschutz

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28.04.2017, 19.38 Uhr

Etwas Ballistik

Praktische Jagdballistik: (+) Fleckschuss oder GEE

Jäger theoretisieren gerne über waffen- und munitionsbezogene Dinge, über deren Zusammenhang nur eine vage Vorstellung besteht. Ein beliebter Streitpunkt ist, ob eine Waffe auf eine bestimmte Entfernung mit Fleckschuss (+) oder auf die günstigste Einschussentfernung (GEE) eingeschossen werden sollte.

Die von der Munitionsindustrie herausgegebenen Schusstafeln gehen bei den europäischen Firmen in der Regel von 5 cm (in Tabelle 2 gelb) und bei den amerikanischen von nur 4 cm Visierhöhe aus. Aus der für eine bestimmte Patrone angegebenen GEE gehen die Zwischenwerte aus der Flugbahn hervor. Diese werden pauschal gegeben und berücksichtigen nicht eine in der Praxis davon abweichende Visierlinie.

Visierhöhe ist Bezugspunkt
Bei jeder Flugbahn ist neben der V°, also der Anfangsgeschwindigkeit des Geschosses, die Visierhöhe angegeben. Wer seinen Drilling oder die Bockbüchsflinte auf die GEE (Günstigste Einschuss-Entfernung) seines Repetierers einschießt, hat zwar auf dessen Fleckschuss eingeschossen, aber eben nicht seine Kombinierte auf GEE. Wer hier einen Widerspruch sieht, der möge bedenken:

Werden zwei Waffen auf die gleiche Entfernung, in unserem Fall auf 166 m eingeschossen, verläuft die Flugbahn, abhängig von der Visierhöhe mehr oder weniger abweichend von der Visierlinie. Während für den Repetierer die Flugbahn bei GEE auf 100 Meter 4 cm über der Visierlinie ansteigt, bringt es der Drilling mit 8 cm Visierhöhe bei gleichem 166 m nur auf etwa +2,8 cm. Das hängt damit zusammen, dass sich die Kreuzungspunkte von Visierlinie und Flugbahn unterschiedlich weit vor der Mündung befinden. Bei gleicher Einschussentfernung (also unseren 166 m) kommt das Geschoss aus dem Drilling erst nach 55 m auf Visierhöhe, während das bei nur 5 cm Visierhöhe schon bei knapp 40 m der Fall ist. Das gleiche gilt genauso für den zweiten Kreuzungspunkt bei spezifisch gewähltem, bzw. der GEE.

In beiden Fällen beträgt der Tiefschuss bei einem Nahschuss auf etwa 25 m, bezogen auf die Visierlinie, etwa 3 cm und verringert sich auf 50 m bis auf knapp 2 cm. Wie sich das bei verschiedenen Kalibern und unterschiedlichen Visierhöhen darstellt, geht aus nachstehender Tabelle hervor. In den meisten Fällen ist die Flugbahn auch für den Schuss über Kimme und Korn angeben.

Alle Angaben wurden mit der ballistischen Software von „Quick Load“ berechnet und können bei Basierung auf gemessene Werte etwas abweichen. Als vergleichende Werte sind diese jedoch als jagdlich brauchbar zu verwenden.

Anders verhält es sich, wenn der Drilling auf GEE eingeschossen wird, denn da legt man die Flugbahnhöhe auf 4 cm fest. Nachdem wir die +4 cm auf 100 Meter als Fixpunkt beachten wollen, verschiebt sich nur aufgrund der zum Repetierer 3 cm höheren Visierlinie die GEE um von 166 um immerhin 17 Meter auf 183 Meter hinaus.

Mit welcher Waffe auch mit der gleichen Patrone auf 166 Meter (+) oder GEE geschossen würde, auf 50 m beträgt die Differenz nur ca. 1,5 cm. Der Unterschied ergibt sich wieder aus der Visierlinienhöhe und der Entfernung, auf welcher die Flugbahn das erste Mal die Visierlinie schneidet. In der Tabelle 1 und der Skizze sind der erste Fleckschuss 37, 55 und 50 Meter in blau angegeben. Die gesamte Flugbahn-Bandbreite beträgt auf GEE beim Repetierer 9 (-5 zu +4), beim Drilling jedoch 12 (-8 zu +4) cm.

