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Unspektakuläre Trophäe

Aber von großer Bedeutung (1 Eintrag)

Unspektakuläre Trophäe von großem Wert
686 mal angesehen
05.02.2017, 14.09 Uhr

Unspektakuläre Trophäe von großem Wert

Die Jagd auf Schwarzwild zieht mich ganz besonders in ihren Bann und das schon von Kindesbeinen an, da mein Vater auch ein Sauenjäger durch und durch war.
Bei der Vielzahl von Ansitzen, Pirschgängen, beim Kreisen etc., die in erster Linie auf die Erlegung von Frischlingen und Überläufern abzielen, kommt es ab und zu vor, dass man ein mehrjähriges, starkes Stück zur richtigen Jahreszeit strecken kann.
Ich denke, fast jeder passionierte Sauenjäger erfreut sich dann über ein gutes Keilergewaff oder an die Haken einer alten Bache. Wenn er diese Trophäe in einem bestimmten Revier, einer bestimmten Gegend erbeutet hat, wo er viele Jahre zur Jagd geht, ist das etwas sehr, sehr Besonderes.
 
Manchmal aber hat auch ein geringes, schwaches Gewaff eine sehr große Bedeutung, weil eine besondere Geschichte oder eine schöne Erinnerung dahhinter steht. Hin und wieder schaut man sich diese "unspektakulären" Trophäen an und man blickt zurück in die Vergangenheit. Dieses Gewaff (siehe Foto) ist nur eines der vielen Dinge, die mich an meinen engsten und besten Jagdfreund erinnern:
 
Im Frühjahr 2008 kam es nachts zu einem Wildunfall auf einer Straße in Berlin, die durch den Wald führt. Eine einzelne, stärkere Sau wurde angefahren. Unmittelbar nach der Kollision lag sie zunächst, es dauerte aber nicht lange, da wurde sie hoch und ging hochflüchtig ab. So schilderte es der Fahrer des Pkw gegenüber den Polizeibeamten.

Am nächsten Tag wurde ich von der Polizei darüber informiert. Gemeinsam mit meinem Stadtjagdkollegen und dessen BGS Rüden mit Vor- und Hauptprüfung nahmen wir uns der Nachsuche an. Seit Jahren waren wir ein eingespieltes, bewährtes Team, brauchten in solchen Situationen kaum Absprachen. Er war der Rüdemann und ich der Schütze. Jeder konnte sich auf den anderen blind verlassen.
Am Rand der Fahrbahn sahen wir Schweiß, ein paar Borsten und Zahnsplitter von Schneidezähnen. Der Hund führte uns in die Richtung der nahe gelegenen Havel, den dortigen alten Armen des Flusses, ein Überschwemmungsgebiet, mit den beinah undurchdringlichen "Dschungel" aus eschenblättrigen Ahorn, umgestürzten Weiden, wildem Hopfen und Schilf.
Das kranke Stück nahm kein Wundbett an, es schweißte auch nicht mehr. Es durchrann einen ca. 4m breiten Wassergraben, wir machten am anderen Ufer eine Vorsuche. Es ging noch ein langes Stück weiter, aber trotz aller Bemühungen kamen wir drei nicht zum Stück und wir sahen uns gezwungen, die Suche aufzugeben.
 
Ungefähr ein Vierteljahr später, am 28.07.2008 saß ich wie gewohnt zu dieser Jahreszeit an diesem Altarm der Havel, den das verunfallte Stück überquert hatte. Am Ufer standen auch ein paar Obstbäume. Die langsam reif werdenden Früchte ziehen die Sauen jedes Jahr magisch an. Mit noch ausreichendem Licht der kurzen Sommernacht, machte ich ein einzelnes, nicht starkes Stück auf ca. 40 bis 50m Entfernung aus. Es war noch zum Teil in der Winterschwarte. Ich dachte sofort an eine führende Überläuferbache. Dann sah ich jedoch den Pinsel. Ich nahm die Sauer 90 in den Anschlag, vergewisserte mich durch den Blick durchs Zielfernrohr, dass es wirklich ein Keiler war. Den Schuss bekam er, so wie ich es oft handhabe, wenn ein Stück in Straßennähe oder am Schilf- oder Dickungsrand steht, hochblatt. Er lag am Anschuss.
Am erlegten Stück und beim Aufbrechen, bemerkte ich die zum Teil abgebrochenen Schneidezähne, ein Gewehr wackelte und die Schalen des einen Vorderlaufs waren zersplittert. Alles war aber relativ gut verheilt. Allerdings wirkte der junge Keiler eingefallen, etwas abgekommen, er wog nur 48 Kg.
 
Ich weiß nicht, ob es das verunfallte Stück, welches mein Jagdfreund, sein Hund und ich im Frühjahr nachgesucht hatten, war. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Dies ist jedoch ist nur zweitrangig.
Obwohl wir gemeinsam viel nachgesucht haben, fast täglich jagdlich verbunden waren, wird mich gerade diese unspektakuläre Trophäe immer an ihn erinnern. Er starb vor 16 Monaten plötzlich und unerwartet, ich habe ihn viel zu früh verloren.
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montero

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Kommentare

05.02.2017 16:58 KeilerHeinrich
Immer wenn du dieses Gewaff anschaust, dann wirst du dich an Peter erinnern.

Kopf hoch und Weidmannsheil !
05.02.2017 20:21 montero
KeilerHeinrich schrieb:
Immer wenn du dieses Gewaff anschaust, dann wirst du dich an Peter erinnern.

Kopf hoch und Weidmannsheil !

Ja, Weidmannsdank mein Freund! Schön zu wissen ist auch, dass es dem Hund bei S. gut geht und auch gefordert wird.
06.02.2017 03:25 swinging_elvis
Sehr gut geschrieben. .. Waidmannsheil... Wenn auch der Anlass nicht so erfreut. .. Mein Beileid. .. trotzdem: gerne mehr. E
06.02.2017 07:03 Kija
Es sind nicht immer die starken Trophäen, an denen das Herz hängt.
Gruß Kija
06.02.2017 07:39 montero
swinging_elvis schrieb:
Sehr gut geschrieben. .. Waidmannsheil... Wenn auch der Anlass nicht so erfreut. .. Mein Beileid. .. trotzdem: gerne mehr. E

Weidmannsdank/Danke schön!
06.02.2017 14:32 IGNATZ
Peter war ein guter!
10.02.2017 08:04 ochotnik
Weidmannsheil!

Vor allen Dingen zur Herangehensweise an die "Trophäenbewertung". Natürlich erfreut man sich an starken Trophäen. Aber wenn man auf seine eigene, oder auf die Trophäenwand von Jagdfreunden blickt und mit einer gar nicht so starken Trophäe Erinnerungen an ein besonderes Jagderlebnis, oder einen guten Jagdfreund verbindet, ist das unendlich mehr wert!

Wmh!
17.02.2017 17:33 Alpiae
Hey montero
Bein herzliches Beileid....
gute Freunde sind so schwer zu finden , deshalb schmerzt es doppelt und dreifach !
Ho Rüd Ho und Waidmannsheil dir
17.02.2017 20:45 montero
Alpiae schrieb:
Hey montero
Bein herzliches Beileid....
gute Freunde sind so schwer zu finden , deshalb schmerzt es doppelt und dreifach !
Ho Rüd Ho und Waidmannsheil dir

Danke Dir!!!
Horridoh und Wmh!
10.10.2017 10:58 holzbockjager
das sind die momente die jagd ausmachen!
mit und bei freunden und die erinnerung an sie.
waidmannsheil
michael
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