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Jagderlebnisse

(6 Einträge)

744 mal angesehen
10.02.2015, 19.53 Uhr

Das letzte Stück Rotwild

In meinen "jungen Jahren" war ich bei einem Onkel in seinem Hochwildrevier in Nordhessen "tätig". Freie Büchse hatte ich, lediglich beim Rotwild hies es: Nur nach Ansage.

Eines Freitag Abends im Spätherbst kam die Ansage: Wenn dir ein Schmaltier kommt, schießen. Als junges Jägerlein ist man natürlich jedesmal freudig erregt wenn solch eine Freigabe erfolgt, ich war es auch.

Heute Abend bin ich aber nicht da, ich muß mit Tantchen ins Theater, du kommst schon zurecht, meinte er noch. Seinen rollenden Augen nach freute er sich riesig auf den Theaterbesuch.

Also früh raus. Der Mond war zwar noch nicht voll, dafür war der Himmel wolkenlos.

Mein alter Freund, Meister Lampe lies sich etwa 20 m vor mir als erstes blicken.
Auf ihn ist verlass. Wenn seine Löffel anfangen zu kreisen ist weiteres Wild im Anmarsch, Falls nicht kann man die Augen auch mal etwas zu machen.

Es mag so gegen 23 Uhr gewesen sein als Lampe plötzlich aufmerksam wurde. Fast wie ein Geist stand plötzlich ein Alttier am Waldrand, verhoffte und sicherte. Nach einer gefühlten Ewigkeit zog es auf die Wiese, gefolgt von einem Kalb. Nach der reinen Lehre sollte nun noch ein Schmaltier folgen und tatsächlich nach einigen Minuten zog auch das Schmaltier auf die Wiese. Meine Waffe ging hoch, mein Herzschlag auch. Als ich gefühlt gut auf dem Blatt war, noch mal durchgeatmet und Bumm.

Vom Knall war ich betäubt und vom Blitz geblendet.
Die "Bühne" war leer. Aber war da eben nicht noch ein leichtes knacken?

Die obligatorische Zigarettenlänge abwartend, habe ich dann meinen "Haustand" im Rucksack verstaut, die Waffe geschultert, bin abgebaumt und habe mich zum Anschuss gemacht.

Im Licht der Taschenlampe war hellroter etwas blasiger Schweiss, Lungenschuss, das Schmaltier sollte also liegen .... meine Erleichterung war groß.

Die Schweissspur führte gut erkennbar zurück in den Wald. Nach ca. 70 m war so etwas wie ein großer Krater. Etwa 25 m im Durchmesser und wenn man drin steht kann man nicht über den Rand blicken. Kassel war im 2. Weltkrieg Ziel von Bombenangriffen, vielleicht ein alter Bombentrichter. In der Mitte des Kraters stehen 3 Birken und genau in die hat sich das Schmaltier regelrecht hineingewickelt. Also hinausziehen! Nach 5 Minuten vergeblichen Bemühens reift bei mir die Erkenntnis, dass ich mich ohne den Rucksack auf dem Rücken vielleicht besser bewegen kann. Eine gefühlte halbe Stunde später bin ich kurz davor die Aktion abzubrechen, zurück zu fahren, eine Motorsäge zu holen und die Birken umzulegen. Mein Ehrgeiz hält mich zurück. Irgenwie schaffe ich es dann doch noch das Schmaltier frei zu bekommen. Als es schließlich im Auto ist bin ich fix und fertig!
Zurück zum Haus, das Schmaltier in die Wildkammer zu schleppen und aufzubrechen war eine vergleichbar leichte Übung.
Als ich fertig bin geht die Tür auf und Onkelchen steht da. WMH, aber schlecht aufgebrochen hast du. Der Kommentar hat mir gerade noch gefehlt.

Ich erzähle ihm die Geschichte und ein breites Grinsen macht sich auf seinem Gesicht breit. Ja, sagt er, den Krater kenne ich und früher standen dort 4 Birken. Meiner Motivation hilft das auch nicht weiter und ich beschliesse: Das war das letzte Stück Rotwild das du geschossen hast.

Wie das so mit Vorsätzen ist, man hält sich daran oder auch nicht. Ich habe mich weitgehend daran gehalten.

Etwa 10 Jahre später war ich zur Kahlwildjagd in Polen und habe wieder den Finger krumm gemacht. Diesmals haben polnische Jäger, feine Kerle, die Bergung und die Versorgung des Wildes übernommen. In Erinnerung an die damalige Geschichte habe ich ihnen dabei geholfen.

offline

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Kommentare

11.02.2015 09:33 montero
Tja, die Jagd kann körperlich anstrengend sein! Die Nachtjagd auf Rotwild war damals bereits genehmigt? Gruß, montero
11.02.2015 14:15 R93Hunter
montero schrieb:
Tja, die Jagd kann körperlich anstrengend sein! Die Nachtjagd auf Rotwild war damals bereits genehmigt? Gruß, montero



Jau
12.02.2015 21:10 kong
Schöne Schilderung mehr davon bitte

Ich habe mal anlässlicher eine Ansitzjagd mit Beunruhigung 8 Stück Rotwild geschossen...mein Sitz lag in einem Talkessel ohne Zuwegung mit recht steilen Hängen...danach war ich geheilt kann ich Dir sagen - als nach dem Versorgen das vierte Stück am Weg war, kam der Ansteller und ich habe brav auch noch die restlichen Stücke mit geborgen...seither schau ich mir die Sitze und deren Peripherie genau an
13.02.2015 22:20 swinging_elvis
Auch bei mir gäbe es eine Geschichte zu Rotwild zu erzählen... Zwar nur ein Kalb aber auch am Hang... Oben angekommen hätte ich mich am liebsten ebenfalls auf die Strecke gelegt.... Darum beim Schuss auf schweres Wild immer Gelände und eigene "Mannesstärke" berücksichtigen... Aber was erzähle ich einem alten Jäger, der mir beim Treffen noch so jung vorkam...... El
15.02.2015 12:36 R93Hunter
swinging_elvis schrieb:
Auch bei mir gäbe es eine Geschichte zu Rotwild zu erzählen... Zwar nur ein Kalb aber auch am Hang... Oben angekommen hätte ich mich am liebsten ebenfalls auf die Strecke gelegt.... Darum beim Schuss auf schweres Wild immer Gelände und eigene "Mannesstärke" berücksichtigen... Aber was erzähle ich einem alten Jäger, der mir beim Treffen noch so jung vorkam...... El



El, ich glaube ich werde alt, ich muss immer öfters an Geschichten aus meiner "jagdlichen Jugend" denken ...
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