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979 mal angesehen
11.01.2017, 15.55 Uhr

Mehr Frust als Lust...

Selbst der schönste Winterabend im Revier kann einem durch die eigene Strecke versaut werden...

Der Winter hat sich bei uns ja nun lange bitten lassen. Aber seit ein paar Tagen lag ein ganz klein wenig Schnee. Und als ob der Winter es nun besonders gut mit uns meinen wollte, wurde der Mond auch kräftiger. Da sollte bei den Sauen, die seit dem Sommer recht zahlreich zumindest in der Nähe unseres Reviers ihren Einstand hatten, doch irgendwie endlich mal wieder was gehen! Nach der Ernte des Maises waren wir auf alles gefasst und hatten Pläne geschmiedet. Die Maisstoppel wird üblicherweise schon ein paar Tage nach der Ernte gepflügt und mit Weizen bestellt. Und nachdem wir schon im stehenden Mais erheblichen Schaden haben hinnehmen müssen, mussten wir auch damit rechnen, dass der Weizen leiden würde.
Der Herbst brachte aber eine ausgesprochene Eichelmast. So blieben die Sauen dann doch weitgehend im Wald, nahmen lediglich eine ehemalige Rapsfläche kurz hinter unserer Reviergrenze massiv an. Zu uns aber kamen sie nur sehr selten - für den befürchteten Wildschaden gut, für die Kühltruhe eher suboptimal.
Aber in den letzten Tagen waren die Sauen verstärkt auch im zu unserem Revier gehörenden Waldeck aktiv. Eicheln gab es auch dort genug! Und so beschloss ich, es in diesem Wald mit einem Ansitz zu versuchen.
Das Licht war bereits um 18:00 Uhr viel zu gut! War ja auch nicht anders zu erwarten: dreiviertel Mond bei wolkenlosem Himmel und beinahe geschlossener Schneedecke. Einzig der steife Südwind war alles andere als optimal. Aber im Wald stand eine Kanzel, die ich eh schon für den Ansitz ausgewählt hatte. Da sollte zumindest die Windrichtung halbwegs passen...
Der Weg zur Kanzel war kurz. Ich fuhr mit dem Auto ziemlich nah heran, weil ich davon ausging, dass die Sauen (falls sie in Reichweite wären) im Auto ein geringeres Übel sehen würden als in den krachenden Schritten, die sich bei der verharrschten Schneedecke nicht vermeiden ließen. Die letzten 100 Meter aber ging es dann ganz langsam doch zu Fuß weiter. Irgendwann richtete ich mich endlich in der Kanzel ein. Bei dem strammen Wind hatte ich nur ein Fenster wirklich geöffnet - das zum Mahlbaum... Das ist zwar ein guter Windschutz, das man aber Geräusche ganz schlecht räumlich einordnen kann in einer solchen Situation, bestätigte sich schon wenige Minuten später einmal mehr.
Ich glaste ganz langsam den einsehbaren Bereich vor mir ab. Vor drei Tagen saß ich schon einmal hier. Meine Hoffnung auf Sauen, die in der Nacht zuvor im Eichenlaub sehr aktiv waren, erfüllte sich leider nicht. Doch erfreute mich gegen 20:30 Uhr ein Rottier mit Kalb mit seiner Anwesenheit. Ganz langsam zogen die Beiden zu mir an die Minerallecke. Ein Rotkalb war noch frei, eigentlich könnte ich ja...
Also Waffe hoch und im Zielfernrohr das Kalb gesucht. Aber egal wie, irgendwie bekam ich das Kalb einfach nicht frei. Ständig stand irgendwie das Tier im Weg. Und sollte doch mal ein wenig Platz sein, stand das Kalb garantiert spitz - entweder von vorn oder eben auch von hinten... Es war zum Mäuse melken...
Als sie wieder hintereinander auf etwa 30 Meter vor mir standen, waren mir die Arme fast eingeschlafen - oder doch eingefroren...? Seit einer geschlagenen Stunde war ich im Anschlag und wartete auf die entscheidende Situation.
Endlich - mit drei Schritten gab das Tier das nun scheibenbreit stehende Kalb frei... Es war mir vorher noch gar nicht aufgefallen, aber das Kalb war richtig stark...! Ich zögerte wohl einen Augenblick zu lange. Das Kalb tat sich vor mir nieder und begann mit dem Wiederkäuen, während das Tier noch in aller Ruhe im Eichenlaub nach Eicheln suchte.
Hmm... Irgendwie war ich gar nicht so recht böse, dass es noch nicht geklappt hatte. Ich genoss die Ruhe. Für mich war klar, solange das Kalb nicht wieder hochkam, solange würde ganz sicher nicht geschossen. Trägerschuss - nööö! Das wollte ich nicht, hab ich noch nie versucht...
