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Am Rande der Jagd...

(2 Einträge)

Schon Ende Februar... Erst beim dritten Anlauf... Wenn ich mal groß bin...
421 mal angesehen
01.07.2016, 12.26 Uhr

Ein alter Bekannter im Revier...

Der Morgen war einmal mehr das, was man sich so oft wünscht - ein goldener Morgen. Das Wetter war perfekt. Nicht zu warm, aber eben wolkenlos und nahezu windstill. Auf dem Weg zum Hochsitz an der Waldkante zu den Zuckerrüben erfreuten mich Amseln mit ihrem Gesang, auch Rotkehlchen. Ganz selten ließ sich noch einmal ein Sprosser aus dem nahegelegenen Weidenbruch vernehmen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Frühling vorbei ist.
Als ich den Hochsitz erklomm, schimpften in den Zweigen Mönchsgrasmücken. Zu sehen waren sie nur selten. Erst als ich mich eingerichtet hatte und still in den Morgen lauschte, näherte sich das schwarzkäppige Männchen bis auf wenige Zentimeter und versuchte, mir klar zu machen, dass ich an dieser Stell unerwünscht sei.
Irgendwo unter mir musste das Nest sein. Aber eigentlich müssten die Jungen schon raus sein, denn schon vor 14 Tagen sah ich das braunkäppige Weibchen mit Futter durch die Zweige huschen. Also beschloss ich, zu bleiben. Hinter mir im Wald schreckte ein Bock. Sollte er Wind von mir bekommen haben? Eigentlich wohl nicht, aber am Waldrand ist vieles möglich...
Die Sonne hatte sich schon ein Stück über den Horizont gearbeitet, tauchte die Landschaft in ein angenehmes Licht. Die Feldlerchen tirilierten über den Zuckerrüben, etwas weiter entfernt mischte sich eine Heidelerche darunter - nicht eben häufig hört man sie in unserem Revier.
Langsam schweifte mein Blick über die Zuckerrüben. Etwa 120 Meter vor mir war ein Feldsoll eingesprengt, das durch einige Eschen und ein paar Weidenbüsche umrahmt war. Rechts von mir grenzte an die Zuckerrüben ein Maisfeld. In den letzten Jahren führte zu fortgeschrittener Maiszeit regelmäßig ein stark frequentierter Wechsel vom Mais zum Feldsoll. Sowohl Sauen als auch Rotwild suchten die Wasserstelle sehr gern auf. Nun war der Mais ja noch nicht interessant, weder für Sauen noch für Rotwild. Da ich diesen Teil des Reviers aber erst seit Beginn des Jagdjahres selbst bejage, war ich einfach mal neugierig. Bislang hatte ich den Teil des Reviers erst einmal in Ruhe gelassen, weil es vorher an anderer Stelle wichtiger war, den Sauen auf die Schwarte zu rücken.
Ich genoss den Morgen, ich genoss die Stimmung. Gedankenverloren beobachtete ich Mümmelmann, dem die Zuckerrübenblätter offensichtlich sehr mundeten. Er langte kräftig in das Frühstück. Gar nicht weit entfernt entdeckte ich Nr. 2, dann Nr. 3...
Die Feldhasenbesätze hatten sich in den letzten drei Jahren sehr erfreulich entwickelt. Räude und Staupe hatten unter seinen Feinden ordentlich aufgeräumt, besser als man es als Alleinkämpfer auf großer Fläche mit der Waffe je könnte. Aber das Tal war für Reinicke durchschritten, es ging wieder bergauf, trotzdem ich jeden Fuchs mitnehme, den ich bekommen kann. Mal sehen, wie es mit den Hasen weitergeht.
Beim Abglasen des gegenüberliegenden Feldrandes entdecke ich zwei Stücken Rehwild. Als erstes konnte ich einen jungen Bock ausmachen, wohl zweijährig aber eher schwach. Das zweite Stück entpuppt sich als Schmalreh. Das Böcklein hegte reges Interesse an der jungen Dame. Sollten die beiden sich ruhig in meine Richtung bewegen. Das Schmalreh würde mir gut passen...
Obwohl sie lange in den Rüben unterwegs waren, in Reichweite gelangten sie nicht. Angehen wollte ich sie aber auch nicht - mir fehlte die passende Deckung. So löste sich meine Hoffnung in Luft auf, fast eine Stunde nach der Entdeckung der beiden.
Wohl keine hundert Meter rechts von mir sah ich in den Augenwinkeln ein Regen. Langsam wendete ich mich ihm zu. Aber weder Reh noch Sau, kein Fuchs und auch kein Marderhund war es, der da aus dem Waldrand trat. Mein vorsichtiger Blick durch das Fernglas bewies: es war Universitas - korrekt eigentlich Universitas II.
Universitas II ist ein Kranich. Genauer gesagt das Männchen des Kranichpaares, das in diesem Jahr erstmals im Wald hinter mir Revier bezogen hatte. Nein, das Revier selbst existiert seit einigen Jahren. Und in den letzten drei Jahren wurde dort erfolgreich gebrütet. Aber in diesem Jahr ging es im Revier drunter und drüber.
