Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Jagderlebnisse

(15 Einträge)

881 mal angesehen
03.04.2017, 11.48 Uhr

Der gläserne Jäger

Ich möchte mit euch eine Geschichte teilen, weil ich noch nicht weiß, welche Konsequenzen ich daraus ziehen soll. Von dem Forum hier erwarte ich keine Lösung, das Niederschreiben hat mehr eine Selbstfindungsfunktion.

Im Februar wollte ich meinen Jagdschein um 3 Jahre verlängern, der paarunddreißigste.
Ich fuhr zum Landratsamt (Bayern) und rechnete mit einer schnellen Erledigung, wie so oft zuvor. Die Sachbearbeiterin bat mich einen Zettel auszufüllen, derweil sie im Computer nach meinen Unterlagen suchte. Ich las den Zettel durch und war leicht erschrocken, was ich da unterschreiben sollte. Ich musste versichern, nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen zu sein, an keiner schweren Krankheit, wie Diabetes oder Herzkreislaufproblemen zu leiden und auch kein Suchtproblem zu haben. Da man einem Jäger aber so etwas nicht glaubt, willigt man in die Aufhebung der ärztlichen Schweigepflicht ein. Es ist müßig zu sagen, dass eine Falschauskunft zur sofortigen Widerrufung des Jagdscheins führen kann. Da ja kein Verhandlungsspielraum bestand, ließ ich mich zu der Bemerkung hinreißen: Ich hoffe, dass dadurch Deutschland sicherer wird.
Die Sachbearbeiterin eröffnete mir dann, dass meine Überprüfung noch nicht vorliegt und ich wiederkommen müsste, ich könne ja in Ruhe zuhause den Fragebogen ausfüllen.
Nach 2 Woche erlaubte ich mir per Mail nachzufragen, ob ich meinen Jagdschein verlängern könnte und wiederholte die Frage nach einer weiteren Woche. Ich erhielt dann eine Mail, ich solle mich mit der Sachbearbeiterin telefonisch in Verbindung setzten. Ich rief also an. Die Sachbearbeiterin: „Gegen sie läuft ein Verfahren wegen Falschaussage, wir könne ihren Jagdschein nicht verlängern.“ Pause! Ich: „Das ist doch uralt (2013), alle Anschuldigungen konnten wir (mit Anwalt) widerlegen, das Gericht in Hessen tut aber nichts.“ Sachbearbeiterin, sie könne keine Details sehen, müsse sich aber an ihre Vorgaben halten. Ich bot an, dass sie bei meinem Rechtsanwalt anrufen könne, um sich über Details zu informieren und gab ihr die Nummer. Die Sachbearbeiterin sagte, sie werde den Fall mit ihrem Vorgesetzten besprechen und sich melden.
Ich rief bei meinem Rechtsanwalt an und schilderte ihm die Situation. Bisher war mir das Verfahren gegen mich nicht so wichtig, da es außer Kosten keine Auswirkung zu haben schien, jetzt fängt es aber an, konkrete Konsequenzen auf mein Leben, meine Reputation und meine Jagdleidenschaft zu nehmen. Der Anwalt sagte zu, den Vorfall zum Anlass zu nehmen, um bei Gericht nochmal vorstellig zu werden und er warte auf den Anruf vom Landratsamt.
Am nächsten Tag sprach ich wieder mit meinem Anwalt, der sagte, dass der Fall schon wieder bei einer neuen Richterin liegt, die sich erst einlesen müsste, aber der Vorgesetzte der Sachbearbeiterin hätte auch schon angerufen.
Von meiner Sachbearbeiterin erhielt ich eine Mail. Sie bot mir an den Jagdschein um ein Jahr zu verlängern, mit dem Hinweis, dass im Falle einer Verurteilung sie sich vorbehalten, meinen Jagdschein einzuziehen und die Waffenrechtliche-Erlaubnis zu widerrufen.
Ich frage mich jetzt, welche Datenbank speichert länderübergreifend laufende Verfahren und was ist mit dem Rechtsprinzip der Unschuldsvermutung solange keine Verurteilung vorliegt.
Am Rande noch, es war die gleichen Woche, in der Lothar deMaizière zugibt, dass der digitale Datenabgleich von Fingerabdrücken und Informationen von Terroristen, Straftätern und Menschen ohne Papiere ein riesiges Problem sei.
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

