Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Meine erste Sau!

(2 Einträge)

493 mal angesehen
23.12.2014, 16.49 Uhr

Erstes Rotwild statt zweiter Sau!

Erstes Rotwild statt zweiter Sau

Das aufgrund dieses ersten Jagderlebnisses die Sauen fortan einen überdurchschnittlich hohen Stellenwert in meiner jagdlichen Betätigung finden würden, war allen daran Beteiligten relativ rasch klar. So kam es wie es kommen musste, Ende September 1986 in der ausklingenden Hirschbrunft sahen uns die Donauauen Nordungarns wieder.
Ein herrlicher Altweibersommer war ins Land gezogen und der Auwald präsentierte sich im üppigsten Grün, einem südamerikanischen Dschungel gleich. Die ärgste Hitze war jedoch bereits vorbei und angenehme Kühle umfing uns im Auwald als wir zu unserer ersten Abendpirsch antraten. Diesmal waren wir im Nachbarrevier des Revieres, wo ich meine erste Sau erlegen konnte, in der Ortschaft Dunaremete bei dem örtlichen Berufsjäger in seinem Privathaus untergebracht und hier lernte ich mit Tibor einen der besten Rotwildkenner, den ich je treffen sollte, kennen. Aber auch er war seit frühester Jugend dem Schwarzwild sehr verbunden, vor allem liebte er die Pirsch auf “Die Feketes - die Schwarzen”, wie er sie liebevoll nannte, über alles.
Wir waren bereits eine Stunde vorsichtig über die zahlreichen Schneisen, die den Auwald symmetrisch durchzogen, gepirscht, als Tibor plötzlich zu Boden sank. Hinter ihm kniend konnte ich die Rotte von acht bis zehn Stück Sauen in aller Ruhe durchs Glas betrachten, die in völliger Gelassenheit zweihundert Meter vor uns über die Schneise zog. Tibor flüsterte mir zu, dass sich dort vorne im Bestand eine Kirrung befände und die Sauen sicherlich dort nach Fraß brechen würden. Wir pirschten vorsichtig weiter und erreichten mit nur mittelmäßigem Wind den Pirschweg zu besagter Kirrung. Schon hier hörten wir das Grunzen und Quietschen der Sauen, die, wenn sie sich absolut ungestört fühlen, so richtig saumäßig zur Sache, sprich Futtersuche gehen.
Nach weiteren vierzig Metern Pirsch hatten wir Einblick auf den Kirrplatz und hier waren entweder schon vorher oder mittlerweile noch nachgezogen, insgesamt über zwanzig Sauen aller Größe mit emsiger, lautstarker Futteraufnahme beschäftigt.
Tibor versuchte hinter einer dicken Pappel kauernd, aus dem sich in dauernder Bewegung befindlichen sprichwörtlichen Sauhaufen ein Stück herauszufinden, dass die Aufregung, die ein Schuss unter diesen gemütlich schmatzenden Sauen hervorrufen würde auch gerechtfertigt hätte. Leise murmelnd spekulierte Tibor mit dem Glas vor Augen, als sich seine Haltung plötzlich versteifte; was da auf der gegenüberliegenden Seite des Kirrplatzes am Dickungsrand verharrte, war so unzweifelhaft geeignet, den Rest der Rotte durch einen Schuss zu beunruhigen, denn es war eindeutig ein Keiler, ein Keiler wie man ihn nur sehr selten bei besten Schusslicht an einer Kirrung vorfindet. Mit freien Augen waren die blendend weiß leuchtenden Waffen zu erkennen, die auch deutlich mehr als die begehrte Malborolänge aus dem Kiefer ragten!
Was dieses Hauptschwein dazu veranlasst hat, so gänzlich gegen alle guten Sitten der alten, durch böse Erfahrungen gewitzten Keiler zu verstoßen, weiß nur Hubertus und der Keiler selbst.
Wir jedenfalls nicht und Tibor bot mir unmissverständlich seine Schulter als Auflage zum Schuss an. Als ich das Ziel suchte und im Begriff war einzustechen, spürte ich den kühlen Wind im Nacken und vorbei war die Chancen, den ersten kapitalen Keiler meines Lebens zu erlegen. Ein derart synchrones Herumwerfen und Abgehen von zwanzig Sauen habe ich später nie wieder in Anblick bekommen. Tibor's Kraftausdruck, den er der Rotte hinterher schickte, dürfte die Rotte höchstens beschleunigt als zum Verhoffen veranlasst haben.
