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Jagdgeflüster

Erlebnisse auf der Jagd (1 Eintrag)

Beute gemacht Hochsitz Gehörnte Ricke
599 mal angesehen
02.12.2015, 15.07 Uhr

Gemeinsam Jagd erleben - die Weitergabe des Feuers

Früh morgens ging es los, wir waren schlaftrunken und eigentlich überhaupt noch nicht mental da angekommen, wo wir eigentlich sein sollten. Aber der Kalender zeigte den 16.10.2015, ein besonderer Tag. An diesem Tage ging es los zum Gut Grambow, einer Jagdschule im schönen Mecklenburg-Vorpommern.
Wie wir, eigentlich im nordrhein-westfälischen Kaarst beheimatet, dort hinkamen?
Hierzu gibt es eine einfache Erklärung:
Ich, Anke, habe vor einiger Zeit einmal bei einem jagdlichen Gewinnspiel rund um das Thema „Gemeinsam Jagd erleben“ mitgemacht. Dieses war schon beinahe in Vergessenheit geraten, bis ich am 15.09.2015 einen Brief der Firma Sauer im Briefkasten vorgefunden habe. Dort wurde mir tatsächlich mitgeteilt, dass ich ein Wochenende ganz im Zeichen „Gemeinsam Jagd erleben“ auf Gut Grambow gewonnen habe. Doch damit nicht genug, nein, auch eine nichtjagende Begleitung war ebenfalls bei diesem Wochenende mit eingeladen.
Also nicht lange überlegt und meinen Freund Klaus gefragt, ob er mit von der Partie ist.
Und wie er dabei sein wollte!

Entgegen des typischen Klischees bin ich übrigens der jagende Part in der Beziehung, damit befindet sich die Jagd in unserem Falle (noch) in alleiniger Frauenhand.

Nun ging es am 16.10.2015 also los. Nach einer langen, aber unproblematischen Autofahrt kamen wir auf Gut Grambow an und wurden sehr herzlich empfangen.
Nach dem obligatorischen Teil, wo es um die Zimmerverteilung und einige organisatorische Punkte ging, fuhren wir auch schon mit den zwischenzeitlich ebenfalls eingetroffenen anderen „Zweiertrupps“ von Jägern und Nichtjägern los zum Schießstand. Die Sympathie war von Anfang an immer mit von der Partie.
Natürlich wurden wir unterstützt von den dlv-Fachmedien, dem Equipment der Firma J.P. Sauer & Sohn und der tatkräftigen Mithilfe von den Mitarbeitern von Gut Grambow.

Auf dem Schießstand lernten wir dann verschiedene Repetierer der Firma Sauer kennen.
Ich für meinen Teil bekam eine Sauer 101 Artemis, eine wundervolle führige Waffe, im Kaliber .30-06 zugeteilt. Mein Freund bekam eine Sauer Synchro XT in .308 Win. für den Schießstand zugeteilt, meine Sauer war hingegen auch für die folgenden Ansitze fortan meine Begleitung.
Und was soll man zum Schießen sagen, mein Freund entpuppte sich als absolutes Naturtalent.
Bei den zwei abgegebenen Schüssen auf den Bock (100 m, sitzend aufgelegt) traf er zweimal mitten in die 10. Wenn das keine idealen Voraussetzungen für den eigenen Jagdschein sind, dann weiß ich auch nicht. Ebenfalls wurde auch auf den laufenden Keiler geschossen, hier wurde dann so richtig der Jagdinstinkt geweckt. Nach zwei unterhaltsamen Stunden auf dem Schießstand ging es zurück zum Gut Grambow.
Dort wartete der frisch gebackene Kuchen mit Kaffee auf uns.
Nach dieser Stärkung und einer kleinen Verschnaufpause ging es abends auf den Entenstrich. Ich muss dazu an dieser Stelle anbringen, dass ich zwar seit 2007 den Jagdschein besitze, aber noch nicht in den Genuss kam, einen Entenstrich live zu erleben. Somit war diese Jagd nicht nur für meinen Lebensgefährten eine Premiere.
Also Flinte gepackt, Rucksack geschultert und ab ins Auto.
Nach dem Transfer ins Revier und der Einweisung durch Wesley, einem Mitarbeiter mit englischen Wurzeln von Gut Grambow, ging es dann in die Stände. Nun hieß es abwarten, still sein und bloß nicht falsch bewegen. Irgendwann hörte ich dann über meinen akustischen Gehörschutz die Schwingenschläge von herannahendem Flugwild. Und siehe da, die ersten Enten fielen am Teich ein. Auf das Kommando von Wesley durften wir Jäger uns endlich regen und die ersten Schüsse fielen. Wir kamen nach mehreren Anflügen mit 4 Schützen auf 7 Enten und auch ich konnte an diesem Abend meine erste Ente erlegen.
Die Retriever und der Spaniel, welche zur anschließenden Suche eingesetzt wurden, brachten zuverlässig eine Ente nach der anderen zu ihren Führern.

