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939 mal angesehen
05.07.2016, 17.27 Uhr

Vom dummen Schwein und dem Wasserschwein...

Nein, heute wollte ich mal aussetzen. Die letzten Tage hatte ich mich verstärkt an den Rapskanten aufgehalten. Die Sauen hatten den reifenden Weizen für sich entdeckt und ich hatte die Hoffnung, vielleicht doch noch eine Wutz zu bekommen.
Das Wetter spielte allerdings nicht so recht mit. Im einen Moment eitel Sonnenschein, goss es im nächsten Moment derart, dass man trotz Regenbekleidung schnell die Nase gestrichen voll bekam. Und wer an Rapskanten jagt, sitzt nicht in geschlossenen Kanzeln...
Das alles aber sollte mich heute ausnahmsweise nicht anheben. Gut, erschwerend kam hinzu, dass 21:00 Uhr eh ein anderer Termin anstand. Aber noch bis heute Mittag hatte ich in Erwägung gezogen, diesen Termin abzusagen. Doch bei den neuerlichen Wetteraussichten für heute Abend beließ ich es beim Termin vor dem Fernseher - eine Entscheidung, die sonst gar nicht meine Art ist.
Langsam hatte ich all die Dinge, die halt noch so zu erledigen waren abgehakt. Auch meinen zotteligen Klettenfänger hatte ich versorgt, er genoss noch ein paar letzte Sonnenstrahlen auf der Terrasse, während ich mich vor dem Fernseher einrichtete. Als ich mich anschickte, einer jungfräulichen Bierflasche den Garaus zu machen, störte das hässliche Klingeln des Telefons. Ein Begehungsscheininhaber war am anderen Ende und erläuterte mir, er habe vor zwanzig Minuten einen Frischling beschossen, der in den Raps zurückgewechselt sei. Er wolle aber nicht ohne Hund...
Aha. Sau am Rapsrand krankgeschossen - genau das, was ich heute brauchte...
Mein Klettenfänger hat es drauf. Ohne, dass ich auch nur ein Wort sage, eine Geste mache, er hat sofort mit, wenn es für ihn interessant werden könnte. Ich hatte noch gar nicht aufgelegt, da stand er schon vor der Heckklappe des Amarok und war dort auch nicht mehr wegzubewegen.
Eine halbe Stunde später trafen wir auf den ruhig wirkenden Jungjäger. Sachlich erklärte er mir, was passiert sei, sprach von einer kleinen Rotte Sauen, die er etwa eine Stunde vor hatte, ehe er sich auf einen vielleicht 20-Kilo-Frischling konzentrierte und kurze Zeit später fliegen ließ. Das Stück sei zusammengesackt, aber sofort wieder hochgekommen und dann abgegangen, zurück in den Raps.
Zum Zeitpunkt des Schusses stand er wohl etwa 3 Meter von der Rapskante entfernt und mit dem Haupt dem Raps abgewandt.
Stutzig machte mich allerdings der Begriff des 20-Kilo-Frischlings schon. Und als er mir schließlich den Anschuss zeigte, kamen mir erhebliche Zweifel an der Größenbeschreibung. Der Weizen war hier dicht, hier hatten die Sauen kaum etwas herunter getreten, der Weizen war auch nicht gerade kümmerlich. Wenn er hier das Stück beschossen hatte, konnte es aus meiner Sicht auch ganz schnell ein stärkeres Stück sein, dass der Schütze im Ziel hatte.
Kiro lag zwar ruhig aber doch wie immer sehr aufmerksam an der zugewiesenen Stelle, während ich den Anschuss kontrollierte. Schweiß war geringfügig zu finden. Aber es war schwierig, sicher zuzuordnen, um was für Schweiß es sich handelte. Zwar war er recht hell, doch die typischen gruscheligen Lungenteile fand ich bei dem wenigen Schweiß nicht. Schnitthaar fand ich so gut wie gar nicht. Ich war etwas unschlüssig. Auch an den Weizenhalmen fand ich nur wenig Schweiß. Dieser war jedoch etwa 40 Zentimeter über dem Erdboden abgestriffen - na mal sehen, was mich da erwartete. An der Stelle des Einwechselns in den Raps war an den Halmen aber nichts zu finden.
Mein Blick zum Himmel ließ mich stocken. Eine bedrohlich schwarze Wand war heraufgezogen. Zwar hatte ich noch kein Grummeln gehört, aber Wasser brachte diese Wand sicher reichlich mit. I
