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Gruppe Club der Jagdromantiker

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Waidmannsfreuden

(14 Einträge)

Jäger-Neujahr 1 Jäger-Neujahr 2 Jäger-Neujahr 3
715 mal angesehen
19.01.2015, 20.07 Uhr

Jäger-Neujahr

Das Jahr 2013 ging zur Neige, als ich mich noch einmal ins kleine Hessen-Revier begab. Ein Frischling oder ein Stück Rehwild würde noch passen und den Speiseplan vervollständigen. Auch ein Füchslein durfte es sein, wenn auch weder Schnee noch Frost das Jäger-Wunschbild komplettierte.

Wieder einmal galt es, die anspruchsvolle Aufgabe zu meistern, den Wind mit Pass oder Wechsel des Wildes übereinander zu bringen. Das Studium der Revierkarte brachte Klarheit: Hier konnte Sau oder Rotfuchs stecken und gleich in der Nähe fand sich beste Äsung fürs Rehwild in Form eines Rapsackers. Endlich hatte ich also einen Sitz für den Abend gewählt. Vielleicht fünfzig Meter in einem verwachsenen Schlag gelegen, wo vor Jahren noch hohe Fichten standen, konnten hier Sauen stecken oder der Fuchs vorbei dem Felde zu schnüren. Gleichzeitig hatte ich nach hinten Ausblick und Einblick ins für das Rehwild attraktive Grün, welches weitere fünfzig Meter hinterm Schlagrand und einer Wiese gelegen war. Je nach Auswechsel konnte hier allerdings eine kleine Pirsch erforderlich werden, sollte es gar allzu weit für meine bummelige 7x57R aus dem Dreilauf werden.

Der Wettergott sandte zunächst einmal kalte Böen übers Land, färbte den Himmel dunkelblau und ließ schließlich heftigen Regen senkrecht in die Kanzel schlagen. Ich wickelte mich enger in meinen Lodenmantel, zog den Hut tiefer ins Gesicht. Na das war ein feiner Anfang. Dass darüber hinaus an diesem unwirtlichen Ort Wild seinen Aufenthalt hätte, das wurde mir immer unwahrscheinlicher.

Immerhin kann man solche Minuten und manchmal Stunden nutzen, um die Gedanken schweifen zu lassen. So geht zum Beispiel so langsam mein Vorrat an Munition für Drilling als auch für die Büchse zur Neige und auch an mir geht das Thema „bleifrei“ nicht vorbei. Stehe ich der ganzen Angelegenheit auch neutral gegenüber, so kann ich mich in letzter Zeit des Eindruckes nicht erwehren, dass das Thema politisch genutzt und dankbar von der Wirtschaft aufgenommen wird. Die sicher schon jahrelang währende Diskussion erhält somit für mich ein „Geschmäckle“ von Menschen, die anderer Leute Meinung bilden wollen. Und dann die vielen offenen Fragen? Wie kann ich im Schießkino weiterhin mit günstiger bleihaltiger Munition schießen, wenn nach jeder Änderung des Geschosses blei-bleifrei eine chemische Reinigung und Einschießen empfohlen wird? Welche bleifreien Geschosse sind der passende Ersatz für mich Freund der Geschossgewichte am oberen Rand der Skala ohne Weitschuu-Anspruch? Fragen über Fragen…

Wieder einmal leuchtete ich den Schlag vor mir ab. Besonders einige Stellen hellen Altgrases, welches Regen und Wind niedergedrückt hatte, zogen meine Aufmerksamkeit auf sich. Hier könnten sich plötzlich schwarze Borsten materialisieren, könnte die rote Granne Reinekes für kurze Zeit sichtbar werden. Der starke Wind hatte nun endlich seine Schuldigkeit getan und die Wolken weiter geblasen. Am Horizont wurde ein heller Streifen blau sichtbar… es konnte noch schön werden.

