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Jagderlebnisse

(6 Einträge)

Schattenwutz
589 mal angesehen
07.02.2015, 21.34 Uhr

Schattenwutz

In meinem Pirschbezirk bei der Forst habe ich Schwarzwild zwar als regelmäßiges Wechselwild, aber die Sauen ziehen sehr spät; selten vor Mitternacht.

Da ich auch knapp 40 Minuten Anfahrt habe, ergeben sich nicht gerade viele Möglichkeiten. Da ich faktisch kaum Freiflächen im Bestand habe, bleiben mir die guten Mondnächte, wenn ich am anderen Tag nicht arbeiten muss.
Dieses Jagdjahr war es bislang besonders schwierig. Die Sauen konnte ich zwar ab Oktober bestätigen, das Laub hing aber fast bis in den Dezember hinein relativ dicht, so dass auch bei gutem Mond kaum ausreichend Licht war. Schnee bislang Fehlanzeige. Ferner waren die guten Mondnächte vielfach verregnet oder stürmisch, dass sich bislang jeder Ansitz als erfolglos erwiesen hatte. Da ich dort von Drückjagdböcken aus jage, bin ich doch recht wetterabhängig. Zwar habe ich mir ein kleines Dach gezimmert aber einen echten Schutz findet man bei 'Sauwetter' nicht.

Ich habe mir einen Malbaum mit Kirrung angelegt, die ab Halbmond zweimal die Woche mit Mais und Weizen in geringen Mengen beschickt wird. Am Malbaum verwende ich eine auf Buchenholzteer basierende Flaschentinktur, die offensichtlich eine sehr gute Anziehungswirkung besitzt. Da meine Wildkamera im März des Vorjahres gestohlen wurde, habe ich nur die Fährten und das Gebräch zur Orientierung. Aktuell gehe ich von zwei unterschiedlich starken Rotten aus und wohl einem stärkeren Keiler, der den Malbaum in recht eindeutiger Weise mit seinen Waffen traktiert.

Nachdem ich bislang Schneider geblieben bin, hatte ich viel Hoffnung in den Februar Mond gelegt. Ein spontaner Familienurlaub sorgte aber dafür, dass das erste lichttaugliche Wochenende jagdlich nicht genutzt werden konnte. Wieder zurück könnte ich die Kirrung auch nur einmal beschicken und war dann auf einer zweitägigen Dienstreise nach Berlin. Die Planung war am Freitag so rechtzeitig zurück zu sein, dass ich die Kirrung auf der Rückfahrt direkt nochmals anfahre und dann mich daheim für den Nachtansitz ausrüste, der so gegen 21:00 beginnen sollte.

Aufgrund eines beachtlichen Staus auf der Autobahn konnte ich die Kirrung aber nicht wie geplant anfahren sondern musste direkt nach Hause. Das auf der Fahrt von Berlin nach Hamburg noch sehr ordentliche Wetter verkehrte sich gänzlich und plötzlich fuhr ich im dichten Nebel. Sakradi!

Eine leichte hauchdünne Schneedecke und die Aussicht auf wieder wärmeres und stürmisches Wetter trieb mich aber dennoch ins Revier. Ich wollte es doch zumindest Mal versuchen. Dort angekommen enttäuschten die Lichtverhältnisse gänzlich aber ich hoffte auf die späteren Stunden. Da die Kirrung nicht frisch beschickt war, lief ich sie aus Richtung meines Sitzes gegen den Wind an und verteilte im Auswurfverfahren noch etwas Mais.

Aufgebaumt prüfte ich das 'Büchsenlicht' und setzte auf das Prinzip Hoffnung. Zwar sehr günstiger Wind, dafür aber Minus 4 C. Die leichte Schneedecke war nicht durchgehend. Von Decke könnte eigentlich gar keine Rede sein. Einzelne hellere Flecken. Dafür eine geschlossene Wolkendecke!

Ich liebe den Ansitz in frostigen Nächten. Man hörten jeden Knack und das Adrenalin spannt einen immer wieder gewaltig an. Die Zeit vergeht wie im Flug. Die Uhr zeigt bereits halbelf als ich vernehme wie aus der Dickung in 200 m Entfernung unzweifelhaft etwas 'größeres' in Richtung Malbaum zieht.