Gut, sachlich würde der Vogel "BuBkBu-RWBu" heißen. Aber es gibt für diesen Vogel einen Paten. Eine Schule hatte sich bei den Beringern gemeldet unbd wollte die Patenschaft übernehmen für den Vogel. Und die Schüler tauften den Kranich halt auf Universitas II. Ist vielleicht auch etwas gefälliger als "BuBkBu-RWBu".
Universitas II kenne ich seit seiner Geburt. Als nichtflügger Jungvogel wurde er beringt, genau wie sein Geschwister. Und schon im ersten Herbst seines Lebens entdeckte ich ihn mit seiner Familie während der Herbstrast auf Rügen. Von da an trafen wir uns auf Rügen immer wieder. Allerdings war dies bislang immer erst im Spätsommer und Herbst der Fall. Bis zum Jahr 2014 war sein Geschwister oft nicht weit, wenn ich ihn entdeckte. Aber das war eher Zufall, finden sich noch nicht fortpflanzungsfähige Kraniche im Sommer doch oft an speziellen Plätzen ein und bilden dort manchmal schon größere Gruppen.
Im letzten Jahr aber war es anders. Anfang April fiel mir in einem anderen Revier ein Kranichpaar auf. Das machte mich stutzig, denn zu diesem Zeitpunkt waren die Revierinhaber schon mit der Brut beschäftigt. Der Blick durch das Spektiv brachte Klarheit, es war nicht das Revierpaar sondern eben Universitas II mit Partnerin - die Ringe wiesen den Kranich eindeutig aus. Aber schon nach einem ersten Duett des jungen Paares erschien einer der beiden Revierinhaber und vertrieb die Neuankömmlinge. Sie flogen nach Norden ab und ich folgte ihnen mit dem Pkw. Zwei Kilometer weiter landeten sie an einem Erlenbruch im Grünland. Diesen Bereich erkoren sie zu ihrem Revier. Aber eine Brut tätigten sie noch nicht, obwohl Universitas II in seinem fünften Lebensjahr durchaus fortpflanzungsfähig sein sollte. Sein Weibchen schien jünger zu sein.
Das Revier hielten sie bis zum Juli, bevor sie sich planmäßig an den Sammelplätzen einfanden. Bis Ende Oktober wurden sie an verschiedenen Rastplätzen Rügens beobachtet und zogen dann nach Niedersachsen. Aber schon Anfang Dezember entdeckte ich das Paar wieder auf Rügen. Erst der Jahreswechsel mit seinem Wintereinbruch veranlasste beide zum neuerlichen Abzug nach Südwesten. Dieser führte sie bis nach Frankreich, wo sie sich aber nicht lange aufhielten. Wenige Tage nach einer dortigen Beobachtung konnte ein guter Bekannter von mir die beiden Kraniche wieder in Niedersachsen beobachten. Und Anfang Februar waren sie wieder bei mir.
Die Tage vergingen, es stellte sich langsam frühlingshafteres Wetter ein. Universitas II bezog mit seiner Gemahlin aber nicht das vorjährige Revier, das sich in dem von mir gepachteten Jagdrevier befand, er setzte quasi noch einen drauf und stellte sich mir Anfang März als neuer Brutrevierinhaber des jetzt hinter mir befindlichen Erlenbruchs vor. Meine Freude war groß. Es ist schon sehr schwierig, einen beringten Kranich irgendwo als Revierinhaber zu entdecken. Und so war es für mich als Vogelverrückten quasi ein Sechser im Lotto, nicht nur irgendeinen beringten Kranich quasi unter meinem Hochsitz zu haben, sondern den beringten Kranich, dessen Lebensgeschichte man selbst sehr intensiv bis zu dem Zeitpunkt verfolgt hat. Jeder Rotwild-, Damschaufler- und Rehbockfreund unter uns kennt das Gefühl....
Gut, dass man sich über einen individuell bekannten Kranich als Jäger auch so freuen kann, wird hier wahrscheinlich nicht jeder User verstehen können, mancher sicher schon...
Aber die Freude über Universitas´Anwesenheit bei mir im Revier hielt nicht lange. Wenige Tage später erschien wohl das Paar vom Vorjahr und vertrieb Universitas II aus dem Revier. Vermutlich hatte der junge Kranich bei der Gelegenheit auch seine Partnerin verloren. Ich traf ihn in den Folgetagen immer allein an, bevor er ganz untertauchte.
In den Tagen vor dem Revierrauswurf hatte ich schon beobachten können, wie Universitas sein Revier entschlossen gegen einen fremden Kranich verteidigte. Dabei zeigten beide Vögel rasante Verfolgungsflüge (die ich ihnen in der Form gar nicht zugetraut hätte) und mussten permanent auf eine das Revier durchschneidende Mittelspannungsleitung achten. Vor ein paar Jahren war dort schon einmal ein Kranich bei Revierstreitigkeiten hineingeraten. Auch Rotmilane und Mäusebussarde fand ich darunter...
