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Fangschutz-Tierschutz

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19.09.2016, 10.00 Uhr

Drückjagd auf Rehwild - waidgerecht oder verwerflich

Bilder aus meinen Vortrag über Drückjagd

Drückjagd auf Rehwild - waidgerecht oder verwerflich

Sieht man sich alte Bilder an, die vor 100 Jahren aufgenommen wurden, dann liegen bei Treib- und Drückjagden regelmäßig auch Rehe auf der Strecke und dabei sind die Böcke schon wegen ihres Hauptschmucks gut zu erkennen.
Die in Loden gewandeten und mit Ischler Hüten geschmückten bärtigen Jäger haben ihre Hahnflinten umgehängt und sind stolz hinter ihrer Strecke stehend abgelichtet.

Die Herrschaften mit größerem Waldbesitz gaben sich mit Hasen nicht groß ab, sondern richteten ihr Augenmerk auf das Hochwild, das nicht nur der Größe, sondern auch der Schussweiten wegen, mit der Kugel bejagt wurde. Im Hochgebirge waren die Gamsriegler üblich und sind in den Büchern der Jagdklassiker entsprechend ausführlich beschrieben.

Soweit es die Rehe außerhalb des Gebirges und der Vorlandes betrifft, hat sich in den letzten 100 Jahren vor allem das ländliche Kulturland von der kleinflächigen Gliederung hin zu riesigen Flächen mit eintönigem Anbau weniger Kultur- und neuerdings Energiepflanzen verändert.
Nachdem auch letztere Sorten bessere Böden erfordern, werden Grenzertragsflächen, die vormals mit großem Aufwand bewirtschaftet werden, wieder aufgeforstet. Die Waldfläche nimmt in DE daher wieder zu.

Nicht nur der Staats-, Herrschafts- und Körperschaftswald erfährt in unserer Zeit den Umbau in Bestände, die dem geänderten Klima und der ökologischen Zukunft angepasst werden sollen, sondern auch der Privatwald bleibt davon nicht unberührt. Solange dieser Umbau läuft, was Rehwild-bezogen etwa 10 Jahre umfasst, ist bei hohen und überhöhten Wildbeständen dieser anzupassen, d.h., zurückzuführen. Von der anfangs präferierten Zäunung ist man weitgehend abgerückt, weil diese unterhalten und später wieder abgebaut werden muss und zusätzlich den Lebensraum des Rehwildes einschränkt und die freien Flächen einem erhöhten Verbissdruck aussetzt.

Wer nur Feldflächen bejagt, oder in seinem Revier nur kleine Waldparzellen hat, die dem Rehwild mehr als Einstand denn als Äsung dienen, hat hinsichtlich der Bejagung nur insofern Probleme, weil das Wild weit mehr verdeckt steht, als es vorher in Klee, Wiesen, Brachen, Rüben der Fall war.
Ganz anders stellt es sich dem Waldjäger dar, der nicht mehr hunderte Meter freien Blick durch Althölzer hat, oder sich an Rändern von altersgleichen Dickungen oder in Kahlhieben ansetzt, wobei sich in letzteren schon drei Jahre später kaum noch Rehe bejagen lassen.

Die reine Waldjagd betreibt nur ein geringer Teil der Jäger und wer sich jagdlich umzuorientieren hat, kann sich sehr schwer tun, an seine vormaligen Erfolge anzuknüpfen. Was für den Pächter einer Jagd eher nachrangig ist, stellt sich für den Waldbesitzer und die Forstverwaltungen ganz anders dar. So haben Förster kaum oder gar nicht die Zeit, die Jagd nach dem hegerischen Prinzip einer Pachtjagd zu betreiben. Selbst bei wildfreundlichen Forstbetrieben und Forstverwaltungen besteht die Hege meist darin, das Wild sich selbst zu überlassen und es dann zahlenmäßig abzuschöpfen.
Das ist der wesentliche Kritikpunkt, den die „Jäger“ gegenüber den „Förstern“ anführen, wenn es um die Bejagung der Rehe in Form von Riegel-, Bewegungs-, Drück- und Anrührjagden geht, was mitunter schon was Anrührendes hat.

Nun ist DE nicht der jagdliche Nabel Europas und in einigen Ländern, wie z.B. Schweden und kantonal in der Schweiz, hat die Schrotjagd eine lange, aber nicht unumstrittene Tradition. Nun soll es aber hier nicht um den Schrotschuss gehen, den die „ökologischer Seite“ zum Rehwild-Management fordert, sondern um die Drückjagd auf Rehe.

Große Forstbetriebe, wie die Landes- und Bundesforsten vergeben zu unterschiedlichen Konditionen Pirschbezirke, wobei auf Rehwild Mindestabschüsse vorgeschrieben werden. Die Bewerber sind sowohl unerfahrene, als auch noch „werktätige“ oder auch nicht mehr beruflich aktive Jäger. Meist mit der Waldjagd nicht vertraut, klagen sie über zu wenig Wild oder trotz moderater Kosten über zu schwierige Jagdbedingungen, was dazu führt, das auf der Einzeljagd der Abschuss nicht erfüllt wird.

