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Jagderlebnisse

(6 Einträge)

Julibock
538 mal angesehen
07.07.2015, 16.17 Uhr

Holunderblütenzeit

„Solange der Holunder blüht, der Bock nur faul danieder liegt“ – eine Binsenweisheit, die mir aber doch von Mitte Juni bis zur ersten Juli-Hälfte häufig durch den Kopf geht, wenn ich nach einem langen Ansitz – selbst im Feldrevier – nur äußerst mageren Anblick gehabt habe.

Seit Mitte Mai saß ich immer wieder an einem Haferschlag an, der angereichert mit einer Klee- und Erbsenbeimischung ein wahrer Rehwildmagnet zu sein schien. Dort hatte ich sowohl einen geringen Spießer als auch einen Knopfbock ausgemacht und versuchte mehrfach mein Glück. Der Schlag liegt unmittelbar an der Reviergrenze, die sich an einem langen, geschwungenen und dicht bewachsenem Knick über viele hundert Meter dahin zieht. Der Haferschlag ist vielleicht 250 m lang und 150 m breit. Auf der linken Seite wird der Schlag durch einen Querknick begrenzt. Dort haben wir in einer Eiche einen Leiter. Auf dem anschließenden Schlag läuft Mais auf. Rechts vom Hafer ist eine Wiese, die an ein Feldgehölz grenzt, das aber schon zum Nachbarn gehört. An einer Gehölzinsel auf der Wiese steht ein offener Sitz. An das obere Ende des Haferschlages grenzt ein Wäldchen in unserem Revier. Dort steht eine Kanzel. Am unteren Ende läuft der Hafer direkt auf den Grenzknick. Beim Nachbarn: Weitläufige Wiesen.

Die geringen Böcke habe ich Mitte Mai zunächst beim Anlaufen bemerkt. Ich wollte auf den Sitz an der Wiese. Ich habe direkt versucht über den Pirschstock zu schießen; aber der Bewuchst war schon so hoch, dass man ohne Erhöhung keinen sicheren Schuss hat antragen können. Nach dem die Stücke abgesprungen waren; jedoch nur in den angrenzenden Knick, bin ich direkt auf die Kanzel und habe gewartet. Tatsächlich, nach einer Stunde trat der Spießer wieder aus; zog aber in die falsche Richtung spitz weg. Mit dem Spektiv gelang es mir dann auch noch ein weiteres Stück Rehwild als Knopfbock zu bestätigen; von dem aber nur das Haupt und die Lauscher zu sehen waren.

Ich hab es über die Kanzel noch zwei Mal versucht. Aber entweder haben die beiden Geringen den Schlag nicht verlassen und außer den Lauschern war faktisch nichts zu sehen. Irgendwann bin ich dann nach rechts auf den Sitz an der Wiese ausgewichen, in der Hoffnung das Gras wäre ebenso attraktiv wie der Klee im Haferschlag. Dort bekam ich aber lediglich einen wirklich kapitalen aber deutlich zu jungen Sechser in Anblick (Fotos in meinem Album); der über das Feldgehölz und den Grenzknick in den Hafer zog. Dies schürte bei mir die Hoffnung, dass vielleicht dieser Jüngling ein wenig Rabatz unter den Geringen veranstalten würde und so Bewegung in das Versteckspiel käme; aber der Kapitale Jüngling zog nur in den äußerst rechten Rand des Schlages; nicht in dessen Mitte wo die Geringen es sich gut eingerichtet hatten.

Irgendwann kamen die Geringen – zumindest der Spießer – aber doch gewaltig auf die Läufe und so konnte ich dann auch einen vierten Bock in diesem Schlag bestätigen, der sich immer äußerst links im Hafer aufzughalten schien. Zunächst habe ich den Bock nur als wohl nicht mehr ganz jungen Gabler angesprochen. Durch das Spektiv konnte ich aber später sehen, dass es zumindest geringe Veranlagungen von einer Vordersprosse gab. Der könnte interessant und vor allem nützlich sein, dachte ich mir und verlegte meine Ansitze nunmehr auf den Eichensitz am linken Rand des Haferschlages, was nicht ganz einfach ist, da der Wind für diese Leiter nicht immer günstig ist. Wenn es aber irgendwie ging, war ich dort.

So bekam ich den älteren Bock ein paar Mal mit. Entweder er wechselte aus dem Nachbarrevier von links über den Maisschlag in den Hafer oder er war dort bereits und bewegte sich von dort abends über den Mais ins Nachbarrevier. Interessant, dass sich dieser Herr und der starke Sechser auf der anderen Seite gänzlich in Ruhe ließen. Den Spießer nahm der Grenzgänger zwar immer wieder an, aber er trieb ihn nie zu mir in Richtung Mais, sondern stets tief in den Hafer oder über die Grenze ins Nachbarrevier.