Nach diesem Abend war das Eis zwischen allen „Teilnehmern“ endgültig gebrochen und man plauderte rege über das Erlebte. Anzumerken sei, dass es zu keiner Zeit irgendwelche Probleme in der Kontaktaufnahme untereinander gab, die Jäger plauderten mit den anderen Nichtjägern und man knüpfte Freundschaften über seinen „Zweierclan“ hinaus.

Nach einem Abendessen, selbstverständlich in guter Jägermanier mit Wild, wurde noch sehr lange vor dem heimelig knisternden Kamin die ein oder andere Jagdgeschichte erzählt. Gerade dies war eine völlig neue Erfahrung für meinen Freund, der eine solche jagdliche Zusammenkunft noch nicht erlebt hatte. Bisher hatte er die Jagd nur wenige Male vom gemeinsamen Ansitz im Niederwildrevier aus kennen gelernt. Umso schöner war es für mich zu sehen, dass er auch hier schnell Anschluss fand und sein Interesse mit den anderen teilen konnte.

Am nächsten Morgen klingelte für den Nichtjäger der Wecker zu einer unschönen Uhrzeit. Für uns Jäger war es der Ruf der Natur.
Was macht man nicht alles, wenn man auf den Morgenansitz möchte? Also Sachen gepackt und auf zum Gut Grambow. Dort bekamen wir Jäger unsere Waffen wieder zugeteilt und wurden auf die verschiedenen Fahrzeuge aufgeteilt. Der Transfer ins Revier erfolgte unmittelbar danach. Im Revier angekommen wurde uns erklärt, wo sich unser Hochsitz befindet. Wir hatten gute 700 m über ein Rapsfeld zurückzulegen bis wir den geräumigen Hochsitz erreichten. Dort richteten wir uns erst einmal häuslich ein und lauschten der Stille der Natur. Langsam aber sicher jedoch erwachte diese zum Leben, aus dem Wald klang der Gesang diverser Singvögel, der Nebel verzog sich und die Morgendämmerung zog langsam über die Landschaft. Am Horizont konnten wir Rehwild ausmachen, viel zu weit weg um an ein Schießen zu denken, aber allein der Anblick lässt mich jedes mal wieder in eine glückliche Stimmung versinken.
Das sind die Momente, die nur wir Jäger erleben und die wir jedes Mal aufs Neue genießen können.

Es machte mich wirklich glücklich, meinen Freund neben mir sitzen zu haben und ihn zu sehen, wie er mit seinem Fernglas die Landschaft abglaste. Man merkte, dass ihn die Jagd wirklich interessiert und dass der Wissenshunger geweckt war.