Die Wildkamera im Kranichrevier bestätigte dann die feindliche Übernahme und ab Mitte März wurde nun durch dieses alte/neue Paar gebrütet.
Meine Suche nach Universitas blieb bis Ende März erfolglos. Dann entdeckte ich auf dem Chip der Revierkamera plötzlich wieder Universitas II. Allem Anschein nach hatte er das Revier zurückerobert. Er hatte eine Partnerin dabei. Und in den nächsten Tagen konnte ich ihn häufiger im Umfeld des Erlenbruchs entdecken.
Zu meiner Freude bestätigte mir die Wildkamera, dass die Partnerin von Universitas II wohl ab dem 13. April brütete. Ich hatte schon befürchtet, dass es auch in diesem Jahr nicht klappen würde mit dem Nachwuchs. Um so erfreulicher nun diese Erkenntnisse. In den Folgetagen mied ich die Nähe des Brutplatzes. Jagdlich war eh eine andere Priorität gesetzt - die frisch gedrillten Maisflächen forderten jetzt ganze Aufmerksamkeit. Daher entdeckte ich nach etwa 14 Tage Brutzeit eher zufällig, dass im Kranichrevier etwas nicht stimmte. Plötzlich standen beide Altvögel wieder im Feld - die Brut musste aufgegeben sein.
Die Wildkamera zeigte, dass offensichtlich wieder ein fremdes Paar das Revier erobern wollte. Zwei unberingte Kraniche tanzten vor der Kamera umher...
Universitas und Frau konnten das Revier zwar offensichtlich behaupten, doch das Gelege war wohl in der Zeit ohne Aufsicht durch Kolkraben oder Marderhund und Co. beseitigt wurde... Das musste es mit einer eventuellen Brut dann aber wirklich gewesen sein.
Bis zum 16. Mai rannten beide Kraniche im Großraum des Reviers herum, machten einen auf "frisches Sommerleben". Ich rechnete damit, dass sie das Revier nun verlassen und sich den Nichtbrütern anschließen würden - ein typisches Verhalten nach einem Gelegeverlust zu so fortgeschrittener Zeit. Aber: sie blieben - und tatsächlich zeitigten sie ein neues Gelege, das ab dem 16. Mai bebrütet wurde. Die Tage und Wochen vergingen. Auf der Kamera im Brutwald war meist nur das beringte Männchen zu entdecken. Offensichtlich hatte das Weibchen eine sehr große Bindung zum Gelege und ließ es auch in den Brutpausen kaum aus dem Auge.
Ich hatte den potentiellen Schlupftermin längst errechnet und war gespannt wie ein Flitzebogen, als der Termin herankam. Dämlicherweise stieg genau zu diesem Zeitpunkt die Kamera aus - ich saß im Dunkeln. Kraniche waren nicht zu entdecken. Die umliegenden Felder blieben leer, in den Wald ging ich bewusst noch nicht. Immer wieder hatte ich versucht, die Kamera in Gang zu bringen, zuletzt gestern Nachmittag.
Und jetzt stand Universitas nicht weit von mir im Feld. Er entdeckte mich nicht, schritt bedächtig durch die Rüben. Und dann war auch das Weibchen zu sehen. Sehr vorsichtig bewegte sie sich, sehr langsam. Doch von Nachwuchs war nichts zu entdecken. Da hatte es trotz der ganzen Bemühungen wohl doch nicht geklappt mit dem Nachwuchs. Ein wenig enttäuscht war ich nun doch. Und so ließ ich beide Kraniche in´s Feld ziehen, beobachtete noch mit Freude, wie Universitas II einem heranschnürenden Fuchs entgegentrat, die Schwingen ausbreitete und mit seiner Partnerin gemeinsam Reinicke überzeugte, einen weiten Umweg Richtung Wald zu nehmen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie selbstbewusst Kraniche sein können.
Ein Freund von mir konnte das erfolgreiche Abwehrverhalten eines Fuchses durch einen brütenden Kranich am Nest dokumentieren...
Als beide Kraniche hinter dem Feldsoll verschwanden, baumte ich ab. Naja, jagdlich gesehen war dieser Morgen eher eine Nullnummer. Doch es war ein schöner Morgen, der mir keineswegs Leid tat.
Auf dem Weg zum Auto ging ich noch schnell an der Kamera vorbei und tauschte den Chip. Hoffentlich hatte ich das Ding nun endlich wieder in Betrieb bekommen, vielleicht war ja das Problem wenigstens behoben.
Die Überraschung kam zu Hause am Rechner: Tatsächlich lief die Kamera wieder - und bescherte mir ein erstes Foto von Universats II, seiner Partnerin und zwei etwa eine Woche alte Kücken...
Vor so viel Durchhaltevermögen kann man nur den Hut ziehen... Und ja, manchmal wachsen einem alten Orni und Hasser dieser permanenten Vermenschlichung von Tieren bestimmte Piepmätze richtiggehend an´s Herz. Dann freut man sich ein bißchen mehr als bei "normalem" Kranichnachwuchs, den man sonst registriert, in Datenbanken eingibt, statistisch bewertet usw.