Und dann klackt es am Baum. Im Fernglas erkenne ich schemenhaft eine stärkere Sau, die ich aber nicht eindeutig ansprechen kann. Habitus und Verhalten sprechen für einen durchaus beachtlichen Keiler, aber sicher bin ich mir nicht. Ich tauche das Fernglas einmal gegen das ZF der Büchse erkenne aber noch weniger und wechsle schnell wieder zum Fernglas. Ich hatte mich für meinen Brazilian 98'er in 9,3x62 entschieden, dessen Kahles Helia kxi 3,5-10x50 bei ordentlich Mond zwar ausreichend ist, hier im Grenzlicht aber direkt einmal wieder den Gedanken an eine gelegentliche Neuinvestition aufkommen lässt. Ich hab doch gute Gläser, aber auf den anderen Waffen! Warum musste es die dicke Pille sein. Jagdzeit haben doch sowieso nur noch die Überläufer und die Frischlinge und da langt auch die .308. Na ja, jetzt ist es wie es ist.

Die starke Sau flüchtet immer wieder nach links weg einen Abhang in eine Buchennaturverjügung hinein, um dann vorsichtig wieder auf die Kirrung zu ziehen. Es wird gebrochen, was mir zeigt, dass die letzten Tage wohl nicht mehr all zuviel Betrieb gewesen sein kann.

Langsam zieht das Stück immer weiter auf mich zu und folgt nun dem von mir offen verteilten Mais. Keine 30 m ist die Sau entfernt. Ich leg mich nur soweit fest: Mehr als ein Überläufer, vermutlich Keiler. Das Licht ist einfach zu schlecht. Da es bereits Februar ist, muss ich nichts entscheiden, Keiler haben nur bis Ende Januar Jagdzeit.

Irgendwie kommt es bei meinen Füßen zu einer Bewegung. Ein leises Geräusch. die Sau sichert für den Bruchteil einer Sekunde in meine Richtung und geht dann leicht flüchtig ab in die Richtung aus der Sie gekommen ist.

Was tun bei dem schlechten Licht. Langsam aber sicher macht sich die Kälte doch bemerkbar. Es ist jetzt 23:00. Ein Blick in den Himmel lässt Hoffnung aufkeimen. Zwar noch recht blass aber doch deutlich zu erkennen: Der Mond, der gute alte Mond scheint sich doch noch durchzusetzen.

Die Zeit verrinnt. Füchse bellen. Dann kurz vor Mitternacht ein Schuss. Nicht in unmittelbarer Nähe. Waidmannsheil! Wir doch keiner den Keiler geschossen haben. Vielleicht geht hier auch noch was. Das Licht wird immer besser.

Gegen Halbeins vernehme ich erneut Geräusche. Was ist das für ein Stumpen dahinten beim Malbaum. Sau? Wieder was größeres. Das Stück von vorher zurück? Moment, da am Malbaum ist doch auch noch was Kleineres. Jo. Kleinere Sau. Wohl eine Bache mit einem Frischling. Büchse hoch. Nein. Das wird noch nichts. Etwa 100 m. Aber einfach nicht ausreichendes Licht. Für was größeres würde es jetzt reichen. Aber der Frischling zeichnet sich kaum ab. Wo ist vorne, wo ist hinten? Ne lass Mal.

Kommt doch etwas zu mir, da ist es ein wenig weiß von unten.

Aber nein. Auch die beiden zieht es nach links unten weg in die Buchennaturverjügung. Da ist irgendwas los. Ein Gegrunze. Da sind noch mehr. Aber ich kann nur hören, dass was los ist, zu sehen ist nichts.

Doch dann - langsam wird das auch was mit der Schweinesonne - scheint sich wieder was am Malbaum zu tun. Kleine Sau. Reibt sich am Wurzelwerk. Versinkt da förmlich. Was ist das. Noch eine. Zwei Frischlinge jetzt am Malbaum zu Gange. Jetzt wird das Glas dauerhaft gegen die Büchse getauscht.

Da hinten wird das immer noch nichts. ABER die Frischlinge haben den frischen Mais gewittert und ziehen nun langsam aber sicher in meine Richtung.

