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Kaliber-Bestimmung

In die Zange genommen (10 Einträge)

T1 T2 W.K.
333 mal angesehen
23.10.2015, 18.54 Uhr

Welches Kaliber

Die Frage aller Fragen:
Welches Kaliber für welches Wild


Wenn Jäger zusammensitzen, dreht sich die Diskussion häufig um Kaliber, Patronen und Laborierungen. Auffallend ist die vorschnelle Beurteilung, hinsichtlich Präzision und Wirkung der Munition. Dass den Geschossen ein ganz wesentlicher Anteil des komplexen Begriffs „Schussleistung“ zukommt, wird nicht selten außer Acht gelassen. Euphorie nach dem ersten guten und Verdammnis nach dem ersten schlechten Ergebnis halten sich dabei die Waage. Bis sich die Munitionsindustrie ein Bild über die Tauglichkeit neuer Geschosse macht, werden hunderte von Abschussberichten akribisch ausgewertet.

Universalkaliber
gibt es schlechthin nur, wenn die jagdlichen Gegebenheiten ganz spezifische sind und im Waffenschrank nur eine einzige Büchse steht. Wer nur Rehwild und anderes Niederwild in offener Feldmark jagt, benötigt etwas anderes als derjenige, der sich nur mit Sauen im Wald zu befassen hat. Dazwischen bewegt sich die ganze jagdliche Vielfalt an Wildarten, Revierverhältnissen und jagdlicher Praxis.
Je bunter sich ein Wildbestand zusammensetzt, um so mehr stellt sich heraus, dass es weder eine Universalwaffe, noch ein Universalkaliber geben kann. Trotz dem wird der Versuch unternommen, etwas Übersichtlichkeit zu schaffen, wohl wissend, dass damit Überschneidungen und kontroverse Ansichten verbunden sind.
Ein starkes Kaliber mit einer superleichten Waffe zu kombinieren, geht in den meisten Fällen schon deshalb schief, weil viele Jäger damit überfordert sind. Die Angst vor Knall und Rückschlag sitzt tief und die schlechte Wirkung eines vermuckten Treffers wird dem Kaliber und der Patrone angelastet.
Bevor eine bestimmte Laborierung auf Wild eingesetzt wird, muss die Schusspräzision auf der Scheibe ermittelt werden. Wer sich vor einer Hirschjagd in Ungarn, einer Großwildjagd in Afrika oder Elchjagd in Kanada mit der dafür vorgesehenen Ausrüstung nicht eingehend auf dem Stand befasst, wird schon über die Schussleistung kaum eine Aussage machen können. In erster Linie bestimmt nämlich der Treffersitz die Wirkung, da beißt die Maus keinen Faden ab und nur in den wenigsten Fällen wird eine sehr gute Patrone einen sehr schlechten Schuss ausgleichen können.

Die Revierverhältnisse
bilden die Ausgangslage für die Wahl des Büchsenkalibers. Schussweiten, Wildarten, Wildstärken und die persönliche Konstitution sind dabei zu berücksichtigen. Jeder Fakt ist wiederum für sich zu werten. Allein „Weitschuss“ ist enorm vielschichtig. Einen Fuchs oder eine Gams auf 200 m zu beschießen und zu treffen, ist nicht nur abhängig vom Kaliber und dem Präzisionspotenzial aus Waffe + Patrone, sondern auch von der Schießfertigkeit des Jägers.
Leider wird nach deutschem Jagdrecht nicht auf das Wildgewicht, sondern auf die Wildart abgestellt. Dies bedeutet, auf einen 10 kg Frischling mindestens ein 6,5 mm-Kaliber verschießen zu müssen, das eine E100 von 2000 Joule entwickelt. Für einen 20 kg-Rehbock tut es dagegen ein 5,6 mm-Kaliber, wenn die E100 wenigstens 1000 Joule beträgt. Für einen wildernden Hund von der Größe eines Wolfes ist sogar eine Randfeuerpatrone legal. Schon diese Beispiele zeigen die Inkonsequenz der „sachlichen Gebote“. Die nachfolgende Tabelle ist daher nur als Anhalt zu verstehen, wobei die Kriterien sowohl die gesetzlichen Bestimmungen als auch Wirkung und Wildbret-entwertung sind.

Hierzu Tabelle 1.
Die Empfehlung für 50 m ist nur auf den ersten Blick fragwürdig. Wird aber die VZ als Kriterium für die Bildung von Hämatomen gewählt, sieht die Sache jedoch ganz anders aus. Mit schweren Geschossen kann die Auftreffgeschwindigkeit bei derartig kurzen Schussweiten bis auf unter 750 m/s gedrückt werden, ein Wert, den die kleinkalibrigen Flitzer der 5,6-, 6- und 6,5 mm-Klasse noch auf 150 bis 200 m leisten.
Zwar sprechen die meisten Hochwildgeschosse auf Rehwild nur wenig an, dennoch sind die Ausschüsse deutlich größer als bei kleinen Kalibern. Die Wildbretentwertung beruht mehr auf mechanischer, als auf hydrodynamischer Wirkung und damit mit geringerer Bildung großflächiger Blutergüsse.
Bei kleinen Wildkörpern und großer Entfernung bieten rasante Flugbahnen Vorteile gegenüber den langsameren Brummern, weil Haltepunktveränderungen überflüssig werden. Andererseits wirken sich Zielfehler, Wind und Schützenschwächen auf großen Schussweiten deutlicher aus.

