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15.04.2017, 10.30 Uhr

Kanzelbau im Alleingang

Kanzelbau im Alleingang

Wenn ein Revier von einer Pächter- oder Jägerkameradschaft bejagt wird, werden auch die jagdlichen Einrichtungen gemeinsam erstellt. Wie man sich in einem kleinen Pirschbezirk als „Alleinunterhalter“ behelfen kann, wird nachstehend aufgezeigt.

[up.picr.de] 2 m Höhe reichen

[up.picr.de] 380m im Blickfeld

[up.picr.de] Arm- und Gewehrauflage

Dichter Wald und lange Wege
Mit dieser Kurzformel lässt sich die jagdliche Situation in den im Umbau begriffenen Wäldern beschreiben. Querab der Waldwege und Forststraßen verdeckt der Jungwuchs jedes Stück Wild, das den Jäger oft früher wahr nimmt als umgekehrt. Im Gegensatz zu extrem kurzen Schussentfernungen eröffnen sich dafür an Straßen, Schneisen und Rückegassen Sicht- und Schussweiten, die denen in der Feldmark entsprechen. Als sich abzeichnete den PB länger bejagen zu können, habe ich ab 2000 begonnen, an mir geeignet erscheinenden Plätzen Ansitze zu bauen.

An solchen bejagungsmäßigen Problempunkten ist die Errichtung einer etwas aufwendigeren jagdlichen Einrichtung, zumal im Wald, schon vertretbar. Im aktuellen Fall war es nicht erforderlich, eines der üblichen Ungetüme zu bauen, sondern es sollte eine Kanzel sein, die vor allem Sicht-, Wind- und Regenschutz bot. Den waldbaulichen Gegebenheiten entsprach bereits eine Sitzflächenhöhe von zweieinhalb Metern.

Die Dachhöhe kam damit auf drei Meter achtzig. Eine größere Höhe hätte bedeutet, zu sehr „in die Äste“ zu kommen, was mit entsprechendem Ausschneiden verbunden gewesen wäre. Das Außenmaß von 1,20 x 1,40 m erlaubt die Nutzung durch zwei Personen. Die Planung erfolgte aber dahin gehend, dass die Errichtung ganz ohne zweiten oder gar dritten Helfer möglich war.

Fest verankert.
Von 4,5 m langen Rundholzständern ausgehend, die 70 cm tief eingegraben wurden, erfolgte der weitere Aufbau quasi von unten nach oben. Um von einer halbwegs rechtwinkeligen Grundfläche auszugehen, wurden die Pfosten mittels einer Schablone platziert und mit der Wasserwaage senkrecht ausgerichtet. Die vier Pfosten waren die schwersten Bauteile, aber mit ca. 30 kg noch zu „händeln“. Mit einer Ramme in Form eines schweren Schlägels fest gestampft, standen die Kanzelfüße schon ohne Verstrebung ausreichend fest.
Kleiner Nachtrag: Die oben erwähnten eingegrabenen Ständer waren nicht gegen Fäulnis geschützt und sind nach 5 Jahren abgefault. Nun auf Steine gestellt und mit Eisen gesichert, ist die Haltbarkeit für die nächsten Jahre gewährleistet.

In einer Höhe von zwei Meter wurde von der Erde aus der Rost für den Kanzelboden angebracht, anschließend die Leiter angebaut und danach der Fußboden gebrettert. Von der nun vorhandenen Plattform aus wurde zunächst die Vorderfront aus quer aufgenagelten Brettern, die beiderseits zwei Zentimeter überstehen, bis zur Fensteröffnung hoch gezogen. In gleicher Bauweise folgten die rechte Wand sowie die halbe Breite der Türwand.

Die Rückwand wurde bis zur halben Breite längs verschalt und nur in der Breite des „Rückfensters“ quer. Dadurch ließ sich erreichen, alles ohne Leiter zu befestigen. Auf annähernd gleicher Höhe liegen die nach oben klappbaren Fensterläden, wobei der vordere und rechte jeweils die gesamte Kanzelbreite abdecken bzw. frei geben. Die Konstruktion der Läden ist eine Eigenerfindung, die außer den Scharnieren nur aus Holzbauteilen besteht.

