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Keiler Keiler Keiler
928 mal angesehen
25.10.2015, 18.28 Uhr

Auge in Auge im Maisfeld

Nach 3 Monaten Praktikum in Nordengland und verpasster Blattzeit hatte sich ein recht großes Jagddefizit angestaut. Ich fuhr also direkt von Newcastle mit der Fähre über Amsterdam zum Revier meiner Verwandtschaft in der Nähe von Heilbronn. Waffe und Munition brachte mir mein Bruder von daheim aus Fürth mit.

In den kommenden Tagen erkundeten wir das Revier und konnten bereits zwei Sauen erlegen.

Am 3. Tag fiel uns ein größerer Schaden in einem Maisfeld auf, der bis dahin nicht bemerkt wurde. Der Maisstreifen war ca. 40m breit und 300m lang. Die kurzen Enden grenzten auf der einen Seite an ein großes, verwildertes Apfelbaumstück und auf der anderen an eine Landstraße. An den langen Seiten war jeweils, durch die Trockenheit noch sehr niedriger Gründung angebaut.
Wir entschieden uns dafür, ca. 30 m vom Apfelbaumstück entfernt einen Drückjagdbock ins Mais zu stellen. Von dort konnte man links das Gründungfeld bis vorne zum Apfelstück, sowie nach rechts eine ziemlich breite Wildschadensfläche bis 30m in das Maisfeld hinein einsehen. Die restlichen 10m waren nicht einsehbar.

Am 3. Abend saß mein Bruder dort. Er konnte die Sauen zwar nicht weit von sich hören, sie passierten jedoch nie die Schneise oder kamen aufs Feld.
Am 4. Abend versuche ich mein Glück. Mein Bruder war mittlerweile wieder abgereist, nur mein Onkel mit von der Partie.

19:00 Uhr: Als ich den Sitz besteige riecht es bereits nach Sau. Ein gutes Zeichen.

21.00 Uhr: Der Mond geht auf und steht in meinem Rücken. Der Wind ist ideal. Mir ist bewusst, dass ich auf dem offenen Sitz über dem Maisfeld und mit Mond im Rücken aus Sau-Perspektive gegen den Horizont sehr gut zu sehen bin, also versuche ich mich so wenig wie möglich zu bewegen. Das Handy bleibt komplett aus.

21:30 Uhr: Krachen im Wald. Ich gehe mit dem Gewehr in den Anschlag Richtung Apfelbaumstück. Fernglas ist am Auge. Dann, eine Sau kommt im hellen Mondlicht aufs offene Feld, genau auf mich zu, dreht allerdings schon nach 5 Metern wieder um und verschwindet im Wald. Das Ganze dauert 2 Sekunden. Ich ärgere mich. Hat sie mich gesehen obwohl ich nicht eine Bewegung gemacht habe? Klar Sauen äugen schlecht aber sie kombinieren besser. Ich glaube sie können einen bewegungslosen, aber gut sichtbaren schwarzen Klumpen auf einem Drückjagdbock besser als Gefahr einstufen als z.B. Rehe. Oder war sie nur überrascht von der Helligkeit auf dem offenen Feld? Ich beschließe noch vorsichtiger zu sein.

22:50 Uhr: Keine zehn Meter neben mir beginnt eine Sau zu brechen. Sie muss direkt neben mir gelegen haben und jetzt aufgestanden sein. Obwohl die Maisstängel an vielen Stellen bereits ausgedünnt sind, kann ich die Sau nicht erkennen. Eigentlich sollte um 23:00 Schluss sein. Ich vereinbare mit meinem Onkel der am nächsten Tag arbeiten muss, doch noch bis 24:00 zu sitzen.

23:00 Uhr: Wieder krachen, eine Sau zieht vom Apfelbaumstück durchs Mais. Ich gehe wieder in den Anschlag, dieses Mal nach rechts Richtung Schneise im Feld. Ich kann die Sau deutlich hören aber sie passiert die Schneise nicht. Beide Sauen brechen jetzt 15 Meter hinter mir Richtung Straße. Eine kleine Schneise geht auch dort hin. Ich wechsle meine Sitzrichtung um 180 Grad um die Sauen möglicherweise doch im Feld zu sehen. Es ist zum verrückt werden. Ich kann Stängel wackeln sehen aber eine Maisreihe muss noch vor den Sauen sein, jedenfalls kann ich trotz hellem Mondschein nichts erkennen.

23:50 Uhr: Ich schreibe meinem Onkel wo ich hin komme, um die Sauen nicht zu stören und am nächsten Tag noch eine Chance zu bekommen.

