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Kaiserstand...? Kaisersstand 2 saubere Strecke
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27.11.2016, 18.46 Uhr

Bilderbuchjagd...

Es passiert nicht mehr all zu oft, dass ich an Drückjagden teilnehme. Die vier oder fünf Jagden pro Saison sind solche, die mit handverlesenen Handwerkern unter den Jägern stattfinden.
Heute aber war das insoweit anders, als ich eben nicht sagen konnte, ich kenne alle Schützen und weiß, wie sie ticken. Die aber, die ich kannte, boten mir die Gewähr einer anständigen Jagd, einer Jagd, wie ich sie mir wünsche... Und deshalb nahm ich die Einladung an, neugierig, was mich wohl tatsächlich erwarten würde.

Der Wecker, der mich gegen 6:00 Uhr aus dem Schlaf riss, hatte Glück und erntete - entgegen den üblichen Wochentagen- mehr als nur Verständnis für sein tun. Die Sachen waren längst bereitgelegt, einzig der Unsägliche hatte die Nacht noch im Waffenschrank verbracht, wurde aber nach einem guten Frühstück daraus befreit und fand den Weg in den Waffenkoffer.

Die Morgenrunde mit dem Klettenfänger war gewohnt ausgedehnt - ich hatte ja genügend Zeit. Im Osten hellte der wolkenlose Himmel leicht auf. Der Wind hatte über Nacht abgeflaut und auf Nord gedreht. Und obwohl der Wetterbericht stark auffrischenden Wind ankündigte, war ich optimistisch, einen angenehmend Drückjagdtag zu erleben.

Bei meinem Jagdfreund war ich überpünktlich. Und so blieb noch etwas Zeit, den gestrigen Abend auszuwerten. Ich hatte mich noch einmal am Raps angesetzt und auf Rotwild spekuliert. Aber außer einem Spießer, der offensichtlich wusste, dass der Plan in dieser Altersklasse erfüllt war, ließ sich kein Rotwild blicken. Mein Jagdfreund hatte bei einer Drückjagd zwei Frischlinge der 10-Kilo-Klasse erlegen können...

Gegen 9:00 trafen wir bei schönstem Wetter am Treffpunkt ein. Heute galt es den Sauen in den ausgedehnten Schilfpartien am See - eine Jagd, die vor allem Treibern und Hunden alles abverlangen würde, darüber konnte das tadellose Wetter bei niemandem hinwegtäuschen. Begrüßung und Ansprache waren schnell erledigt, nachdem zuvor die Kontrolle der Jagdscheine erfolgte, Standzettel verteilt waren.
Die Freigabe: Schwarzwild AK0 und AK1 bis 50 Kilo, dazu Raubwild. Die Sicherheitsbelehrung war konkret und unmissverständlich - für mich eines der wichtigsten Kriterien, die meinen Eindruck zu einer Drückjagd formt. Und dann noch eine Info, die die Hoffnungen auf Strecke erst mal ordentlich dämpft: der gestrige stürmische Wind, der abends auf Nord drehte, hatte dazu geführt, dass der Wasserstand des Sees deutlich anstieg. Dieser See hat Zugang zur Ostsee und reagiert auf deren Wasserstandsschwankungen zügig. Gerade ansteigenden Wasserstand quittieren die sonst sehr zahlreich anwesenden Sauen sofort mit einem Abwandern in andere Einstände...

Mit diesem Wissen bezog ich etwa 30 Minuten später meinen Stand - ein Drückjagdbock etwa 30 Meter vom Seeufer in offenem Gelände, wobei rechts und links von mir strukturreiches Röhricht stand, hinter mir in eine Wiese auslaufend. Etwa 60 Meter hinter mir verlief eine Plattenstraße, die - wie ich später noch feststellte - gut frequentiert war. Das darf aber nicht verwundern, wenn man weiß, dass in dieser Ecke Rügens auch jetzt noch reichlich Urlauber und Tagesgäste rumwackeln, die besonders so wunderschöne Herbstwettertage wie an diesem 1. Advent nutzen wollen.

Zwar hatte mein Ansteller mir gesagt, dass die Sauen aus dem Röhricht an dieser Stelle gern nach hinten ausbrechen. Aber für mich war der Bereich aus Sicherheitsgründen klarer Weise tabu, zumal ich dann hätte gegen die Sonne schießen müsen, die eine Kontrolle des Umfeldes wegen des tiefen Standes praktisch unmöglich macht...
Vor mir schnitt eine etwa 10 Meter breite Schneise den Schilfsaum des Sees bis fast zur Wasserkante. In der Verlängerung dieser Schneise entdeckte ich in etwa 400-500 Metern Entfernung einen weiteren Schützen. Das schränkte meinen ohnehin begrenzten Aktionsradius noch einmal deutlich ein...