Klappe halten
Der Schließmechanismus der Fensterläden ist für eine Hochklappversion spartanisch und wirkungsvoll zugleich. Er zeichnet sich durch wenige Teile und geringe Geräuschentwicklung aus. Die jeweilige komplette Einheit, also die Befestigung mit dem Laden wurde, wie schon die Querbretter, von der Bodenplattform aus befestigt. Näheres geht aus den Fotos hervor.

Der Vorteil besteht darin, dass keinerlei Streben, Haken oder ähnliches in die Öffnung hinein ragen und die Sicht oder die Waffenauflage behindern. Das „Sperrholz“ stützt sich an geeigneter Stelle oben ab und hält so selbst schwere Frontladen, ohne die Halteschraube zu belasten. Auf diese Weise werden alle fünf Fensterläden offen gehalten. Für den Verschluss werden Drehwirbel aus Holz verwendet.

Oberhalb der Scharnierebene erfolgt die restliche Verschalung bis zur Dachhöhe. Die 60 cm breite Türe ist in Bretterbauweise das schwerste „Trumm“ und wurde als letztes Teil angebracht. Das untere Scharnier konnte von der Leiter aus verschraubt werden, das obere von oben durch das noch fehlende Dach. Die Türe ist ebenfalls mit einem Fensterladen ausgestattet, so dass die Rundumsicht über 300 Grad beträgt.

Das Dach sollte leicht, wasserdicht und dauerhaft sein. Die Wahl fiel auf Wellbitumenplatte in der Größe 190 x 95 cm, die unter der Marke „Onduline“ zum Stückpreis von ca. € 9,50 angeboten werden. Auf einen Lattenrost aufgenagelt, wurde das komplette Dach von außen mit einem Seil hoch gezogen und von innen mit Metallbändern am Dachrahmen verschraubt.

Der Innenausbau
ist jagdpraktisch ausgelegt und berücksichtigt die bis 200 Meter mögliche Schussweite durch fest angebrachte umlaufende Armauflagen. Eine umsteck- und verschiebbare Waffenauflage erlaubt sauberes Abkommen für nahe und weite Schüsse. Die 40 cm breite Sitzfläche und die Rückenlehne sind mit Teppichboden belegt. Der Belag des Fußbodens ist zwecks leichter Reinigung herausnehmbar.

An Baumaterial wurden halbzöllige Bretter verwendet, die mir ein ehemaliger Waldarbeiter zur Verfügung stellte. Rundholz lieferte das Forstamt. Vernagelt wurden Drahtstifte in den Längen 60, 80 und 120 cm. An weiteren Metallteilen mussten 12 Scharniere für die Läden und die Türe sowie vier Laschen für die Dachbefestigung eingekauft werden.

Die gesamte Bauzeit betrug übrigens 32 Stunden und wurde an vier Wochenenden, jeweils Freitag nachmittags und Samstag vormittags mit je 4 Stunden abgeleistet. Um der UVV genüge zu tun, wurden alle Schnitte per Hand gesägt, weil bei Motorsägeeinsatz ein zweiter Mann vorgeschrieben ist. Zu diesem Zeitpunkt stand zudem keine Motorsäge zur Verfügung. Aus der Baubeschreibung ist ersichtlich, dass sich auch größere Hochsitze direkt am Standplatz von nur einem Mann errichten lassen. Werden im Gegensatz dazu solche Kanzeln außerhalb des Reviers am Bauhof gebaut, sind diese nur mit erheblichem Aufwand an Leuten und Gerät zu transportieren und hoch zu wuchten. Oft müssen sie erst an schwieriges Gelände angepasst werden.

