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Oh, Du schöne Blattzeit

Blattzeiterinnerungen (7 Einträge)

Sommer-Morgenansitz bei Freunden Sagenhaftes Waidmannsheil zur Blattzeit auf der Alb
419 mal angesehen
24.10.2015, 06.32 Uhr

Was kann schöner sein...

Kratzende Geräusche an den Sohlen der Bergstiefel, eine frische Brise weht, vor mir im Dunklen nehme ich schemenhaft eine lange, hagere Gestalt war…
Im bin auf der Alb in einem Revier nahe Albstadt… nicht nur um zu jagen, auch um Freunde zu treffen… Freunde…

Jetzt geht es über die Straße und einen kleinen Hang hinauf. Das Gelände kenne ich – prinzipiell. Bei einem meiner letzten Besuche war hier allerdings alles knöchelhoch von Schnee bedeckt… jetzt Anfang August sommert es – und wie! Und gerade deswegen hatte ich diese Temperaturen nicht erwartet. Da konnte ich von Glück reden, dass mein Freund noch eine seiner leichten Fließjacke im Kofferraum hatte…

Durch hüfthohen, ausgetrockneten Aufwuchs geht es weiter, hinauf über die gemähte Wiese in Richtung Wald. Mein Ansitz soll die vertraute Fuchskanzel sein, der Freund wollte sich auf einen kleinen Feldsitz keine 150m entfernt begeben. Beide hatten wir somit besten Ausblick auf Weizenacker und Waldkante.

Die Freigabe war vielversprechend. Einen Überläufer konnte der Langhoxerte von hier bereits seiner Kühltruhe zuführen. Weitere wären willkommen. Dies würde natürlich nicht nur dem leiblichen Wohl sondern auch dem guten Verhältnis zum Landwirt dienen… Jetzt zur Blattzeit ging es natürlich auch auf Böcke. Ein passender Jahrling war gesichtet worden, ebenso ein Mehrjähriger, den ich mir gerne anschauen durfte.
Nun, es galt nichts zu überstürzen. Besonnen wollte gejagt werden, viel Genuss und Ruhe statt Hektik, denn die gibt uns der Alltag ja eh schon genug.

Tief atmete ich die aus den gemähten Wiesen aufsteigende, würzige Morgenluft ein. Wir trennten uns. Einen kleinen Bogen beschrieb mein Anwechsel und schon war ich vor der Leiter angekommen. Kurze Zeit später saß ich oben auf meiner Warte, war schnell mit der .30-06 und dem Doppelglas für alles gerichtet. Auch meinen Freund sah ich alsbald sein Leiterchen erklimmen. Die Vorstellung konnte beginnen. Der kühle böige Wind war wirklich erstaunlich ob des sonst so warmen Sommers 2015. Bald aber ließ er nach, ich konnte den Kragen herunterklappen und was blieb war die mir so geliebte Stille in der Natur die nicht nur Schauen sondern auch Verhören ermöglicht. Immer wieder glitten meine mit dem Doppelglas bewehrten Augen über den großen Weizenacker, ob sich nicht ein paar dunkle Flecken zeigten… alles blieb unverdächtig.

Klar war der Himmel und früh vertrieb der grauende Morgen die Nacht. Immer wieder fasziniert mich dieser Übergang, wenn im Glas die ersten Farben erkennbar werden, wenn diese besonderen Minuten eintreten, in denen man besonders aufmerksam nach Wild Ausschau hält. Die Bühne aber – blieb leer. In Silhouette sah ich meinen Freund hocken, schauen, spekulieren… und endlich zeigte sich auch ein Stück Wild: eine Ricke musste es dem Haupt nach sein, die da am Waldrand im Weizen erschienen war. Nicht lange blieb sie im Blickfeld, vielleicht zog es sie zum Kitz.