Ich kennzeichnete den Einwechsel in den Raps vorsichtshalber bevor ich Kiro schließlich zur Fährte legte. Kiro bewindete den Anschuss und zog wenige Augenblicke später in den Raps.
Der Raps war in diesem Jahr wegen der anhaltenden Trockenheit bis Ende Juni nicht sehr hoch. Selbst auf Knien konnte man (im Gegensatz zu günstigeren Jahren) unterhjalb der Fruchstände nicht in den blattlosen Rapsbestand reinsehen - ganz schlechte Voraussetzungen für eine Nachsuche auf Sauen.
Ich hatte keine Wahl, auf Knien folgte ich dem Hund. Mit Schweißriemen laufend im Raps eine Nachsuche machen. Das hatte ich schon probiert - war einfach nur Mist und man kam nicht vorwärts, verhedderte sich ständig und drangsalierte dabei den Hund sinnlos auf der Wundfährte.
Ich hoffte, dass das Stück vielleicht nicht weit weg liegt, längst verendet. Sicher aber war ich mir nicht. Und während ich mich durch die Rapsstengel zwängte hörte ich nur im Unterbewusstsein die Stimme des Jungjägers, verstand ihn aber nicht. Also tauchte ich erst mal auf aus dem Rapsmeer, um mich mit ihm zu verständigen. Aber noch bevor ich den Kopf aus dem Raps bekam erschrak ich. Über mir war es kohlrabenschwarz und im gleichen Moment öffnete der Himmel wohl alle Schleusen dieser Welt. Und wenn ich auch vorher kein Grummeln gehört hatte, jetzt war das Donnern nicht zu ignorieren. Blitzen und Donner - es war eins. Kurz überlegte ich, die Sache abzubrechen. Doich worauf wollte ich warten? Ehe ich hier raus wäre, wäre ich auch nur durchgeweicht. Und ob die Wundfährte nachher besser zu arbeiten sei, daran hegte ich wohl berechtigt erhebliche Zweifel. Also wieder abgetaucht und weiter!
Innerhalb weniger Augenblicke lief mir das Wasser in Strömen in den Nacken, in´s Gesicht, in die Augen. Kiro hingegen blieb konzentriert, bedurfte keines Anrüdens. Aber es ist und bleibt ja schwierig, die Arbeit des Hundes unter solchen Bedingungen zu kontrollieren, zu deuten. Also: blind auf den Hund verlassen. Genau das redete ich mir ein, während es über mir blitzte und krachte, aus Eimern schüttete. Irgendwelche Pflanzenteile und Insekten klebten mir schon längst im Gesicht, in den Augen, während ich auf allen Vieren auf glitschigem Untergrund dem Hund hinterher kroch. Der aber ließ sich nicht abbringen. Kein Vergleich mit dem Verhalten des Klettenfängers bei Gewitter zu Hause. Dann wird solange Krawall gemacht, bis irgendein Familienmitglied die Nerven verliert und ihn reinholt...
Irgendwie hatte ich in dem Gewirr aus Leine, Hund, Matsch und Rapsstengeln komplett die Orientierung verloren. Zwischendurch ermahnte ich Kiro, es im Tempo nicht zu übertreiben, weil ich längst außer Atem war. Solch eine Aktion musste ich nicht mal im Wehrdienst überstehen...
Mir kam es wie eine Ewigkeit vor. Das Wasser hatte schon längst alle Klamotten die ich anhatte getränkt - ich fühlte mich wie eine Wasserratte. Fährten hätte ich ebenfalls nicht mehr erkennen können, zwischen den Rapsstengeln stand das Wasser blank und mehrere Zentimeter hoch. In meinem zwischenzeitlich eingetretenen Frust hatte ich völlig ignoriert, dass Kiro verhoffte. Erst als ich mit meiner Nase quasi seine Rute berührte, stutzte ich. Aber so sehr ich mich auch anstrengte, ich konnte nichts erkennen. Was tun? Schnallen? Aber wie hätte ich ihm hier folgen sollen und vor allem wohin? Ob ich ihn in der Lage hätte akustisch folgen können, war mehr als unklar. Und so blieb er am Riemen, den ich kurz nahm und Kiro noch ein Stück voranschickte. Zunächst war er irritiert, tat aber schließlich, was ich ihm sagte, nicht ohne nach wenigen Schritten wieder zu verhoffen.

