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Meine Erlebnisse als Jungjäger

Aus dem Leben eines Jungjägers (1 Eintrag)

Mein erster erlegter Rehbock In der Wildkammer Knappe 13 kg
420 mal angesehen
17.06.2016, 16.23 Uhr

Das erste Mal vergisst man nie...

Das erste Mal vergisst man nie, sagt man, und das ist auch gut so, denn diese Erinnerung möchte ich nie vergessen.

Gestern, am 16.06.2016 war es so weit. Ich war mit meinem Jagdherrn und Freund Hajo zum Abendansitz verabredet. Hajo nimmt mich derzeit unter seine Fittiche und bringt mir die Jagdpraxis näher. Er ist Pächter eines schönen Wald- und Feldreviers in meiner Gegend, also beste Voraussetzungen, das theoretisch gelernte in der Praxis anzuwenden und eigene Erfahrungen zu sammeln.

Mit Hajo saß ich bereits 3 mal im Waldrevier an, leider ohne jeglichen Anblick. Die Vegetation in den Wäldern ist derzeit sehr hoch und bietet dem Wild hervorragende Deckungsmöglichkeiten. Dazu kommen noch die verkleinerten Schussschneisen die die Chance auf Jagderfolg noch weiter schmälern.

Nachdem wir besprochen hatten, was zu tun ist, kamen wir zu dem Schluss, dass ein Ansitz an den Feldern der Waldgrenze im Revier am vielversprechendsten sein wird. Wir entschieden uns, zwei benachbarte Kanzeln zu besetzen, welche jedoch keinen Sichtkontakt zueinander boten. Nachdem Hajo mich in einiger Entfernung zur Kanzel abgesetzt hatte, machte ich mich zu Fuss auf den restlichen Weg von ungefähr 80 Metern. Möglichst leise näherte ich mich der Kanzel und blickte mich auf halber Höhe der Leiter um, ob nicht bereits Wild in Anblick zu bekommen ist. Zu sehen war nichts, also weiter die Leiter hoch. Die Stufen waren aufgrund des Dauerregens relativ vermoost und glitschig, aufgrund dessen jeder Schritt wohl bedacht sein wollte um nicht mit Sack und Pack einen Abflug zu machen. *Schleichwerbung an* Ordentliches Schuhwerk, in meinem Falle die Stiefel "Scout" der Marke "HAIX" haben sich auch hier bestens bewährt. *Schleichwerbung aus*

Oben in der Kanzel angekommen richtete ich mich in Erwartung eines langen Ansitzes bis in die Nacht, häuslich ein. Sitzkissen, Fernglas und Trinkflasche ausgepackt, Gewehr geladen, gespannt und gesichert in der Ecke abgestellt und zum ersten Mal die Umgebung abgeglast. Hierbei habe ich mir bereits angewöhnt, markante Punkte im Gelände mit dem Entfernungsmesser meines Leica Geovid auszumessen. Es war jetzt ungefähr 19:45 und der Dauerregen legte einen sanften Wasserschleier über den Wald und die Felder. Da gleichzeitig auch die Deutsche Fussballnationalmannschaft heute ein Spiel zu bestreiten hatte, waren die Strassen entsprechend leer und der Regen verlockte keinen Wanderer oder Mountainbiker dazu, die warme Stube zu verlassen - des einen Leid des anderen Freud, sagt man.

Mittlerweile machte sich ein kleines Loch im Kanzeldach bemerkbar, was mich dazu zwang, eine etwas unbequeme Haltung einzunehmen, sofern ich, dank des Regens, nicht die ganze Zeit angetropft werden wollte. 20:00 Uhr - ein weiteres mal lass ich den Blick durch die Gegend schweifen und erkenne am Wald/Feld Rand einen braunen Fleck, welcher vorhin da noch nicht war. Ein Blick durchs Fernglas liess meinen Puls schlagartig in die Höhe schnellen. Da stand in 98 Metern Entfernung ein äsender Gabler, lauscherhohes Gehörn und eher schwach im Wildbret. Lautlos hob ich meine Sauer 202 an und legte den Schaft auf der Kanzelbrüstung ab. Tausend Gedanken schossen mir in Sekundenbruchteilen durch den Kopft, also konzentrierte ich mich auf das gelernte. Vergrößerung einstellen - in meinem Fall musste ich mein Schmidt & Bender auf 12x stellen um den Bock detailiert beobachten zu können. Der Regen erschwerte den Anblick, ich konnte jedoch gut sehen, dass der Bock nicht optimal zu mir stand.

Sekunden kamen vor wie Stunden und ich versuchte meinen Puls durch kontrollierte Atmung unter Kontrolle zu bringen. Der Gabler äste weiter vor sich hin und machte hin und wieder einen Schritt nach vorn, leider ohne sich zu drehen. Wird er wieder in der Dickung verschwinden? Weiter beobachte ich und merke, wie die Anstrengung meinen Augen zu schaffen macht. Ich nehme den blick vom Fernglas und schließe kurz die Augen um zu entspannen. Wieder gehe ich in den Anschlag und kann diesmal erkennen, dass er jetzt relativ gut steht, zwar nicht perfekt breit, aber gut genug für einen tödlichen Kammerschuss.

Den Finger an den Abzug, der Sicherungsstift gleitet lautlos nach oben, alles ist bereit für den Schuss. Ich erhöhe langsam den Druck am Abzugszüngel, das absehen bewegt sich mit der Atmung auf und ab. Ich atme noch einmal ein und langsam aus, halte die Atmung an und lass fliegen...

Durch den Blick durchs Zielfernrohr beobachte ich den Gabler, keine Flucht, er steht da, rührt sich nicht, tut noch ein, zwei Schritte und legt sich im hohen Gras ab - ich sehe ihn nicht mehr.

Ich repetiere durch und beobachte die Stelle weiter durch das Zielfernrohr. Es rührt sich nichts. Wieder schießen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Habe ich gut getroffen? Was, wenn ich ihn nur angeschossen habe und er noch leidet? Gedanken über Gedanken. Ich kontaktiere Hajo über das Handy und bitte ihn, mir bei der Bergung zu helfen. Kurz darauf kommt er auch schon angefahren und wünscht mir ein Waidmannsheil. Ich bedanke mich, bitte ihn aber damit zu warten, bis wir sicher sind, dass alles gut gelaufen ist.

Zusammen laufen wir die Strecke zum Anschuss ab und da lag er, im hohen Gras, zusammengerollt als ob er schlafen würde, mein erster, eigens erlegter Bock. Überglücklich und erleichtert nehme ich Hajos Waidmannsheil entgegen und verabreiche dem Bock seinen letzten Bissen. Nach kurzer Totenwacht versorgen Hajo und Ich das Stück vor Ort und bringen es in die nahegelegene Wildkammer zur weiteren Verarbeitung.

Diesen Tag, diese Erfahrung werde ich hoffentlich nie vergessen. Es gibt noch sehr viel zu lernen für mich aber ich merke, dass für mich die Jagd inzwischen einen besonderen Stellenwert in meinem Leben eingenommen hat und ich darauf brenne, mehr über das Waidhandwerk zu lernen.

Waidmannsheil wünscht Euch,
sCorpse aka Olli

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Geschrieben von

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sCorpse

sCorpse

Alter: 36 Jahre,
aus Eriskirch
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Kommentare

18.06.2016 12:46 Gento
Waidmannsheil !
20.06.2016 11:02 braegel
Waidmannsheil!

Sehr schön geschrieben!
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