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Der Frili und sein großer Brud...

Der „Frili“ und sein größerer Bruder Es (1 Eintrag)

507 mal angesehen
29.05.2015, 22.33 Uhr

Der Frili und sein großer Bruder

Der „Frili“ und sein größerer Bruder
Es war im November an einem heiter bis wolkigem Tag mit Temperaturen um die 5 °C als mein Hund und ich zum ersten Mal als Schweißhundeführer bei einer Drückjagd teilnahmen. Es war eine recht große Jagd mit ca. 70 Schützen in dem Waldgebiet, indem ich auch zur Jagd gehe. Ich war als Ansteller eingeteilt und nachdem der Jagdleiter seine Ansprache gehalten hat und mir mein Schütze zugewiesen wurde, ging es auch schon los. Ich brachte den älteren Herrn zu seinem Stand und begab mich auf meinen, auf dem ich schon im letzten Jahr zwei Rehe erlegen konnte, lud meine Waffe und fieberte meiner ersten Drückjagd in diesem Jahr entgegen. Nach nur ca. einer Viertelstunde kamen unten im Tal zwei Stücken Dammwild. Es war zwar Kugelfang gegeben, da ich aber mit Dammwild bisher recht wenig Erfahrungen habe, zögerte ich mit dem Schuss und die zwei Stücken zogen von dannen. Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass es sich um Alttier mit Kalb handelte aber ich wollte nicht auf meiner ersten Drückjagd im Jahr einen Fehlabschuss fabrizieren…Bis ca. einer halben Stunde vor Hahn in Ruh passierte bei mir nicht viel. Dann kündigte ein spurlaut jagender Terrier Wild an. Nach einigen Sekunden erschien eine Ricke, die sich erst einmal aus dem Staub machte. Doch dann kam der Hund und ich konnte sehen, dass das Reh ein regelrechtes Katz-und-Maus-Spiel mit dem Hund vollführte. Irgendwann blieb das Stück auf einer Kuppe stehen, an einen Schuss war nicht zu denken, und wollte dann in Richtung Hauptweg verschwinden. In diesem Augenblick kam der Wagen mit der Gullaschkannone auf eben diesem Hauptweg vorbeigefahren und die Ricke überlegte es sich anders. Als sie langsam in eine Senke zog brach der Schuss und das Stück lag.
Nachdem Hahn in Ruh war und ich das Stück versorgt hatte, holte ich meinen Schützen ab, der keinen Anblick gehabt hat und fuhr zum Streckenplatz. Dort angekommen ergaben die Angaben der Ansteller, dass für mich zwei Nachsuchen auf Sauen anstanden. Ich freute mich wie ein Schneekönig. Endlich Arbeit für den Hund. Die erste Suche galt einem einzelnen Stück Schwarzwild. Dieses kam durch den Hochwald und zog nach dem Schuss auf etwa 50 m flüchtig in eine Dickung etwa 150 m vom Anschuss. Der Schütze konnte kein Zeichnen erkennen. Seinen Angaben nach sollte es sich um einen Frischling oder geringen Überläufer handeln. Am Anschuss fanden sich keine Pirschzeichen, lediglich die Fährte der anwechselnden Sau und Eingriffe im Bereich, in dem sich das Schwein zum Zeitpunkt der Schussabgabe befand, konnte ich finden. Der Hund wurde also angesetzt und zog mit hoher Nase in Richtung der Dickung. Auf den ersten 150 m fand sich kein Schweiss, dann konnte ich an einem Baumstamm am Boden abgewischten Schweiss finden. Nach etwa 50 m kamen wir dann zum bereits verendeten Stück. Der besagte Frischling hatte geschätzte 70 bis 80 kg und war weiblich. Der Schuss ging in das kleine Gescheide und der Ausschuss befand sich im Bereich des Blatts. Nun ja so viel dazu, wie den Angaben der Schützen zu trauen ist. Ich half dabei das Stück zu bergen und dann ging es an die zweite Nachsuche. Es war Eile geboten, da sich die Lichtverhältnisse bald rapide verschlechtern würden.
