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Kaliber-Bestimmung

In die Zange genommen (10 Einträge)

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08.02.2015, 18.51 Uhr

Losentscheid

links Fertigungszeichen, rechts Beschussmarken

Losentscheid
Im Fußball entscheidet in aller Regel das Los über die Seitenwahl, den Anstoß oder den Beginn des Elfmeterschießens und nicht selten hängt davon der Ausgang eines Spieles ab, wie das Los gefallen ist. Wenn bei der Munition von Los die Rede ist, wird das Fertigungszeichen gemeint, das jede Patronenschachtel als Identitätsmerkmal trägt. Wie im Sport oder der Lotterie, kann auch auf der Jagd das Los darüber entscheiden, ob man einen Treffer oder eine Niete gezogen hat. Was es damit auf sich hat, erklärt Sir Henry

Das Fertigungszeichen
besteht aus einer Zahlen- und/oder Buchstabenkombination, die einer Patronenserie erteilt wird, die ohne Wechsel irgendwelcher Komponenten in einer bestimmten Zeit „vom Band“ läuft. Ob Büchsen- oder Schrotpatronen, ob Randfeuer- oder Kurzwaffenmunition, stets entsprechen sich alle Patronen mit gleichem Fertigungszeichen (FZ) hinsichtlich der einzelnen Bestandteile. Auch die Komponenten als solche, wie Hülsen, Zündhütchen oder Geschosse, sind am Fertigungszeichen zu erkennen, ob sie in der gleichen Partie produziert wurden. Diese Kennzeichnung ist obligatorisch und wird im Beschussgesetz geregelt. Gemeinhin wird von der Losnummer gesprochen.

Die Laborierung
ist etwas anderes. Damit wird die generelle Kombination der Komponenten nach Sorte und Gewicht des Pulvers, Typ und Gewicht des Geschosses sowie die Hülsenart und Zündhütchensorte angegeben Bei Schrotpatronen schließt sie noch die Schrotladung nach Material und Gewicht sowie die Art des Zwischenmittels ein.

Präzisionsunterschiede fallen bei Büchsenpatronen am ehesten auf und gehen, von mechanischen Fertigungstoleranzen abgesehen, in erster Linie auf Unterschiede in der Pulverladung und dem Pulvergewicht zurück. Bei volumetrischer Dosierung machen sich schon geringste Unterschiede in der Pulverkorngröße bemerkbar, wie viel in die Hülse gefüllt wird. Ebenso ist es nicht möglich, die Abbrandcharakteristik einer bestimmten Pulversorte auf exakt der gleichen Umsetzung zu halten. So ist es in erster Linie die verfügbare Pulvercharge, die den quantitativen Umfang einer Fertigungsserie bestimmt.

Die Logistik der Munitionsfabriken reicht vom Rohmaterial bis zu ladefertigen Patronen-bestandteilen. Je autarker eine Firma ist, um so mehr muss für die Fertigung vorgehalten werden. Aus Gründen der Rationalisierung beziehen viele Munitionshersteller Komponenten von einander, soweit nicht bestimmte Teile, allen voran Geschosse und Pulver von Spezialfirmen eingekauft werden. Als Beispiel seien nur die Geschosse von Nosler, Trophy, Sierra oder Woodleigh erwähnt. Darüber hinaus ist der gegenseitige Austausch umfangreicher, als gemeinhin vermutet wird.

Wenn ein Wiederlader in seiner 8 x 57 JS z.B. 3,25 g Rottweil-Pulver R 903 verlädt, reicht die Kanne für etwa 140 Patronen. Bei entsprechender Lagerung des Pulvers, gleich bleibender Justierung der Matrizen sowie Verwendung der gleichen übrigen Komponenten, verändert sich auch dann die Präzision nicht, wenn die Menge in drei Partien über zwei Jahre verarbeitet wird. Im gleichen Zeitraum laufen jedoch Tonnen von Pulver in den Fabriken durch die Lademaschinen, was zwangsläufig zu Unterschieden führen muss, wenn die Munition Pack weise in größeren Abständen nachgekauft wird.

Das Losglück
ist gleich zu setzen mit dem Umstand, dass unterschiedliche Lose einer bestimmten Laborierung die gleiche Treffpunktlage (TPL) ergeben. Schon auf mittlere Entfernungen sind nur geringe Abweichungen jagdlich tolerierbar, was aber unbedingt durch wenigstens drei Kontrollschüsse zu überprüfen ist. Je aussagekräftiger das Ergebnis sein soll, um so optimierter müssen die Voraussetzungen dafür sein. Eben mal schnell im Revier einen „Probeschuss“ zu machen, ist völlig unzureichend, auch wenn der Patronenpreis eine Bremswirkung hat.

Je weiter geschossen wird und je kleiner das Ziel ist, um so mehr muss auf die Schussleistung geachtet werden. Der Punktschuss mit der Büchse unterscheidet sich hier elementar vom Hagel eines Schrotschusses. Generell lässt sich keine sichere Voraussage treffen, wie ein Büchslauf auf ein anderes Los reagiert, um so größer ist die Verpflichtung zur sorgfältigen Kontrolle der TPL. Wem wegen einer unterlassener Überprüfung ein „schlechter Schuss“ unterläuft, handelt im höchsten Maße verantwortungslos.

