Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche
zum Blog "Unter Kannibalen"
937 mal angesehen
07.12.2015, 11.21 Uhr

Unter Kannibalen

Es war während der letzten kurzen Frostperiode als der Ansitzplatz für die kommende Nacht schnell feststand: die große Kanzel 100 Meter vom Waldrand entfernt, sie steht seit 25 Jahren strategisch günstig an bzw. über einem Entwässerungsgraben im Feld.

Die einsehbaren Suhlen am Waldrand waren fleißig angenommen, der Wind passte, auch der Mond tat sein möglichstes um die Szene zu beleuchten und die Maisreste waren ständig von Sauen angenommen. Was will man mehr?

Bis Mitternacht geschah nicht viel, Fuchs und Dachs sowie Reh- und Damwild ließen sich gelegentlich blicken, jedoch keine Borste in Sicht.

Endlich waren vom frostigen Boden Laufgeräusche zu hören die man den Schwarzen zuordnen könnte, doch das kernige knacken und brechen von Ästen fehlte. Es dauerte schon eine ganze Weile bis ich endlich im diffusen Mondlicht zwei Frischlinge ausmachen konnte.
Nun ja besser als nichts und als Küchenschwein waren sie allemal gut, so 25 kg war meine Schätzung.

Es dauerte nicht lange, schon stand ein Stück breit und die .30-06 verließ mit lautem Donnern den R8, das Stück ging hochflüchtig in die nahe Dornenhecke ab, - wohin auch sonst?

Diese verfluchte Schlehenhecke, wie oft habe ich sie schon durchkrochen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 % flüchtet jedes beschossene Stück in oder durch diese Hecke in die anschließende Dickung.
Es gab schon ernsthafte Überlegungen meinerseits so eine Art „Rückegassen“ für die Bergung in die Schlehen zu schneiden………

Meine berechtigte Hoffnung der zweite Frischling kommt zurück wurde zwar mehrfach erfüllt, doch die Hecke hat er nicht verlassen weil dort wahrscheinlich sein Kollege lag.

Die Zeit verging und nun hatte auch der übrig gebliebene Frischling verstanden dass er seinen Weg alleine fortsetzen muss, also Zeit für die Bergung.

Eben wollte ich das Kanzelfenster schließen als krachende Äste und laute Geräusche von ziehendem Schwarzwild in meine Richtung zu hören waren. Natürlich führte sie ihr Weg zunächst in diese schon beschriebene Hecke, das war´s wohl, wenn die den Frischling wahrnehmen geht die Post ab.
Schon konnte ich blasen und den tiefen Warnlaut eines Stückes hören, - in Gedanken begann ich schon mit der Rodung dieser elenden Hecke……….

10 Minuten waren bereits vergangen, kein Geräusch drang an mein Ohr, plötzlich doch ein paar Schritte im harschigen Untergrund, ja sie kamen tatsächlich auf die freie Fläche zu den Maisresten.
Eine starke Bache, eine Überläuferbache und 6 Frischlinge < 10 kg begannen gierig ihre Mahlzeit.

Die Bache war sichtlich nervös, zog ständig hin und her, verschwand auch immer wieder für mehrere Minuten in der Hecke und fand einfach keine Ruhe. Auch nach einer Stunde immer noch das gleiche Verhalten. Endlich verschwanden sie in der Dickung und es kehrte wieder Ruhe ein.

Jetzt war es höchste Zeit für die Bergung meiner Beute, also nichts wie runter von der Kanzel um den Frischling endgültig in Besitz zu nehmen.

Am Stück angekommen (wieder einmal kriechend) bot sich mir das Bild wie man auf dem Foto sehen kann: Wurf und ein Teller waren abgefressen, also war ich die ganze Zeit unter Kannibalen!
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

sau_hund

sau_hund

Alter: 62 Jahre,
aus BAYERN
Anzeige

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

07.12.2015 12:56 Gesch
ich selber habe es direkt noch nicht erlebt, war aber zweimal beim Bergen dabei, wo Sauen Kanibalismus betrieben hatten, einmal wie bei Dir beschrieben, beim weiteren Mal auch noch den Pürzel mit weg.

Ich schließe daraus, daß ein totes Stück Schwarzwild nicht in jedem Falle für andere Sauen (aus einer anderen Rotte) abschreckend wirken muß...
07.12.2015 16:03 Rapsjaeger
Weidmanns Heil! Aber hättest du nicht die Chance nutzen können auf einen zweiten Frischling? Oder warst du dir zu unsicher ob des ersten...?