Natürlich trugen mich meine Erinnerungen auch ins vergangene Jagdjahr, dass zu meiner Freude mehr von Höhen denn von Tiefen geprägt war. Den „dicksten Bock“ hatte ich aber Mitte August geschossen, als die Mähdrescher ans Getreide gingen. Nach einem Abendansitz, bei dem ich einen letzten aber für mich nicht passenden 2-3-jährigen Jüngling herangeblattet hatte, floh ich vor dem näher kommenden Mähmonster in die Tiefen des Reviers. Der volle Mond war schon lange aufgegangen und so wollte ich noch eine kleine Pirsch unternehmen. An der Wald-Feldkante gedachte ich Nachschau zu halten, ob die frischen und hellen Stoppeln nicht die Schwarzkittel anzogen. Leichte Jacke übergeworfen, Büchse über die Schulter und los ging’s! Nur wenige Schritte machte ich entlang eines Weges, um immer wieder die Felder vor mir abzuglasen. Entsprechend langsam kam ich voran, jedoch konnte ich auch die laue und klare Nacht genießen. Endlich kam ich an eine Stelle, wo zwischen zwei Dickungen etliche Wechsel durch gingen. Vielleicht würde ich ja Sauen rechts oder links des Weges hören können. Immer wieder verhielt ich mit offenem Mund, aber kein verräterischer Laut drang an mein Ohr. Nachdem ich dieses Stück Weg überwunden hatte, öffnete sich nach links die Landschaft wieder in helle Stoppeln, auf denen noch frisch in Wällen das verbliebene Stroh lag. Am Ende des Feldes hatte der Bauer sein Werk vollendet und der stehengeblieben Mähdrescher glänze bedrohlich im Mondenschein. Langsam nahm ich das lichtstarke Doppelglas vor die Augen und glaste die Fläche ab. Da durchfuhr mich ein freudiger Schreck: In guten zweihundert Metern Entfernung wechselten soeben zwei dunkle Schatten über den Wiesenstreifen am Waldrand auf die Stoppeln und in meine Richtung. Schnell konnte ich sie als Überläufer der vierzig-Kilo-Klasse ansprechen. Hoffen konnte man immer, aber allzu oft kamen mir solche Glücksfälle nicht vor. Fieberhaft eilten darum die Gedanken hin und her, was nun zu tun sei.

Intuitiv machte ich geduckt ein paar Schritte nach vorne auf die Stoppeln. Hinter mir stieg das Gelände an und am dortigen Himmel zeigte sich der volle Mond, der sich anschickte, hinterm Horizont zu verschwinden. Entscheidungen mussten also fallen. Schnell noch machte ich ein paar Schritte nach links, um in die nächste Stoppelreihe schauen zu können, in die die erste Sau soeben einwechselte. Büchse runter, Leuchtpunkt an, Spannung auf den Bolzen, Anschlag. Zur Sicherheit hatte ich mich dabei mit einem Bein abgekniet, die Entfernung schätzte ich jetzt auf sechzig Meter. Doch schon war das erste Stück weiter gezogen durch den Strohwall, also warten auf den Nachzügler. Da schob er sich vor, zeigte mir aber nicht das Blatt… mitfahren … schon kam der nächste Wall näher… jetzt wurde es aber Zeit … da, irgendetwas hatte die Neugier des Überläufers geweckt, intensiv bohrte es den Wurf in den Boden, stellte sich endlich richtig breit. Den Ellenbogen aufgestützt wackelte ich mich in den Wildkörper hinein, fühlte mich sicherer, immer sicherer… und als ich wieder einmal aus der zehn in der leichten Aufwärtsbewegung war, donnerte die .30-06 aus dem Lauf. >>Rumms<< hallte der Schuss durchs kleine Tal. Der kurze Lauf hatte einen merklichen Mündungsblitz ergeben und so konzentrierte ich mich auf das Lauschen durch den Gehörschutz. Ein Rauschen war zu vernehmen nach links hin, dann Stille… jetzt vermeinte ich ein sich leise entfernendes Geräusch gehört zu haben. Das konnte nur der zweite Überläufer gewesen sein… so dachte ich. Mit dem Schuss im Hochfahren war ich mir sicher, dass die Sau hochblatt getroffen am Anschuss lag. Dass sich Jäger aber oft sicher sind, auch wenn es dazu keinen Anlass gibt – das sollte ich bald zu meinem Leidwesen erfahren.

