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Zum Blog: Vom Winde verweht........ Zum Blog: Vom Winde verweht........
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27.09.2015, 11.35 Uhr

Vom Winde verweht.........

Vorgestern, acht Stunden war es her dass ich das Krankenhaus verlassen „durfte“. Kaum zuhause, Kirrungen kontrolliert, dem strapazierten Körper ein wenig Ruhe gegönnt und schon ging es hinaus gerade als die Dämmerung eingesetzt hatte.

Die Schweine waren überall, der Mais bereits gehäckselt und damit war es vorbei mit der Herrlichkeit. Bereits um 21 Uhr erschien ein einzelner Überläufer auf den Maisresten und wurde gleich meine Beute.

Gestern nun sollte es natürlich wieder hinaus gehen, eine Kirrung im Wald hatte ich in Gedanken schon ausgesucht, doch als ich mit der Waffe in der Hand im Hof stand zeigte der Wetterhahn auf dem Kirchturm Ostwind, damit war meine Auswahl null und nichtig. Nun war guter Rat teuer, auf Anhieb fiel mir keine passende Stelle ein und so beschloss ich den vorgestrigen Platz nochmal aufzusuchen.

Einige Stücke Rehwild waren schon auf den Maisresten, sie ließen sich durch meine Ankunft nur kurz stören. Nach einer Weile gesellten sich noch vier Stücke Damwild dazu, von Sauen nichts zu hören und schon gar nichts zu sehen, wahrscheinlich wirkte die Aktion vom Vortag noch nach.

So um 23 Uhr, die Bühne war mittlerweile leer, komische Geräusche aus Richtung Wald. Langsam kam dieses langgezogene quieken mit anschließendem unheimlich lautem „schnarchen“ näher. Mir schwante schon nichts Gutes, es wird wohl ein verletztes Stück Schwarzwild sein ging mir durch den Kopf, jetzt hieß es aufpassen und ggf. schnell handeln.

Die Geräusche kamen näher, doch so sehr ich auch durch das Fernglas starrte und ständig die Maisfläche mit den teilweise noch stehenden Stängeln absuchte, das Stück blieb unsichtbar.

Verdammt das gibt es doch nicht: keine 30 Meter vor mir ist das offensichtlich kranke Stück und ich finde es einfach nicht. Nun waren die Töne links von mir zu hören und es ging langsam Richtung Wald. Jetzt kam ein kleiner freier Fleck, da muss endlich klar werden um was es sich tatsächlich handelt. Schnell das Fernglas mit dem R8 getauscht und schon erschien für zwei Momente ein einzelner Frischling so mit geschätzt ca. 15 kg um gleich wieder taumelnd wie mir schien zu verschwinden. Warum habe ich nicht geschossen und diese Gelegenheit verpasst? Ärger über mein Verhalten kam hoch, doch instinktiv war wohl irgendwie eine Blockade in mir die in diesem Fall das einzig Richtige verhindert hat, nämlich das Stück von hinten zu beschießen.

Die Gedanken kreisten nur noch um diesen armen Teufel und wie ich das Leiden schnellstens beenden konnte. Den Schweißhund holen und im anschließenden bürstendicken Brombeerverhau eine Nachsuche zu starten schien mir auch wegen meines angeschlagenen Gesundheitszustandes nicht ratsam.

Die Überlegungen gingen hin und her als plötzlich wieder die „Schnarchgeräusche“ von der gegenüberliegenden Seite zu hören waren, also doch noch eine Chance das Leiden zu beenden?

Wieder kam das Stück langsam näher, doch so sehr ich mich auch anstrengte es war in dem Maisverhau einfach nicht zu finden, der kleine braune Frischling gab keinerlei Kontrast. Jetzt waren es wieder nur noch 30 Meter doch nichts zu sehen.

Da fiel mir die Taschenlampe in der Jacke ein, also in die eine Hand die aufgelegte Waffe, in die andere Hand die Lampe. Der Frischling kam noch näher, doch ich konnte ihn auch mit Beleuchtung auf Anhieb nicht entdecken. Der Lichtstrahl wanderte hin und her, die Geräusche waren ganz nahe, doch nichts zu sehen. Die alte Lampe war natürlich auch kein Suchscheinwerfer……

Endlich erschien die kleine Wutz für einen Moment, war jedoch gleich wieder teilweise verdeckt. Jetzt galt es: als das Blatt kurz sichtbar wurde verlies die .30-06 den Lauf. Kurzes schlegeln und dann Ruhe.

