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Saustalker`s Jagderlebnisse

Willkommen in meinem Jagdblog (1 Eintrag)

Keiler im Roggen - Waffen Der reife Basse - Keilerwaffen
1157 mal angesehen
15.07.2015, 03.02 Uhr

Der reife Basse

Ende Juni 2015

Sonntag früh 0200...sms...es schreibt ein Pächter.....man kennt sich von gemeinsamer Erntejagd, Schießstand und dem jährlichen Ernteschwein meines Jagdherren.

"Nimm mal mit mir Kontakt auf heute"...
Ich: "Bin noch wach....was ist los?"....
"Jagdeinsatz...hoffe auf dich".
Ich: "Laß uns telefonieren"

Im Telefonat ergibt sich folgender Sachverhalt:
Bauer hat in seinem Revier einen Teil des noch grünen Roggen gemäht. Soll wohl irgendwie Silage werden für Viehfutter. Jetzt soll auf die 11 ha Mais rein.....jetzt noch?...okaaayyyy....und?

"Brauche da mal deine Hilfe"...."Klar....komme heute Abend"

Sonntag 1800 Einweisung, Revierkarte, Freigaben....Mais liegt noch nicht...Acker wird noch vorbereitet.

Es ergibt sich folgendes Bild:

Im Durchschnitt ein 150m breiter Streifen, ausgelaserte 1,2 km lang, an der Reviergrenze für Maislegung vorbereitet. Dann kommt ein ca 200m breiter Streifen Roggen.....danach rund 150m breiter Streifen Maispflanzen ca 30cm hoch. Dann wieder Roggen...weit, weit, weit....schätze ca 800m? Ein offener Bock an der kurzen Seite...aber bereits nach ca 100m eine Kuppe....weiterer Einblick nicht möglich.

Okay....was mach ich hier wie....Wetter soll die nächsten Tage reichlich verregnet sein.

Hund raus......auf dem Schlag mit dem bereits ausgetriebenem Mais mal mit dem Hund Fährten.
Fährtenlage bzgl. SW.....einzelne SW-Fährte...immer mal wieder quer über den Mais zwischen den beiden Roggenschlägen....vielleicht nur wenige Stunden alt...jedenfalls nach dem letzten Regen. Keine Wildschäden. Schalenabdrücke sehen nach ca 60kg Gewicht aus....dachte ich zumindest. Etwas weiter dann kreuzende Fährten Überläufergröße. Ein Vierergruppe Überläufer war bereits vom Pächter bestätigt. Hund immer wieder Nase oben und drängt Richtung Roggen neben dem umgebrochenem ex_Roggenschlag....aha....da muß also was drin liegen.

