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Jagd und Hund

...und alles was im weitesten dazugehört (2 Einträge)

N-Wurf vom Jüttendorfer Anger
302 mal angesehen
22.09.2015, 11.57 Uhr

Ein Wurf Jagdhunde wird gewölft...

Für den laienhaften Beobachter stellt sich das Züchten von Jagdhunden im Allgemeinen oft als sehr unterhaltsam und entspannungsreich dar. Acht Wochen umgeben von putzigen Wollknäulen, welche auf den ersten Schritten in ein spannendes Leben begleitet werden. Da überwiegt doch der Spaßfaktor ganz klar die Anstrengung und entschädigt einen für den geleisteten Einsatz. Ganz sicher tun wir das was wir tun mit einer unglaublichen Begeisterung und Leidenschaft und ehrlich gesagt möchten wir auch nichts anderes mehr tun, Dieses Leben mit unseren Rauhaarteckeln und ihrem Nachwuchs ist genau auf uns zugeschnitten und erfüllt uns außerordentlich. Die emotionale Belastung jedoch, die so ein beginnendes Leben für einen selbst mit sich bringen kann ist uns bei diesem Wurf wieder einmal so deutlich geworden wie selten.

Bereits einige Tage über dem offiziellen Geburtstermin, verlor Chutney am Montag Mittag einen ordentlichen Schluck Fruchtwasser. Das ist eigentlich das Signal für jeden Züchter zum Aufbruch. Für gewöhnlich tritt das auf, wenn der erste Welpe in seiner Fruchtblase in den Geburtskanal gelangt und diese auf Grund der enge darin zum platzen gebracht wird. Nun heißt es warten und die Fachliteratur und tausendfach falsch voneinander abgeschriebene Abhandlungen über die Details der Hundegeburt im Internet verweisen darauf, dass nun spätestens innerhalb von zwei Stunden die Dinge ins Rollen gebracht werden müssen. Als nach drei Stunden noch absolut nichts auf den Beginn der sogenannten Austreibungsphase hindeutete, packten wir Chutney ein und bewegten uns Richtung Tierarztspraxis. Nachdem man sich dort per Röntgenaufnahme davon überzeugte, dass im wahrsten Sinne des Wortes nichts im Wege stand, wurde Chutney ein wehenförderndes Präparat injiziert, welches die Geburt nun letztendlich einleiten sollte. Zu Hause angekommen begann Chutney auch deutlich anzuzeigen, dass das Mittel seine Wirkung nicht verfehlte. Sie wurde zusehends unruhiger und scharrte in regelmäßigen Abständen auf dem Boden der Welpenkiste herum. Das Ganze hielt ein bis zwei Stunden an und danach war alles wie vorher, weitestgehend ruhig.

Die darauffolgende Nacht brachte ebenfalls keine neuen Erkentnisse. Chutneys gelassenes Verhalten liess den natürlichen Geburtstermin in weiter ferne vermuten. Den gesamten Dienstag über gab es ebenfalls nichts Neues, außer, dass Chutney nun die Wurfkiste den ganzen Tag nicht mehr verließ. Sie lag seelenruhig darin und machte jedem vierbeinigen Mitbewohner eine deutliche Kriegserklärung, der sich ihrer Behausung näherte.

Inzwischen hatten wir den vierten Tag über dem errechneten Geburtstermin und mehr als 30 Stunden waren seit dem Austritt des Fruchtwassers vergangen. Was einem bis zu diesem Moment bereits alles durch den Kopf gegangen ist, wie hoch die innerliche und äußerliche Anspannung inzwischen die ganze Familie erfasst hat, lässt sich eigentlich in Worten nicht ausdrücken. Man ist inzwischen über Tage hinweg derartig angespannt und weiß nie sicher, ob man das Richtige oder vielleicht auch genau das Falsche im Hinblick auf die Hündin und ihre Welpen tut. Einen Tierarzt braucht man im Prinzip zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr zu Rate ziehen, da es für den verständlicher Weise nur noch die Option Kaiserschnitt gibt. Wir sind jedoch von der natürlichen Funktionsfähigkeit unserer Hündinnen derart überzeugt, dass wir diese Alternative für kein probates Mittel der Geburtsbewältigung halten sondern immer nur als allerletzten Ausweg, wenn wirklich nichts anderes mehr geht, eine Notlösung eben.

Gegen 19.00 Uhr kam dann Bewegung in die Kiste. Chutney fing an zu hecheln und wenige Minuten später verliess sie ihre Wurfkiste, um auf dem Familiensofa Stellung zu beziehen. In Rücksicht auf die Psyche unserer werdenden Mütter lassen wir gerade bei schweren Geburten unseren Hündinnen relativ viel Freiheiten bei der Wahl des Geburtsortes. Der ist für viele Hündinnen nichts Nebensächliches. Zumindestens die ersten Welpen eines Wurfes wurden daher schon öfters an verschiedensten Plätzen und Orten im Haus entbunden.