Hochwild
ist schon auf Grund der unterschiedlichen Körpergewichte anders zu beurteilen, zumal wegen der Mindestanforderungen Patronen mit schwächerer Leistung und Kaliber unter 6,5 mm ohnehin ausscheiden müssen. Die Wildbretentwertung ist bei stärkerem Wild eher zu vernachlässigen, wenngleich bei geringen Stücken nicht ganz bedeutungslos. Aus diesem Grund werden die Wildgewichte auf 25, 50 und 100 kg gesplittet und statt der V in m/s die Energie in Joule angegeben.
Je mehr Geschossenergie an den Wildkörper abgegeben wird, umso weniger weit sind die Fluchtstrecken. Ausnahmen bestätigen diese Tendenz. Sehr harte Geschosse ergeben auch bei starken Stücken Ausschuss, was zwangsläufig mit einem geringeren Energietransfer verbunden ist. Hier kommt es zum Streit zwischen den Vertretern der Ansichten, ob es besser ist, alle Wucht im Stück aufzuzehren oder teilweise zum Ausschuss hinausfliegen zu lassen. Harte Geschosse erzeugen aber nur einen kleinen Ausschuss, der durch Decke,
Schwarte oder Feist verlegt, mitunter auch nur wenig schweißt.

Hierzu Tabelle 2

Für Hochwild wurden die schwereren Geschosse gewählt. Die Werte für die 30-06 und 8x57JS gleichen sich mit den schweren Geschossen, was einen Austausch der Kaliber zulässt. Auf 100 m haben die starken Kaliber einen beträchtlichen Leistungsüberschuss, der auf 200 m je nach Laborierung zwischen 15% und 20% abfällt, jedoch immer noch über den 100 m-Werten der für Hochwild zugelassenen schwächeren Sorten liegt. Die Energiewerte variieren bei leichteren Geschossgewichten z.T. erheblich. Näheres ist den Schusstafeln der Hersteller zu entnehmen.
Gerade bei Hochwildpatronen kommen immer neue Kreationen auf den Markt, wobei nicht immer die großen Hersteller mit sinnvollen Kalibern punkten. In diesem Zuammenhang sei auf die 8,5x63 (R) verwiesen, die al sehr flexible Patrone nahezu den gesamten Schalenwildbereich abdeckt. Auch wenn sich bislang noch kein „Großer“ damit befasst hat, bieten die gewerblichen Wiederlader Laborierungen mir jedem gewünschten Geschoss an.