Bei der Gelegenheit fiel mir ein, was sich im letzten Winter an dieser Stelle auf meiner Wildkamera zeigte - ein Kahlwildrudel, das aus mehr Kälbern bestand als älteren Stücken. Und mir fiel ein, dass im benachbarten Hegering im letzten Herbst die Tiere sehr schnell im Abschussplan erfüllt gewesen sein sollen, während es bei den Kälbern sehr haperte. Auch nach den letzten beiden Drückjagden des Reviernachbarn tauchte bei mir ein Kahlwildrudel auf, das erstaunlich viele Kälber hatte... In diesem Rudel stand auch ein Tier mit einem Kalb, das Mitte November wohl gerade erst zwei Monate alt gewesen ist - ich hielt es in der Dämmerung zunächst für ein Reh innerhalb des Rudels. Und bei genauerem Hinsehen waren die hellen Flecken in der Decke noch sehr leuchtend und frisch...
Als das Kalb vor mir nach etwa 3 Stunden wieder auf die Läufe kam, wollte ich den Unsäglichen zuerst wieder in den Anschlag bringen - aber ich ließ es. Warum sollte ich nun dieses starke Kalb strecken und diese intakte Kleinfamilie auflösen, während im Revier auch jederzeit noch solche Waisen oder eben auch dieses schwache Kalb mit seiner Mutter auftauchen könnten...? Ich wünschte den Beiden noch einen guten Abend und hoffte auf eine andere Gelegenheit, bei der ich den Abschussplan bei den Rotkälbern erfüllen könnte - passende Kandidaten hatte ich ja schon einige gesehen...
Meine Erinnerungen an diesen Ansitz wurden durch knackende Zweige unterbrochen. Nicht sehr laut, aber doch deutlich genug. Ich lauschte angestrengt in die Nacht. Da! Da raschelte es in der Ferne - und wieder knackte ein Zweig. Mit dem Fernglas war zwischen den Baumstämmen nichts zu entdecken. Nachdem aber schließlich ganz offensichtlich zwei Frischlinge um einen Fraßplatz stritten, war klar, wer sich näherte. Und tatsächlich, jetzt wurde langsam das Rascheln und das Knacken, das die Sauen bei der emsigen Suche im Eichenlaub verursachten immer lauter. Es näherte sich nur langsam. Noch hatte ich nicht orten können, aus welcher Richtung diese Geräusche kamen. Also steckte ich meinen Kopf aus das Kanzelfenster. Aber ich konnte kaum glauben, was ich feststellte. Die Sauen standen den Geräuschen nach nördlich von mir in der Laubholznaturverjüngung - und wir hatten Südwind...! Mir schwante Schlimmes!
Doch irgendwie hatten die Sauen wohl so mit Fraßsuche zu tun, dass sie meine Witterung ignorierten. Oder hatte der Wind gedreht...?
Der Weg von der Waldkante zur Kanzel lag mir im Rücken. Zwei starke Eichen am Weg hatten jede Menge Eicheln in den Weg geworfen. Und die Sauen hatten schon einige Nächte dort ergiebige Lese gehalten. Dennoch fanden sich noch Eicheln ohne Ende in dem Bereich. Sollten die Sauen wieder dorthin wollen...? Das wäre schlecht, da ich dann erst einmal keine Chance hätte, eine zu erwischen. Die Sauen indes schienen zu ahnen, welche Risiken sie über welche Wege minimieren können. Sie erreichten den Weg hinter mir, ohne dass ich auch nur ein einziges Stück in Anblick bekam. Ich überlegte hin und her, ob ich es bei dem hellen Licht wagen könnte, die Kanzeltür ganz langsam zu öffnen, ließ es aber, da ich davon ausging, dies nicht geräuschlos hinzubekommen. So verfolgte ich über eine Stunde lang das Geschehen nur akustisch. Zeitweise waren Sauen direkt unter meiner Kanzel, das war ganz deutlich zu hören. Und so hoffte ich, dass sie den eingeschlagenen Weg beibehalten würden und langsam Richtung Mahlbaum wechseln würden.
Doch hatte ich die Rechnung ohne die Leitbache gemacht. Pünktlich, als die Rotte komplett unter meiner Kanzel aktiv war, beschloss die Bache den Rückzug einzuleiten und die Rotte arbeitete sich auf dem gleichen Weg, den sie hierher genommen hatte wieder in die Naturverjüngung, verstreute sich dort auf breiter Fläche.
Kurzzeitig nahm ich an, dass die Sauen alle wieder den Kanzelbereich verlassen hätten. um eine Nordschleife zu drehen und dann zum Mahlbaum zu ziehen. Das erste stärkere Stück näherte sich schließlich gut hörbare der nach Nordwest verlaufenden Schneise. Längst hatte ich den Unsäglichen und völlig überteuerten CNC-Prügel im Anschlag...