Die zweite Nachsuche hatte ihren Anfang nur wenige hundert Meter entfernt. Hier hat der Schütze mit einer bleifreien 308.Win auf das letzte Stück einer Rotte geschossen, das deutlich stärker war als der Rest der Mannschaft. Hier war ich wenigstens vorgewarnt. Der Schütze gab den ersten Schuss im Bereich eines Schilfgebiets ab, worauf das Stück an die Rotte Anschluss haltend weiter zog. Der zweite Schuss ließ die Sau kurz zusammenbrechen, woraufhin es am Graben „geplätschert“ hat. Hiernach zog die Rotte mitsamt dem beschossenen Stück davon.
Der Hund wurde angesetzt. Am ersten Anschuss konnten wir keine Pirschzeichen finden. Es ging dann über den Graben, der viel Wasser führte. Ich ließ den Hund also den Graben überqueren und am Schweißriemen warten, während ich ca. 100 m weiter eine Stelle zum Passieren des Grabens fand. Beim Hund angekommen schickte ich diesen wieder auf die Suche und direkt hinter dem Graben fand sich erster Schweiss. Wir waren also Richtig und das Stück hatte den Schuss! Es ging nun durch eine Buchendickung und alle 50 bis 100 m fanden wir einigen Schweiss zur Bestätigung. Dieser hörte jedoch nach kurzer Zeit gänzlich auf und ich musste dem jungen Hund vertrauen. Wir querten den Hauptweg, kamen dann an einen Wildzaun hinter dem sich ein Dickicht aus Brombeeren befand. Da hätte es eigentlich schon Klingeln müssen. Aber dazu gleich mehr. Mein Vertrauen in den Hund war in dem Moment erschöpft und ich setzte diesen neu an. Mein Begleiter hat sich dann schon mal in Richtung Schüsseltreiben gemacht. Ich denke, dass er nicht so recht an einen Erfolg des Hundes und meiner Wenigkeit geglaubt hat. Neu angesetzt, zog der Hund genau die gleiche Strecke nochmal lang und nun wusste ich dass er richtig war, nebenher sah ich nun, dass wir uns auf einer Fährte einer einzelnen größeren Sau befanden…nach einigen hundert Metern standen wir erneut vor dem Wildzaun. Der Hund zog erst nach rechts, korrigierte sich nach einigen Metern (wahrscheinlich ist an diesem Zwangspass einiges an Wild während der Drückjagd langgezogen) und zog dann links rum, nach ca. 50 m zog er dann durch ein Loch in das Innere des Zaunes und wir standen in der Brombeerhölle.
Jetzt klingelte es dann doch bei mir und mir fiel ein, dass einer der Hundeführer am Streckenplatz berichtet hat, dass seine Terrier in dem Zaun immer wieder einen Keiler hoch gemacht haben, der sich jedoch nicht so richtig stellen wollte…nun ging es in die Brombeeren. Der Hund zog im Zickzack kreuz und quer durch das unwegsame Gelände und ich krackselte und stollperte hinterher. Auf einmal stand vor dem Hund ein großes Schwein auf und zog davon. In diesem Moment schnallte ich den Hund. Die Hatz ging über ca. 200 m. Dann hörte ich kurz sichtlaut (spurlaut ist der Hund leider nicht) und dann Standlaut. Oha!