Spessartnimrod

Spessartnimrod

Alter: 68 Jahre,
aus Alzenau

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

03.04.2017 16:22 Ansitzer
Hallo Spessartnimrod,

da würde mich doch mal die Rechtsgrundlage für diese Datenerhebung interessieren. Gab es dafür eine Rechtsbehelfsbelehrung? Wer bewertet die Gesundheitsinformationen, nach welchem Katalog z.B Diabetes ja, Bluthochdruck nein etc. Etwa die Verwaltungsangestellte mit ihrem doch sehr beschränkten medizinischen Wissen? Was ist die Meinung von unseren BJV-Vertretern, ducken sich die wie immer weg?
Bin gespannt, was da Maxgötzfried dazu sagt.
Gruß Ansitzer
03.04.2017 19:15 KeilerHeinrich
Also es gibt das so genannte Polizeiregister.
Wenn gegen dich ermittelt wird, dann ist der Vorgang für mindestens für 5 Jahre gespeichert.
Auch wenn die Ermittlungen eingestellt werden.
Ich spreche da aus leidvoller Erfahrung.
Wegen einer falschen Zeugenaussage wurde gegen mich ermittelt. Nach einiger Zeit wurde von der Kripo festgestellt, ich bin unschuldig, Zeuge hat gelogen. Damit war es das für mich, dachte ich.
Als ich den JS verlängern wollte, wurde mir dies verwehrt, gegen mich würde ermittelt. An diese Sache dachte ich schon nicht mehr. Auf mein drängen und meine Erklärung hin, schickte man mich zum Amtsanwalt. Von der netten Frau bekam ich ein Schreiben welches meine Unschuld bewies. Gleichzeitig folgenden Hinweis: Sollte nochmals irgend eine Ermittlung gegen mich erfolgen, dann sofort Rechtsbeistand und die Unschuld durch ein Gericht bestätigen lassen. Nur dann wird der Vorgang nicht weiter gespeichert. Wird die Ermittlung nur eingestellt und du wirst vom Vorwurf xy nicht freigesprochen, dann kommen die Probleme immer wieder, bei jeder Verlängerung.
Allerdings spielte sich mein Vorfall bereits Anfang der 90iger ab. Wichtig ist, du musst vom Vorwurf frei gesprochen werden, das kann nur ein Gericht.
Sollte jemand bessere Kenntnisse haben, möge man mich bitte berichtigen.
Näheres gerne per PN.
03.04.2017 22:31 R93Hunter
KeilerHeinrich schrieb:
Also es gibt das so genannte Polizeiregister.
Wenn gegen dich ermittelt wird, dann ist der Vorgang für mindestens für 5 Jahre gespeichert.
Auch wenn die Ermittlungen eingestellt werden.
Ich spreche da aus leidvoller Erfahrung.
Wegen einer falschen Zeugenaussage wurde gegen mich ermittelt. Nach einiger Zeit wurde von der Kripo festgestellt, ich bin unschuldig, Zeuge hat gelogen. Damit war es das für mich, dachte ich.
Als ich den JS verlängern wollte, wurde mir dies verwehrt, gegen mich würde ermittelt. An diese Sache dachte ich schon nicht mehr. Auf mein drängen und meine Erklärung hin, schickte man mich zum Amtsanwalt. Von der netten Frau bekam ich ein Schreiben welches meine Unschuld bewies. Gleichzeitig folgenden Hinweis: Sollte nochmals irgend eine Ermittlung gegen mich erfolgen, dann sofort Rechtsbeistand und die Unschuld durch ein Gericht bestätigen lassen. Nur dann wird der Vorgang nicht weiter gespeichert. Wird die Ermittlung nur eingestellt und du wirst vom Vorwurf xy nicht freigesprochen, dann kommen die Probleme immer wieder, bei jeder Verlängerung.
Allerdings spielte sich mein Vorfall bereits Anfang der 90iger ab. Wichtig ist, du musst vom Vorwurf frei gesprochen werden, das kann nur ein Gericht.
Sollte jemand bessere Kenntnisse haben, möge man mich bitte berichtigen.
Näheres gerne per PN.


Der § 17 BJagdG liest sich diesbezüglich aber anders. Das sollte man der Dame vielleicht mal sagen.

Und zu POLAS (polizeiliches Auskunftssystem):
Ich kenne mindestens 1 Fall in dem dort Quatsch steht.
Eingetragen war: Ermittlung wegen schwerer Körperverletzung.
Die betreffende Person war Zeuge in dem Verfahren.

Wem also so ein komisches Zeug unter die Nase gehalten wird, sollte sich unmittelbar an das jeweilige Landeskriminalamt wenden. Die sind zur Auskunft verpflichtet.

Ärgerlich ist sowas, wie auch immer, auf alle Fälle.
04.04.2017 10:18 Spessartnimrod
Die dürfen das!
Hab mir jetzt auch mal den §17 BjagdG durchgelesen, da steht unter anderem:

(5) Ist ein Verfahren nach Absatz 4 Nr. 1 noch nicht abgeschlossen, so kann die zuständige Behörde die Entscheidung über den Antrag auf Erteilung des Jagdscheines bis zum rechtskräftigen Abschluß des Verfahrens aussetzen.
04.04.2017 11:01 R93Hunter
Spessartnimrod schrieb:
Die dürfen das!
Hab mir jetzt auch mal den §17 BjagdG durchgelesen, da steht unter anderem:

(5) Ist ein Verfahren nach Absatz 4 Nr. 1 noch nicht abgeschlossen, so kann die zuständige Behörde die Entscheidung über den Antrag auf Erteilung des Jagdscheines bis zum rechtskräftigen Abschluß des Verfahrens aussetzen.