Erster Abend....Rehwild auf ca 350m...keine Freigabe. Gepirscht bis ca 2300 am Roggenschlag...nichts. Dann auf den offenen Ansitzbock auf der kurzen Seite...nichts...0300 abgebaumt.
Montagabend....Regen.....Pirsch an der Reviergrenze...nichts....Nachricht an Pächter...."brauche morgen hier zwei Böcke oder Leitern"....."hab ich nicht"....war die Antwort. Okay....bringe morgen meine mobile Ansitzleiter mit. 0100....dunkel wie Bärenarsch...ich haue ab.
Gestern Abend ...2130....hhmmm....wohin mit der Leiter. Wind aus West....ach egal. Ich stelle die Leiter an der Reviergrenze gegenüber dem Roggen auf und habe den Rücken im Wind. Einsicht 250m nach rechts, 250m nach links. Na gut....dann bekommen sie wenigstens an den Seiten keinen Wind von mir. Mais wurde heute gelegt.
Stark bewölkt...laut Regenradar streift ein Regengebiet mit dicken Wolken...hier aber ohne Regen. Mächtig duster....ca 2345 ziehen die Wolken ab. Hhmmm...in einer Stunde ist der Mond komplett weg....geht schon langsam runter. Ich überlege schon ob ich gleich abhaue oder noch warte bis der Mond weg ist und mal sehe wie hell die Sterne ihr Licht werfen.
0010....Abglasen....was ist das? Links ca 30 Grad auf rund 280m....Schwarzwild. Alleine?....abwarten...sieht so aus. Ich ziehe mir das Stück mit ca 16facher Vergrößerung im Zielfernrohr in meine Pupille. Tatsache....alleine...sieht nach Keiler aus.....Rücken fast so hoch wie der Roggen. Sicher?....ja....kein weiteres Tier zu sehen. Langsam arbeitet sich das mächtige Stück aus meiner Blickrichtung schnurgerade auf einer frisch gelegten Reihe Mais nach rechts....Mistvieh....so mein erster unwaidmännischer Gedanke. Was mach ich jetzt? Kommt das Stück auf meine Höhe querab....hat er meinen Wind. Geh ich rüber an den Roggen bin ich zwar aus dem Wind, warte darauf, daß das Stück dann näher kommt.....aber ich kann ihn dann nur von vorne nehmen, da er nur gerade die Reihe lang geht. Verdammt.
Inzwischen ist es 0030.....Aus ca 2 km Entfernung trägt der Wind den Lärm eines vorbeirasenden Zuges heran...die Gelegenheit....schnell runter von der Alu-Leiter und die Geräusche im Lärm des Zuges versteckt. Der Acker ist sehr nass von den letzten Regentagen. Schwer ist der langsame Gang. Jetzt nur nicht auf alte Pflanzenreste treten. Alle paar Meter stehen bleiben....klein machen....abglasen.....0045...inzwischen ist der Mond weg.....ganz wenig Licht von den Sternen.....nur noch der berühmte "schwarze Klumpen" zu sehen....gewagt....aber was soll`s....ist immer noch das selbe, vorher angesprochene Stück und die Richtung in die er steht bzw. bricht ist auch klar. Der Keiler zieht immer noch gerade ca 1m vor dem Roggen.
Rund 30m vor dem Roggen knie ich nieder....schwerer klatschnaßer Boden...egal....Adrenalien steigt hoch und bringt mich zum zittern....so nah und das zu ebener Erde....Kugelfang ist aber da, durch hinter dem Roggen befindliche Kuppe....wenn du den nicht richtig triffst und er dich annimmt hast du verloren....war noch so ein vorbeifliegender Gedanke. Messer? ...hhmm...nicht am Mann....Egal...in Zeitlupe lege ich mich auf den Boden...die nasse Erde saugt die Klamotten förmlich an. Ein letzter Blick durch das dd-optics 8x56 Pirschler Fernglas. Nur mit den Augen ist der Riese kaum noch zu sehen. Aber er ist noch da. Wenn er jetzt noch 15 m weiter geht bin ich direkt in seinem Wind. Ich lege das Fernglas in den Dreck. Auf meinem linken Unterarm liegt bereits der Vorderschaft der Mauser M03 in der Extrem Version....genau die richtige dreckige Situation für das Teil....war noch ein Gedanke. Ich liege auf dem Bauch....der linke Ellenbogen versinkt beim Hochstellen mit der Hand am nassen aber griffigen Vorderschaft einige cm im Boden und hat gut Halt. In Zeitlupe ziehe ich den Schaft in die Schulter. Ich finde den Keiler nicht im ZF....klar .... das DDOptics in der 6-24x58 Version...viel zu hohe Vergrößerung auf die kurze Distanz....doch da...da ist er. Auf die kurze Distanz passt er kaum komplett in die Linse....bei der kleinsten 6er Vergrößerung. Ich suche das Blatt.....oder doch lieber kurz dahinter....in die Lunge? Ich erinnere mich an die 120kg Sau....die ist mit Kugeleintritt hinterm Blatt auf ca 60m Entfernung noch rund 70m gelaufen bis der Sauerstoff aus der Blutbahn war....und das mit der Blaser CDP in 8x57IS. Kein Problem auf dem freien und unbewachsenen Feld im Winter. Hier ist es aber heute anders. Heute habe ich die Hornady GMX SPFI (Werkslabo) geladen. Gut ... ich spanne lautlos die M03....steche ein......Der Basse ist weiter gelaufen....noch ca 7 oder 8m und ich bin direkt querab. Jetzt muß es sein. Da ich keine Lust darauf habe, daß das Stück noch in den Roggen verschwindet und eventuell noch eine Nachsuche entsteht, sauge ich mich mit dem feinen Rotpunkt direkt auf dem Blatt fest und lasse fliegen.......
Wo ist er......Knistern und Rauschen im Roggen das schnell leise wird....och nö.....bin ich so schlecht abgekommen?.....ist der noch so fit, daß er so schnell weg ist und nichts mehr zu hören ist? Ich bleibe liegen....repetiere....lausche. Nichts...okay....aufstehen...Schießstandort markieren.....sehe aus wie Sau....erstmal eine Kippe....warten bis die innere Unruhe langsam zurück geht.
Ich gehe dorthin wo ich den Anschuß vermute....nichts....kann doch nicht sein....verdammte Axt.....kein Schweiß....keine Pirschzeichen. Okay....umgebrochener Roggen....da muß er lang sein.....hm...ziemlich breit platt der Roggen. Von der Roggenkannte aus sehe ich, daß da kein weiterer Roggen ins Feld hinein platt liegt. ZF runter.... Ich ziehe die M03 in die Schulter ....das silberne Perlkorn der offenen Visierung gleitet in die Kimme und ich folge dem Schein der Stirnlampe....liegt er vielleicht irgendwo im Wundbett? Ich entscheide mich doch einige Meter in den Roggen zu gehen.....und siehe da.....im Schein der Stirnlampe erscheint nach 6m die im Licht grau wirkende Schwarte. Da liegt er....auf der rechten Seite. Zeit für die nächste Kippe. Ein erster Blick sagt mir....der muß noch schwerer sein als meine bisher schwerste Sau mit 120 kg. Den bekomme ich alleine nicht mal mehr in den Heckträger. Inzwischen ist es 0120. Ich rufe den Pächter an...entschuldige mich ob der späten Störung. Er ist noch wach....ich brauche Hilfe. Er war auch noch unterwegs, gerade auf dem Heimweg, schon fast zu Hause doch drei Minuten später steht er mit seiner Frau bei mir. Beide sind überwältigt im Angesicht des mächtigen Tieres und ich erlebe ihn in einer Herzlichkeit wie ich ihn vorher noch nicht kannte. Er zieht den Ärmel von seinem Hemd hoch und zeigt mir die "Gänsehaut" und die aufgestellten Haare am Arm.....so stark ergreift den erfahrenen Waidmann mein Jagderfolg. Wir schätzen das Stück auf ca 140 Kg.