Zunächst trieb es mich zurück zum Wagen. So konnte die Sau gegebenenfalls krank werden und ich mir die Lampe besorgen. Eine gute viertel Stunde später schritt ich zuversichtlich über den Acker in Richtung Anschuss… und an dem fand ich – nichts! Nach einigem Suchen erkannte ich den Wechsel an den Stellen, an denen die Strohwälle niedergetreten waren … und fand weiterhin keine Pirschzeichen. Oft bemerke ich den Anschuss nicht auf den ersten Blick, aber auch der zweite und dritte und auch noch eine weitere genaueste Untersuchung mit tiefer Nase ließen zwar Schalenabdrücke erkennen, jedoch weder Schweiß noch Schnitthaar erschienen im Blickfeld… Nun kann sowas grad bei Sauen ja schon einmal vorkommen. Und so suchte ich in erlauschter Fluchtrichtung die Reihen mit der großen Lampe ab, mir sicher bald einen schwarzen Hügel zu finden… nix da! So langsam kam die Unruhe, entschieden aber brach ich schließlich ab und hatte das Glück, mich trotz fortgeschrittener Stunde gleich am Morgen mit Förster und Hundeführer verabreden zu können. Dabei noch am Anschuss stehend und mich besinnend rauschte und grunzte es plötzlich vor mir… das Doppelglas zeigte in mittlerweile dunkler Nacht eine Bache mit Frischlingen, die ebenfalls reges Interesse am Acker zeigten… ein Ohmen?

Ich kann mich kurz fassen: auch die Suche am frühen Morgen brachte keine neuen Erkenntnisse außer die Ausrisse von zwei Sauen der von mir genannten Gewichtsklasse… kein Schweiß oder sonstiges Pirschzeichen und auch der erfahrene Hund zeigte kein Interesse. Ich war niedergeschlagen…

Noch jetzt nagte dieses Erlebnis an mir, hat man doch im Nachhinein so viele „hätte, hätte, hätte“-Ideen. Hätte ich mich doch besser hingelegt und auf das Doppelglas aufgelegt. Hätte ich doch nicht meinen Pirschstock im Auto vergessen… Vergangen. Vorbei. So grausam kann Jagd die eigenen Unzulänglichkeiten entlarven…

Wieder einmal ließ ich meinen Blick in den Schlag vor mir gehen und drehte mich schließlich nach hinten zum Rapsacker, wo auf einmal grau-braune Flecken zu erkennen waren... Rehwild! Sogleich ging das Glas hoch und ich sprach an: Ricke, Bockkitz, Rickenkitz, noch ein Rickenkitz… da musste doch noch etwas nachkommen? Ja, jetzt stand am Rand ein weiteres, ein sichtbar älteres Stück: eine Urmutter des Rehwildes. Hell leuchtete ihr weißer Latz auf kräftigem Träger zu mir rüber und anders als die jüngeren Stücke stürzte sie sich nicht auf den verlockenden Raps sondern begnügte sich mit den wenigen nahrhaften Trieben der Randbüsche und Brombeeren. Die beginnende Dämmerung zwang nun zum Handeln. Aufgrund der stehengebliebenen Randbäume meines Schlages konnte ich von hier aus nicht schießen. Schnell entlud ich, baumte vorsichtig ab und entledigte mich des Lodenmantels, nahm aber den Rucksack zwecks Auflage mit. Dann ging es auf einem Wildwechsel in geduckter Weise vorwärts, dabei die Knie bis über die Ohren hebend, damit mich Brombeerranken nicht zu Fall brächten. Das Gelände stieg hier leicht an, was mir einen Vorteil verschaffte. Einen Randbaum hatte ich mir ausgesucht, um anzustreichen, von dort sollte es auf gute hundert Meter zu packen sein. Vorher aber ging es in tiefster Weise à la Winnetou weiter, denn das offene Gelände fiel sogleich ab und nur ein paar Büschel Altgras boten mir Deckung. Den schweren Dreilauf alias Silberbüchse schob ich dabei vor mir her, das Fernglas drückte gegen meine Brust. Endlich war ich am Baum angekommen, hob den Kopf und stellte zu meiner Zufriedenheit fest, dass das Wild noch in der Äsung stand. In Zeitlupe richtete ich mich auf und strich an… aber leider hatte ich auch von hier kein freies Schussfeld. Ich musste also zurück zum Rand und mich hinter dem Rucksack so weit vorschieben, bis ich freien Ausschuss hatte. Gesagt, getan. Mittlerweile war ich ganz schön durchnässt. Aber was tut man nicht für ein paar leckere Rehlendchen… Sachte nahm ich Deckung und hob beim Erreichen der günstigsten Position langsam den Kopf hinter dem Rucksack, um die Lage zu peilen… und vom gute zweihundert Meter entfernten Waldrand leuchtete es mir weiß entgegen: der Latz der Alten – sie hatte Lunte gerochen!