Während sich dem Feldjäger im Vergleich zum Waldjäger ein sehr weites Sichtfeld bietet, hat es der Waldjäger mit meist schmalen und allenfalls langen Schussfeldern zu tun. Vom Anblick bis zur Schussabgabe wird die Zeitspanne sehr kurz, zumal ja auch noch das Ansprechen und der Sicherheitsaspekt davon abzuziehen ist. Wird vom Ende einer Schneise oder einer Rückgasse in nur eine Richtung geschossen, lässt es auf diese alleinige Richtung vorbereiten. Sobald aber von rechts und links mit Wild zu rechnen ist, werden durchziehende und kurz verhoffende Stücke nur zu leicht übersehen.

In großen Landes- und Bundesforsten ruht die Jagd über einen langen Zeitraum im Jahr und die Abschöpfung erfolgt seit Jahrzehnten über Drückjagden, ohne dass sich das an der Qualität oder am Bestand merkbar ausgewirkt hat.Viele Argumente dagegen sind gefühlsbasiert und beruhen meist auf der für einen Schuss zu lange benötigte Vorbereitungszeit. Der bedächtige Jäger wird für schnelle Schüsse nicht fertig und ist geneigt, das als „Ballerei“ und „Zuschandenschießen“ des Wildes abzulehnen. Nicht selten wird das sogar als „verwerflich“ bezeichnet. Jedem Jäger bleibt es andererseits überlassen, an derlei Jagden teilzunehmen, wobei eben viele dagegen sind, ohne jemals dabei gewesen zu sein.

Übrigens: DJ muss keine Großveranstaltung zu sein, sie lässt auch gut zu zweit machen, indem man sich in bekanntem Gelände das Wild gegenseitig zudrückt.

Es wird daher schwerfallen, zu einer objektiven Einstellung zu kommen. Ein Argument ist das „gewissenlose Abknallen“ von Böcken, was aber nüchterner Betrachtung auf den genetischen, populationsdynamischen und geschlechtermäßigen Aufbau keine große Rolle spielt. Die Festlegung der Jagdzeit auf Rehböcke ist traditionell auf die Zeit gelegt, in der sie ihre „Gwichtl“ tragen. Ein Bock ohne Hörner gibt außer dem Wildbret nix her und der Erleger ist der Möglichkeit beraubt zu zeigen, was er für ein großer Waidmann ist. Andererseits, wenn im Mai das Schmalreh von der Geiß unterschieden werden muss, kann das auf der DJ auch für den Bock erwartet werden. Für oder gegen die DJ auf Rehwild werden wohl immer kontroverse Argumente ins Feld geführt.

Diese Anmerkungen sollten gelesen worden sein, bevor Stellung für oder gegen die DJ auf Rehwild bezogen wird. Wer sein Rehwild auf der Einzeljagd bei Ansitz oder Pirsch erlegt, braucht zur Erfüllung des Abschusses ohnehin keine DJ.


Vielen Dank denen, die das bis hierher durchgelesen haben.
Auch wenn es nicht allen gefallen hat.
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SirHenry

SirHenry

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aus Fürth

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Kommentare

20.09.2016 16:54 Hesse
Als reiner "Waldjäger" kann ich deine Ausführungen voll bestätigen. Mehr als 3-4 Stück/100ha Rehwild in einem Wald ohne Wildäcker oder Wiesenflächen auf der Einzeljagd zu strecken ist - bei einer Rehwilddichte von ca. 15 Rehen auf 100ha kaum oder nur mit extrem großen Aufwand möglich. Die DJ muss dann ( leider ) den Rest übernehmen.
20.09.2016 19:36 SirHenry
Hesse schrieb:
Als reiner "Waldjäger" kann ich deine Ausführungen voll bestätigen. Mehr als 3-4 Stück/100ha Rehwild in einem Wald ohne Wildäcker oder Wiesenflächen auf der Einzeljagd zu strecken ist - bei einer Rehwilddichte von ca. 15 Rehen auf 100ha kaum oder nur mit extrem großen Aufwand möglich. Die DJ muss dann ( leider ) den Rest übernehmen.

Anfangs habe ich, als der Wald noch mehr "Forst" war 9 auf 100 ha erlegt. Heute, nach 18 Jahren, sind mir 5 vorgeschrieben und letztes Jahr habe ich 2 nachgelegt. Von diesen 7 Rehen waren 3 Dubletten. Mit meiner neuen HOWA 6,5x55 erlegt.
Es wird einfach zu viel gequatscht.
22.09.2016 13:06 murmelbaer
Hesse schrieb:
Als reiner "Waldjäger" kann ich deine Ausführungen voll bestätigen. Mehr als 3-4 Stück/100ha Rehwild in einem Wald ohne Wildäcker oder Wiesenflächen auf der Einzeljagd zu strecken ist - bei einer Rehwilddichte von ca. 15 Rehen auf 100ha kaum oder nur mit extrem großen Aufwand möglich. Die DJ muss dann ( leider ) den Rest übernehmen.