Davon auszugehen, dass kleine oder große Kaliber mehr oder weniger empfindlich auf ein anderes Fertigungslos reagieren, ist Kaffeesatzleserei. Wenn schon von einem nicht mehr erhältlichen Los nur mehr eine oder zwei Patronen übrig sind, sollten diese auf dem Stand und nicht mehr jagdlich verschossen werden. Manche Jäger wollen ihre Büchse mit einer Handvoll Patronen eingeschossen haben, die schon von Weitem wie ein „Pfund gemischte Bonbons“ aussehen. Dass unterschiedliche Lose oder gar Laborierungen „Loch in Loch“ schießen, wird durch die wenigen Ausnahmen in aller Regel widerlegt.

Wird ein Einschießen erforderlich, sollte dies zum Anlass genommen werden, den Lauf vorher von Geschossabrieb zu befreien, der sich vor allem im hinteren Drittel angesetzt hat. Chemische Mittel sind mechanischer „Putzerei“ unbedingt vorzuziehen, um die Laufwand nicht zu verkratzen oder die Felderkanten nicht abzuschleifen. Im Handel sind diverse Mittel erhältlich, die lediglich die Ablagerungen nicht aber den Laufstahl angreifen. Bei entsprechender „Beschichtung“ hilft oft nur, den Lauf an der Mündung zu verschließen, mit Lösungsmittel aufzufüllen und mindestens einen Tag lang Kopf stehen zu lassen. Die angeweichten Tombak-, Messing-, Nickel- oder Blei-ablagerungen lassen sich dann mit Werg entfernen.

Das Lospech
kann sich sogar bei Patronen mit gleichem Fertigungszeichen einstellen, etwa dann, wenn man den Patronen unterschiedliche Behandlung angedeihen lässt. Die letzte von 20 Patronen einer Schachtel, die nur im kühlen Waffenschrank lag, wird eine andere TPL haben können, wie die im Auto liegenden oder seit Jahren im Schaftmagazin steckenden. Stark wechselnde Temperaturen beeinflussen zudem den Abbrand des Pulvers, was sich durch Gasdruckunterschiede in Trefferabweichungen bemerkbar macht. Auch wenn bei der Waffenreinigung auf eine Entölung der Laufseele geachtet wird, kann das Hantieren mit öligen Fingern bei den Patronen einen Ölschusseffekt haben. Dass nicht nur der Lauf, sondern auch das Patronenlager ölfrei sein sollte, sei noch erwähnt.

Wer eine Jagd plant, die einen größeren Patronenverbrauch erwarten lässt, sollte sich mit einer entsprechenden Menge eindecken und die Waffe auf das neue Los einschießen. Wenn bei Flugreisen zwar die Waffe, aber nicht die Munition im Jagdland eintrifft, ist nicht damit zu rechnen, Patronen mit dem gleichen Fertigungszeichen zu bekommen. In diesem Fall ist die TLP zu überprüfen, voraus gesetzt, man bekommt überhaupt die Marke und Laborierung oder gar das Kaliber für seine Büchse.

Bei neu aussehenden Packungen kann es schnell zu Verwechslungen bei vorrätigen Patronen mit unterschiedlichem FZ kommen, insbesondere dann, wenn Patronen bereits entnommen worden sind. Eine Zuordnung ist nur in den seltensten Fällen möglich, etwa dann, wenn der Bodenstempel zusätzliche Zeichen aufweist. Manche Geschosse sehen sich äußerlich zum Verwechseln ähnlich, haben aber ein anderes Gewicht oder einen anderen Innenaufbau. Der gleiche Geschosskopf allein macht es auch nicht, denn das Heck und der im Hülsenhals steckende Teil kann länger sein oder eine abweichende Form haben.

Als Lostrommel
könnte man die riesige Angebotspalette der Munitionsindustrie bezeichnen, aus der wir nur das richtige Los zu ziehen brauchen. Die Gewinnchancen, jagdlich: die Trefferaussichten, sind an das „richtige“ Los gebunden. Es ist Sparsamkeit am falschen Fleck, wenn auf Patronen zurück gegriffen wird, deren Fertigungsdatum oder Lagerumstände jenseits jeder Erinnerung liegen. Ausbaden muss es auf der Jagd das Wild, dessen Los wir stets im Auge haben müssen. Munition obskurer Quellen zu verschießen, heißt von vorne herein eine Niete gezogen zu haben. Insofern kommt dem als „Losnummer“ bezeichneten Fertigungszeichen eine ganz erhebliche Bedeutung zu.
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SirHenry

SirHenry

Alter: 81 Jahre,
aus Fürth

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Kommentare

10.02.2015 13:31 Stromberg
Kann man drucken und verkaufen
10.02.2015 19:44 vonfleming
Interessant."Lospech" war mir neu.
17.04.2015 18:43 SirHenry
Danke Stromberg für die Blumen.
Drucken kann man vieles und nahezu alles. Aber mit dem Verkaufen sieht es speziell bei Jägern mau aus. Immer wieder haben die Verlage zu hohe Erwartungen beim Druck neuer Titel, um sie dann nach kurzer Zeit raushauen zu müssen. Das betrifft ganz honorige Autoren und nicht nur mich. WEnn das dann soweit ist, kommt die Häme und Schadenfreude darüber, dass ein Buch halt nix war und die Verramschung das Zeichen dafür ist. Jäger lesen nicht viel und wenn schon was aus alten Zeiten, die so golden auch wieder nicht waren.
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