Abs. 4 Nr.1

(4) Die erforderliche Zuverlässigkeit besitzen in der Regel Personen nicht, die

1.

a)
wegen eines Verbrechens,
b)
wegen eines vorsätzlichen Vergehens, das eine der Annahmen im Sinne des Absatzes 3 Nr. 1 bis 3 rechtfertigt,
c)
wegen einer fahrlässigen Straftat im Zusammenhang mit dem Umgang mit Waffen, Munition oder Sprengstoff,
d)
wegen einer Straftat gegen jagdrechtliche, tierschutzrechtliche oder naturschutzrechtliche Vorschriften, das Waffengesetz, das Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen oder das Sprengstoffgesetz


was war das bei dir ... üble Nachrede? ... ..

passt nicht so ganz der Abs. 4 Nr.1 bei dir
05.04.2017 10:39 Dekarem
Ansitzer schrieb:

Wer bewertet die Gesundheitsinformationen, nach welchem Katalog z.B Diabetes ja, Bluthochdruck nein etc. Etwa die Verwaltungsangestellte mit ihrem doch sehr beschränkten medizinischen Wissen?


Spannende Frage. Bei uns muss man auch persönlich erscheinen um den Jagdschein zu verlängern – damit die Mitarbeiter der UJB sich einen Eindruck machen können, ob man körperlich und geistig fit für die Jagd ist...
Ob es allerdngs die bessere Lösung wäre, wenn ein Termin beim Amtsarzt vorgeschrieben wird, mit den enstprechenden gebühren und dem Zeitaufwand?
05.04.2017 14:05 Spessartnimrod
Vor uns gab es schon Generationen von Jägern, die alt wurden und irgendwann ging es dann nicht mehr. Sie haben keinen Jagdschein mehr gelöst und waren froh, wenn sie nach der Jagd mit den Jüngeren am Tisch saßen. Es war ihre Entscheidung mit der Jagd aufzuhören und so sollte es bleiben. Genau wie mit dem Führerschein. Wenn wir überall entmündigt werden, dann verlernen wir auch Verantwortung zu übernehmen. Und auf der anderen Seite erklären uns Politiker, dass ein gewisses Risiko zum Leben dazu gehört.
11.04.2017 21:43 Malepartus
der Anfang vom Ende, leider
13.04.2017 16:19 2309udo
Ist mir vor ca. 18 Jahren ähnlich ergangen. Ich bestellte eine Taschenlampe in einem Internetshop.
Hab lange gesucht und dort war sie halt am günstigsten. Leider war in dem Set ein Kabelschalter und eine Befestigungsklammer dabei. War im März oder April. Eines Sonntags Abends, ich komm gerade von der Jagd nach Hause (September) steht die Polizei vor der Türe Ich geöffnet und sie ins Haus gebeten. Sie bezichtigten mich einer Straftat und ich war erst einmal etwas geschockt. Ich habe ein Taschelnlampenset bei der Fa. XY bestellt und dabei handelt es sich um einen verbotenen Gegenstand. Sie müssen die Lampe nebst Zubehör einziehen. Die Lampe lag im Auto, der Kabelschalter noch in der Verpackung und die Klammer hatten halt irgendwann die Patenkinder verzogen . Egal - Strafverfahren (keine OWI) wurde eingeleitet. Ich hab dann den Hersteller angerufen was die Scheiße soll. Er hat mir dan auch umgehend den ganzen Schriftverkehr mit dem BKA gesendet. Einmal war es ein verbotener Gegenstand - eine Woche später wieder nicht usw.
Mein RA kannte den Staatsanwalt recht gut, was aber auch nichts geholfen hat. Monatelang nichts mehr gehört. Mitte März kam dann ein Brief von der Stattsanwaltschaft, dass das Verfahren wegen Geringfühgigkeit einggestellt ist. Eine Woche später bin ich zur UJB um den Schein zu verlängern. Herr S......., geht nicht, da ist ein roter Punkt und es läuft was gegen sie. Das Schreiben auf den Tisch gelegt und die gute Dame hat kurz mal telefoniert. 5 Min. später wurde der Schein verlängert.
Bei der letzten Verlängerung wurde ich dann plötzlich wieder auf den roten Punkt hingewiesen.
Ich sagte dem Mitarbeiter, dass ist alles mehr als 15 Jahre her und er solle sich darum kümmern, dass der Hinweis entlich verschwindet. Schau ma mal - in 2 Jahern isses wieder so weit.
WMH Udo

Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Zum Seitenanfang