Hm, 3- Rehe auf 100ha Waldfläche bei einem Bestand von 15 Rehen?
Wie viele Rehe müssen denn dann bei einem nachhaltigen Abschuß von 13-15 Rehen per anno und 100ha als Bestand vorhanden sein?
Das fragt dich ein Waldjäger, der die oben genannten Zahlen Jahr für Jahr erreicht hat.
22.09.2016 15:15 Hesse
murmelbaer schrieb:
Hm, 3- Rehe auf 100ha Waldfläche bei einem Bestand von 15 Rehen?
Wie viele Rehe müssen denn dann bei einem nachhaltigen Abschuß von 13-15 Rehen per anno und 100ha als Bestand vorhanden sein?
Das fragt dich ein Waldjäger, der die oben genannten Zahlen Jahr für Jahr erreicht hat.

Ein "nachhaltiger Abschuss" von 13-15/100ha Rehen ist bei uns unmöglich, da dies einem Totalabschuss gleich kommen würde. Wir haben hier einen schwachen Heideboden ( überweigend Kiefer ) und einen sehr hohen Schwarzwildbestand. Es werden jährlich gut 10 Sauen/100ha geschossen und, von Jahr zu Jahr schwankend, ca. 5-7 Rehe. Das Rehwild ist hier körperlich schwach und die Ricken führen oft nur ein oder gar kein Kitze. Dazu nehmen wir an, dass bei den nicht-führenden Stücken der Nachwuchs im Mai von den Sauen aufgenommen wurde.
22.09.2016 15:23 SirHenry
murmelbaer schrieb:
Hm, 3- Rehe auf 100ha Waldfläche bei einem Bestand von 15 Rehen?
Wie viele Rehe müssen denn dann bei einem nachhaltigen Abschuß von 13-15 Rehen per anno und 100ha als Bestand vorhanden sein?
Das fragt dich ein Waldjäger, der die oben genannten Zahlen Jahr für Jahr erreicht hat.

Mein PB ist einer von dreien. Der Wald hat ca. 300ha, die von "Bauernjagd" umschlossen sind. Die Abschöpfung von "draußen" ist stark, Bock seit 3 Jahren keinen mehr geschossen und einen Knopfer auszukochen ist mir echt zu doof. Solange die Bodenvegetation im Wald hoch ist, geht das Wild zwar wenig ins Feld, aber dann schon.
24.09.2016 22:23 ZH-7x57
Bin in einen reinen Waldrevier jagdlich tätig. Laubwald , vereinzelt Kiefer. Hochwild, Sauen Rehwild ist Standwild. Ja immer ist es nicht einfach den von der BH erteilten Abschussplan zu erfüllen!. Da wird wie jetzt im Herbst wenn die Blätter fallen im Bestand gepirscht.Da gelingt auch meist der selektive Abschuss, erfordert aber Zeit für das Pirschen. Bei unübersichtlichen Gelände ist es schon schwierig , da hilft manchmal an den Wechseln zu sitzen.Ist halt von Revier zu Revier unterschiedlich wie man es bejagen kann.
29.04.2017 08:37 PiceaAbies
Hallo,

Ich selbst jage seit Beginn an in Waldrevieren. In meinem momentanen PB der überwiegend aus Laubholz besteht sind ca. 60% der Fläche uneinsehbar verjüngt. Durch die vielen großen Einstände ist viel Wild vorhanden, was meine Zählungen bestätigen. Der Abschuss liegt nun seit Jahren bei durchschnittlich 13 Rehen pro 100 ha. Dies tut dem Bestand keinen Abbruch. Aufgrund fehlender Wiesen und Freiflächen bin ich gezwungen an Wechseln und Schneisen zu jagen, was nach Kenntniss der Gewohnheiten machbar ist.

Nichts desto trotz finde ich es keineswegs verwerflich Rehwild auf Drückjagden mit zu bejagen. Bei jeder Ansprache die ich in meine Jägerleben bewohnen durfte, wurde klipp und klar gesagt dass der Schuss auf flüchtiges Rehwild zu unterlassen sei. Dies beherzigt sehe ich kein Problem in einem waidgerechten Schuss. Rehe flüchten nur kurze Strecken und reagieren auch gut auf einen vom Jäger ausgestoßenen Schrecklaut. Jagen die Hunde das Wild nur an , kommen diese auch vertraut zum Schützen.

Fazit: Wird von Kunstschüssen abgesehen sehe ich die Bejagung von Rehwild auf der Drückjagd als unproblematisch an.

Mit besten Grüßen
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