Während dessen mistete es ohne Unterlass. Es war fast dunkel hier drin und erst jetzt fiel mir ein, dass ich doch eine gut gängige Taschenlampe dabei hatte. Also immer vor mich hin fluchend mit klatschnassen Fingern die klatschnasse Lampe aus den klatschnassen Klamotten gefingert und voller Hoffnung den Schalter betätigt... Und wie sie sehen, sehen sie .... schemenhaft eine dunklen Klumpen zwischen den Rapsstengeln...
War das nun die gesuchte Wutz? Das musste sie sein, Kiros Verhalten war eindeutig. Was war mit ihr, war sie verendet oder noch mobil...? Trotz angestrengten Beobachtens über eine geraume Zeit, ich konnte keine Regung erkennen. Kiro aber änderte schließlich sein Verhalten auffällig, seine Anspannung fiel von ihm ab und schlug in die mir von erfolgreichen Nachsuchen bekannte erlösende Erregung um - die Sau musste verendet sein!
So schnallte ich Kiro, der sofort zum Stück lief und es ausgiebig bewindete, kurz auch mal beutelte - wie ein Hund sich bei solch einem Schietwetter noch so freuen konnte, war mir in dem Moment völlig schleierhaft...
Ich tauchte erst mal aus dem Raps auf und versuchte, mir einen Überblick zum Ort des Geschehens zu machen. Wo war der Jungjäger, wo war ein Weg und wieweit war das Stück per Muskelkraft zu bewegen...?
Mit eingeschalteter Taschenlampe drehte ich mich einmal um mich selbst und suchte nach einer optischen Antwort des Erlegers. Aber nichts. Noch einmal...! Wieder nichts. Erst nach meinem dritten Versuch ging das Licht seines Fahrzeugs an. Ah ja, da hinten also... Ach ja, jetzt wusste ich, wo ich war. In entgegengesetzter Richtung nur noch wenige Meter entfernt war die kleine Kuhle mit der alten abgebrochenen Weide. Nun wusste ich mich räumlich exakt genug einzuordnen. Also zunächst mal Stück näher in Augenschein genommen. Vor mir lag ein Überläufer von knapp 50 Kilo vielleicht. Die Kugel hatte kurz hinter dem Blatt hoch getroffen. Die Einschusseite war zwar zu finden, einen Ausschuss aber fand ich zunächst nicht. Ich trampelte einen deutlich erkennbaren Weg vom Stück zur alten Weide und befestigte dort meine eingeschaltete Stirnlampe. So sollte es gehen!
Dann trat ich den Rückweg Richtung des Fahrzeuges des Jungjägers, der das Standlicht immer noch eingeschaltet hatte an. Als ich an seinem Fahrzeug ankam, hatte ich die Nase aber restlos voll. Der Jungspund saß mit trockenen Klamotten auf dem Fahrersitz und mochte bei dem noch immer anhaltenden Regen nicht mal die Tür öffnen. Entgeistert registrierte er, dass ich das Stück nicht mitgebracht hatte und fragte mich ungläubig, ob es noch da hinten liegen würde. Da verlor ich die Nerven! Die dann folgende Kanonade, die auf ihn niederprasselte darf ich hier nicht wiedergeben. Schließlich deutete ich auf das Licht der an der Weide hängenden Stirnlampe und gab ihm zu verstehen, dass er das kleine 20-Kilo-Schweinchen wohl selbst herholen und versorgen könnte. Ungläubig trottete er langsam Richtung Stirnlampe, während ich erst mal abtouren musste.
Ich rubbelte erst mal meinen Klettenfänger mit einem alten Handtuch trocken und versorgte ihn, ehe ich schließlich dem Jungspund hinterherzog. Letztlich brachte ich es doch nicht fertig, ihn mit dem Stück allein zu lassen - ich war ja eh schon klatschnass. Als ich schleißlcih den Jungjäger an seinem Stück erreichte, wagte dieser zunächst gar nicht, mich anzusehen. Ich leuchtete mit meine Taschenlampe, um ihm die Versorgung zu erleichtern. Wortlos verrichtete er das nötige Werk, fasste das Stück an einem Vorderlauf und begann mit mir, das Stück zum Auto zu ziehen. Plötzlich hielt er inne, lief los und kam wenige Augenblicke später mit meiner Stirnlampe zurück.
Irgendwann kamen wir am Auto an, verstauten das Stück und bevor er seinen Wagen bestieg, stammelte er was von Entschuldigung. Ich musste grinsen, sagte aber nichts und ließ ihn ein paar Tage schmoren...

