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Jagderlebnisse

(6 Einträge)

778 mal angesehen
21.01.2015, 19.05 Uhr

Röschen

Vor fast 40 Jahren war der Onkel meiner damaligen zukünftigen Frau ursächlich dafür verantwortlich, das ich den Weg in die Zunft der Grünröcke eingeschlagen habe. Er nahm mich mit und vermittelte mir die Faszination Jagd.

Irgendwann hielt ich dann meinen ersten Jagdschein in den Händen. Jetzt musste natürlich auch gejagd werden. Die Reviere in meiner räumlichen Nähe waren teilweise seit Generation in der Hand der ortsansässigen Jäger, dort unter zu kommen war unmöglich.

Von Onkel kam das Angebot bei ihm im Revier, einer kleinen aber feinen Hochwildjagd in Nordhessen, mit rausgehen zu können. Das Handikap war: es waren 250 km ins Revier. Die positiven Aspekte waren: er wohnte mitten im Revier, für Unterkunft und Verpflegung war also gesorgt. Die Antwort auf das Angebot war schnell gefunden und ich verbrachte, über etliche Jahre hin, einen Großteil meiner Wochenenden bei ihm im Revier.

Irgendwann einmal tauchte beim abendlichen Ansitz vor ihm ein verschüchtertes, hungriges und frierendes Fröschlein auf. Die tief in ihm verwurzelte Tierliebe lies ihn nicht zögern und er hat diese kleine Paketlein mit dem Lodenmatel eingefangen und mit nach Hause genommen.
Mit warmer Milch und Haferflocken wurde Röschen, jedes Tier muß einen Namen haben, bei ihm zu Hause wieder auf die Läufe gebracht. Auch ich habe so manches mal die Fütterung übernommen, um dann voller Freude zu erleben, wie sich so ein kleiner vollgefressener Frischling an meine Füsse kuschelte und zufrieden einschlief. Was Röschen nicht aber davon abhielt, mir bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit, von hinten in die Fersen zu beissen.

Röschen wurde größer und die Unterbringung im Keller war nicht mehr "standesgemäß". Angrenzend ans Haus befindet sich ein Grundstück mit Fischteichen und einem Damwildgatter. Dort wurde kurzer Hand ein Teil eingezäunt und eine kleine Hütte errichtet, als neues Domizil für Röschen. Begeistert war sie anfangs nicht von "ihrer Rotte" getrennt zu sein, aber auch ein Wildschwein gewöhnt sich an alles.

Wildschweine brauchen auch Bewegung. Den Sonntag morgen nutze der Onkel daher für ausgiebige Spaziergänge mit Röschen, an einer langen Leine, durchs Revier. Regelmässig passierte es, dass andere Spaziergänger, die sich ohne Vorwarnung einem Wildschwein gegenüber sahen, laut kreischend, die Flucht ergriffen. Ich hatte damals den Eindruck das Röschen dieses Spiel, Leute erschrecken, genossen hat. Dies ging so weit, dass sie sich hinter einem Baum oder Busch verstecke und erst kurz vor den Spaziergängern laut quietschend auf den Weg sprang. Mehr als einmal hatte ich das Gefühl das sie lachte wenn die Spaziergänger zurück wichen.

Der Onkel ist nun auch ein praktisch veranlagter Mensch: Wenn ich schon eine Bache habe, muss noch ein Keiler her!
So wurde Röschen zur Mutter, Großmutter, Urgroßmutter, Ururgroßmutter unzähliger Frischlinge.

Durch andere Prioritäten fanden meine jagdlichen Aktivitäten in dem Revier ein Ende. Aber wenn ich wieder mal da war, war Röschen die erste aus der Rotte die mit "dem Fremden" Kontakt aufnahm.

Ihre Nachkommen wurden, wenn das Schlachtgewicht erreicht war zur "alen Worscht" verarbeitet.
Nicht so Röschen, Röschen war heilig. Mit 17 Jahren und zahnlos hat sie ihr Leben beendet.



Wenn heute über die Hundeausbildung im Schwarzwildgatter diskutiert und gestritten wird, muß ich oft an Röschen und ihre "Spiele" beim Spaziergang denken und ich bin überzeugt das auch die Gattersauen mit den Hunden "spielen" und ihren Spaß daran haben.
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Kommentare

22.01.2015 07:40 swinging_elvis
Hey, in Dir steckt Erzähl-Talent... Gern mehr! Beste Grüße von Doppelschwarten-Elvis
22.01.2015 09:25 BadischerJaeger
Du hast doch bei Dir auch Platz?
Schön geschrieben.
22.01.2015 17:53 R93Hunter
swinging_elvis schrieb:
Hey, in Dir steckt Erzähl-Talent... Gern mehr! Beste Grüße von Doppelschwarten-Elvis



manchmal braucht es nur einen Anlass ...

du hältst immer noch den Rekord: Dachs und Sau ...
22.01.2015 17:56 R93Hunter
BadischerJaeger schrieb:
Du hast doch bei Dir auch Platz?
Schön geschrieben.



Heute braucht man dafür eine Genehmigung, die nicht erteilt wird
23.01.2015 13:16 Pigeon
Schöne Geschichte und dann auch noch aus RÜSSELsheim
Gruß pigeon
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