Jetzt war es endlich soweit. Zum ersten Mal in meiner Schweisshundeführerlaufbahn musste ich einen Bail angehen, befand mich in einem unbekannten Teil des Reviers, der Hund (1,5 Jahre) machte dies auch zum ersten Mal und überall roch es nach rauschigem Keiler! Ich sah meinen Hund in Gefahr und rannte los. Losrennen ist gut. In dem Brombeerdickicht kam ich nur mühsam Meter für Meter vorwärts. Als ich nun endlich am Ort des Geschehens ankam, sah ich den Hund vor einem undurchdringlichen Brombeerbusch Standlaut geben. Ich musste mich auf alle Viere begeben um zu sehen, was er da verbellte. Und dann sah ich den schwarzen Klumpen. Der Keiler stand ca. 3 m vor mir da und ich schob die Mündung der Doppelflinte in Richtung der Sau, die Waffe war parallel zum Hund und die Mündung nur ca. 20 cm neben dem Fang meines Hundes. Der erste Schuss war raus und unser Gegner begann sich im Kreis zu drehen. Der zweite Schuss ließ das Schwein dann blitzartig zusammenbrechen. Huh!!! Erst jetzt realisierte ich so richtig was da gerade passiert ist. Ein Anruf an die Jagdleitung hatte zur Folge, dass gleich 3 Mann nach langem Hin- und Hersuchen am Tatort erschienen. Dieser befand sich natürlich äußerst abgelegen und die Bergung der Sau war äußerst kräftezehrend.
Bei der Sau handelte es sich um einen 2 jährigen Keiler von ca. 70 kg. Beim Aufbrechen war es bereits dunkel. Ich konnte nicht mehr so richtig zuordnen, wo welcher Schuss drauf war (als ich mir das Stück zwei Tage später in der Kühlkammer anschauen wollte, war mir der Wildhändler bereits zuvorgekommen). Ich denke aber, dass ein Schuss kurz oberhalb des Pinsels vom Schützen stammte. Am Streckenplatz angekommen wurden mein junger Hund und ich natürlich ausgiebig gefeiert und ich war stolz wie Bolle.
Im Nachhinein wurde mir dann klar, dass die Sache auch hätte anders ausgehen können. Gerade die jüngeren Keiler können durchaus angriffslustiger sein als der zur Strecke gebrachte Kollege. Was mich an der ganzen Aktion jedoch am meisten verblüfft hat, ist die Tatsache, das der Mensch unter solchen Extremsituationen irgendwie intuitiv und seinen Instinkten und Reflexen vertrauend ähnlich einer Maschine handelt. Die Situation war für mich eine Premiere und doch lief vom Schnallen des Hundes bis zu den Fangschüssen alles so als wäre es schon etliche Male zuvor passiert.
Überglücklich fuhr ich nach Hause in dem Bewusstsein mein bis dato spannendstes Jagderlebnis hinter mir zu haben. Der Hund legte sich daheim angekommen in vollster Zufriedenheit in sein Körbchen und seinen Lautäußerungen während des Tiefschlafs zu urteilen, durchlebte er sein Erfolgserlebnis noch einige Male. Der Schütze meldete sich übrigens am nächsten Tag telefonisch bei mir und bedankte sich ausgiebig. Auch nachdem meine Nachsuchenmontur und die Schutzweste des Hundes aus der Wäsche kommend an der Wäscheleine hing, wurde all meinen Nachbarn tagelang übel von dem Gestank des rauschigen Keilers.
Das hier geschilderte Erlebnis war nur der Anfang einer für mich und meinen vierbeinigen Kumpanen erfolgreichen Nachsuchensaison…jedoch war es das mit Abstand spektakulärste. Während ich dies hier niederschreibe, sitzt mein Hund unterm Tisch, pflegt sein bestes Stück und ahnt gar nicht wie stolz Herrchen auf ihn ist!
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Yussuf

Yussuf

Alter: 35 Jahre,
aus Meckpomm

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Kommentare

01.06.2015 10:29 retrieve
WMH, nett geschrieben fürs erste Mal.
Mich würd nur interessieren wo du jagst, ein 70-80kg Frili halt ich für eher ziemlich "kräftig" dann haben eure Überläufer ja so um die 120kg?
02.06.2015 13:55 Yussuf
Oha, Anführungsstriche vergessen!!!!
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