Zusehends wurde Chutney nun unruhiger und wenig später setzten die Presswehen ein. Was nun folgte war eher Routine und um kurz vor 21.00 Uhr erblickte der erste Welpe das Licht der Welt. Zwei Stunden später waren es dann schon vier und nach einer zweistündigen Pause trat Nummer 5, übrigens alles Rüden, in unser Leben. Dann passierte erst einmal gar nichts und man ist froh, dass die Hündin nun Zeit zur Ruhe und Entspannung findet. Ein Welpe war jedoch auf jeden Fall noch drin, soviel waren wir uns sicher. Nachdem sich drei Stunden lang nicht eine Wehe mehr zeigte, inzwischen hatten wir es immerhin schon 4.30 Uhr, wurden auch wir wieder langsam nervös. Sollten Chutney auf der Zielgeraden doch noch die Kräfte oder besser die Wehen verlassen und der letzte Welpe muss am Ende per Kaiserschnitt geholt werden? Lohnt es, nochmal den Tierarzt zu konsultieren und mit einer Wehenspritze den Prozess erneut anzukurbeln? Wieder nagen unzählige Fragen an einem und nach so vielen Tagen ohne richtigen erholsamen Schlaf funktioniert man eigentlich nur noch. Doch dann raffte sich Chutney noch einmal auf und es setzten wieder deutliche Presswehen ein. Erst zaghaft und bald immer stärker. So ein letzter Welpe braucht auch erfahrungsgemäß meist nicht mehr viel Anstrengung denn die Geburtswege sind inzwischen so geweitet und geschmeidig, dass alles recht reibungslos klappt. Doch Chutney presste inzwischen 90 Minuten unter höchster Anstrengung im 5-15 Minuten Takt und es wollte sich kein Welpe zeigen. Nun griff ich ein und untersuchte mit den Fingern den Geburtskanal der noch immer leer war, wo sich jedoch am Eingang ein Kopf ertasten ließ. Mehrfach zurückgeschoben gelangt der Welpe dann doch mit neuem Anlauf endlich da hinein und bald darauf war ein riesengroßer Kopf am Scheidenausgang sichtbar. Nun ging gar nichts mehr. Der Welpe steckte fest. Es ging nichts mehr vor und auch nichts mehr zurück. Beim Versuch den Welpen herauszuziehen merkte ich auch, dass das nicht so einfach gehen wird. Minutenlanges pressen durch Chutney brachten keinerlei Veränderung. Inzwischen wurde dieser Zustand für sie nun aber schier unerträglich und mir blieb nichts anderes übrig, als beherzt zuzupacken. Mit jeder Wehe hebelte ich förmlich den Welpen mit dem Kopf zwischen meinen Fingern, über das Becken heraus. Wohlwissend, dass das Risiko für den Welpen Schaden zu nehmen nun doch recht hoch ist. Chutney liess die Hilfe anstandslos gewähren, was auch nicht bei jeder Hündin selbstverständlich ist. So lag dann gegen 6.00 Uhr morgens der 6. Welpe und die 1. Hundin des Wurfes gesund und unversehrt in der Kiste.

Was in diesem Moment an Last von einem Abfällt, wie sich Freude, Glück, Erleichterung und Dankbarkeit nun in einem breit machen, ist ebenfalls schwer zu beschreiben. Aber genau diese Intensität der Ereignisse ist es, die in uns immer wieder die nötige Leidenschaft erzeugt. Nicht mehr aber auch nicht weniger.
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Kommentare

22.09.2015 14:22 utha
wenn alle gesund sind
und endlich sauber und gesäugt sind-
biste selber so kaputt, das du glaubst, du hättest die Bande selbst gekriegt

Glückwunsch zu den Kleinen
23.09.2015 11:30 Rebhenne2
Glückwunsch und viel Freude bei aller Anstrengung und vielen Dank für Euren Einsatz zum Wohle der jagdlichen Hundezucht!
23.09.2015 15:11 Hesse
Bei dem 2. Wurf vor 12 Jahren unserer ersten Teckeline platzte die Fruchtblase und nach anhaltender Wehenschwäche entschied der Tierarzt am Folgetag einen Kaiserschnitt zu machen. Das war auch gut so, denn die großen Welpen wäre wohl sonst nicht mehr lebend geboren worden.
Gratulation zur Geburt der Rasselbande!
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