Frustriert kehrten wir der Stelle unseres unglücklichen Bemühens den Rücken und pirschten weiter. Tibor führte mich zu einem Altarm, an dessen Ufer ein Bodensitz errichtet war. “Hier wechselt sehr häufig Wild durch das Wasser, den es ist sehr flach.”, flüsterte er mir zu.
Wir saßen gerade 10 bis 15 Minuten in dem gut getarnten Bodensitz, als gegenüber am Waldrand Rotwild erschien. Tier und Kalb waren im Begriff an uns vorbei zu wechseln. Tibor griff zum Glas und nach ein paar Sekunden gab er mir das Kalb frei. Auf meinen Schuss hin flüchtete das Tier durchs flache Wasser direkt auf uns zu und jetzt erst sahen wir, dass es den rechten Vorderlauf schonte. Tibor ließ mich sofort schießen und so kamen innerhalb von wenigen Sekunden Tier und Kalb zur Strecke.
Wieder musste ich zur Bergung des Wildes ins Wasser, aber diesmal war es angenehm und brachte die notwendige Kühlung nach diesem aufregenden Erlebnis. So kam ich unverhofft und eigentlich ungewollt zu meinen ersten Rotwild, wobei beides ausgesprochene Hegeabschüsse waren, da das Tier eine sichtlich nicht heilen wollende, eiternde alte Vorderlaufverletzung und das Kalb einen sehr schlechten Allgemeinzustand aufwies.
Als ich die beiden Tiere glücklich geborgen hatte, überfiel mich allerdings beim Anblick des schwachen Kalbes und einem Blick in dessen Lichter, unschuldigen Kinderaugen mit langen Wimpern gleich, ein unvorhergesehenes Rühren, das mir schließlich die Tränen in die Augen trieb. Tibor sagte lange nichts und ließ mich schließlich bei den Stücken allein zurück, um den Geländewagen zu holen. Als er wieder bei mir einlangte, hatte ich meine Fassung wieder gefunden, aber es wurde trotzdem eine schweigende Heimfahrt. Auch das sonst mit den ungarischen Jägern so temperamentvolle Tottrinken des erlegten Wildes fand in einem ungewohnt ruhigen Rahmen statt.
Erst zur Morgenpirsch nach einer unruhigen Nacht fand ich endgültig meine Ruhe und mein Selbstvertrauen, hier das Richtige zu tun, wieder. Der Anblick den ich dann auf dieser Morgenpirsch hatte, versöhnte mich wieder mit Diana und Hubertus. Die Pirsch bescherte uns Sauen, diesmal allerdings nur Bachen und junge Keiler sowie eine Unzahl an Rotwild, darunter einen hochkapitalen jungen Kronenhirsch, der gerade wütend eine Erle zu Schande schlug und diese bearbeitete, als wäre sie der grimmigste Widersacher in der Gunst um das Kahlwild.
Tibor war diesen Morgen so taktvoll und verhinderte durch allerlei Ausreden, dass ich wieder ein Kalb strecken konnte, obwohl wir genug passende Stücke in Anblick bekamen. Am Ende der Pirsch saßen wir in der Morgensonne am Rande eines kleinen Wildackers und erfreuten uns an den zahlreichen Rehen, die hier ungestört nach Resten von Kukuruz suchten und diesmal nicht von Schwarzwild vertrieben wurden. Hier lernte ich auch das erste Mal aus nächster Nähe, die so liebenswerte, scheue Wachsamkeit unserer kleinsten Schalenwildart kennen. Oh Menschenmütter, hättet doch auch ihr euren Nachwuchs so diszipliniert in der Hand wie eine dieser Gaisen; ein leiser Fiep reichte aus um die verspielt herumtollenden Kitze sofort und mucksmäuschenstill an ihre Seite zu bannen. So endete meine zweite Ungarnfahrt auf Schwarzwild mit sinnigen Betrachtungen zweier Väter über Kindererziehung.
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

Auwaldfex

Auwaldfex

Alter: 59 Jahre,
aus Zell am See
Anzeige

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

Anzeige
Zum Seitenanfang