Die knappe Beschreibung reicht für jagdliche Praktiker aus, weshalb auf pedantische Aufzählung und Abmessung von Rund-, Kant- und Schnittholz verzichtet wird. Die Bilder veranschaulichen den Roh- und Ausbau. Wer nicht erst warten will oder kann, bis er einen Bautrupp zusammengetrommelt hat, kann sich durchaus alleine ans Werk machen. Gibt´s was zu tun, pack´s einfach selber an!
Nach diesem Muster sind im eigenen Pirschbezirk zwei weitere Kanzeln und im Revier eines Jagdfreundes gleich vier aufgestellt worden. Weil dort die Sitzhöhe zwischen 3,5 und 4,5 m lag, kam schweres Gerät zum Einsatz. Als Grundfläche wurde das Maß inzwischen auf 1,20 x 1,00 m verringert, was für zwei Personen immer noch ausreicht, falls es keine Schlafkanzel werden soll.

Nachtrag:
In meinen vielen Jahrzehnten jagdlicher Zimmerei habe in vielen Revieren die unterschiedlichsten Typen von jagdlichen Einrichtungen konzipiert und im Team erstellt. Im Gegenzug würden mir auch die vormaligen Kumpels bestimmt helfen. Mir liegt aber daran auszuloten, was man in Alleingang schaffen kann und rückblickend ist das eine ganze Menge. Nichts wäre besser geworden, hätte ich Helfer gehabt, wenngleich manches schneller gegangen wäre. Es war mir aber nicht möglich, solcherlei Hilfe mit Jagdgelegenheit zu vergelten und schuldig bleibe ich ungern jemand etwas. Das ist der eigentliche Beweggrund zu zeigen, dass es auch alleine recht gut geht und meine gesellschaftlichen Belange pflege ich bei wöchentlichen Vereinsabenden in meinem Nürnberger "Hubertus", bei dem übrigens Gäste immer willkommen sind.

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SirHenry

SirHenry

Alter: 81 Jahre,
aus Fürth
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Kommentare

16.04.2017 09:24 Kampfdackel
Prima ,was ich bei den meisten vermisse sind die Armauflgen ,bei Dir aber super.
Denn ich hab immer was bei als Armauflage ,wenn ich fremd im Revioer bin .
Eigen haben natürlich Armauflagen. Wird zwar belächelt ,sowas brauch ich nicht von Mitjägern ,egal ich mach Sie
16.04.2017 10:04 SirHenry
Kampfdackel schrieb:
Prima ,was ich bei den meisten vermisse sind die Armauflgen ,bei Dir aber super.
Denn ich hab immer was bei als Armauflage ,wenn ich fremd im Revioer bin .
Eigen haben natürlich Armauflagen. Wird zwar belächelt ,sowas brauch ich nicht von Mitjägern ,egal ich mach Sie

O, vielen Dank. Kann man auch für ein Nickerchen, als Vesperbrett oder als Armstütze für den FG-Anschlag nutzen.
17.04.2017 08:35 Kampfdackel
SirHenry schrieb:
O, vielen Dank. Kann man auch für ein Nickerchen, als Vesperbrett oder als Armstütze für den FG-Anschlag nutzen.

Ist doch alles praktisch genau wie die großen Fenster bzw schwenkbereich ,in manchen Kanzelln kannste diech selnbber gerade bewegen geschweige die Waffe
18.04.2017 09:10 nuhata
Moin Sir,

ich habe solche Kanzeln auch schon mal gebaut. Mittlerweile mache ich manche Details bewusst anders. Die horizontale Verbretterung hat für mich nur Nachteile, ist aber bei dieser Bauweise mit den durchgehenden Aufrechten die einfachste Möglichkeit. (bei dieser Bauart kann Wasser besser und effektiver in die Bretter eindringen und beschleunigt den Fäulnisprozess).

Mittlerweile baue ich nur noch modular. Eine Kanzel, ob geschlossen oder offen ohne Luken und Tür, besteht aus 6 Hauptteilen, die jeweils miteinander verschraubt werden.

Der große Vorteil ist, dass man flexibler ist, weil z.B. die Lebenserwartung von Kanzel und Untergestell manchmal unterschiedlich ist. Auch können sich die jagdlichen Anforderungen ändern - z.B. macht hier oder da eine Kanzel für vielleicht 5 Jahre Sinn, danach sieht man an der Stelle nichts mehr.
Deine Variante kann ich dann aufgrund des hohen Eigengewichtes nur noch mit dem Frontlader oder Kran umsetzen, um ihn weiter zu benutzen (Aber, die Kanzeln nach der von dir gezeigten Bauart wackeln nachdem man sie umgesetzt hat).