Die Geschosse
sind denn auch weit mehr ausschlaggebend, als die Kaliber. Ein hartes, für schweres Wild mit Gewichten über 100 kg konzipiertes Geschoss, wird im schmalen Körper eines Rotwildkalbes nicht optimal wirken können. Wer ganz selektiv Wild bestimmter Stärke bejagt, kann sein Kaliber und mehr noch das Geschoss viel besser darauf abstellen, als derjenige, der vom Rehkitz bis zum Keiler alles „mitnehmen“ will.
Die Vermeidung der Wildbretentwertung wird mitunter etwas übertrieben. Als Beispiele hierfür seien nur die Trägerschüsse, oder unterlassene mögliche Nachschüsse angeführt, die gar nicht so selten zum Verlust des ganzen Stückes führen. Wegen einiger Pfund „Fleisch“ dürfen keinesfalls die Leiden eines getroffenen Stückes, gleich welcher Art oder Stärke, außer Acht gelassen werden. Dies käme einem elementaren Verstoß gegen die Grundsätze der Waidgerechtigkeit und des Tierschutzes gleich.
Wie ein Geschoss im Wildkörper gewirkt hat, lässt sich erst beim Aufbrechen ermitteln. Äußerliche Verletzungen lassen häufig keinen Rückschluss auf die innere Wirkung zu. Nur wenn kein Durchschlag erfolgt ist, lässt sich das Geschoss bergen und dessen Verformung feststellen. Zu dem fällt auf, dass selbst nur geringfügig andere Schusskanäle völlig andere Wirkungen zur Folge haben. Die Wirkung eines einzigen Schusses für die nächsten Erlegungen zu erwarten, ist daher realitätsfern. Allein die sich abzeichnende Tendenz sollte als Bewertungsmaßstab dienen, ob ein Geschoss flexibel reagiert oder nur sehr spezifisch verwendbar ist. Einige geborgene Geschossreste zeigen das Ansprechen und die Verformung der einzelnen Typen und Kaliber im Wildkörper mit Angabe des Fluchtweges (Fw).
Die Erkenntnis, dass ein sich aufpilzendes Geschoss, das beim Ein- und Durchdringen des Wildkörpers möglichst wenig an Masse verliert, jagdlichen Zwecken am ehesten entspricht, hat sich allgemein durchgesetzt. Geschosse, die schon beim Auftreffen zerspritzen, oder aber ohne anzusprechen „durchpfeifen“ sind gleicher Maßen für Schalenwild ungeeignet.
Ein Geschoss lässt sich hinsichtlich seiner Schusspräzision auf dem Stand relativ einfach und aussagekräftig beurteilen. Je nach Art und Größe des zu bejagenden Wildes steht entweder die Präzision oder die Wirkung im Vordergrund. Wünschenswert, aber nicht immer erreichbar, ist die Übereinstimmung beider Kriterien. Selbst wenn nur „großes“ Wild bejagt wird, sollte die Streuung auf 100 m nicht über 5 cm bei 5 Schüssen liegen.
Sehr aufwendig konstruierte Spezialgeschosse kosten mehr als einfache Teilmantel-geschosse. Die Unterschiede in der Wirkung und/oder Präzision drücken sich im Preis aus. Ob z.B. die Preisspanne im Standardkaliber 30-06 die Qualität von Munition oder Marken widerspiegelt sei dahin gestellt, wenn pro Patrone zwischen 0,65 und 2,50 Euro zu bezahlen sind.
Der Trend hin zu bleifreien Geschossen hat einen Preissprung pro Patrone auf bis und über 5€ (10 DM alter Währung) zur Folge. Allein das Umstellen auf eine Labo in einem bestimmten Kaliber kann sich da ganz schon aufsummieren.
Dessen ungeachtet lassen höherwertige Produkten schon eine bessere Wirkung erwarten. An der Munition zu sparen, hat sich jagdlich kaum gelohnt, zumal den extremen Knauserer jeder Schuss auf die Scheibe reut, sei es beim Ein- oder Kontrollschießen oder gar der Übung wegen.
Sich für eine bestimmte Jagd- und Wildart eine Büchse in einem ganz bestimmten, ja selbst etwas exotischen Kaliber zuzulegen, ist nicht die schlechteste Überlegung. Sind die Anforderungen bei der Auslandsjagd oder im heimischen Revier ganz spezifisch, relativieren sich die Kosten für eine extra Büchse und die entsprechende Patronen, bezogen auf die jährlichen Jagdausgaben. Wer nach diesem Grundsatz verfährt, hat fast zwangsläufig die eine oder andere Waffe mehr in seinem Schrank stehen.
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SirHenry

SirHenry

Alter: 80 Jahre,
aus Fürth
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Kommentare

24.10.2015 11:06 Sautot
Ich hätte ein paar Fragen zu Deinem interessanten Blog:
1.Hast du denn konkret eine Geschoss Empfehlung für .300WM? Es soll damit Rotwild, ggf. Sauen und Elchwild bejagt werden. Entfernung bis 200m.

2.Welches benutzt Du auf Hochwild?

3.Wie viel Erlegungen hast du mit deinem gewähltem Geschoss?

4.Hattest das erlegte Wild immer einen Ausschuss?

5.Führst du ein Schussbuch, wo Du die Fluchtstrecken, Treffersitz, Entfernung etc. aufzeichnest? Wenn ja. stelle das doch mal bitte ein.
Gruß
24.10.2015 11:26 SirHenry
ch hätte ein paar Fragen zu Deinem interessanten Blog:
1.Hast du denn konkret eine Geschoss Empfehlung für .300WM? Es soll damit Rotwild, ggf. Sauen und Elchwild bejagt werden. Entfernung bis 200m.
Nein, habe ich nicht, denn das Kaliber führe ich nicht. Die 300WM verhält sich auf 200m etwa wie die 30-06 auf 100 bis 150m. Das richtige Verhältnis zwischen Tiefen- und Breitenwirkung ist noch nicht erreicht.

2.Welches benutzt Du auf Hochwild?
Schon benutzt:
8x57JS, 8,5x63, 338 WM, .243, .30.30, .25-06, 6,5x57, 300 Savage (die schwächste, aber schon einiges damit erlegt)


3.Wie viel Erlegungen hast du mit deinem gewähltem Geschoss?
Es ist in allen Kaliber ein simples TM-Geschoss.
gesamt seit 1993 nur etwas über 40 Stück Hochwild


4.Hattest das erlegte Wild immer einen Ausschuss?
zu90%

5.Führst du ein Schussbuch, wo Du die Fluchtstrecken, Treffersitz, Entfernung etc. aufzeichnest?
Habe ich, aber das geht über 50 Jahre

Wenn ja. stelle das doch mal bitte ein.
Das werd ich aber nicht tun
Gruß
und Waidheil
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