Nur langsam fiel die Anspannung ab, nach einigen Hundert erlegten Schwarzkitteln ein ganz ungewöhnlicher Zustand.

Jetzt schnell runter von der Kanzel, nun lag der kleine Körper vor mir UND auf die Schnelle im Schein der Taschenlampe keine äußeren Verletzungen erkennbar. Ratlosigkeit auf meiner Seite kam auf, vielleicht gab es beim Aufbrechen eine erkennbare Ursache.

Zuhause angekommen erzählte ich zuerst meiner Frau die ganze Geschichte, sie wollte nun das Stück auch gleich begutachten UND sagte sofort: „sieh dir mal den Wurf an, der arme Teufel……..“. Nun sah ich es natürlich auch, eine Kugel hatte mit ihrer zerstörerischen Macht die Oberseite des Wurfes getroffen. Die Nasenlöcher waren mit Sekret zu, durch die Verletzung war normal atmen, winden und wühlen unmöglich.

Das Stück hatte wohl schon länger in diesem Zustand „überlebt“, es waren bereits Wucherungen rund um die Wunde zu sehen, doch nun hatte das wohl unsägliche Leiden ein Ende. Der total abgekommene Frischling wog noch 12 kg.

Das Mitgefühl für die geplagte Kreatur begleitet mich noch immer. Schade das der Schütze nicht sehen kann was er angerichtet hat, es war wohl wie so oft: „die hat bestimmt nichts abbekommen“ oder war es ein „Kollateralschaden“?

Der Ostwind hatte mich letztendlich an diesen Platz gebracht, war es Fügung oder einfach „vom Winde verweht“?
offline

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sau_hund

sau_hund

Alter: 63 Jahre,
aus BAYERN
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Kommentare

27.09.2015 17:50 BD880
Waidmannsheil
Das sind besondere Momente aber auch geparrt mit Ärger !!!
27.09.2015 18:04 Laerchenwald
Moin,

Waidmannsheil! Mehr bleibt einem da nicht zu wünschen. Gut das Du das Wutzchen erwischt hast - prima!

Gruß aus Nordhessen
27.09.2015 21:07 Gesch
WMH!
...da es keine Zufälle gibt, war alles Fügung, gut gemacht - toll, wenn man solchen Intuitionen noch nachgehen kann und nicht völlig abgestumpft ist.
27.09.2015 21:56 sau_hund
Waidmannsdank!
28.09.2015 16:49 Sauen
WAIDMANNSHEIL
28.09.2015 17:33 Tannschuetz
Dickes Waidmannsheil!!!!!
30.09.2015 09:13 Ammerlaender
Auch von mir ein dickes Waidmannsheill!!
30.09.2015 10:14 sau_hund
WAIDMANNSDANK!
01.10.2015 08:39 Maispapst
Waidmannsheil

habe genau das gleiche hinter mir mit einem 28kg frischling. Es hört sich an als ob die sau einen starken schnupfen hat bzw völlig verrotzt ist.
bei mir hat es wesentlich länger gedauert. Anblick um 23 uhr, gelegen hat der frischling um 04.23
01.10.2015 09:30 sau_hund
Maispapst schrieb:
Waidmannsheil

habe genau das gleiche hinter mir mit einem 28kg frischling. Es hört sich an als ob die sau einen starken schnupfen hat bzw völlig verrotzt ist.
bei mir hat es wesentlich länger gedauert. Anblick um 23 uhr, gelegen hat der frischling um 04.23


na dann auch Waidmannsheil!
03.10.2015 05:01 swinging_elvis
Welch Glück und Waidmannsheil ! El
03.10.2015 17:05 JaegerSH
WMH aus SH!
04.10.2015 12:13 sau_hund
Waidmannsdank!
07.10.2015 20:28 karnickelbuckjaeger
Waidmannsheil! Sehr lebendig erzaehlt! DER Grund warum ich keine Tellerschuesse praktiziere.
11.10.2015 08:21 4Fuchs
Guten Morgen
Gut erzählt, ich war dabei (in Gedanken)Gut, dass du so lange warten konntest. Manch einer wäre
nach dem ersten Mal nach Hause gegangen.
Waidmannsheil
4Fuchs

15.10.2015 14:32 KLP
Waidmannsheil. Und toller Erzählstil.
15.10.2015 20:36 ZH-7x57
Die Erfahrung hat gezeigt und Geduld wurde mit Weidmannsheil belohnt , Weidmannsheil!
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