23.55 Uhr: Zum ersten Mal seit einer halben Stunde werfe ich einen Blick zurück Richtung Apfelbaumstück. Ich traue meinen Augen kaum. Seelenruhig im hellen Mondschein kommt ein großer schwarzer Fleck auf mich zu. Ein Keiler nimmt wohl eine Abkürzung von Apfelbaumstück ins Mais über das freie Feld. Ich habe davor nicht einen Knacks gehört. Meine Gedanken überschlagen sich aber jede Bewegung wäre jetzt Fatal. Eigentlich denke ich, dass der Keiler direkt unter meinem Hochsitz, also hinter der großen Schneise ins dichte Mais wechselt. In diesem Fall stehen meine Chancen nahe null, weil er dann nie breit steht und mit Sicherheit Wind bekommt. Alles was ich tun kann ist abwarten. Und tatsächlich, nur noch 15 m von mir entfernt wechselt der Keiler bereits ins Mais. Er wird also doch die Schneise passieren. Der Keiler ist nur 10m entfernt und von wenigen Maisstängeln verdeckt. Immer wieder verhofft er nun und wird unruhig. Ich schaue ihm direkt in die Augen und kann jedes Detail von ihm erkennen. Bei jeder seiner Bewegungen gehe ich mit meiner Mauser 98 Richtung Schneise in den Anschlag und steche ein. Dann schiebt sich der Wildkörper auf die Schneise. Dort verhofft er abermals. Ihm ist nun sichtlich unwohl. Alles ist mucksmäuschenstill. Hört er meinem Herzschlag? Langsam ziehe ich von oben ins Ziel und sehe nur noch Keiler im Zielfernrohr. Als der Schuss bricht geht der Keiler von mir weg durchs Mais wie ein Bulldozer, dann Stille. Für ein paar Sekunden werde ich vom Jagdfieber geschüttelt und die enorme Anspannung fällt ab. Durch seine unkoordinierte Flucht ist klar, dass er die Kugel hat. Zuerst bin ich sicher dass er liegt, aber dann kommt mir der Gedanke: Was wenn es ruhig wurde weil der Keiler das nur 40m breite Maisfeld auf der anderen Seite verlassen hat?

00.20 Uhr: Weil ich kein Schlegeln oder sonstige Geräusche im raschligen, trockenen Mais mehr gehört habe, bin ich mir mittlerweile sicher, dass der Keiler auf der anderen Seite raus ist. Obwohl ich genau weiß, wo der Keiler stand, gestaltet sich die Suche nach Schweiß schwierig. Alle Maisstängel sind rot gefärbt und mein Gecko-Geschoss hatte schon immer den Nachteil, dass es bei Sauen 70kg+ in der Winterschwarte oft keinen Ausschuss produziert. Nach intensiver Suche entschließe ich mich es noch am Ausgang des Maisfeldes zu versuchen. Dort stehen die Stängel dichter und Schweiß aus Wurf und Einschuss müsste reichlicher vorhanden sein. Zielstrebig laufe ich auf die Stelle zu wo ich ihn das letzte Mal gehört habe, als das Licht meiner Taschenlampe auf etwas schwarzes 2m neben mir fällt. Vor Schreck mache ich einen Satz, dann überwiegt die Erleichterung und Freude. Da liegt er mit schwarz-silberner Schwarte und 85kg aufgebrochen. Das erfolgreiche Ende meines wohl spannendsten Jagerlebnisses bis jetzt.

Waidmannsheil
Tim
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timmm

timmm

Alter: 26 Jahre,
aus Nürnberg
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Kommentare

25.10.2015 19:00 Reven
WMH zur Sau - schöne Geschichte ...
25.10.2015 20:48 Joey57
Waidmannsheil zur starken Sau. Danke für die spannende Erzahlung.
26.10.2015 08:31 swinging_elvis
Super erzählt ! Waidmannsheil zum Keiler! Wie alt soll er denn sein? Waffen abgebrochen? Kann wenig erkennen. Jedenfalls tolles Erlebnis! Horrido. El
26.10.2015 14:01 ElliN
Jop Waidmannsheil klasse erzählt
27.10.2015 09:52 Niederbayer
Waidmannsheil! Toll erzählt!
27.10.2015 11:55 TerrierScotch
WmH zum Keiler
27.10.2015 19:18 duckhunter
Wmh zum Keiler.
Aber da kommen sicher noch spannendere Erlebnisse.
So richtig Auge in Auge im Mais angehen,oder so?!
Saujagd ist sehr vielseitig und mit sicherheit nicht langweilig.
Weiterhin viel wmh
02.11.2015 23:16 forester48
Hallo Tim,

Zielstrebigkeit, Geduld und letztlich die Entschlossenheit haben Dich zum Erfolg geführt. Sehr spannend geschrieben.
Mit herzlichem Wmh
Forester 48
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