Als die Sonne sich dem Horizont näherte, wollten wir abbaumen, um unser Glück noch mit einer Gummi-Pirsch im Wald zu versuchen. Vielleicht würde sich das ein oder andere treibende Reh-Pärchen zeigen. Da entdecke ich bei einem letzten Rundblick in der Nähe eines nicht weiten Bauernhofes plötzlich zwei Rehe. Auf den ersten Blick sprach ich die Stücke auf die vielleicht 400m als jährig an, das eine schien etwas zwischen den Lauschern zu haben. Jetzt wird es noch einmal spannend: mein Jährling?
Schnell aber ändert sich die Situation: flüchtig geht es vorbei hinter dem Hock meines Freundes und bald schon ist das Pärchen im Wald verschwunden… Verdutzt waren wir beide, aber was hilft’s: ab in den Wald.
Wir spekulierten und spekulierten, aber als auch dieser Versuch ohne Erfolg blieb, ging es noch auf einen kurzen Blatt-Versuch in den heimlichen Kern des Reviers. Jedoch - lag es an meinen Künsten, lag es am Wetter, die Bühne blieb auch hier leer. Was soll’s, auf zum leckeren Frühstück!

Und jetzt übernahm die Familie. Wir verbrachten einen wunderbaren Tag mit Kind und Kegel, lernten ein wenig die herrliche Alp kennen (wir kommen wieder!) und aßen wie Gott in Frankreich. Ja, auch solch‘ Erleben trägt zu einem Gesamt-Erlebnis bei. Der Abendansitz viel aus…

Der kommende Morgen sah uns aber – wenn auch ein wenig später – wieder durch’s Revier pirschen. Gleicher Ort, gleiche Ansitze. So wussten wir beide sozusagen im Schlaf Bescheid. Wieder dieses Hoffen, wieder dieses Schauen, Lauschen, Erleben mit allen Sinnen…
Als das frühe Licht es zuließ sah ich drei Rehe bei meinem Freund auf den Stoppeln den Aufwuchs selektieren. Das konnte, nein das musste Ricke mit zwei Kitzen sein. Hier schien die Blattzeit schon vorüber und jegliches Blatten sinnlos zu sein. Und trotzdem ließen wir beide unsere Fiep-Töne bei gutem Licht in Richtung Waldkante erklingen. Stille. Ruhe. Horchen mit offenem Mund…

Aber auch heute bleib die Bühne leer. Die Rehe ästen sich in Richtung Waldtrauf und verschwanden alsbald. Wild kam keines mehr in Anblick. Die Minuten verstrichen, der Morgen brach an…
Wieder einmal ging mein Blick in die Runde, die vereinbarte Zeit des Abbaumens war nah‘, als ich linkerhand auf den Wiesenstoppeln eine Bewegung gewahr: Rotfuchs! Die Kanzel machte ihrem Namen einmal mehr alle Ehre. Der würde passen. Schon war er vom Weizenfeld bis an eine Grasbülte geschnürt, wo er nässend sein Geschlecht preisgab. Hatte ich die Büchse auch schon in der Faust, nun verhoffte der Jungrüd‘ genau in einer Linie mit meinem Freund auf seinem Hock. Ergo nichts zu machen. Auch der weitere Pass des Roten hatte lebensrettende Eigenschaften: Ein Bauernhof im Hintergrund ließ das Versenden der 13 Gramm einfach nicht zu… und endlich war er am bekannten Misthaufen hinter mir angekommen und auch gleich dahinter verschwunden… Horrido! So recht juckte es mich aber auch nicht… wenn es hundertprozentig passte, sollte es wohl auch knallen, ansonsten aber konnte das Blei ruhig im Lauf bleiben. Da! Zurück zog es ihn und kurz bevor er eine für ihn lebensgefährliche Zone erreicht hatte, spielte ihm der Wind in die Karten und ab ging es mit erhobener Standarte in den deckenden Weizen… Ich grinste mir einen… und freute mich des Morgens.

