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Iris und ich
1019 mal angesehen
09.08.2015, 23.18 Uhr

Gemeinsam Jagd erleben

„Gemeinsam Jagd erleben“

Als ich von der Aktion „Gemeinsam Jagd erleben“ hörte war mir sofort klar, dass ich als Miss Jägerin 2015 unbedingt an der Aktion teilnehmen muss und werde. Einem Nichtjäger die Vielfalt der Jagd und damit gleichzeitig meine große Leidenschaft näher bringen zu können hielt ich dabei nicht nur für eine tolle Aktion, sondern vor allem für eine einmalige Gelegenheit, das Verständnis der Gesellschaft für das Naturerlebnis „Jagd“ zu entwickeln und zu fördern.
Zunächst fiel es mir schwer einen geeigneten Kandidaten zu finden. Nicht nur weil dieser zunächst die Bereitschaft mitbringen musste sich auf die Situation einzulassen, dass ein Tier möglicherweise geschossen werden könnte, sondern gleichzeitig auch das Interesse und den Willen zeigen sollte, sein oder ihr Meinungsbild gegebenenfalls zu ändern.
Meine Wahl fiel dabei auf Iris. Man konnte sie zwar durchaus schon als Befürworter für die Jagd beschreiben, dennoch äußerte sie sich massiv kritisch gegenüber der Fotografie von erlegtem Wild im Netz. Auch bestand das „Jäger-Dasein“ für Iris hauptsächlich aus dem Beschuss von Tieren. Ich spürte, dass sie mein Hobby oftmals mit dem bloßen „Töten“ von Lebewesen in Zusammenhang brachte, ohne zu verstehen was es wirklich für mich bedeutet und was dahinter steckt.
Es war ein klasse Ansitz.
Iris hat den Text selbst verfasst und ich habe ihn eins zu eins im Folgenden übernommen:


„Mein Abend im Revier“
Schon an meinem Studienort in Göttingen, wo ich Agrarwissenschaften studierte, geriet ich zwangsläufig in die Jägerkreise. Welche Vorteile jagende Mitbewohner mit sich bringen können, fand ich dort schnell heraus. Während die meisten meiner Studienfreunde ihren Jagdschein im Laufe der Zeit absolvierten, wenn sie nicht schon einen hatten, kam das für mich nie in Frage. Als bekennender leidenschaftlicher Fleischesser gehöre ich zu denjenigen, die die Verantwortung wenn es um das Bejagen, Schlachten oder schlichtweg „Töten“ von Tieren geht lieber abgibt. Hinzu kommt, dass auch ich so einige Vorurteile über die Jäger in meiner Region übernahm, die bei ehrlicher Betrachtung bloß auf den öffentlichen Diskriminierungen bestimmter Lobbyisten und den teilweise weit verbreiteten gesellschaftlichen Vorurteilen basierten. Auch wenn ich durch meine ländliche Heimat und mein landwirtschaftliches Studium sicherlich näher an der Jagd und den Wildtieren bin als jemand aus der Stadt fern ab vom Jagdgeschehen, habe ich mich doch recht wenig damit auseinander gesetzt. Die Jagd als Hobby zu benennen, für mich bisher ein eher absurder Gedanke. Umso mehr ich begann mich für das Thema zu interessieren, nicht zuletzt durch Katrin und ihre ambitionierten Jagdkollegen, desto mehr wollte ich wissen, was genau eigentlich hinter der Faszination steckt, was einen guten Jäger oder eine gute Jägerin eigentlich ausmacht. Als Katrin dann an mich herantrat und mich fragte ob ich Interesse hätte einen Abend mit ihr auf dem Ansitz zu verbringen, bot sich für mich eine tolle Gelegenheit mal zu sehen, was wirklich hinter all den Negativ- Schlagzeilen und Gerüchten steckt, die vor allem in letzter Zeit gehäuft in sozialen Netzwerken zu lesen sind.
Am Mittwoch den 22. Juli um 19.30 Uhr wurde ich in voller „Jagdmontur“ abgeholt um gemeinsam mit ihr zum Ansitz zu fahren. Man riet mir eher gedeckte Farben für diesen Anlass zu tragen, woran ich mich hielt. Schon auf dem Weg ins Revier leistete ich mir den ersten Fauxpas, als ich euphorisch auf ein Reh am Waldrand verwies. Ich lernte, dass Damwild vor allem doch deutlich größer ist als Rehwild, gleichzeitig aber durch einen kürzeren Hals und kürzere Läufer einen leichteren Körperbau aufweist. Nach erfolgter Damwild- Identifizierung wurde die Kanzel ausgewählt. Die Wahl der Kanzel fiel dabei nicht aus ästhetischen Gründen auf die nächstgelegene am Waldrand. Vielmehr war hier die Windrichtung entscheidend. Zieht der Wind in den Einstand, ein Ort an dem sich die Tiere aufhalten um sich z.B. auszuruhen, würden uns die Tiere wohlmöglich frühzeitig wahrnehmen und fliehen. Nach etwa 1,3 Km Wegstrecke und der Begegnung mit einem Gespäre, einer Fasanenhenne mit ihren Küken, nahmen wir gegen 20.00 Uhr den Ansitz nicht etwa ein, stattdessen „baumten“ wir auf! Anschließend erfahre ich einiges über das Jagdrevier. Es handelt sich um eine Niederwildjagd mit 1250ha bejagbarer Fläche. Über 450ha erstreckt sich ein Naturschutzgebiet mit diversen Wiedervernässungsflächen aus ehemaligem Torfabbau. Diese dienen vor allem als Schlafplatz für Graugänse, Kanadagänse, Saatgänse, Blässgänse und verschiedene Entenarten. Im Naturschutzgebiet gilt es vor allem die Bodenbrüter zu schützen, weswegen entsprechende Prädatoren wie Fuchs und Marder bejagt werden müssen. Der Rehwildabschuss wird zunächst von den Jägern geplant und bedarf anschließend einer Genehmigung durch die untere Jagdbehörde. Mit 60-65% Jährlingen und Kitzen prägt die Jugendklasse entscheidend den Rehwildbestand. Nachdem die Klappen geöffnet und die Flächen „abgeglast“ sind, widmen wir uns zunächst nicht ganz freiwillig dem Insektenschutz. Gnitzen, Mücken und Bremsen fallen über uns her und ich bin froh, dass Katrin auch an Autan gedacht hat. Es hängen dicke Wolken am Himmel und es beginnt leicht zu regnen, was unser Fluginsekten- Problem, durch warme Temperaturen begünstigt, nicht unbedingt schmälert. Nach ca. 30 Minuten auf der Kanzel entdecke ich das erste Rehwild und Überraschung: Diesmal liege ich richtig! Es handelt sich um schwarzes Rehwild, genauer genommen um eine Ricke und ein Schmalreh. Weitere 1,5 Stunden später sehen wir in etwa 60m Entfernung zwei Kitze. Kurze Zeit später tauchen auch zwei Böcke auf. Katrin nennt sie einen jungen Spießer und einen 6er. Ich lerne: Ein 6er Bock weist drei Enden, sogenannte Sprosse pro Stange auf. Die Böcke stehen nur im Winter im Sprung (Rudel). Im Frühjahr weisen sie dann ein ausgeprägtes Territorialverhalten auf. Die Paarungszeit des Rehwildes wird als Blattzeit bezeichnet und die Kitze werden Mitte Mai gesetzt. Die Ricke duldet noch bis kurz vor dem Setzen ihre Kitze vom Vorjahr. Katrin erklärt mir, dass hauptsächlich die „Knopfböcke“, die Jährlingsböcke gejagt werden. Den Jährlingsspießer in Sichtweite unserer Kanzel will sie jedoch nicht schießen. Dieser sei zu stark, zu kräftig, zu gesund um ihn aus dem Bestand zu nehmen. Langsam wird es dunkler. Um kurz nach halb elf baumen wir schließlich ab. Das Käuzchen ruft und aus dem hohen Gras heraus hören wir noch das gleichmäßige Zirpen der Grillen. Der Wind hat nachgelassen und die Luft schmeckt frisch und feucht. Allmählich beginne ich zu verstehen, was Katrin nach getaner Arbeit hier hinaus zieht. Für sie ist es das Abschalten nach einem langen arbeitsreichen Tag, die Ruhe, die sie hier draußen findet und das Beobachten der Tiere. Was ich an diesem Abend besonders spüre ist die Leidenschaft, mit der sie über ihr Revier erzählt und die Sorgfalt mit der sich um die Tiere gekümmert wird. So war das Aufsammeln und der Schutz der Kitze vor dem ersten Grasschnitt in diesem Jahr, noch ein ernstes Thema auf der Rückfahrt im Auto. Natürlich gehört neben der Gesunderhaltung der Wildtierbestände auch das Jagen an sich zum menschlichen Fleischverzehr dazu. Es interessiert mich, was einem als Jäger nach vollzogenem Schuss durch den Kopf gehen muss, wie man mit dem erlegten Tier unmittelbar danach umgeht. Hier merke ich sofort wie sensibel und ehrfürchtig dieses Thema behandelt wird. Sie sei noch heute vor jedem Schuss sehr angespannt. Die Angst das Tier nur „anzuschießen“ begleite sie stets, was ihr damit bei jedem Schuss die höchste Konzentration abverlange. Wenn sie an das erlegte Tier herantritt wird zunächst der Hut gezogen und einen Augenblick inne gehalten. Das gehört dazu, sagt sie. Diesen Respekt und diese Ehrfurcht vor dem Tier dürfe man niemals verlieren. Sie isst gerne Wildbret, genau wie ich. Nur dass sie, anders als ich, gleichzeitig auch die Verantwortung für einen schmerzlosen und angstfreien Tod des Tieres übernimmt. Ich bin von diesem Abend sehr beeindruckt. Mir imponieren nicht nur ihr Engagement und ihr Verantwortungsbewusstsein, sondern vor allem ihre Bereitschaft sich um die Natur und die Wildtiere in unserer Region zu kümmern und dafür zu sorgen, dass alles im Gleichgewicht bleibt.

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Kommentare

10.08.2015 09:11 vonfleming
Nur die Kappen müßten getauscht werden.
10.08.2015 10:52 Joey57
Ich finde es ganz toll von Dir, das gerade Du mit dem vollen Terminkalender, Dir Zeit nimmst um interessierten die Jagd näher zu bringen. Was Dir ja bei Iris in beeindruckender Weise gelungen ist. So wird es Uns gelingen die Jagd zu zeigen wie Sie ist.
10.08.2015 18:02 202
Hallo Katrin,
der Bericht von Iris hat mich sehr gefreut, denn so kann man Jagd "unter die Leute" bringen und mit den von ihr eingangs erwähnten Vorurteilen aufräumen. Gut für beide Seiten!
Gruß & WMH aus Berlin,
Sven
13.08.2015 18:00 Isegrim
Da ist Jemand mit viel Herz und Seele dabei

LG v. Wilfried
15.08.2015 12:30 Rebhenne2
Eine sowieso gute Aktion mit einem wirklich ganz ausgezeichneten Bericht, der ja nahezu journalistische Qualität hat. Großes Kompliment, speziell auch an IRIS.
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