Das nicht allzu laute Blasen dieses Stückes steigerte meinen Agressionsspiegel ziemlich schnell erheblich. Da sitzt man unter - nein über einer großen Rotte Sauen, hört sie über eine Stunde im Gebräch stehen und bekommt nicht eine einzige in Anblick - einen Schuss wird man erst recht nicht los...! Das durfte es nicht geben...!
Nachdem die Bache sich also mehrmals vernehmen ließ, folgten ihr hörbar die Rottenmitglieder, ohne dabei jedoch irgendwie auch nur ansatzweise in Panik zu verfallen - es wurde zunehmend leiser im Wald. Naja, die Enttäuschung, die sich dann breit machte, kann sich jeder vorstellen!
Aber irgendwie.... irgendwas hörte ich da hinter mir doch noch, oder war es eine Täuschung....? Nein! Kamen da noch ein paar Nachzügler, die den Anschluss verpasst hatten...? Und wieder begann das geduldige Warten, während sich die Nachzügler ausgiebig im Laub hinter mir zu schaffen machten. Unendlich langsam näherten sie sich einmal mehr meiner Kanzel. Die Waffe war längst wieder im Anschlag und auch gespannt. Wo würde endlich der erste Wildkörper auftauchen? Vor mir? Links neben mir? Na ihr kommt mir aber nicht so davon!!!
Endlich! Endlich schob sich ganz langsam ein Wildkörper in mein Sichtfeld! Aber was in aller Welt war das denn...? Ein zu spät gewölfter Marderhund? Ein Nutria? Ich hatte doch definitiv Schwarzwildstimmen vernommen! Gut- es waren Frischlingsstimmen! Aber solche Miniwutze...? Keine zwei Monate alt sollten die hier sein. Und noch bevor ich einen in´s Ziel nehmen konnte, wechselten sie nach einem weit entfernten Schuss in die Verjüngung, waren dort nur noch schemenhaft wahrzunehmen. An einen Schuss war hier nicht zu denken! Also: Beobachten und hoffen! Die Miniwutze blieben dort wo sie waren, kamen erst nach einigen Minuten wieder in Bewegung und gingen wieder in´s Gebräch. In den folgenden dreißig Minuten war nichts zu machen - aber eben auch keine Bache zu sehen oder auch nur zu hören. Was ist denn das schon wieder für ein Mist! Ich beschloss, erst im letzten Moment vor dem Verschwinden zu schießen. Ich wollte wissen, ob da irgendwo noch eine Bache hinterherkommen könnte. Aber es blieb bei diesen 5 Miniwutzen, die extrem schreckhaft waren, bei jedem plötzlichen Geräusch in sich zusammensackten und längere Zeit verharrten. Und selbst, als sie in meinen Wind zogen, blieb alles beim Alten. Bache gab es nicht - die waren tatsächlich führungslos...!
Die Waffe ging auf einen Frischling. Ich überlegte kurz und hoffte, dass sich mal zwei von den kleinen Geistern hintereinanderschieben würden. Das erste Mal in meinem Jägerdasein würde ich wissentlich und gewollt einen Paketschuss provozieren wollen. Diese Frischlinge mussten fallen! Das Elend war nicht mit anzusehen! Aber die Frischlinge taten mir den Gefallen nicht! Und kurz bevor sie wieder in der Verjüngung verschwanden, ließ ich fliegen.
Keinen Schritt tat der Wurm mehr...
Ich blieb sitzen, spekulierte auf die Dummheit der anderen Frischlinge. Doch nur ein Fuchs meinte, sich den Frischling unter den Nagel reißen zu müssen - fataler Fehler!
Nach weiteren zwei Stunden brach ich ab. Im Schein der Taschenlampe zeigte sich mir das ganze Ausmaß des Elends. An den Keulen war die Schwarte sehr schütter, die Flanken total eingefallen. Mir hegte sich der Verdacht, der kleine Kerl könnte sich auch noch die Räude eingefangen haben... Nein, der blieb hier...!
Meine Gedanken gingen wieder zurück zu meinen Rotwildbeobachtungen hier. Und irgendwie konnte ich kaum noch an mich halten. Sicher, es kann immer mal was schief gehen. Nur die von mir hier gemachten Beobachtungen und Erlebnisse deuten eher darauf hin, dass es mit der vielbeschworenen Waidgerechtigkeit eben doch nicht so weit her ist bei dem einen oder anderen Jagdscheininhaber... Mir sind das zu viele Zufälle.
Die nächsten Abende jedenfalls sind gebongt. Die anderen Miniwutze werden nicht weit umherstreichen und vielleicht bald wieder vor der Waffe erscheinen - ich hoffe es... Meine Mitjäger wissen Bescheid und sind motiviert...
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Rapsjaeger

