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Fangschutz-Tierschutz

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24.03.2017, 08.35 Uhr

Ein Morgen im Niederwildrevier

Ein Morgen im Niederwildrevier

Das tägliche Wecker rasseln wird am Wochenende um zwei Stunden früher und die übliche Morgentoilette auf die Rückkehr vom Morgenansitz verlegt. Als ich vor das Haus in die Kühle des anbrechenden Tages hinaustrete, bemerke ich, dass ich nach Mensch rieche und nicht nach einer Parfümerie.

Die Fahrt ins nahe Revier ist kurz und so habe ich mich kaum verspätet, als ich an meiner Hochparterrekanzel anlange. Es ist eher eine naturnahe Hütte, denn eine der komfortablen jagdlichen Einrichtungen, wie man sie leider allzu häufig in deutschen Revieren antrifft. Eingeschmiegt zwischen ein stacheliges Zwetschgenbäumchen und den, von Stockausschlag umwucherten, grau borkigen Stamm eines alten Apfelbaumes, fügt sich mein Versteck harmonisch in die Landschaft ein.

Die Bodennähe behagt mir wegen der Nähe zum Geschehen weit mehr, als das Thronen in Mast hohen Kanzeln und auf krakeligen Leitern. Vögel suchen mit Vorliebe meine Laube auf, wie die zahlreichen weißen Flecken an den Fensterbrettern belegen. In den unbeschnittenen Streuobstbäumen finden sie reichlich Nahrung und Deckung vor Sperber und Baumfalke. Das Gewisper der Meisen, das feine Zirpen der Ammern und das Schilpen der Feldsperlinge vermischt sich zu einer Melodie, die mich nach der kurzen Nacht nochmals einnicken lässt.

Das Zetern einer Amsel reißt mich aus dämmerndem Träumen und vorsichtig hebe ich meinen Kopf, um über den Rand der Schießluke sehen zu können. Keine zehn Schritte entfernt sucht ein Flug Ringeltauben den vor mir liegenden Acker ab und kommt dabei so nahe, dass der Einstellbereich des Teleobjektivs fast nicht ausreicht. Die Altvögel sichern ständig, während die drei voll ausgewachsenen Jungtauben im noch spärlich begrünten Kartoffelschlag fleißig picken. Jedes Geräusch vermeidend, schiebe ich die dicke Optik über die Gewehrauflage und versuche die nächst sitzende Taube in den Sucher zu bekommen. Zudem sind die Tauben in ständiger Bewegung so dass ich mit der Scharfeinstellung kaum nachkomme. Im Klappen des Verschlusses zucken die stets wachsamen Vögel jedesmal zusammen, halten aber mehrere meiner Schnappschüsse aus.

Als ich wieder absetze und über die Kamera hinweg, den gegenüberliegenden Waldrand absuche, bemerke ich einen Fuchs in der kurzen Sommergerste, der offenbar der unbekannten Geräusche wegen, sichernd auf den Keulen sitzt. Tauben, die statt zu Gurren seltsam klacken, sind im wohl unbekannt. Bis ich ohne Hast auf dem Fuchs bin, der Figur nach eine Fähe, steht diese auf und äugt scharf in meine Richtung. Durch mein Augenmerk auf das ferne Wild von den Tauben abgelenkt, lässt die Sorgfalt nach, worauf diese alsbald mit klatschendem Flügelschlag abstreichen. Dies nimmt seinerseits der Fuchs zum Anlass mit wehender Lunte das Feld zu räumen. Dabei umschlägt die Rotberockte in weitem Bogen den verdächtigen Platz. Bevor sie in einem knallgelben Rapsfeld untertaucht, verhofft sie kurz, um nochmals nach dem Ort der verdächtigen Laute hinzuäugen.

Die Spannung lässt nach und ich überlege, in welchem der mir bekannten Baue wohl das Geheck stecken könnte. Mein Entschluss, zunächst noch eine Stunde zuzuwarten und dann den mit Mischwald bestandenen Gegenhang zu revidieren, stand fest. Die Zeit bis dahin wurde mir nicht lang, denn sowohl in der Ferne, als auch in unmittelbarer Nähe war ständig viel Leben. An den Hasel- und Erlenstauden zupften drei Rehe die zarten Triebe ab und der Bock, ein geringer Sechser, machte mächtig Wirbel mit Fegen und Plätzen. Zwei Hasen sausten die Fahrgassen in der noch niedrigen Saat entlang und auf einem Leitungsmast miaute ein hell gefärbter großer Mäusebussard. Das Feld vor meinem Sitz wurde von mehreren Lerchen besucht und eine von ihnen sang jedesmal, wenn sie auf eine Scholle hüpfte, eine Strophe ihres Liedes. Die perfekte Tarnfärbung macht den kleinen Vogel fast unsichtbar.