17 Jahre jagt er nun schon selber....auch vorher war er schon immer mit seinem Vater unterwegs....von solchen mächtigen Tieren hat er bisher nur gehört...aber selber hat er sie noch nicht gesehen...so seine Aussagen. Verzückt begutachtet er die Waffen: "Wenn das mal nicht ne Medallie ist"

Schnell einige Fotos gemacht von dem "Vielleichtlebenskeiler(?)".

Ich hole meinen Pickup. Als ich zurück bin hat der Pächter bereits begonnen, das Stück zu versorgen....sehr freundlich von ihm. Zu dritt wuchten wir das aufgebrochene Stück in den abgeklappten Heckträger...."schön aufpassen"....meint der erfahrene Pächter...."nicht die Waffen beschädigen". Ab zur Kühlkammer. Der Keiler hängt links und rechts reichlich über die Fahrzeugbreite hinaus. Die Waage geht nur bis 100kg....wir versuchen es erst garnicht. Ich muss heute noch so eine Hängewaage bis 200kg besorgen....scheine ich ja öfter zu brauchen.

Was ne geile Nacht.

Mein Jagderfolg hat sich rumgesprochen. In den nächsten Tagen gaben sich die Jäger aus der Umgebung die Klinke zur Kühlkammertür in die Hand. Sowas hat man hier lange nicht mehr gesehen, war wohl die vorherrschende Aussage.

Einige Tage später hole ich den Keiler aus der Kühlkammer. Der Keiler ist eher der "sportliche Typ". Zwar gut im Wildpret aber nur wenig Weißes. Inzwischen war eine Hängewaage besorgt. Sie zeigte ein Aufbruchgewicht nach 7 Tagen Kühlkammer von 120 Kg.