Meine Nachbarn hatten sich längst mit mir verständigt, jeder kannte die banchbarten Stände. Die Treiber begannen weit rechts von mir das Schilf mit ein paar Hunden zu durchkämmen. Schon wenige Augenblicke später waren sie an Sauen, die aber irgendwie durch die Treiberwehr kamen und unbeschossen zu den Siedlungen kamen. Danach blieb es ruhig und ohne irgendwelche weitere Aufregung passierte die Treiberwehr meinen Stand, verschwand einige Zeit später links von mir in den ausgedehnten Röhrichten. Jetzt erst fiel am gegenüberliegenden Seeufer der erste Schuss.

Bei uns aber blieb es ruhig. Der Laut unserer Treiberwehr entfernte sich weiter, schwoll aber plötzlich enorm an, die Hunde gaben ordentlich Laut, waren an Sauen. Das ging eine ganze Weile, ehe nacheinander zwei Schüsse fielen. Die Hunde wurden nach einiger Zeit ruhiger...

Zwischenzeitlich hatte der Wind ordentlich aufgefrischt, zauste das Schilf kräftig und es war ausgesprochen schwierig, im gewaltigen Halmrauschen das Ziehen von Wild wahrzunehmen. Doch irgendetwas tat sich links von mir. Noch war ich am Zweifeln. Die beiden links benachbarten Schützen zeigten keine Rgeung, war es doch eine Täuschung...? Nein, jetzt patsche das Wasser vom Durchrinnen eines Stück Wildes. Und es wechselte meine Schneise an. Angebackt und gewartet...da...ein schwacher Überläufer, die magische 50-Kilo-Grenze sicher nicht erreichend... Aber er wechselte zu weit hinten durch. Unter normalen Umständen kein Problem. Doch hier würde eine fehlende Kugel auf die Wasserfläche schlagen - kein Kugelfang. Das Stück ließ ich passieren...- Waffe ab und entspannt. Ein kurzer Ruf zum rechten Nachbar und wenige Augenblicke später backte er an, zog mit, setzte wieder ab. Später berichtete auch er, es sei ihm zu unsicher gewesen...

Ich hatte ein wenig Zeit, das Wetter und die Landschaft zu genießen. In der Ferne thronte das Jagdschloss Granitz über die Hügellandschaft, wachte also, was wir hier so veranstalteten... Schon glaubte ich, erneut ein Rascheln im Schilf nicht dem Wind sondern einem Stück Wild zuschreiben zu können... tatsächlich, dort wieder das bekannte Platschen, das das Stück von links kommend ankündigte. Waffe angebackt und gewartet....
Aus dem Schilfrand erscheint das Haupt eines schon jetzt sicher als deutlich schwerer anzusprechendes Stück - Waffe runter! Alles gut, das Stück dürfte die 70-Kilo-Klassse einnehmen. Durchatmen und die Sicht genießen - dabei aber nie unaufmerksam sein....!

In der folgenden Stunde konnte ich ziemlich erfreut das jagdliche Geschehen in den anderen Schilfbereichen verfolgen. Helles Gekeife der Hunde und aufgeregte Rufe der Treiberwehr lösten sich immer mal wieder mit Schüssen ab, gefolgt von ruhigeren Phasen. Fast hatte ich den Eindruck, dass sich bei uns wohl kaum noch was tun würde. Doch schon wieder platschte links von mir ein Stück Wild durchs Röhricht. Das konnte fast nur Schwarzwild sein! Also angebackt und gewartet...
Einmal mehr wechselte ein starker Überläufer der 70-Kilo-Klasse über die Schneise, nicht zu zügig und in bester Schussentfernung... - der musste die Freigabe kennen!

So, das sollte es dann wirklich gewesen sein. Ich beobachtete wieder das Treiben in der großen Runde, verfolgte die Treiberwehren, die meiist im Schilf nicht zu sehen, aber dann hier und dort aber zu hören waren. Die Hunde sah man eh nicht im Schilf. Doch kaum hatten sie Wild vor, konnte das niemand mehr überhören, trotz des Sturmes! Was eine Freude, dem Treiben zu folgen!
Ein Blick zur Uhr: 12:00 Uhr - bis 13:00 Uhr sollte es gehen. Ich fand mich langsam mit meiner Rolle als Schneider ab, hätte sehr gern einen Frischling mitgebracht, doch Bachen mit Frischlingen hatten mich gemieden.