Was sich auf große Entfernungen ausgleicht, fällt auf nahe Schussweiten umso mehr auf. Bei tiefem Anhalten und steilem Schusswinkel, z.B. von hoher Kanzel auf 25 Meter ist schon ohne zu „mucken“ schnell unten durch geschossen oder nur der Brustkern gestreift.

[up.picr.de]

oben : Niedrigst montiertes Glas auf einer BBF mit obenliegendem Büchslauf, r
Unten: ein 42er-Zielfernrohr mit SEM auf einem Repetierer

[up.picr.de]


Einschießen von Drilling und Bockbüchsflinte
Will man Randpatronen vergleichen, sollte man eine Kipplaufbüchse einem Drilling oder einer Bockbüchsflinte gegenüberstellen. Eine beliebte leistungsstarke Randpatrone ist die 7x65R mit 11,2g HMtl-Geschoss. Bei einer Visierhöhe von 4 cm liegt lt. „Quick Load“ bei 166 Metern, was z.B. mit einer Kipplaufbüchse erreicht wird. Wie man letztlich einen Drilling oder die Bockbüchsflinte überhaupt einschießen soll, zeigt die ganze Problematik zwischen einem um die 120 Meter gewählten Fleckschuss und der als jagdlichem Standard geltenden GEE allein unter Berücksichtigung der waffenseitig gegebenen Visierhöhe. Der Fleckschuss in Tabelle 1 von 166 Meter hat beim Drilling zwar nichts mit GEE zu tun, ist aber jagdpraktisch gesehen sinnvoller.

Nun fällt der 4 cm - Hochschuss auf 100 Meter nicht immer mit der Scheitelhöhe der Flugbahn zusammen. Bei sehr niedriger Visierhöhe und sehr langsamen Geschossen liegt sie näher, bei hoher Visierung und V° entsprechend weiter als 100m. Für die Nr. 4 aus Tabelle 1 ist das als Grafik dargestellt. Die Höhendifferenz der Flugbahn zwischen Scheitelhöhe und TPL auf 100 m bei 5 cm Visierlinie bewegt sich jedoch im Millimeter-Bereich und ist zu vernachlässigen.
[up.picr.de]
Nun setzen sich Jäger in Kenntnis ihrer persönlichen Schießfertigkeit gelegentlich ein Limit hinsichtlich der jagdlichen Schussweite. Wie sich das bei einem individuell gewählten (+) oder bei GEE auswirkt, zeigt das Beispiel aus Tabelle 2 Nr. 5 bei 5 cm Visierhöhe.

Bis 150 m ist die sich daraus ergebende TPL zu vernachlässigen. Erst bei 200 m zeigt sich der Vorteil der GEE, aber immer vorausgesetzt, dass sich das dann auch in der jagdlichen Praxis nutzen lässt.
[up.picr.de]

Schon weil es wenige Schießstände gibt, auf denen sich auf 150 oder gar 200 m schießen lässt, wird von 100 m auf die TPL bei größeren Schussweiten geschlossen. Jagdlich würde das grundsätzlich auch zutreffen, falls die zumindest die Werksangaben bei der V° stimmten. Nicht zu vergessen, dass der Schütze seinerseits „wie Gift“ schießt.

Neben der in vielen Fällen kaum oder nicht nutzbaren GEE, wird die Flugbahn sogar noch darüber hinaus mit einbezogen. Als „jagdlich nutzbare Reichweite“ gilt dann diejenige Entfernung, bei der die TPL auf 4 oder 5 cm unter die Visierlinie abfällt. In den Tabellen 2 und 3 ist das in der letzten Spalte vermerkt.