Irgendwann zog ein einzelnes weibliches Stück Rehwild aus dem Wald auf den vor uns liegenden Acker. Mein Freund flüsterte fragend zu mir rüber „Ricke?“ und schaute ihr weiterhin gespannt beim Äsen zu. Ich nickte und beobachtete die Umgebung ebenfalls aufmerksam. Nachdem wir eine ganze Zeit lang das Stück beobachteten, war ich mir sicher, dass diese Ricke bereits älter und nicht führend war. Ich beschloss also, dieses Stück der Natur zu entnehmen und es zu erlegen. Ein kurzer Blick rüber zu meinem Freund bestätigte mir, dass auch er bereit war. Ein Schuss zerriss die morgendliche Stimmung und warf die Ricke von den Läufen. Nach kurzem Schlegeln war auch am Stück Ruhe eingekehrt.
Mein Freund wünschte mir ein herzliches „Waidmannsheil“, welches ich mit „Waidmannsdank“ erwiderte, ansonsten war wieder Stille bei uns eingekehrt.

Wenn ich ein Stück Wild erlege, bin ich die ersten Minuten immer sehr ruhig und lasse die letzten Momente Revue passieren. Ich müsste lügen, wenn ich behaupte, dass ich beim Erlegen von Wild nichts fühle. Es ist jedes Mal eine regelrechte Gefühlsachterbahn zwischen Jagdfieber und Mitleid mit dem Geschöpf. Um 9 Uhr baumten wir ab, diese Uhrzeit war als Ende der Jagd vereinbart. Mein Freund ging bereits zum Stück, während ich noch im angrenzenden Wald nach einer passenden Eiche für den letzten Bissen suchte. Ich wurde fündig und brach einen Zweig vom Baum ab. Für mich spielt es eine große Rolle, durch diese Geste die Achtung vor dem Geschöpf zu zeigen, ich trat an das Stück heran und legte meine Hand auf den noch warmen, aber leblosen Körper. Ich steckte der Ricke den Bissen in den Äser, erst dann war ich wieder im Hier angekommen und konnte meinem Freund erklären, was dort gerade abgelaufen ist. Wir begutachteten das Stück und ich stellte fest, dass diese Ricke nicht nur alt und nicht führend war, sondern so alt war, dass diese schon Stirnauswüchse, wie kleine Hörnchen, gebildet hat. Es war eine alte, gehörnte Ricke die hier ihre Bahnen zog, ein „Teufelchen“.

Nun stand noch der lange Rückweg zurück zum Treffpunkt an. Die 700 Meter sind also nicht kürzer geworden. Gemeinsam mit meinem Freund wechselte ich mich beim Transport des Stückes ab, aber je länger wir gingen, umso länger wurden die Arme. Wir hatten ja auch noch einiges an Zubehör dabei was auch wieder zurück musste. Der vom Regen völlig aufgeweichte, matschige Acker machte die Sache übrigens nicht leichter.
Irgendwann kamen wir in Sichtweite des Autos und uns kam Sebastian entgegen, um uns helfend zur Hand zu gehen. Nun waren wir aber wirklich geschafft!
Nach kräftigen „Waidmannsheil“-Glückwünschen der anderen Mitfahrer ging es mit der Beute zurück zum Gut Grambow. Dort wartete nun erst einmal die rote Arbeit. Gemeinsam mit Wesley wurde die Ricke aufgebrochen und der Blick in den Äser bestätigte auch den anderen Jägern, dass diese Ricke uralt war. Auch die weiteren Stücke, die an diesem Morgen erlegt wurden, wurden in der Wildkammer fachgerecht versorgt.

Danach ging es erst einmal zum Frühstück, welches gerade Recht kam, um neue Energie zu sammeln. Es wurde über den Ansitz erzählt und die Nichtjäger konnten ebenfalls mit der ein oder anderen Geschichte zum Gespräch beitragen.
Im Anschluss wurde uns dann von Koch Stefan gezeigt, wie man Wild fachgerecht zerlegt und was man alles Tolles mit diesem wertvollen Lebensmittel anstellen kann.
Gulasch war gestern! Fast jedes Stückchen Wildbret konnte sinnvoll und lecker verwendet werden und es bestätigte sich wieder einmal, dass die Scheu vor der Zubereitung von Wildbret völlig unbegründet ist. Bei der Gelegenheit wurden die Nichtjäger im Übrigen direkt mit in die Arbeit eingespannt, die Enten mussten gerupft werden und so konnte mein Freund auch direkt tatkräftig mit anpacken. Dabei hat selbst der Jäger auch noch etwas lernen können!