Mein linker Standnachbar winkte mir zu, als ich erneutes Platschen im Schilf hörte. Und diesmal waren es ganz klar mehrere Stücke - endlich eine Bache mit Frischlingen...?
Schon tauchte das Haupt des ersten Stückes aus dem Schilf - eine Bache. Sie trollte über die Schneise. Schon folgte ein Frischling der 20 Kilo-Klasse! Ja! Genau so hatte ich es mir gewünscht. Ein zweiter Frischling hing dem ersten am Pürzel. Ein Stück hörte ich noch links der Schneise, war das noch ein Frischling?-Nein, eine Bache! Zurückgeschwenkt, am zweiten Frischling vorbeigeschwungen und schon war die Kugel raus. Schon war die Minirotte im Schilf verschwunden! Aber unmittelbar am Rand der Schneise wackelten zahlreiche Schilfhalme und machten Hoffnung auf einen gestreckten Frischling...

Der Rest der Zeit brachte Schüsse nur noch auf der anderen Seeseite. Das war der Bereich, der durch die steigenden Wasserstände noch nicht betroffen war...
Ich genoss die verbleibenden Minuten, war mir sicher, Beute gemacht zu haben, auch wenn ich diese noch nicht sehen konnnte. Das eindeutige Winken meines Jagdnachbarn war da schon fast eine Erlösung! Die Schritte zum Anschuss waren schnell zurückgelegt - Erlösung! im Wechsel war der Frichling nur etwa 2 Meter vom Anschusss zusammengbrochen und verendet...

Etwa eine Stunde später hatten sich alle Jäger und Treiber am Streckenplatz eingefunden. Und die Strecke selbst, war durchaus erfreulich: 17 Frischlinge, 1 Bache und 1 Fuchs konnten zur Strecke gelegt werden. Die Stücke wurden ausnahmslos mit guten Treffern gestreckt. Die Bache war nur gestreckt worden, weil sie einen Treiber im Schilf annahm.


Man mag darüber streiten, ob die Freigabe nur von Frischlingen oder Überläufern bis 50 Kilo nun richtig ist. Ich halte sie für richtig. Aber was mich wirklich beeindruckt ist, dass die Strecke perfekt zu den Vorgaben passt. Das zeigt, das eben mit etwas gutem Willen durchaus gut gejagt werden kann, den Umständen angemessen vernünftig Strecke gemacht werden konnte und man zum Abschluss konstatieren kann, dass dank des unermüdlichen und willensstarken Treiber- wie auch Hundeeinsatz ein wirklich guter Jagdtag erfolgreich zu Ende gebracht werden konnte...
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Rapsjaeger

Rapsjaeger

Alter: 51 Jahre,
aus Rapsfeld
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Kommentare

27.11.2016 20:00 Keiler72
Sehr gut geschrieben 👍
27.11.2016 20:48 Gento
Waidmannsheil !
27.11.2016 22:31 Oecher
Schön von dir hier was zu hören!
Lass was von dir hören!

Gruß

Oecher

28.11.2016 08:04 Waldjockel
Endlich mal was jagdliches, und gut geschrieben.
28.11.2016 13:25 Tannschuetz
Waidmannsheil!

...worin begründete sich die eingeschränkte Freigabe?
28.11.2016 20:40 kong
Ein kräftiges WMH und lass das mit dem Abschied bitte sein...Deine Posts wie Deine Blogs würden massiv fehlen...
29.11.2016 07:04 WildeBiene
Waidmannsheil
29.11.2016 13:59 swinging_elvis
Horrido. Das macht Freude. Waidmannsheil und bleib dran. Gruß aus dem Süden...
29.11.2016 18:07 7x65R
Waidmannsheil zum Frischling

Und den Blog werte ich hoffentlich als Zeichen deines Bleibens
30.11.2016 16:15 Ammerlaender
Waidmannsheil!!

Ich hatte auf meiner ersten DJ, die ich noch ohne JS als Treiber bestritt, die gleiche Ansage. Sauen bis 50kg( jedes weitere Kilo sollte teuer werden)...darauf kam ein lauter Ruf aus den Reihen der Schützen, ob den die Sauen im Saatsforst mit gut sichtbaren Gewichtsetiketten ausgestattet seien. Dies sorgte für Zornesröte im Gesicht des Försters und Gelächter innerhalb der Schützen und Treiber. Ich gestehe ich musste auch Lachen...sogar sehr!!
03.12.2016 07:05 wachtelman
So soll es sein....
Sehr schöne Geschichte.
Macht Spass zu lesen.
Mach weiter so...

Gruss u Waidmannsheil
Wachtelman
03.12.2016 09:35 Epilobium
Weidmannsheil
Bei lesen freut und fiebert man mit. Toll geschrieben.
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