Sauen haben relativ wenig Probleme mit kurz vorher erlegten Sauen, wenn sie drauf stoßen. Ich habe an Kirrungen schon drei Mal erlebt, dass nach einer halben Stunde nach dem ersten gestreckten Frischling eine andere Rotte erschien und den liegenden Frischling zwar bewindete aber nicht ernsthaft Probleme mit hatte. In allen Fällen konnte ich einen weiteren Frischling mitnehmen.
07.12.2015 17:50 Gangloff
Kannibalismus beim Schwarzwild ist nicht neu aber auch kein allgemeines Verhaltensmuster. Sauen sind im hohen Grade lernfähig, besonders wenn sie auf den Geschmack gekommen sind.
Es gibt ja auch Rotten, welche dem Rehwild nachstellen oder im Frühsommer die Wiesen nach den Kitzen absuchen. Polnische Wissenschaftler haben festgestellt, dass in einem bestimmten Bestand 30 % des aufgenommenen Fraßes aus
tierischen Eiweiß, sprich Wildbret, besteht.
Du solltest diese Rotte ordentlich "durchleuchten".
07.12.2015 18:27 sau_hund
Rapsjaeger schrieb:
Weidmanns Heil! Aber hättest du nicht die Chance nutzen können auf einen zweiten Frischling? Oder warst du dir zu unsicher ob des ersten...?

Sauen haben relativ wenig Probleme mit kurz vorher erlegten Sauen, wenn sie drauf stoßen. Ich habe an Kirrungen schon drei Mal erlebt, dass nach einer halben Stunde nach dem ersten gestreckten Frischling eine andere Rotte erschien und den liegenden Frischling zwar bewindete aber nicht ernsthaft Probleme mit hatte. In allen Fällen konnte ich einen weiteren Frischling mitnehmen.


Waidmannsdank!
Hab schon auf die Frage gewartet wegen dem zweiten Frischling jeder hat halt so seine Prinzipien..........
Das die Sauen keine Vegetarier sind habe ich schon erlebt: ein Bock ist nach dem Schuss in die Dickung geflüchtet, der Hund war zuhause (wohne im Revier), als ich eine viertel Stunde später kam war von dem Bock nicht mehr viel übrig, konnte sogar die wegziehende Rotte hören.
Vor Jahren war ein junger Keiler der im Graben an der Wald- Feldkante gelauert hat bis die Geißen (Mehrzahl gab es damals noch) mit ihren Kitzen auf die Wiese austraten. Die Geiß sprang über den Graben, das Kitz musste durchlaufen, da kam die Sau angeschossen, hat das Kitz gepackt und ist damit im Wald verschwunden.
Das Sau - Sau frisst hatte ich bis dato noch nicht erlebt, selbst der von Hand aufgezogene Frischling hat jedes Reh sofort angepackt, doch niemals einen Artgenossen.

08.12.2015 09:59 6555
Vll wars ja doch ein Fuchs...
08.12.2015 14:45 Rapsjaeger
sau_hund schrieb:
Waidmannsdank!
Hab schon auf die Frage gewartet wegen dem zweiten Frischling jeder hat halt so seine Prinzipien..........
Das die Sauen keine Vegetarier sind habe ich schon erlebt: ein Bock ist nach dem Schuss in die Dickung geflüchtet, der Hund war zuhause (wohne im Revier), als ich eine viertel Stunde später kam war von dem Bock nicht mehr viel übrig, konnte sogar die wegziehende Rotte hören.
Vor Jahren war ein junger Keiler der im Graben an der Wald- Feldkante gelauert hat bis die Geißen (Mehrzahl gab es damals noch) mit ihren Kitzen auf die Wiese austraten. Die Geiß sprang über den Graben, das Kitz musste durchlaufen, da kam die Sau angeschossen, hat das Kitz gepackt und ist damit im Wald verschwunden.
Das Sau - Sau frisst hatte ich bis dato noch nicht erlebt, selbst der von Hand aufgezogene Frischling hat jedes Reh sofort angepackt, doch niemals einen Artgenossen.




Alles gut wegen der Prinzipien...
08.12.2015 19:11 sau_hund
6555 schrieb:
Vll wars ja doch ein Fuchs...

.......kann ich ausschließen!
10.12.2015 22:50 ZH-7x57
Weidmannsheil! Sauen sind unberechenbar. Es wurde schon öfters bemerk, manche Sauen lassen sich nicht von der Toten (erlegten ) Sau nicht abschrecken und nehmen die Kirrung an. Das Anschneiden von Artgenossen konnte ich noch nicht beobachten.
13.12.2015 12:46 Dackelfan
Hallo, gut geschrieben, Waidmannsheil zur Sau! Deine Überlegung mit den Rückegassen ist absolut richtig!

An 2 Kirrungen die auch von Schwarzdorn gesäumt sind, habe ich ebenfalls etwa 1 m breite " Rückegassen " hineingeschnitten. Außerdem ist das sehr praktisch bei einer evtl. Nachsuche die am Anschuß beginnt, kann auch mal paralell zur Schweißfährte gestartet werden.
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Anzeige
Zum Seitenanfang