Es ist schon heller Tag, als ich auf dem sonnigen Bergkamm entlang pirsche, um talwärts über einen Stichweg zu einer versteckt liegenden Lichtung einzuschwenken. Auf dieser Seite liegt der Hand noch im Schatten und so kann ich mich im Dunkel der Buchen und Fichten einem mir bekannten Bau nähern. Auf gute dreißig Schritte sehe ich zwei noch recht kleine Jungfüchse herumbalgen. Für ein gutes Foto ist das Licht zu schlecht und die Entfernung zu groß. Als ich näher heranzukommen versuche, knackt weithin hörbar ein dürrer Ast unter meinen Sechsundvierzigern. Die eben heim gekommen Fähe stößt einen Warnruf aus und die Welpen huschen blitzschnell in die nächstliegende Röhre. Die Ermeline beruhigt sich jedoch wieder und rollt sich nach einem herzhaften Gähnen auf einer bemoosten Felsplatte zusammen. Das Klacken der Kamera lässt sie nur kurz mit den spitzen Gehören zucken.

Mit reicher Beute in meiner Lichtfalle strebe ich über Tau nasse grasige Wege dem Auto zu. Der Entschluss, an diesem Morgen statt des Abzuges den Auslöser gedrückt zu haben, war mir zu keinem Moment schwergefallen. So freue ich mich an dem jungen Tag, der mir einige Stunden jagdlicher Freuden beschert hat.
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SirHenry

SirHenry

Alter: 81 Jahre,
aus Fürth

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Kommentare

24.03.2017 08:54 Gento
Ja, das ist schön. An solchen Tagen ist man mit sich und der Welt zufrieden.
24.03.2017 22:57 KeilerHeinrich
Das Revier würde mir mit Sicherheit auch gefallen.
25.03.2017 08:11 SirHenry
KeilerHeinrich schrieb:
Das Revier würde mir mit Sicherheit auch gefallen.

Dort jagte ich von 1958 bis 1994, das reichte aber nicht dafür, die Jagd wieder zu bekommen. Die Alten waren weggestorben und die Jungen hatten andere Vorstellungen. Inzwischen ist der 3. Pächter drauf. Nun jage ich seit 1998 beim "Staat" und fühle mich jagdlich keineswegs unterversorgt. Nicht besser oder schlechter, nur eben anders.
25.03.2017 09:33 KeilerHeinrich
SirHenry schrieb:
Dort jagte ich von 1958 bis 1994, das reichte aber nicht dafür, die Jagd wieder zu bekommen. Die Alten waren weggestorben und die Jungen hatten andere Vorstellungen. Inzwischen ist der 3. Pächter drauf. Nun jage ich seit 1998 beim "Staat" und fühle mich jagdlich keineswegs unterversorgt. Nicht besser oder schlechter, nur eben anders.


Im Landeswald fehlen mir halt die kleinen Dinge. Eine kleine Entenjagd oder der rufende Fasan.
Gibt es halt im Wald nicht. Da erinnert man sich oft sehnsüchtig zurück. Aber sonst bin ich mehr als zufrieden mit meiner Jagdmöglichkeit. Außerdem habe ich immer die Möglichkeit, bei Freunden mal etwas anderes zu erleben.
25.03.2017 11:59 SirHenry
KeilerHeinrich schrieb:
Im Landeswald fehlen mir halt die kleinen Dinge. Eine kleine Entenjagd oder der rufende Fasan.
Gibt es halt im Wald nicht. Da erinnert man sich oft sehnsüchtig zurück. Aber sonst bin ich mehr als zufrieden mit meiner Jagdmöglichkeit. Außerdem habe ich immer die Möglichkeit, bei Freunden mal etwas anderes zu erleben.


Im Wald sind die kleinen Dinge nur andere als im Feld, ansonsten jage ich ähnlich wie du.
Gruß und waidheil
26.03.2017 07:05 swinging_elvis
Kenne die Niederwildwelt genauso sowie den Wechsel in den Forscht. Mein Glück war, dass dieser im gewählten Revier umliegende Wiesen und Äcker dazu gepachtet hatte. Das waren Zeiten...
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