Und soll ich euch was sagen...? Ich drücke schweinemäßig die Daumen, dass Universitas mit seiner Partnerin die Jungen auch groß bekommen....

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Rapsjaeger

Rapsjaeger

Alter: 51 Jahre,
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Kommentare

01.07.2016 18:20 7x65R
Richtig schön erzählt. Hoffen wir das beste für den Nachwuchs.
Hoffentlich bleiben dir Universitas und Gattin noch viele Jahre erhalten.
02.07.2016 14:00 kong
Danke...mich hat es umgerissen

Ich kann es Dir nachempfinden, leider kann ich nur einmal "Daumen hoch" drücken...
04.07.2016 17:46 Hesse
Ein großartiger Bericht!
04.07.2016 20:01 Rapsjaeger
7x65R schrieb:
Richtig schön erzählt. Hoffen wir das beste für den Nachwuchs.
Hoffentlich bleiben dir Universitas und Gattin noch viele Jahre erhalten.


In einem anderen Kranichrevier kenne ich einen Kranichpapa, der jetzt 14 Jahre alt ist. Da hätte Universitas noch was vor sich. Leider aber werden die wenigsten Kraniche 14 Jahre. Dennoch hoffe natürlich auch ich, dass er mir mit seiher Partnerin noch einige Jahre erhalten bleibt. Er hatte ja gerade erst seinen 5. Geburtstag...
04.07.2016 20:04 Rapsjaeger
kong schrieb:
Danke...mich hat es umgerissen

Ich kann es Dir nachempfinden, leider kann ich nur einmal "Daumen hoch" drücken...


Danke! Auch das macht für mich das Jagen in einem "eigenen"Revier aus - der Blick für das Drumherum, die Freude auch über solche Dinge...
04.07.2016 20:05 Rapsjaeger
Hesse schrieb:
Ein großartiger Bericht!

Danke. Ich bleibe dran. Und wenn alles gut geht, werden wir die beiden Winzlinge noch beringen...
09.07.2016 10:02 WiednerDerSteirer


<< herrlich >> in und mit der Natur leben und Dankbar sein, ein Teil davon zu sein!
>> schön das es das noch gibt
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