So vergingen etliche Ansitze und nachdem jetzt auch der Mais höher und höher wurde, reifte in mir die Überlegung auch auf den älteren Bock anzulegen, wenn es denn passen würde. Ein Grenzgänger, sicherlich nicht mehr der Jüngste, keine Anlagen zu einem starken Sechsergehörn, vielleicht schon zurückgesetzt. Den kann man mitnehmen.

Nun: Wie es so ist. Wenn man dann ernst machen will kommt beruflich etwas dazwischen, der Wind stimmt nicht, es gewittert oder man sitzt halt draußen Ende Juni und es passiert einfach gar nichts. „Solange der Holunder blüht, der Bock nur faul danieder liegt“, pflegte mein Großvater immer zu sagen und ich sah meine Chancen schwinden. Der Mais wurde höher und höher; man konnte die Pflanzen förmlich wachsen hören.

Insofern war mir gestern Abend relativ klar: Heute gilt es oder ich habe erst wieder eine Chance wenn der Hafer fällt. Dann aber verteilen sich die Einstände der beiden stärkeren Böcke neu und man weiß nicht wer wo landet.

Bis gegen 21:30 tat sich NICHTS. Der Hafer bzw. Klee ist zwischenzeitlich so hoch, dass man ein stehendes Stück Rehwild wirklich nur noch dann erblicken kann, wenn das Gehörn deutlich über den Lauschern steht.

Dann aber im Grenzknick ein verräterisches ROT, das in einem Sprung im Hafer verschwindet. Aber doch: Es sind die Stangenspitze zu sehen. Es ist der Herr meiner Wahl. Dieser tut mir dann auch den Gefallen und wechselt aus dem Hafer an den Knick auf dem ich in der Eiche sitze. Nur der Bursche zieht spitz auf mich zu. Wind steht gut. Aber der Hund liegt unten an der Leiter und der Hand den Bock natürlich im Wind und hockt anstatt abzuliegen. Wenn ich hier jetzt einwirke, hat der Bock mich m it. Also abwarten. Erfahrungsgemäß schlägt der Hund nicht an auch wenn das Wild auf 5 m vorbeiwechselt; er zittert nur vor Erregung.

Der Bock zieht also weiter auf mich zu. An einen Schuss ist nicht zu denken. Zu spitz von vorne; zu nah das Ganze. Wie ich es erahnt habe, der Bock bleibt auf Höhe der Eiche stehen und eräugt den Hund. Er verhofft kurz; schreckt und springt wieder nach hinten ab. Allerdings nicht in den Hafer sondern am Feldsaum entlang, so wie er auf mich zugezogen ist. Nach etwa 40 m verhofft er. Ich denke, das war es. Der Bock wechselt aber noch immer nicht in den Hafer und macht auch keine Anstalten über die Grenze zu flüchten. Links schwenkt er ein und zieht nun breit auf 40 m in den Mais hinein; gerade auf einer Stelle wo die Jungpflanzen noch etwas kurzwüchsig sind.

Die Kipplaufbüchse habe ich längst im Anschlag und gespannt. Der Bock steht breit und ich lasse mir die Chance nicht mehr entgehen.

Im Knall ein deutliche Zeichnen, unmittelbares Zusammenbrechen und kurzes Schlegeln. Allerdings kommt der Bock sofort wieder auf die Läufe und flüchtet in den Hafer. Da dort keine weitläufigen Bewegungen zu sehen sind, hoffe ich, dass er direkt am Feldsaum verendet. Ich meine dort auch noch leichte Bewegungen im Hafer zu sehen, die ich Zeichen des letzten Vergehens des Lebens deute.

Wie das so ist. Wenn man nichts sehen kann ist man halt nicht wirklich sicher. Ich laufe dann immer zuerst zum Anschuss. Aber der lässt keine Zweifel. Deutlich und ausreichend Lungenschweiß beseitigen die letzten Zweifel und lassen mich der gut sichtbaren Krankfährte bis in den Hafer folgen.

Da liegt der längst Verloschene und ich bin dankbar, dass es heute geklappt hat; trotz der noch weit sichtbaren Holunderblüte.
offline

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Kommentare

07.07.2015 16:33 Remmi
Waidmannsheil!
07.07.2015 21:58 schaaal
Weidmannsheil!!!
08.07.2015 06:45 hunterbucki
Toll erzählt...
Waidmannsheil
08.07.2015 07:10 taube54
Super geschrieben, Danke
08.07.2015 10:53 Ammerlaender
Sehr schön geschrieben. WMH!!!
09.07.2015 12:49 swinging_elvis
Waidmannsheil! !!
11.07.2015 19:28 Tannschuetz
Waidmannsheil!!! Nur wer jagen geht, kann Beute machen!
10.08.2015 15:33 ZH-7x57
Das war sicher spannend,ein Weidmannsheil.
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