Jetzt wollten aber – nach Austausch der üblichen Spitzfindigkeiten – weitere erfolgsversprechende Pläne gemacht werden. Wieder sollte es suchend in den Wald gehen. Vielleicht war uns das Glück des Tüchtigen hold. Und ab ging es in den Urwald. Anflug und Aufwuchs boten nur raren Einblick. Ein wahrer Dschungel dem nur mit Mühe ein Stück Wildbret zu entringen ist. Es sollte nicht sein. Bald hatten wir das Ende der Runde erreicht und langsam rollte das Jagdgefährt wieder aus dem Busch. Hier wollten wir halt machen und das Jagdgeraffel zusammen räumen. Grad hatte ich meine Büchse wieder im Futteral als wir es beide zu gleicher Zeit sahen: Ein Reh wechselte beim besten Licht aus dem gegenüberliegenden Wald über ein Stoppelfeld in Richtung des an unseren Weg grenzenden Weizenackers. Es dauerte nicht lang bis wir beide ihn als Jährling angesprochen hatten und seitens meines Jagdfreundes das elektrisierende „Jessas, der isses“ kam. Jetzt musste es schnell gehen. Geistesgegenwärtig hatte der Lange das leichte Büchsflinterl mit der 5,6x50 MAG geladen und in meine Hand gedrückt. Wie der vertraute Dreilauf wanderte das Gewehrchen an meine Wange und erhielt bald Auflage durch Rucksack und Lodenmantel. Schnell hatte ich den Roten im 6-fach vergrößernden Glas mit dem Einser-Absehen. In den Mund wanderte mein Blatter, um ihn anzuziehen, vielleicht zum verhoffen zu bringen. Als die Fieper in den hellen Morgen hallten, zeigte das Böckchen wohl Interesse, zog aber eher parallel statt direkt auf mich zu. Die Spannung hatte Jäger und Gönner ergriffen. Langsam folgte das Absehen dem Böckchen, das nur ab dem Träger aus dem Halmen schaute und verunsichert begann, in Richtung Waldrand zu ziehen… und hier sahen wir unsere Chance, denn sicheren Einstand und Weizenfeld trennte ein Wiesenstreifen von vielleicht zwei Metern Breite. Flüsternd offenbarte mir der Freund, dass er gedachte, den Jüngling dort anzuschrecken und zum Verhoffen zu bringen, damit ich dann dort zu Schuss und Waidmannsheil kommen sollte. Lange spannte uns das Böckchen nicht auf die Folter. Die Mischung aus Gefiepe und unbekanntem Gefährt ließ meine Beute in spe immer zügiger in Richtung Wald wechseln. Immer näher kam der Rand des Weizens, mittlerweile war ich rutschend am Heck des Wagens angekommen und suchte mit gespreizten Beinen halt. Und dann kam er, der Moment.

Im Moment des Auswechselns erschallte ein aggressives „böh, böh“ über die Landschaft. Ich verfolgte jede Bewegung des Bockes ganz genau. Im Vernehmen des Warnlautes machte das Trughirscherl das so bekannte Haberl, verhoffte also mit leicht angezogenem Vorderlauf und drehte sich dabei leicht in unsere Richtung. Das Stück stand also nicht voll breit sondern halb spitz. In so einem Moment müssen Entscheidungen in Bruchteilen von Sekunden fallen. Ist man sich seiner Kugel auf diese sicher 120m sicher oder nicht? Wird das Projektil den schnellen Tod bringen oder nicht? Gespannt und gestochen lag die leichte Büchse sicher in meiner Schulter und der Stachel ruhte vor dem mir zugewandten Blatt. So würde die 5,6 die Kammer durchschlagen und hinter dem gegenüberliegenden Blatt wieder austreten. >>PETSCH<< ging das leichte Geschoss auf seine Reise. Im Glas sah ich den Bock den mir zugewandten Vorderlauf leicht heben und dann hinten einknicken. Weiter durch das 6x42er beobachtend sah ich nur noch ein kurzes Schlegeln, dann war es aus und vorbei, das Unwahrscheinliche wahr geworden, das Unmögliche möglich! Wir konnten es kaum fassen. Was lagen wir uns in den Armen, was klopften wir uns auf die Schultern. Riesengroß war die gemeinsame Freude. Geteiltes Waidmannsheil! Was kann schöner sein…

Das vorsichtige Herantreten an den Gefällten mit geladener Büchse war nicht mehr nötig, Längst war meine Beute in die ewigen Jagdgründe übergewechselt. Da lag sie, nicht allzu stark im Wildbret, mit leicht vereckten und in den Spitzen nach außen gedrehten Enden… Doch was nun zählte war nicht Gramm und Medaille sondern Stunde und Stimmung. Gemeinsam hatten wir das Stück erbeutet, gemeinsam bargen wir es und trugen es in den nahen Wald, wo ich die rote Arbeit verrichtete. Fotos durften natürlich auch nicht fehlen und so kamen wir – mit leichter Verspätung – im Kreise der Familien an, wo ein weiterer schöner, gemeinsamer Tag seinen Lauf nahm. Der Zauber des Erlebten beherrschte aber den ganzen Tag lang mein Denken und so stiegen wir abends noch einmal gemeinsam ins „Zerwirkgewölbe“ hinab, freuten uns an allen Einzelheiten unserer Beute, standen noch einmal bei ihr und ließen das Erlebte in unseren Gedanken in den tollsten Farben neu erstehen.
Wenn auch diesen Tagen ein Hauch Wehmut anhaftete, so überwiegt doch am Ende die Freude über das gemeinsame Jagderlebnis. Waidmannsdank!
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swinging_elvis