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Rapsjaeger

Rapsjaeger

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Kommentare

05.07.2016 20:12 Gesch
Du weißt aber schon, daß sowas verdammt leichtsinnig ist?!

Glückwunsch zum erfolgreichen Ende, dem Erleger Waidmannsheil.

In Absprache mit den Bauern haben wir bei vergleichbaren Fällen mit der gr. Stihl-Heckenschere entlang der Wundfährte geschnitten und konnten so zumindest aufrecht gehend dem Hund folgen, hätten eventuell auch einen Fangschuß antragen können.
Eine Mordsschinderei isses allemale...
05.07.2016 21:16 Rapsjaeger
Gesch schrieb:
Du weißt aber schon, daß sowas verdammt leichtsinnig ist?!

Glückwunsch zum erfolgreichen Ende, dem Erleger Waidmannsheil.

In Absprache mit den Bauern haben wir bei vergleichbaren Fällen mit der gr. Stihl-Heckenschere entlang der Wundfährte geschnitten und konnten so zumindest aufrecht gehend dem Hund folgen, hätten eventuell auch einen Fangschuß antragen können.
Eine Mordsschinderei isses allemale...


Also wenn ich Manschetten hätte, würde ich nicht hinterhergehen. Und ich bin kein Draufgänger mit kalter Waffe zwischen meinen Beißerchen...

Aber natürlich, Nachsuchen im Raps sind immer Mist, dessen bin ich mir bewusst. Aber bei den vorgefundenen Pirschzeichen hatte ich auf eine Totosuche, möglicherweise eine weitergehende spekuliert.

Sicherheiten gibt es aber bei Nachsuchen nicht. Dessen sollte man sich bewusst sein, glaube ich...
06.07.2016 16:15 Dergerl
Waidmannsheil
08.07.2016 07:08 kong
Suchenheil Du verrückter Hund
08.07.2016 08:00 Rapsjaeger
Dergerl schrieb:
Waidmannsheil


Weidmanns Dank!
08.07.2016 08:01 Rapsjaeger
kong schrieb:
Suchenheil Du verrückter Hund


Versteh ich jetzt nicht...
08.07.2016 12:37 kong
Rapsjaeger schrieb:
Versteh ich jetzt nicht...



Oh doch mein Lieber...und alles Gute (nachträglich) zum runden Geburtstag
08.07.2016 17:43 Rapsjaeger
kong schrieb:
Oh doch mein Lieber...und alles Gute (nachträglich) zum runden Geburtstag


Oh, danke...
13.07.2016 07:31 ROS
Weidmannsheil!
Man braucht schon Eier um in den Raps zu gehen und ob es gut lief, weiß man immer erst hinterher
13.07.2016 12:58 Rapsjaeger
ROS schrieb:
Weidmannsheil!
Man braucht schon Eier um in den Raps zu gehen und ob es gut lief, weiß man immer erst hinterher


Unbeschwert gehe ich da auch ganz sicher nich rein, erst recht nicht leichtsinnig. Aber was willst du machen...? Am Raps spielt sich momentan die Jagd ab, gerade auch bei Sauen. Da passiert so was schon mal und man ist im Zugzwang...

Weidmanns Dankl!
14.07.2016 18:39 Herbert60
Waidmannsheil
schöne Geschichte
14.07.2016 21:11 Rapsjaeger
Herbert60 schrieb:
Waidmannsheil
schöne Geschichte


Weidmanns Dank!
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