Entsichern.

Da sind sie. Kommen immer näher. Vergrößerung runter. Leuchtpunkt etwas runter dimmen.

Die beiden sind jetzt in etwa dort, wo die große Sau vorher abgesprungen ist. Vielleicht 30 m. Jetzt bloß keine falsche Bewegung. Ich sitze auf einem ungeschützten DJ Bock!!! Aber die beiden sind ganz auf dem Mais. Stehen leider ständig irgendwie hintereinander. Jetzt zieht einer nach rechts weg. Der Frischling steht breit. Verhofft. Der Leuchtpunkt steht mittig auf dem Blatt.

KAWUMM

Ich weiß nicht, wann ich das Mündungsfeuer zuletzt so bewusst wahrgenommen habe.

Ich höre ein kurzes quieken.

Der andere Frischling bricht nach links weg.

Unten in der Verjüngung kommt so einiges auf die Läufe. Vermutlich war die Rotte noch viel größer.

STILLE.

Ich versuche mit dem Fernglas den Frischling zu finden. Sehen kann ich ihn nicht. Aber da liegt ein schwarzer Haufen hinter einem Baum, das könnte er sein.

Jetzt bitte keine Nachsuche. Es ist kurz nach 1. Hund ist zwar im Auto, aber ich würde mich schon freuen, wenn alles glatt gegangen ist.

Gelumpe zusammengepackt. Taschenlampe angeschmissen. Na toll! Es hilft die hellste Fenix nichts, wenn der Saft am Ende ist. Also abgebaumt und hingestiefelt: da liegt sie die Wutz. Bester Blattschuss. Ein Meter Flucht hinter den nächsten Baum. In der 9,3x62 ist die Evo Green durchaus zu gebrauchen. Ordentlich Ausschuss. Gut Schweiß.

So hat es also doch noch geklappt und diese Sorte habe ich doch mit am liebsten: aufgebrochen gut 25 leckere KG, wunderbare Bratenstücke.

Der Ansitz hat sich gelohnt. Manchmal muss man es einfach probieren, auch wenn die Rahmenbedingungen dem ersten Anschein nach nicht ideal sind.

Hätte ich den Ansitz gestern verschoben, wäre ich wieder Schneider geblieben. Zwischnzeitlich ist aller Schnee weg und es stürmt und regnet bei fast 7 C.

Mit dem Märzmond geht es wieder weiter. Frischlinge scheint es noch genügend zu geben und so wird die Sauenstrecke zum Schluss vielleicht doch noch versöhnlich.

offline

Geschrieben von

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Kommentare

07.02.2015 22:11 Rapsjaeger
Weidmanns Heil! Ja, manchmal klappt es trotz blöder Rahmenbedingungen...
08.02.2015 07:00 Schwatter
Weidmannsheil!
Schön geschrieben. Genauso ist´s!
08.02.2015 12:06 BD880
Waidmannsheil !! toll erzählt, kann man richtig miterleben !!
mfg
Hans L.
08.02.2015 17:29 sau_hund
WMH, mich freut das es noch Leute gibt die trotz geringer Sauenstrecke nicht auf alles schießen was wie Sau aussieht
08.02.2015 23:05 Hundemann69
sau_hund schrieb:
WMH, mich freut das es noch Leute gibt die trotz geringer Sauenstrecke nicht auf alles schießen was wie Sau aussieht

Da sprichst Du mir und vielen anderen aus der Seele.Wenn man alleine die letzten 2 Tage hier mal mitliest.....70 kg Überläuferbache,natürlich nicht beschlagen....auf 150 Meter beschossen...wie in aller Welt kann man sowas ansprechen....bzw.warum schiesst man sowas zu dieser Zeit?
09.02.2015 05:10 swinging_elvis
Waidmannsheil! Das macht Freude! El
09.02.2015 07:23 TerrierScotch
sau_hund schrieb:
WMH, mich freut das es noch Leute gibt die trotz geringer Sauenstrecke nicht auf alles schießen was wie Sau aussieht

^^ +1

WmH dem Erleger
09.02.2015 21:44 Rebhenne2
Waidmannsdank! @allesamt.
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