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Der erste Hirsch

Hirschjagd in Ungarn (1 Eintrag)

846 mal angesehen
06.01.2015, 16.18 Uhr

Der erste Hirsch


Der erste Hirsch

Hannes K., mein Kollege und Fischereifreund hatte eines Tages im Zuge eines launigen Heurigenbesuches angeregt, mit einem weiteren Jagdfreund, Karl B., eine gemeinsame Jagd auf Abschusshirsch Anfang Jänner durchzuführen.
Nach Rücksprache mit der MAVAD, der damals überaus zuverlässigen, wenn auch monopolistischen Staatsorganisation und einzig namhafter Vermittler von Jagdreisen nach Ungarn, wurde eine Jagd auf drei Abschusshirsche mit einem Geweihgewicht zwischen 5 und 7 kg im Bakonyer Wald, in einem Revier einer privaten Jagdgesellschaft nördlich von Balatonfüred gebucht. Die erfolgreiche Bejagung solcher Selektionshirsche sollte in diesem Wuchsgebiet mit einem überaus starken Bestand an Rotwild laut MAVAD kein Problem darstellen. Dabei konnten diese ins Auge gefassten Abschusshirsche durchaus schon ältere Hirsche der Klasse 1 b, also einseitige Kronenhirsche sein.
Untergebracht waren wir zwar in einem typischen Betonplattenhotel der nächstgelegenen größeren Stadt Namens Ajka und damit war sicherlich nicht die in einem Jagdhaus übliche Romantik gewährleistet, aber wir wollten ja sowieso die meiste Zeit im Revier verbringen.
Doch Anfang Jänner setzte ein Schneechaos ein, die Strecke von Mosomagyarovar nach Györ war unpassierbar und auf beiden Seiten der Grenze bei Nickelsdorf steckten unzählige Autos in den Schneeverwehungen fest. Nach Rücksprache mit der MAVAD Zentrale in Budapest wurde uns angeraten die Reise auf Ende Jänner zu verschieben, bis dahin sollte sich die Situation wieder beruhigt haben! Da die Schusszeit in Ungarn auf Selektionshirsche ja ohnehin bis 31. Jänner dauerte, war das kein Problem und die notwendigen Urlaubstage waren Gottseidank auch rasch problemlos umgebucht.
Am 27. Jänner 1987 traten dann Hannes, sein Jagdfreund Karl und ich die Fahrt in den Bakonyer Wald an. Obwohl seit dem Schneechaos von Anfang Jänner genug Zeit vergangen war, waren die Spuren der Schneeverwehungen immer noch deutlich sichtbar.
Als wir in Ajka ankamen, herrschte dort tiefster Winter. Im Hotel trafen wir mit unserer Pirschführern zusammen und sie berichteten, das im Wald soviel Schnee lag, das wir wahrscheinlich viel zu Fuß gehen müssten, da selbst mit dem unverwüstlichen Uhasz nicht überall ein Durchkommen möglich war zur Zeit. Nichts desto trotz waren wir voll Vorfreude auf diese Jagd und ließen uns nicht einschüchtern. Leider hatten wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht, beziehungsweise ohne einen übel gelaunten Wettergott, denn am Morgen als wir vors Hotel traten, herrschte dichter Nebel und sozusagen null Bodensicht. Trotzdem fuhren wir in den Wald, wo wir hofften doch etwas bessere Verhältnisse vorzufinden als in der Stadt. Und wir sollten Recht behalten, es war etwas besser und so pirschten wir alle in verschiedene Richtungen davon. Janos und ich stapften im knietiefen Schnee mühsam einen Schneise entlang, an deren Ende sich ein Wildacker befand. Janos flüsterte mir zu, dass dort ein großer Haufen Maissilage ausgebracht war und sich dort immer viel Rotwild aufhielt. Wir erklommen den Baumhohen Hochstand, er war für Ungarische Verhältnisse extrem hoch gebaut und erblickten sofort einige graue Schatten im Nebel vor uns. Da sich diese grauen Schatten pausenlos verschoben, dürfte es sich um Rotwild handeln, das sich hier emsig den Bauch vollschlug an den süßen Kukuruzresten! Janos spekulierte lange durch sein Glas, konnte aber keinen Hirsch erkennen … verzweifelt drehte er am Okular, aber schließlich wurde der Nebel immer dichter und dichter und wir konnten die Hand nicht mehr vor den Augen sehen! Enttäuscht brachen wir ab, verließen leise diesen ungastlichen Ort und pirschten zum Auto zurück. Es kam wie es kommen musste, in dem mittlerweile zum Schneiden dichten Nebel rumpelten wir mit einem Rudel Hochwild zusammen, das hochflüchtig und vor allem laut prasselnd durch den Jungwald davonstob! Ein nicht druckfähiger Kraftausdruck von Janos war alles was uns blieb.
Zu Mittag wurde der Nebel etwas heller und am späten Nachmittag kam sogar kurz die Sonne heraus und entgegen der am Morgen mit den Pirschführern getroffenen Vereinbarung, standen sie schon wesentlich früher in der Hotelhalle und drängten eilig zum Aufbruch in das Revier. Diesmal sollte Karl sein Glück an der „Kukuruzwiese“ versuchen, Janos und ich pirschten zu einer Kieferndickung und Hannes sollte sein Glück auf der Pirsch durch einen etwas weiter entfernteren Revierteil versuchen.