Rapsjaeger

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aus Rapsfeld
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Kommentare

11.01.2017 17:11 olds
Super geschrieben, hat mir viel freude bereitet aber auch zum nachdenken angeregt!
Hier im Nordwesten macht mir die sehr starke Bewölkung wohl einen Strich... evtl. heute Abend mit viel Glück
Waidmannsheil.
11.01.2017 21:44 kong
Wmh...und bravo und danke dafür
11.01.2017 22:55 swinging_elvis
Waidmannsheil. Kann Deine Gedanken gut nachempfinden... el
13.01.2017 08:32 Voss
Eine typische Situation bei der Sauenansitzjagd...
so nah und doch so fern... hervorragend beschrieben. Waidmannsheil !
13.01.2017 12:44 Ammerlaender
Top Danke
13.01.2017 22:13 Rapsjaeger
olds schrieb:
Super geschrieben, hat mir viel freude bereitet aber auch zum nachdenken angeregt!
Hier im Nordwesten macht mir die sehr starke Bewölkung wohl einen Strich... evtl. heute Abend mit viel Glück
Waidmannsheil.

Mit Schnee ist es hier auch weitgehend vorbei...
Weidmanns Dank!
13.01.2017 22:14 Rapsjaeger
kong schrieb:
Wmh...und bravo und danke dafür


Weidmanns Dank...!
13.01.2017 22:15 Rapsjaeger
swinging_elvis schrieb:
Waidmannsheil. Kann Deine Gedanken gut nachempfinden... el

Ja, ich habe damit ganz massive Probleme... Weidmanns Dank...!
13.01.2017 22:16 Rapsjaeger
Voss schrieb:
Eine typische Situation bei der Sauenansitzjagd...
so nah und doch so fern... hervorragend beschrieben. Waidmannsheil !

Weidmanns Dank! Und schön, wenn es gefällt ...
14.01.2017 22:01 Oecher
Schön wieder von dir zu hören!
Danke und hoffentlich in Zukunft wieder mehr von dir!

Gruß

Oecher
16.01.2017 18:31 sau_hund
Du hast Charakter bewiesen beim Rotwild: Respekt
Andere bei der führenden Bache wohl nicht, - ist hier genauso, das Wort "Schaden" rechtfertigt bei Vielen Alles
17.01.2017 21:38 esau
Rapsjaeger schrieb:
Ja, ich habe damit ganz massive Probleme... Weidmanns Dank...!

Ich hoffe ihr bekommt sie (die Kümmernisgeplagten)alle.
In solchen Fällen ist mir der Wolf als Erlöser willkommen.
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