Bei der von mir beschriebenen Bauart kann ich die Kanzel mit einer Hand voll Schrauben montieren und demontieren und man kann die komplette Kanzel zu Hause fertigen, wo man auf alle Werkzeuge zurückgreifen kann.
Das schwerste Teil ist eigentlich der Boden, 3 Kanthölzer mit Bretterverschalung 1,2 x 1,2m.
Ganz ehrlich, ich trage lieber 6 Module zum Aufstellort als 379 Einzelteile.
Das Untergestell muss natürlich separat gebaut werden. Hier nehme ich gerne welche mit 2,5m Höhe (weil Kanthölzer dieser Länge verfügbar sind). Und jetzt kommt eigentlich der Knaller: Bauzeit für eine Kanzel: ca. 8 Stunden (alleine)
Bauzeit für ein Untergestell: ca. 1 Stunde (alleine)
Aufstellen im Revier (Heranfahren an den Aufstellort bis 50m): ca. 1 Stunde mit 2 Personen.
(Wenn man bis direkt heranfahren kann, dann geht es noch schneller! Bei höheren Untergestellen dauert es auch länger. Geschlossene Kanzeln dauern auch etwas länger als die halb offenen.)
Ein Aufstellen der halb offenen Kanzeln wäre vom Kraftbedarf und unter Einsatz von Hilfsmitteln alleine möglich, aber zu zweit macht es mehr Spaß und es ist sicherer... kann doch immer was passieren.

O ha, ich wollte gar nicht so viel schreiben...

Wie gesagt, die von dir vorgestellte Variante habe ich mehrfach gebaut und im Einsatz. Ich für mich bzw. wir für uns haben im Revier eine Variante gefunden, die uns wesentlich praktikabler erscheint.
Aber: Deins ist auch ne Lösung - zweckmäßig und praxisgerecht allemal
Gruß, Stefan
25.04.2017 22:40 Michael1282
Wahsinn, ganz schöner Aufwand!

Ich halte es wie nuhata. Modulare Bauweise, Aufbau 4 Teile + Dach + Bock. Aufbau mit Nut- und Federbretter bzw. dünner OSB-Platte macht die Module sehr leicht.

Ich hätte noch eine Frage zu dem Wellbitumen: wie ist das Geräuschverhalten bei Regen? "Klappert" das recht?
26.04.2017 00:19 SirHenry
Michael1282 schrieb:
Wahsinn, ganz schöner Aufwand!

Ich halte es wie nuhata. Modulare Bauweise, Aufbau 4 Teile + Dach + Bock. Aufbau mit Nut- und Federbretter bzw. dünner OSB-Platte macht die Module sehr leicht.

Ich hätte noch eine Frage zu dem Wellbitumen: wie ist das Geräuschverhalten bei Regen? "Klappert" das recht?

ich antworte euch beiden: Alle vor über 15 Jahren aufgestellten Kanzeln erfüllen noch heute ihren Zwecke und waren von Beginn an auf Dauer ausgelegt. Keine einzige wackelt.
Die Querbretterung war für den Alleinbau die einzige Alternative und aufgrund der Dachabmessung ist noch kein Regen eingedrungen. Eine Kanzel ist aus 12mm-Lauan gebaut, was eine schwere Schinderei war und ich heute mit 80 nicht mehr machen könnte oder wollte. Onduline ist gewichtsmäßig das Material der Wahl, hält aber im Wald abfallende schwere Äste nicht aus. Regen "klappert" nicht darauf, zumal bald eine Dämmschicht aus Nadeln und Lauf drauf liegt. Hatte schon mehrfach Kumpels bei Revierbegängen da, die überrascht waren, was man so alleine machen kann.
Module machen Schule - überall, nur mir sind die einfach zu schwer.
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