Janos und ich waren kaum 10 Minuten unterwegs Richtung dieser Kieferndickung, als gedämpft durch den Schnee der Knall eines Schusses an unsere Ohren drang. Janos hob den Daumen und meinte, das war sicher Karl, der hier Weidmannsheil hatte. Wir pirschten vorsichtig weiter, bis wir einen normal hohen Hochstand erreichten, den wir vorsichtig erstiegen. Der Blick rundum im schon dämmrigen Hochwald lies vorerst nichts erkennen, allerdings konnten wir viele Wechsel erkennen, die alle in die Kieferndickung führten beziehungsweise aus ihr heraus! Wir sollten nicht lange umsonst hier ansitzen, denn nach kurzer Zeit knackste es in der Dickung. Janos deutete mit den Finger das internationale Zeichen für gehen an und schon erblickten wir eine Bewegung auf rund 100 Meter am Rand der Kiefern. Vorsichtig schob sich ein Stück Rotwild heraus, Glas hoch, ein starkes Tier erschien als erstes auf der Bildfläche, dem dann noch 14 Stück folgen sollten, aber kein Hirsch dabei! Dann doch, nach kurzer Pause wieder ein Stück und diesmal war es ein Hirsch, deutlich war das Geweih gegen den hellen Schnee zu erkennen, wieder Glas hoch, kurzes Ansprechen und Entwarnung, ein junger beidseitiger Kronenhirsch zog dem Kahlwild nach. Gerade wollte ich das Glas wieder absetzen, als ein weiterer Hirsch ins Blickfeld kam und bevor ich noch richtig ansprechen konnte, zischte schon Janos neben mir: „schiessääään bittäääää, gutäää Sälekthirsch!“ Ich konnte gerade noch beidseitige Gabeln erkennen und das es ein deutlich schwächerer Hirsch war als der soeben vorbeigezogene junge Zukunftshirsch.
In der Dämmerung war es gar nicht mehr so einfach den Hirsch ins Absehen zu bekommen, aber dank dem hellen Hintergrund ging es noch und rumms...raus war der Schuss. Durch das Mündungsfeuer war ich so geblendet, das ich kein Schusszeichen … ja eigentlich gar nichts mehr erkennen konnte. Janos hatte Gottseidank den Hirsch aber im Auge behalten können und stupste mich in die richtige Richtung. Der Hirsch verhoffte auf etwa 60 Meter im Hochwald mit gekrümmten Rücken und machte sichtlich einen schwerkranken Eindruck. Nochmals konzentriert aufs Blatt gefahren und der zweite Schuss erlöste meinen ersten Hirsch auf der Stelle. „Gut, säähr gut!“ flüsterte Janos neben mir. „weil erstä Schuss niiiix gut, zu tief … zu weit hintän!“
Nach einer angemessenen Wartezeit, dunkel war es mittlerweile ohnehin schon, baumten wir ab und gingen direkt zu dem Hirsch, der sich als dunkler Schatten doch noch deutlich vom Schnee abhob! Am Stück angelangt, war die Freude dann riesengroß, denn wir standen vor einem richtig geschossenen Eisspross Zehner vom dritten Haupt, der noch dazu deutlich nach vorne abgeknickte Stangen aufwies, sichtlich eine Bastverletzung, er dürfte hier einmal gegen einen Draht geflohen sein, da sich der Knick beidseitig auf gleicher Höhe befand und somit die Stangen etwas oberhalb halber Höhe im gleichen Winkel nach vorne ragten. Das extrem niedrige Geweihgewicht von später festgestellten nicht einmal 3 kg tat der Freude aber keinen Abbruch. Während der roten Arbeit ertönten Rufe im mittlerweile komplett dunklen Wald und auf unsere Antwort standen dann bald Hannes und Karl vor mir, letzterer mit einem riesigen Bruch am Hut. Großes Hallo, auch er hatte seinen Hirsch wie von Janos richtig vermutet zur Strecke gebracht, allerdings einen wesentlichen Stärkeren als ich, wie ich dann beim Uhasz angelangt sehen sollte. Ein etwa 8 Jähriger einseitiger Kronenhirsch, ein ungerader 14 Ender, der auf einer Seite eben eine starke vierendige Becherkrone, auf der Anderen aber nur eine starke Gabel oberhalb des Mittelspross aufwies. Geweihgewicht einmal vorsichtig geschätzt um die 6 kg.
Also ein Selektionshirsch der obersten Kategorie und die Freude von Karl war auch entsprechend riesengroß, vor allem weil es sein erster wirklich besserer Hirsch war.
Die nächsten Pirschen brachten leider wenig oder wenn schon Anblick, dann halt leider immer nicht passende Hirsch, entweder zu jung und zu gut veranlagt oder meistens einfach zu stark, beidseitige Kronenhirsche durften nämlich nur bis 31.Oktober bejagt werden, und so blieb Hans als einziger Schneider und ohne Jagderfolg.
Am letzten Schusstag des Jahres, dem 31.Jänner 1987, beschloss ein gemütliches Abendessen im Hotel mit launiger Unterhaltung bis spät in die Nacht diese winterliche Hirschjagd.
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Auwaldfex

Auwaldfex

Alter: 59 Jahre,
aus Zell am See

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Kommentare

06.01.2015 16:54 Galloway
Ein kräftiges Waidmannsheil !
...aber wo sind die Bilder ?
06.01.2015 16:55 Auwaldfex
WMD! Im Fotoalbum..kommen nach!
06.01.2015 17:03 Auwaldfex
Galloway schrieb:
Ein kräftiges Waidmannsheil !
...aber wo sind die Bilder ?


Schon da im Album!
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