Nach der Schulung verzog sich der Koch mit den Leckereien in die Küche und für uns war es auch schon wieder an der Zeit, zum Abendansitz aufzubrechen. Also Sachen gepackt und raus in die Natur. Wir saßen an diesem Abend an einem Wildacker an, der von Wald umgeben war. Dieses Mal lies sich aber kein Wild blicken, und so genossen wir nur die frische Luft und den Duft des Herbstes.

Nach dem Ansitz machten wir uns kurz frisch und schmissen uns in abendtaugliche, matschfreie Kleidung.
Denn nun stand ein weiteres Highlight an, ein 5-Gänge-Menü ganz im Zeichen des Wildes. Was dort aufgefahren wurde, ist mit Worten nur schwer zu beschreiben. Jedes einzelne Menü verzauberte für sich und es war von Hirsch-Carpacchio bis über Entenbrust von der selbsterlegten Ente für jeden Geschmack etwas dabei. Es war wirklich ein rundum stimmiges Festmahl und die Mitarbeiter vom Service waren das Tüpfelchen auf dem i.
Ein Wort zu diesem Abend: Wahnsinn!
Wir ließen den Abend gemeinsam vor dem knisternden Kamin ausklingen und waren uns alle einig, dass diese Aktion voll ins Schwarze getroffen hatte.

Mein Freund bekam übrigens von Wesley Infomaterial von Gut Grambow in die Hand gedrückt. Offenbar merkte auch Wesley, dass dort mehr als nur Interesse an der Jagd vorhanden ist. Und tatsächlich ist der Jagdschein für meinen Freund nun in greifbare Nähe gerückt, aus einem „irgendwann mal“ wurde ein „auf jeden Fall sobald es geht“.

Somit war dieses Wochenende nicht nur für mich als Jägerin eine neue und abwechslungsreiche Erfahrung, sondern auch für meinen Freund ein Schritt in die richtige Richtung, nämlich die Jagd richtig zu verstehen und nicht auf die Vorurteile zu hören, mit denen man immer wieder mal konfrontiert wird.

Neben all der jagdlichen Erfahrung und vielen neuen Eindrücken nehme ich insbesondere eins mit von diesem Wochenende: Freundschaften, Gemeinschaft, Zusammenhalt.
Denn dies ist es, was uns Jäger zu einer Einheit macht. Nebst all der Tradition die die Jagd vermittelt ist es eben auch das Moderne, was in die heutige Jagd mit einspielt. Schließlich bin ich als Jägerin ja das beste Beispiel dafür, dass Jäger nicht nur alte Männer mit Hut und Dackel sind, sondern auch Frauen ein Teil dieser Gesellschaft geworden sind.

Meinen Bericht möchte ich hiermit mit einem bekannten und treffenden Sprichwort beenden:

Die Jagd ist nicht das Halten der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.

Und dieses Feuer wurde bei meiner Begleitung definitiv weitergegeben!
Danke an alle für dieses einmalige Wochenende!

Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr für uns beim Jagderleben-Gewinnspiel voten würdet. Jede Stimme zählt :)
Dort sind wir mit unserem Artikel ebenfalls vertreten. Klickt dazu einfach in der rechten Spalte auf das 6. Bild "Klaus und Anke" und bestätigt eure Auswahl am Ende der Seite mit "abstimmen".

Wir brauchen Eure Stimme!

Da mein Freund nach diesem Wochenende nun auch den Jagdschein in Angriff nehmen möchte, wäre der Hauptgewinn natürlich perfekt

Liebe Grüße

Anke und Klaus
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Anke1607

Anke1607

Alter: 29 Jahre,
aus Kaarst
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Kommentare

02.12.2015 16:56 HH318
hab es gern gelesen!
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