Als Jäger mit gesundem Aberglauben traue ich dem Wild neben den fast immer überlegenen fünf Sinnen auch eine Art sechsten zu… zu spüren, dass Gefahr droht, auch wenn man sie nicht sieht. Stocksteif stand das Stück und äugte in meine Richtung. Schon sah ich vor meinem geistigen Auge die gesamte Korona dem sicheren Einstand zu eilen, schon sah ich mich wieder einmal als zweiter Sieger, als die Ricke das Haupt höher nahm und – wenn auch immer noch misstrauisch – wieder begann, an den Randbüschen zu äsen. Jetzt musste etwas passieren, denn auch das Licht schwand zusehends. Langsam schob ich den Dreilauf nach vorne und nahm die Kitze ins Visier. Im Gebäude ungefähr gleich stark sollte es eines der beiden weiblichen Stücke sein. Aber wie es nun einmal so ist – das Bockkitz stand stets scheibenbreit, während sich die beiden Rickenkitze mal spitz von vorne, mal von hinten präsentierten. So spitzte sich die Lage immer weiter zu. Langsam waren die Stücke nur noch an den hellen Spiegeln anzusprechen, immer wieder peilte ich auch einmal schnell zur Wächterin des Sprungs, würde es noch gut ausgehen? Endlich, endlich schob sich ein Stück hinter das Bockkitz, zog breit hinter diesem wieder hervor und lag im nächsten Moment hochblatt getroffen im Knall der 7x57R TIG. Noch jetzt beim Schreiben lasse ich backenblasend die Spannung erneut aus dem Körper weichen, so eine Konzentration und Spannung hatte mich in dieser Situation ergriffen. Langsam drehte ich mich auf den Rücken und sah, dass es am Horizont bereits so dunkel war, dass dort die ersten Sterne leuchteten. Noch einmal die Szenerie vor mir betrachtend sah ich die junge Ricke ihre zwei Kitze in die sichere Dickung führen. Das erlegte Kitz hatte in letzter Anspannung den Spiegel gespreizt, der mir jetzt im letzten Dämmer dankenswerterweise den Weg wies zu meiner Beute. Geschafft. Waidmannsheil auf den letzten Drücker.

An der Leiter der Fuchskanzel brach ich das Stück in aller Ruhe auf und setzte mich dann noch einmal in luftiger Höhe nieder, um die Totenwache zu halten. Die Natur war still geworden, kein Lüftchen regte sich mehr, und das samtblaue Firmament war übersät von funkelnden Sternen… dieses Erlebnis, dass den Schlusspunkt des Jagens in 2013 bildete, war mein Glanzpunkt, mein eigenes, mein bescheidenes kleines Jäger-Neujahr.
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swinging_elvis

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Kommentare

20.01.2015 08:11 Kija
das Warten hat sich gelohnt! Super geschrieben - wie immer
LG Kija
20.01.2015 21:21 Rapsjaeger
Weidmanns Heil zum Erlebnis...!!!
21.01.2015 15:49 pitter
Wie immer bestens geschrieben!!!
Das liest sich, als wenn man selber dabei wäre.

Wann gibt es Deine "gesammelten Werke" als Buch?

Der Kohlfuchs wartet! Bei der Baujagd hatten wir wieder einen!

WaiHei und LG an Dich und Deine Familie
Pitter
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