Jagdlich nicht uninteressant ist auch der Nahbereich bis 50 m, weil hier je nach Visierhöhe ein beträchtlicher Tiefschuss zu beachten ist. Fünfzig Meter dürfen als Drückjagd-Entfernung etwa die Regel sein, wobei die TPL-Abweichungen in der Schützenstreuung oder etwaiger Parallaxenfehler in der Zieloptik untergehen. Vor allem im Bereich bis 50 Meter lässt sich die tatsächliche TPL auf 25 oder gar 10 m nur durch praktische Schießversuche ermitteln. Häufig bekommt man aber auf so kurze Entfernung Ziel und das Absehen nicht mehr gleich scharf. Nur wenige Zielfernrohre haben überhaupt einen “PA“ (Parallaxe-Ausgleich). Es ist zudem erstaunlich, wie man zur Behauptung kommt, dass man auf größere Entfernung besser treffen würde, als auf nahe Ziele.

[up.picr.de]

Zeiss-Zielsechs mit einer hohen Durchblickmontage
auf einer Mauser-Büchse mit 6 cm Visierhöhe

Es ist zu verstehen, wenn diese Zahlenflut eine schwer verdauliche Kost ist. Es kann aber nicht schaden, sich einmal damit zu befassen aber sich dabei bewusst zu sein, dass es sich um rechnerisch ermittelte Werte handelt, die in der Praxis abweichen können. Sich an Millimeter in Schusstafeln hinzuhängen, aber selbst nur „gröbere Einheiten“ abzuliefern, führt zwangsläufig zu Differenzen, die sich jagdlich auswirken.

Völlig unklar ist außerdem, wie es mit der Streuung bei 100 Meter, bei GEE und gar darüber hinaus aussieht. Dabei ist die Leistung der Waffe und die des Schützen nicht getrennt, sondern als Gesamtheit zu sehen. Wird nicht nur hochgerechnet sondern „in echt“ geschossen, führt das in aller Regel zu einer Ernüchterung und das auf jede Schussweite.


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SirHenry

SirHenry

Alter: 81 Jahre,
aus Fürth
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Kommentare

29.04.2017 09:14 montero
Besonders wichtig finde ich in diesem Beitrag die Hinweise beim Schießen durch das ZF im Nahbereich! Ich habe es schon mehrfach erlebt, wie auf nahen Entfernungen unterschossen wurde. Wmh, montero
29.04.2017 09:30 SirHenry
montero schrieb:
Besonders wichtig finde ich in diesem Beitrag die Hinweise beim Schießen durch das ZF im Nahbereich! Wmh, montero


Genau so ist es. Bei auf kurze Entfernungen "angedachten" Trägerschüssen führt der "vergessene" Tiefschuss zu ganz fatalen Treffern.
07.07.2017 20:22 Jager11
Hallo Henry, schön, dass Du die Mathematik so präzise erklärt hast, aber der "Normaljäger" wird sich immer noch schwer tun.
Du wolltest es sicher nicht noch anstrengender machen, aber ein nicht zu verachtendes Problem dürften in der Praxis die Schüsse auf größere Entfernungen bei größeren Geländeneigungen darstellen, insbesondere auch bezüglich der Lage des anzuvisierenden Zielpunktes (Silhouette!).
Waidheil, Jager11
07.07.2017 21:11 SirHenry
[quote]Jager11 schrieb:
Hallo Henry, schön, dass Du die Mathematik so präzise erklärt hast, aber der "Normaljäger" wird sich immer noch schwer tun.
Du wolltest es sicher nicht noch anstrengender machen, aber ein nicht zu verachtendes Problem dürften in der Praxis die Schüsse auf größere Entfernungen bei größeren Geländeneigungen darstellen, insbesondere auch bezüglich der Lage des anzuvisierenden Zielpunktes (Silhouette!).
Waidheil, Jager11[/quote

Hätte ich sicher auch machen können. Aber da die bundesdeutsche Durchschnittsschussweite bei um 80m liegt, habe ich mich mal auf die näheren und nicht auf weitere Schüsse "eingeschossen"
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