swinging_elvis

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Kommentare

24.10.2015 09:53 kong
Danke
24.10.2015 10:50 swinging_elvis
kong schrieb:
Danke

Weißt doch, immer wieder gern. Wann dürfen wir denn wieder mal was aus Deiner Feder erwarten?
Gogogo. El
24.10.2015 11:12 kong
swinging_elvis schrieb:
Weißt doch, immer wieder gern. Wann dürfen wir denn wieder mal was aus Deiner Feder erwarten?
Gogogo. El

Och...da fehlt mir seit geraumer Zeit die rechte Lust hier was einzustellen...das Forum verliert m.E. nach seit Jahren an Qualität und in den letzten Monaten rapider also sonst wie ich finde
24.10.2015 14:33 swinging_elvis
kong schrieb:
Och...da fehlt mir seit geraumer Zeit die rechte Lust hier was einzustellen...das Forum verliert m.E. nach seit Jahren an Qualität und in den letzten Monaten rapider also sonst wie ich finde

Du merkst sicher, wie stark ich mich hier noch sehen lasse... wenn's wenigstens mal wieder ne ordentliche Bleifrei-Diskussion gäbe... aber selbst da ist hier die Luft raus...
Horrido und unser Koch-Event bleibt auf der ToDo-Liste! el
25.10.2015 15:02 R93Hunter
kong schrieb:
Och...da fehlt mir seit geraumer Zeit die rechte Lust hier was einzustellen...das Forum verliert m.E. nach seit Jahren an Qualität und in den letzten Monaten rapider also sonst wie ich finde



Das könnte an fehlenden qualitativ hochwertigen Beiträgen liegen.
Ursache und Wirkung sind manchmal schwer auszumachen ...
26.10.2015 12:02 platzi


Weidmannsheil!
Didi
26.10.2015 19:25 swinging_elvis
platzi schrieb:


Weidmannsheil!
Didi

Waidmannsdank lieber Didi! Von Herzen...
Gruß aus dem tiefen Süden. Wenn Ihr's mal exotisch haben wollt: Ihr seid stets willkommen! el
27.10.2015 11:56 kong
swinging_elvis schrieb:
Du merkst sicher, wie stark ich mich hier noch sehen lasse... wenn's wenigstens mal wieder ne ordentliche Bleifrei-Diskussion gäbe... aber selbst da ist hier die Luft raus...
Horrido und unser Koch-Event bleibt auf der ToDo-Liste! el



Jupp, ich bemerke es und vermisse die gehaltvollen Beiträge von Dir und so manch anderem...
Das Koch-Event wäre in der Tat ein Highlight und bleibt ganz oben auf der to-do-Liste
27.10.2015 11:57 kong
R93Hunter schrieb:
Das könnte an fehlenden qualitativ hochwertigen Beiträgen liegen.
Ursache und Wirkung sind manchmal schwer auszumachen ...


Tja - nun bleibt die Frage, warum die hochwertigen Beiträge ausbleiben - vielleicht weil man einfach keinerlei Lust hat, sich von den üblichen Profilneurotikern und Usern mit mutmaßlichen Persönlichkeitsstörungen volllöffeln zu lassen...
28.10.2015 19:20 swinging_elvis
kong schrieb:
Tja - nun bleibt die Frage, warum die hochwertigen Beiträge ausbleiben - vielleicht weil man einfach keinerlei Lust hat, sich von den üblichen Profilneurotikern und Usern mit mutmaßlichen Persönlichkeitsstörungen volllöffeln zu lassen...

Genau. Darum lieber auf dem Hochsitz den Mond anstarren oder die Zeit anders sinnvoll verbringen.. es gibt ein Leben nach Landlive...
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