Der Keiler ist zerlegt und in der Gefriertruhe.

Bei der Zerlegung viel mir auf, daß ich mich in einer ersten Beschreibung der Erlebnisse zur Ein- und Ausschußseite geirrte hatte. Bei der Untersuchung am hängenden Bassen, der richtigen Zuordnung von Ein- und Ausschußseite und der Rekapitulierung der Ereignisse die zur Erlegung führten, bin ich zu dem Ergebnis gekommen, daß Ausschuß doch vorhanden war. Allerdings, wie bereits beschrieben....ohne Schweiß und Pirschzeichen am Anschuß. Lediglich ein kleines Rinnsal Schweiß war auf der Ausschußseite. (siehe Bilder)
An der Hornady GMX hat es wohl nicht gelegen. Bei den Rippen ist deutlich ein Loch von ca 3 cm Größe zu erkennen. Wildpret, Weißes und Schild führte wohl zum schnellen Verschluß des Ausschußes und somit zur Verhinderung einer aussreichenden Austrittsmenge des Schweißes um Pirschzeichen zu liefern. Vermutlich wäre dies auch mit jedem anderen Deformationsgeschoß so geschehen.

Der weit verbreiteten Meinung, daß man ein solch altes Tier nicht mehr essen kann, kann ich nicht zustimmen. Zumindest wurden bereits verschiedene Gerichte mit Wildhack, wie z.Bsp. gefüllte Paprikaschoten, Bolognese und Bratwurst genüßlich verspeist.

Auch wurden die Waffen präpariert. Die Gewehre sind 23,5 und 24 cm lang. Eine genaue und unabhängige Bewertung steht noch aus.

Was bleibt? Ein unvergessliches Erlebnis, anerkennende Worte und Schulterklopfen in der Jagdgemeinde und die Frage, ob das nun der vielbeschriebene Lebenskeiler für mich war und sich solch ein Jagderfolg nie wieder für mich ergibt.

Ich sage...wer weiß...und denke bei mir...sag niemals nie.

Bilder sind hier zu finden
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Saustalker

Saustalker

Alter: 52 Jahre,
aus der Mitte Brandenburg`s
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Kommentare

15.07.2015 08:02 schaaal
nocheinmal: WEIDMANNSHEIL!!!

beeindruckender keiler!!!
15.07.2015 09:17 Otterbock
Wahnsinns Tier..
ja , ich schreibe bewusst Tier..
Ein donnerndes WmH zum Bassen.Und natürlich zu dem Erlebten.Das wirste dein Leben nicht vergessen
Horrido
16.07.2015 09:23 Gesch
Kräftiges Waidmannsheil !!!


...vielfach erlebt, daß eine Sau mit versetzten Vorderbeinen stand und beim ersten Schritt sofort den Ausschuß zugemacht hat.
Wenn der Schuß seine Wirkung getan hat, isses egal, aber wenn eine Nachsuche ansteht, wären Pirschzeichen halt sehr von Vorteil.
27.07.2015 19:38 Auwaldfex
WMH! Gratuliere zum überlegten Handeln und der Erlegung diese hochkapitalen Keilers!
31.07.2015 15:16 vonfleming
Großes Wmh. Die Gewehre sind schon eine Hausnummer.Einer der "Seltenen" erwischt.
08.08.2015 22:18 ZH-7x57
Diesen Keiler hast ehrlich verdient,Weidmannheil
08.08.2015 22:30 ZH-7x57
Den Keiler hast verdient,Weidmannsheil, zu dem Jagderfolg
16.11.2015 21:15 montero
Hallo Saustalker. Was hat er für eine Bewertung erhalten? Medaille? Gruß, montero
16.11.2015 22:13 Saustalker
montero schrieb:
Hallo Saustalker. Was hat er für eine Bewertung erhalten? Medaille? Gruß, montero


Wurde noch nicht gemacht. Ist ja noch Zeit. Rein von meiner Messung her würde er wohl bei Silber liegen....ohne die subjektiven Bewertungen die es noch dazu gibt bzw. abgezogen werden können.
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